„Schließtechnik braucht Beratung“

Im Gespräch mit Volker Mann, Produktmanager bei Wilka

Fachberater von Wilka Schließtechnik in Velbert unterstützen Metallbauer in wichtigen Fragen rund um die Themen der Schließtechnik, aber auch der damit verbundenen normativen und baurechtlichen Anforderungen. Im Interview erläutert Volker Mann, Leiter Produktmanagement, welche Lösungen aktuell bevorzugt verarbeitet werden.

metallbau: Was macht die Produkte und Systeme von Wilka aus?

Volker Mann: Bei Türschlössern fokussieren wir uns seit über 15 Jahren auf das Marktsegment Metallbau. Hier bieten wir ein komplettes Schlossprogramm an, das auf die entsprechenden Anforderungen bei Innen- und Außentüren sowie für Fluchttüren nach EN 179 oder EN 1125 zugeschnitten ist. Dabei spielt unser Baukastensystem eine wichtige Rolle. Durch die einheitlichen Schlossmaße hat der Metallbauer Vorteile im Herstellungsprozess und kann die Synergieeffekte nutzen, denn sämtliche Zubehörteile sind über alle Schlossserien hinweg kompatibel. Damit kann der Metallbauer mit relativ wenigen Teilen eine große Variantenvielfalt für die unterschiedlichen Anforderungen abdecken.

metallbau: Welche Schließtechnik wird von Metallbauern bevorzugt nachgefragt?

Mann: Das hängt davon ab, ob es sich um Türen mit oder ohne besondere Eigenschaften handelt. Entsprechend werden Standard-Rohrrahmenschlösser oder komplette Fluchttürsysteme für Rauch- und Brandschutztüren nach EN 179 und EN 1125 nachgefragt.

metallbau: Welche neuen Funktionen der Schließtechnik sind den Verarbeitern noch nicht so geläufig?

Mann: Beratungsbedarf besteht vor allem im Bereich Fluchttüren. In der Anwendung sind immer mehr automatisierte Fluchttüren gefragt, die in Gebäudemanagementsysteme eingebettet sind. Wilka bietet hier u.a. die selbstverriegelnde Fluchttürserie 7000 sowie eine sogenannte Kindergartenlösung an. Letzteres sind Fluchttüren, die bei Gefahr auch von Kindern selbständig geöffnet werden können, ohne dass sie im Normalfall unbemerkt nach draußen gelangen.

metallbau: Welches Verständnis braucht der Metallbauer für elektronische oder mechatronische Lösungen?

Mann: Die Mechatronik hat im Metallbau in den letzten Jahren großen Einzug gehalten und wird weiter an Bedeutung gewinnen. Konkret sprechen wir über Automatiktüren, intelligente Gebäudetechnik und Zutrittskontrolle. Metallbaubetriebe werden immer mehr mit diesen Anforderungen konfrontiert. Auch wenn der elektrische Anschluss nur von autorisierten Fachbetrieben ausgeführt werden darf, so sollten doch Kenntnisse über Schnittstellen zu den nachgelagerten Steuerungs- und Gebäudemanagement-Systemen vorhanden sein.

metallbau: Welche Schäden häufen sich durch unsachgemäße Nutzung der Schließtechnik?

Mann: Wir stellen häufig Vandalismus oder einen unsachgemäßen Gebrauch bei Türen in öffentlichen Gebäuden fest. Funktionsstörungen können entstehen, wenn die vorgeschriebenen Wartungsintervalle nicht eingehalten werden und sich beispielsweise Türen „setzen“, Bodenmulden verstopfen oder elektrische Öffner nachgestellt werden müssten. Auch während der Bauphase kann es bereits zu Beschädigungen des Schlossriegels bzw. der Schlossfunktion kommen, weil häufig der Riegel herausgeschlossen wird, damit die Tür nicht zufällt. Schäden können aber auch auftreten, wenn nicht im Verschlusssystem geprüfte Fremdteile, wie z.B. Schließbleche, eingebaut werden.

metallbau: Warum ist Wilka mit eigenen Fachberatern unterwegs?

