Schule im Schweizerischen Horw

Sanierung mit High-Tech-Fassade

Rund zwei Jahre wurde im Zentrum von Horw im Schweizer Kanton Luzern das Oberstufenschulhaus saniert und erweitert. Es besitzt nun Minergie-Standard, dazu trägt unter anderem das Fassadensystem Wictec Modul air von Wicona bei.

Die farbige Glas-Fassade sorgt räumlich für eine freundliche Atmosphäre der Schule. Neu sind eine Mensa und eine Aula mit Platz für bis zu 200 Personen. Schulleiter Thomas Hediger lobte die für die Planung zuständige Projektsteuerungskommission aus Vertretern der Gemeinde und der Schule: „So konnten die Räume wirklich bedürfnisgerecht gestaltet werden.“ Auf nunmehr 7.500 m² Gesamtfläche sind 28 Klassen- und Gruppenräume untergebracht, zwei Küchen, Musikzimmer, Aufenthalts- und Verwaltungsräume bieten Platz für eine moderne Schule. Das Gesamt-Budget betrug rund 30 Millionen Franken.

Closed Cavity Fassade
In bester Schweizer Tradition hatte 2013 eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Horwer Bevölkerung für die Sanierung gestimmt. Danach musste das aus den 70er Jahren stammende Gebäude zunächst bis aufs Fundament und die Tragstruktur aus Stahl zurückgebaut werden. Verantwortlich für die gesamte Planung zeichnete die Arge Lussi und Halter (Luzern), die aus einem Projektwettbewerb als Sieger hervorgegangen war.
Zur Fassade formulierten die Architekten ihr Konzept so: „Die vorgehängte Fassade wird grundlegend neu als zweischichtige Glaskonstruktion (CCF Fassade) gestaltet. Das Wechselspiel der farbigen Gläser bewirkt für das Oberstufenschulhaus eine unverwechselbare und einzigartige Erscheinung.“ 3.400 m² beträgt die Fassadenfläche insgesamt, die Detailplanung stammt von der gkp fassadentechnik ag (Aadorf). Wie bei Lussi und Halter nachzulesen stand schon früh fest, das Schul-gebäude mit einer Closed Cavity Fassade (CCF) auszustatten. Die Wahl fiel auf die Wictec Modul air Fassade von Wicona. Die wichtigsten technischen Eigenschaften:
• bestmögliche Energieeffizienz (Uw = 0,6 W/m²K; Ug = 0,5 W/m²K)
• hoher Schallschutz (Rw = 48 dB)
• hohe solare Gewinne und optimale Tageslichtnutzung
• effektiver Sonnen- und Blendschutz, witterungsunabhängig regelbar, positionierbar
• erhebliche Senkung der Kosten für Reinigung, Wartung und Betrieb des Gebäudes.

Objektspezifische Aluminium-Profile
Ausgeführt wurde Wictec Modul air in Horw als vorgehängte Elementfassade mit Lüftungsklappe nach außen und innenliegender Brüstung. Die Aluminiumprofile wurden eigens für diese Konstruktion entworfen und gefertigt. Das Wictec Modul air Profilsystem besteht aus umlaufenden, hochwär-medämmenden Umfassungsrahmen mit extrudierten Lisenen. Der Rahmen nimmt die 3fach-Verglasung innen und die Einfachverglasung außen in nur einem Profil auf. Die innere Verglasung ist im Kopfbereich der Fassadenelemente über ein horizontales Kämpferprofil geteilt. Hier sind Sonnen-schutz, Antrieb und die Fassadenanschlüsse der Trockenlufttechnik positioniert. Diese Komponenten befinden sich außerhalb der Kavität und sind für Wartungen einfach zugänglich. Wictec Modul air zeichnet sich durch seine kompakte Bauweise aus, so dass sich Bautiefen gegenüber konventionellen Doppelfassaden um bis zu 50 Prozent reduzieren lassen. Das bedeutet:
• Wirtschaftliche Konstruktionen
• Gewinn an Nutzflächen
• Kurze Montagezeiten und kürzere Bauzeiten infolge hohen Vorfertigungsgrades


Die Multifunktionsfassade ist doppelschalig und in sich hermetisch geschlossen. Im Fassadenzwischenraum entstehen infolge der kontinuierlichen Spülung mit Trockenluft nahezu Reinraum-Bedingungen. Die Trockenluftanlage im System Modul air sorgt für die notwendige Spülung der Fassadenelemente. Spezielle Regelungstechnik verteilt die Trockenluft auf die Fassadenelemente. Sie ist so fein justiert, dass der Luftwechsel einerseits dauerhafte Tauwasserfreiheit in der Kavität herstellt und gleichzeitig höchste Energieeffizienz wahrt. Die Sonnenschutzeinrichtung liegt geschützt im Fassadenzwischenraum. Alle Bauteile dazu durchliefen anspruchsvolle Langzeituntersuchungen, die ihre Eignung sicherstellen. Dazu gehörten z. B. UV- und Temperaturbeständigkeit, Abrieb und Versprödung. Bauteile aus Kunststoff wurden auch auf ihr Foggingverhalten geprüft. Studien an renommierten Instituten erbrachten dazu den Nachweis, dass sich kein sichtbarer Niederschlag von Feinpartikeln auf den Oberflächen ergibt.

Spezial-Gewebe in Glas einlaminiert
Optische Besonderheit der Fassade in Horw sind die opaken Elemente von außen, die zugleich von innen eine Durchsicht gewähren. Hierbei handelt es sich um ein spezielles Gewebe der Schweizer Sefar AG (Heiden) mit der Bezeichnung SefarArchitecture Vision. Das Gewebe in Garnstärken von 140 und 260 Mikrometern besteht aus schwarzen Kunststofffasern, die mit Metallen beschichtet werden. Für den Einsatz in den Fassadenelementen wurden drei Farbvarianten des Gewebes in das Glas einlaminiert (BGT Bischoff Glastechnik AG, Bretten): TI 260/25 B, PR 260/25B und PR 260/25B Gold. Dieses Farbspektrum und die Positionierung der opaken Elemente auf der Fassade ergeben den Glas-Effekt und ein spezielles Spiel mit dem Licht.
Die Auswirkungen dieses Glasaufbaus in der Fassade auf den Gesamt-Energiedurchlass (g-Wert) beschreibt der Hersteller des Gewebes: „Die sogenannte offene Fläche des Gewebes bestimmt über den Grad an Lichttransmission und Transparenz. In der Produktion entstehen Maschen mit einem Anteil von 25 % bis maximal 55 % an offener Fläche. Auch die Metallbeschichtung entscheidet mit über Lichttransmission und Energiedurchlass. Entscheidend für die Gewebewahl ist immer der Einsatzzweck am Objekt. Insbesondere mit den dichteren Geweben kann eine signifikante Verminderung von Licht- bzw. Wärmeeinfall erreicht werden.“ Das Gewebe reflektiert die Wärmestrahlung bis zu 45 % und absorbiert selbst einen großen Teil der Strahlung. Die für die Schule Horw ins Glas laminierten Gewebe punkten zusätzlich mit dem „One-Way-Vision Effekt“ – das bedeutet Sichtschutz nach innen, umgekehrt aber eine nahezu uneingeschränkte Sicht nach außen. red, 10.1. 2018


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