Besser kaufen oder leasen?

Maschinenkauf scharf kalkuliert

Profil- und Stabbearbeitungszentren, CNC-Dreh-, Bohr-, Fräs- und Schleifzentren oder Biegemaschinen – viele Metallbauer und Schlosser haben solche Maschinen in Halle oder Werkstatt stehen. Weil diese Investitionsgüter aber schnell 300.000 Euro und mehr kosten können, lohnt es sich, deren Finanzierung scharf zu kalkulieren und auch steuerliche und betriebswirtschaftliche Aspekte der Anschaffung zu bedenken.

Lange hat Richard Böhringer (Name von der Redaktion geändert) verglichen, bei welchem Hersteller er seine Bandsäge kaufen sollte. Parameter wie Preis, Flexibilität, wöchentliche Betriebsstunden, Störanfälligkeit und Serviceverfügbarkeit musste der Inhaber eines Metallbaubetriebs in der Pfalz gegeneinander aufrechnen und vergleichbar machen. Als nach mehreren Wochen die Entscheidung für den Kauf gefallen war, fing der 48-Jährige mit seinem Steuerberater nochmals das Rechnen an. Und nachdem die Entscheidung vor allem aus Liquiditätsgründen für das Leasing und gegen den zinsgünstigen Bankkredit gefallen war, musste der Handwerker erneut entscheiden, bei welcher Gesellschaft er die Bandsäge leasen wollte. Denn rund 440 Anbieter, von den Marktführern Deutsche Leasing, Südleasing oder VR bis hin zum Ein-Mann-Finanzberater wollen solche Geschäfte machen. Teils stecken auch Hersteller dahinter, die die Finanzierung als verkaufsfördernde Maßnahme sehen oder als interessantes Zusatzgeschäft mit demselben Kunden, teils sind es Banken, die ohnehin mit Geld arbeiten und im Leasing einen Vertriebskanal sehen, den sie nicht den klassischen Leasinggesellschaften überlassen wollen.

„Herstellerbezogene Finanzierungen sind schwierig zu vergleichen“, sagt ein Insider, der nicht genannt werden will. Seine Begründung: Mal würden Rabatte den Verkaufspreis der Maschine eingepreist; mal werde mit einer Null-Prozent-Finanzierung geworben, der Kaufpreis aber zuvor erhöht, es fehlten technische Features oder es handelte sich um ein Auslaufmodell. Die Intransparenz, so der Marktkenner, sei gewollt. Ohnehin gebe es allein schon deshalb keine Systematik, weil trotz Internet niemand den ganzen Markt und alle Angebote kennt.

Davon profitieren Dienstleister wie Gerd Heidenreich. Der 57-jährige Berliner hat Verkehrstechnik und BWL studiert, sammelte Berufserfahrung in der Fahrzeugindustrie, wechselte dann in den Vertrieb zu einer führenden Maschinenleasinggesellschaft. Vor sieben Jahren kam er zur Nürnberger Leasing, für die er den Geschäftsbereich Maschinenleasing aufbaute. Heute finanziert er mit einem Kollegen rund 20 Verträge im Jahr mit einem Volumen von gut sieben Millionen Euro. Dabei liegt das Spektrum der bisher finanzierten Maschinen zwischen 0,1 bis 1,5 Millionen Euro. Seit 2013 sind auch Volumina bis fünf Millionen möglich. In Summe investiert die Nürnberger Leasing mit 20 Mitarbeitern bisher 20 Millionen Euro. Neben den Maschinen sind dies vor allem die Bereiche Medizintechnik und Kfz mit bundesweit mehreren tausend Kunden. Durch Kooperationen soll sich die Summe bis 2016 verdreifachen.

Neben Herstellern, die Leasinggesellschaften wie die Nürnberger empfehlen, sind es vor allem zufriedene Kunden, die ihren Finanzierungspartner weiterempfehlen. Weitere Multiplikatoren sind Wirtschaftsprüfer, Anwälte, Steuer- und Unternehmensberater, in den seltensten Fällen Banken, weil diese gerne selbst finanzieren. Zwar sind grundsätzlich alle Wege machbar, doch sollten Handwerker steuerliche, betriebswirtschaftliche und juristische Parameter beachten. Denn Abschreibungsfristen müssen auch dann eingehalten werden, wenn die Maschine im Eigentum der Leasinggesellschaft bleibt. Üblich sind Laufzeiten von 48 bis 72 Monaten, in denen mindestens 40 und höchstens 90 % des Maschinenwerts abgeschrieben werden dürfen. Der Kaufwert muss dann immer über dem Restwert liegen, der sich am prognostizierten Marktwert orientiert. „Wenn die Betriebsprüfer hier beanstanden, wird es richtig teuer, weil nachträglich neu bilanziert werden muss“, gibt Heidenreich Einblick in die Komplexität der Materie.