Mann: Wir legen sehr viel Wert auf guten Service und technischen Support, zumal die Produkte aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen immer anspruchsvoller und erklärungsbedürftiger werden. Unsere Fachberater sind selbst Metallbaumeister oder -techniker und haben Praxiserfahrungen aus Sicht des Metallbauers. Sie können deshalb umfängliche Beratung zu anwendungstechnischen, baurechtlichen und zulassungstechnischen Fragen bieten, die oftmals direkt in der Werkstatt stattfindet.

metallbau: Welche Vorteile ergeben sich daraus für den Metallbauer?

Mann: Eine Beratung vor Ort kommt den Metallbaubetrieben sehr entgegen, da verschiedene Fragestellungen oftmals erst im Fertigungs- und Montageprozess auftreten. Außerdem bleibt aufgrund von hohen Auslastungen für externe Schulungen meist wenig Zeit. Deshalb stellen wir uns auf die Gegebenheiten im Metallbau ein, und die positiven Rückmeldungen bestätigen unsere Philosophie. In der Regel führen unsere Beratungen auch zu Vorteilen in der Wertschöpfungskette, wenn wir beispielsweise auf eine optimale Montage der Produkte hinweisen, die u.U. die Bearbeitungszeit reduziert. Manchmal geht es auch um Fragen und Antworten zur Software LogiKAL von Orgadata im Zusammenhang mit unseren Produkten.

metallbau: Welche Fragen tauchen häufig auf?

Mann: Viele Fragen drehen sich um aktuelle Normen wie beispielsweise die Fluchttürnormen EN 179 und EN 1125. Hier geht es zunehmend um Verschlusssysteme, nicht mehr nur um Schlösser und Beschläge. Immer wieder stellen sich Fragen nach Kombinationsmöglichkeiten von Produkten unterschiedlicher Hersteller sowie zugelassenen und nicht zugelassenen Produkten. Oder eine bereits montierte Tür zeigt Funktionsprobleme im Zusammenwirken aller Komponenten. Auch in solchen Fällen unterstützen wir den Fachbetrieb und begutachten das Element gemeinsam vor Ort.

metallbau: Für welche Technologien gibt es gehäuft Nachfragen zur Anwendungstechnik oder Montage?

Mann: Hier geht es überwiegend um automatisierte Multifunktionstüren, in denen mechatronische Produkte mit Schnittstellen zum Gebäudemanagement verbaut werden.

metallbau: Werden die Fachberater von den Metallbauern angefragt?

Mann: Ja, sogar sehr stark. Im Metallbaumarkt besteht ein sehr großer Beratungsbedarf. Vier Fachberater sind allein für den deutschen Markt im Einsatz. Für Österreich und die Niederlande haben wir ebenfalls zuständige Fachberater. Wir möchten unseren hohen Servicegrad nicht nur halten, sondern stetig weiter ausbauen.

metallbau: Inwiefern wirkt der Metallbauer mit dem Fachberater gemeinsam auf die Auswahl der Schließtechnik-Produkte ein?

Mann: Metallbauer und Fachberater stimmen die Anforderungen und Produkte gemeinsam ab. Ist der Metallbauer Systemnehmer eines Profilsystems im Aluminium- oder Stahlbereich, sind Produkte oftmals vorgegeben und durch Elementeprüfungen zertifiziert. Insofern kommt es immer auf eine seriöse Beratung an.

metallbau: Welche Vorteile generiert Wilka aus den Beratungen?

Mann: Die direkten Informationen der Fachleute aus der Praxis sind unglaublich wertvoll. Wir bekommen jede Menge Ideen und Anregungen, Produkte zu verbessern oder auch neue Produkte zu entwickeln. Der Informationsfluss hat bei uns keine Streuverluste. Das wiegt das teure Beratungsgeschäft auf, und es entsteht zwischen Metallbauer und uns eine Win-win-Situation.

www.wilka.de

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