Saint-Gobain Glas-Fachtag

Glasfassaden — ein Markt mit Zukunft

Über 350 Besucher, viele davon CLIMAplusSecurit-Partner, kamen im März ins Designcenter Linz. Geboten waren Vorträge von Fassadenspezialisten wie Prof. Dr.-Ing. Winfried Heusler und Dipl.-Ing. Lars Anders. Über die Konjunktur für Fenster und Fassaden in Österreich gab Dr. Frederik Lehner, Geschäftsführer der Interconnection Consulting in Wien, einen Überblick.

Über zukunftsfähige Fassaden referierte Prof. Dr.-Ing. Winfried Heusler, Senior Vice President von Schüco International. Wie der Branchenexperte informierte, produziert der Konzern mit Zentrale in Bielefeld inzwischen 50% für den Export. In seinem Vortrag wies er auf enorme Veränderungen der Gesellschaft hin, zu denen folgende Faktoren beitragen: Der Klimaschutzplan der Bundesregierung sieht vor, dass Deutschland bis 2050 weitgehend treibhausgasneutral sein soll. Die Polarisierung der Einkommensverteilung setzt sich fort, sodass mit Investitionen in Innovationen gerechnet werden kann. Ferner forciere die Urbanisierung den Hochbau und der Trend einer Sharing Economy dränge auf neue Vertriebsstrukturen. Von dem Experiment einer niederländischen Firma, Fassaden zu leasen, hielt Prof. Heusler allerdings nichts.

„BIM ist abgehakt“

Er stellte fest: „Die digitale Revolution ist von einem durchgehenden Datenmanagement und dem Einsatz künstlicher Intelligenz getrieben.“ Alle 16 Monate verdoppeln sich die Leistungen und Kapazitäten unserer PCs und schaffen so neue technologische Möglichkeiten. Mit der digitalen Transformation der Branche ergeben sich für die nächsten fünf Jahre gigantische Prognosen. „Die BIM Arbeitsweise in durchgängiger Wertschöpfungskette ist für mich abgehakt“, konstatierte Heusler. Die Möglichkeiten von BIM werden sich mit zunehmenden Speicherkapazitäten verbessern. „Es wird Raum für Handwerk bleiben, aber die Handwerksbetriebe sollten sich anschließen“, hob er hervor und wies auf die Weiterbildung „Digitaler Metallbauer“ hin. Der dreimonatige IHK-Zertifikatslehrgang zur Digitalisierung im Metallbau ist im April in Bielefeld erstmals gestartet.

Die Zukunft smarter Fassaden

Der Zuwachs des allgemeinen digitalen Netzwerks ist exponentiell:  1992 waren es eine Mio. vernetzte Teile, 2014 14 Milliarden, 2017 28 Milliarden, 2020 sollen es 50 Milliarden vernetzte Teile sein – so die Info von Prof. Heusler. Die reale und virtuelle Welt verschmilzt.

Für die Zukunft von Gebäuden sei die Vernetzung digitaler Objekte ein entscheidender Schüsselfaktor. Smarte Gebäude sind künftig modular aus intelligenten teilautonomen Subsystemen oder Einzelelementen zusammengesetzt, die über Kommunikationsprozesse Daten austauschen. „Gebäudehüllen werden in einem dynamischen Umfeld unerwartete Situationen auf Basis von Erfahrungsinformationen bewältigen können“, meinte er. Auch wenn mancher vor dem Potenzial künstlicher Intelligenz Angst habe, es wird immer an die Grenze der Kreativität stoßen.

Die Grundlage smarter Fassadenkonzepte stellt die Einbettung digitaler Komponenten in Objekte mit ursprünglich rein physischer Beschaffenheit dar. Dabei entstehen völlig neue Komponenten mit verbesserter Funktionsweise und Nutzeroberfläche. Durch das Hinzufügen von Apps werden derartige Fassaden konfigurierbar und flexibel erweiterbar. Die Kombination alter und neuer Technologien kann auch zu neuartigen Wertschöpfungsnetzwerken und Geschäftsmodellen führen. Wie bei allen innovativen Technologien wird es notwendig sein, die Akzeptanz der Nutzer zu gewinnen. Im Zentrum der Betrachtung stehen die Herausforderungen und Möglichkeiten der Digitalen Transformation bezüglich gesunder Gebäude, nachhaltiger Low-Carbon-Konzepte und eines zielgruppenspezifischen Kundennutzens.

