Bau der Zukunft

Schule verkörpert neues pädagogisches Konzept

Architekturstudenten, Planer und Ingenieure pilgern momentan in den Norden Zürichs, um eines der aktuell spannendsten Stahlbauprojekte der Schweiz zu bestaunen. Das Gebäude ist nicht nur vom Umfang, seiner räumlichen Organisation und in der Ausführung außergewöhnlich. Auch beim pädagogischen Konzept wurden neue Wege eingeschlagen.

Die zweitgrößte Schulanlage der Schweiz, die vom Züricher Architekturbüro Christian Kerez geplant wurde, bietet viel Raum für eine teamorientierte und integrierende Pädagogik. Vom Kindergarten bis zur Oberstufe kann hier gespielt, gelernt und gearbeitet werden. Der Kubus mit einer Grundfläche von rund 30 auf 50 Metern beherbergt neben dem Kindergarten und den 22 Klassenzimmern auch Spezialräume wie Labors, Werk- oder Computerräume und eine Dreifachturnhalle.

Diese unterschiedlichen Nutzungen hat Christian Kerez nicht wie bei einer Schule üblich nebeneinander angeordnet, sondern übereinander gestapelt – so hinterlässt das Gebäude einen möglichst kleinen „Fußabdruck“ in der öffentlichen Grünfläche des Züricher Andreas-Parks. Das Schulgelände soll als Bestandteil des Parks genutzt und nicht durch eine Umzäunung von den öffentlichen Grünflächen getrennt werden.

Sich Öffnen. Auch die öffentlichen Bereiche im Schulgebäude haben einen starken Bezug zum Außenraum und der Grundgedanke des Sich-Öffnens wird konsequent bis in die Konstruktion umgesetzt. Im Erdgeschoss mit Schülerclub, Mensa und Eingangshalle sowie im 4. Obergeschoss, das die Verwaltung, Bibliothek und Aula aufnimmt, zieht sich das Tragwerk so weit als möglich von der Fassade zurück und ermöglicht dadurch eine freie Sicht nach draußen.

Zwischen dem Erdgeschoss und dem 4. Obergeschoss sind die Unterrichtsräume untergebracht. Um auch diese mit ausreichend Tageslicht zu versorgen, werden die statisch notwendigen Scheiben der Tragstruktur in Fachwerkträger aufgelöst. Ebenso in der Turnhalle, die als größter, stützenfreier Raum auf dem vierten Geschoss ruht.

Stahlfachwerk. Im Prinzip kann die Tragstruktur des Gebäudes mit einem Tisch verglichen werden: Das vierte Geschoss ist die Tischplatte, darunter ist ein Stahlfachwerk aufgehängt. Auf der Platte befindet sich das Turnhallengeschoss. Der ganze Fachwerkkörper steht im Erdgeschoss lediglich auf sechs stählernen Dreibeinen, über die die Kräfte in das Fundament abgeleitet werden. Die riesigen Fachwerkträger sind – soweit es der Transport erlaubte – vorgefertigt auf die Baustelle geliefert und vor Ort zusammengeschweißt worden.

Offene Lern-Werkstatt. Die flexible Raumstruktur im Innenraum spiegelt die Idee einer offenen Lern-Werkstatt wieder. Industrieglaswände schaffen optisch fließende Übergänge, und trennen die Zimmer lediglich akustisch voneinander. Sowohl diese Innenwände aus Profilit-Glas, als auch die Isoliergläser der Außenfassade werden in Decken- bzw. Bodenschlitzen versenkt, so dass überall offene, rahmenlose Blickbeziehungen möglich sind.

Die nahezu uneingeschränkten Ausblicke durch die Außenfassade unterstützen die transparenten Glasschwerter GEWE-fin von Schollglas. Sie dienen zur Aufnahme der Windlasten. Insgesamt sind über 300 Schwerter im Schulhaus eingebaut, einige mit Abmessungen bis zu 6000 mm. Je nach Fassade sind die Schwerter aus 4 x 12 mm  oder 3 x 12 mm GEWE-safe Verbundglas zusammengefügt.

In der Turnhalle durften auf Grund erhöhter Verletzungsgefahr keine Schwerter vor dem Fassadenbereich liegen, vor dem geturnt wird. GEWE-fin konnte  in den oberen zwei Dritteln der Fassade integriert werden; ein umlaufender Stahlträger fängt die ankommenden Windlasten aus den Schwertern auf. Durch den hohen Grad an Vorfertigung – die Glasschwerter werden objektspezifisch hergestellt, wobei die Befestigung der Fassadenverglasung direkt an dem werkseitig eingeklebten Schraubkanal erfolgt  – verläuft die Montage auf der Baustelle einfach und schnell, und damit kostengünstiger.

Hand in Hand. In der Architektur von Christian Kerez sind Material, Konstruktion, Tragstruktur und Installation eine unauflösbare Einheit. Architekt, Statiker und Fachplaner haben bei diesem Projekt deshalb von Anfang an Hand in Hand gearbeitet. Das Schulhaus ist das Ergebnis einer befruchtenden interdisziplinären Zusammenarbeit. prö $

Schollglas Technik GmbH Objektzentrum
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