„Leasen ist deshalb vor allem für Metallbauer interessant, die auf kurze Produktzyklen mit immer neuen Maschinen reagieren müssen,“ sagt Kasto-Vertriebsmann Gerd Kringel. Die Badener verkaufen jährlich rund 600 Maschinen im Gesamtwert von 105 Millionen Euro, ohne selbst Leasing anzubieten. Im Handwerk seien die Bandund Doppelgehrungssägen oft 20 und mehr Jahre in Betrieb, weshalb viele Kunden die Maschinen klassisch über die Hausbank finanzieren.

Folgen machen den Unterschied. Das kann Jan Wenzel bestätigen. Der Esslinger Ingenieur kommt bundesweit in viele Unternehmen, denn sein Unternehmen Dimensionics GmbH ist auf Prüf-, Messtechnik und Prozessoptimierung spezialisiert, wobei es immer wieder auch um die Frage geht, ob neue Maschinen bezogen auf den Prozess bessere Ergebnisse liefern. Seine Beobachtung: Viele Unternehmer leasen allein schon deshalb, weil die Investition dann weder die Bilanz noch den Kreditrahmen belastet. Zudem ist die monatliche Leasingrate, die bei einer Fräsmaschine für 279.000 Euro und 60 Monate Laufzeit bei rund 3.000 Euro liegt, voll abzugsfähig. Im konkreten Beispiel hat die Maschine dann noch einen Restwert von 15 %.

Das Rechenexempel ist auch für Heidenreich nachvollziehbar. Unabhängige Leasinganbieter wie die Nürnberger und die Hersteller sind zudem üblicherweise in der Branche so gut vernetzt, dass sie auch die Zweitverwertung organisieren. Leasingexperte Heidenreich: „Wir verdienen ja auch wieder am Verkauf der neuen Maschine und deren Finanzierung.“ Entscheidend sei in der  Gesamtbetrachtung auch nicht die monatliche Belastung, sondern entweder der Restwert, um die Maschine dann in den Bestand zu übernehmen, oder deren tatsächlicher Marktwert, um im eigenen Maschinenpark flexibel zu bleiben. „Wer hier seinen Kunden falsch berät, richtet großen Schaden an und sieht den Klienten nie wieder“, warnt Heidenreich.

Laut Bund der Leasinggesellschaften (BDL) machen Produktionsmaschinen gerade zehn Prozent aller Leasingwerte aus. Und eine zweite Zahl: Nur gut ein Fünftel aller Maschinen werden geleast. In der Branche wertet man dies als Indiz, dass das Handwerk eine vergleichsweise geringe Dynamik hat. Zum Vergleich: 68 % aller Autos werden geleast, weil oft nach zwei, drei Jahren ein neues Modell gefahren wird.

Und weil der Hersteller für seine Maschine sofort den kompletten Preis vom Leasinggeber erhält, braucht der Finanzierer, der seinerseits Geld bei Spezialbanken leiht, Sicherheiten in beide Richtungen, weil er ab nun alle Risiken trägt. Seinen Kunden bewertet er wie die Bank mit Bonitäts-, Liquiditäts- und Plausibilitätsprüfungen. Und auch gegenüber dem Hersteller sichert er sich ab, damit Garantien und Gewährleistungspflichten über die gesamte Maschinenlebenszeit gesichert sind. Rund fünf Prozent des Kaufpreises entfällt im Schnitt auf dieses Reporting, ehe die Verträge unterzeichnet werden. Für alle Beteiligten werden die Kosten günstiger, je höher das Finanzierungsvolumen ist bzw. je häufiger die Partner miteinander kooperieren, eine gemeinsame Bonitätsbiographie haben und die Branche kennen. So finanziert Heidenreich in Summe Leasinggeschäfte zwischen rund 300 Firmen und 30 Herstellern. Tendenz steigend, nicht zuletzt weil seine Branche aufgrund der juristischen, fiskalischen und rechtlichen Komplexitäten (Basel II + III) allmählich schrumpft und die Verbleibenden wachsen.

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