Digital, schnell, individuell, smart

Auf die zunehmende Risikobereitschaft der Unternehmen wies Dipl.-Ing. Lars Anders hin. Der Grund: „Digitalisierte Kommunikation bündelt Informationen von vielen interdisziplinären Fachkräften zu einem Projekt.“ Der Managing Director von Priedemann Fassadenberatung in Berlin betonte: „Die Digitalisierung verkürzt nicht nur Reaktionszeiten, vor allem bei Großprojekten, sondern ermöglicht individualisierte customized-Produkte.“ Beispielhaft berichtete er: Die Herstellung von 8,4 Tonnen schweren Fassadenelementen fordere neue Maschinen, die Weiterentwicklung der Robotertechnik führe etwa in der Schweißtechnik zu einer Präzision mit neuen Möglichkeiten, über das digitale Netz können PCs die Produktionsmaschinen auf einem anderen Kontinent steuern. Auf den Punkt gebracht sagte er: „Der Sturm dieser Veränderungen zieht nicht vorbei, er fegt Sie höchstens weg.“

Der Markt Fenster & Fassade in Österreich

Die Tagung in Linz hatte die österreichischen CLIMAplusSecurit-Partner im Focus, für die Dr. Frederik Lehner, Geschäftsführer der Interconnection Consulting, die Marktzahlen der Branche referierte. Zuvörderst: 2017 war für Österreich ein Boomjahr. Nach Info des Wirtschaftsforschungsinstituts ist das BIP um 3% gewachsen. „Konsum und Investitionen springen an“, so Dr. Lehner. Die Erwartungen an 2018 dämpft der Marktforscher: „Der Höhepunkt ist erreicht, 2018 kann fast nicht mehr so gut werden wie 2017.“ Seiner Ansicht nach wird die österreichische Baukonjunktur 2019 etwas abkühlen. Doch Österreich profitiere von der verbesserten Wirtschaftslage in China und Osteuropa.

Im Ranking der wettbewerbsfähigsten Länder kämpft es sich langsam nach oben. Die Rangliste (2017-2018) von Interconnection zeigte die Schweiz an erster Stelle, vor den USA. Deutschland ist wie in den Jahren 16/17  auf Rang 5 platziert, Österreich hat es vom 19. auf den 18. Platz geschafft.

Wachstumstreiber seien besonders der private Konsum und die rasante Neubaudynamik. Der Kaufkraftindex war 2017 in Wien und seinem Speckgürtel am höchsten, die Kaufkraft pro Österreicher lag durchschnittlich bei 22.597 Euro. Die Arbeitslosigkeit war im Jahr 2017 um 4,3% rückläufig, in Oberösterreich und Westösterreich spreche man von Vollbeschäftigung, sagte Dr. Lehner. Der Fachkräftemangel sorge für einen Anstieg der Reallöhne. Von diesem allgemeinen Aufschwung profitiere die Glasindustrie deutlich. Noch stellen für „Smart Glass Solutions“  hohe Kosten eine Markteintrittsbarriere dar, zunehmender Wettbewerb führt mittelfristig jedoch zu marktadäquaten Preisen.“

Die Grafik von Interconnection zeigt, dass der österreichische Fenstermarkt 2016 die Talsohle überwunden hat, die Kurve bis zum Jahr 2020 steigt leicht. Bis 2018 jährlich um 80.000 bis 100.000 Fenstereinheiten, wobei Nieder- und Oberösterreich aktuell 50% vom Markt ausmachen. Die rasante Neubaudynamik treibt den Markt an. Während der Sanierungsmarkt von 2012 bis 2017 um 8% rückläufig war, hat sich der Bereich Neubau von 2012 bis 2017 um 8,2% gesteigert und wird nach den Prognosen bis 2020 weiterwachsen. Dr. Lehner berichtet: „Der Wohnungsbedarf in Ballungsräumen wie Wien, Innsbruck, Tirol und Salzburg ist massiv.“ Die „Wohnbauoffensive 2017“ von Wien will, dass die Neubauleistung bis 2020 das Bauvolumen jährlich um 30% erhöht. Entsprechende Förderprogramme wurden auf den Weg gebracht.

Vorhangfassaden wachsen aktuell überproportional. Für 2019 geht die Prognose von 4,3% Zuwachs aus. Eine Marktanalyse der Fassadentypen in Österreich ergab für das Jahr 2017: Von 523.071 m² Fassadenfläche wurden über 40% als Elementfassaden errichtet und über 36% als Pfosten-Riegel-Fassade. Zwei Drittel davon waren zweischalige Systeme. Die Dreifachverglasung hat sich im Markt durchgesetzt: Im Jahr 2017 wurden zu 73,9% die Fassaden dreifach verglast.⇥ma◊

www.saint-gobain-glassfachtag-linz.com

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