Schweißerprüfungen

Prüfungen durch die eigene Schweißaufsicht

Ob im bauaufsichtlich geregelten Bereich, im Maschinen- oder Nutzfahrzeugbau, fast überall ist die Anzahl der Schweißerprüfungen nicht ausreichend. Dabei kann man in vielen Fällen die Schweißerprüfung durch die interne Schweißaufsicht abnehmen lassen.

Egal ob eine Schweißprüfung intern oder extern abgenommen wird, eine Prüfaufsicht muss immer bestellt sein. Das Schweißen ohne Prüfaufsicht und Einsenden eines Prüfstückes zur Erstellung einer Prüfbescheinigung durch ein Institut ist nicht zulässig.

Aber warum gibt es überhaupt zu wenige Schweißerprüfungen? Der Grund sind häufig zu hohe Kosten. Zwar kostet die Prüfung selbst meist nur 100 bis 200 Euro, aber die Übungsstunden in der Kursstätte und die zu lange Abwesenheit des Schweißers schlagen zu Buche. Hinzu kommt, dass weder in Audits noch auf Baustellen umfassend nach den Prüfbescheinigungen gefragt wird – also kaum Kontrolldruck vorhanden ist.

Prüfungen mit Praxisbezug

Eine zu hohe Prüfhürde für Schweißer entsteht häufig durch die falsch gewählte Aufgabe. Warum soll ein Schweißer eine Stumpfnaht am Blech einseitig mit freier Wurzel schweißen, wenn er im Betriebsalltag zum Beispiel die Treppenwange zweimal in Position PA dreht, also beidseitig schweißt? Der Schweißer übt eine Naht für die Prüfung, die er danach vielleicht erst nach drei Jahren, zur nächsten Prüfung, benötigt. Dabei beweist eine gute Prüfung einer Stumpfnaht, die einseitig und steigend geschweißt ist, nicht, dass auch eine beidseitige Naht in Wannenlage ausreichend gut geschweißt werden kann. In einem Vorgespräch gilt es zu klären, auf welche praxisnahen Aufgaben sich die Prüfung beziehen soll.

Alle Prüfungen intern?

Weist ein Unternehmen ausschließlich interne Prüfungen nach, könnte es zum Vertrauensverlust seitens des Auftraggebers oder ggf. der Zertifizierungsstelle (Auditor) kommen. Das Unternehmen sollte genau abwägen, für welche Kunden eine Prüfung durch eine akkreditierte Stelle sinnvoll ist.

Bei einigen Anwendungen, zum Beispiel im Bereich der Druckbehälter, ist dies sowieso, bedingt durch die Normen, nicht anders möglich. Im Treppen-, Geländer- oder Stahlbau und im Maschinen- und Fahrzeugbau gibt es allerdings gute Gründe, einen großen Teil der Schweißerprüfungen intern durchzuführen, insbesondere dann, wenn es um Wiederholungen in gängigen und vom Schweißer täglich angewandten Schweißprozessen geht.

Schweißerprüfungen sollen im Hinblick auf die Praxis sinnvoll gestaltet werden. Die Schweißerprüfungen sollen durch ihren Geltungsbereich ein Produkt vollständig abdecken. Auch im Handwerk darf es nicht passieren, dass nur wenige Alibi-Prüfungen vorhanden sind. Unternehmen sollen ihre Schweißer weiterhin an Kursstätten qualifizieren lassen, vor allem wenn die Handfertigkeiten nicht ausreichen oder wenn theoretische Kenntnisse erweitert und aufgefrischt werden sollten. Ergänzende Prüfungen können jedoch von der betrieblichen Schweißaufsicht relativ einfach durchgeführt und dokumentiert werden.

Tool für Schweißerprüfung

Die neue Software LVM-Modul-Schweißerprüfungen unterstützt die Schweißaufsicht bei der Vorbereitung und Durchführung sowie bei der der normgerechten Dokumentation. So werden zum Beispiel alle Unregelmäßigkeiten nach EN ISO 5817 abgefragt und dokumentiert. Als Erklärung eignet sich am besten das Video auf der Homepage der Landesfachschule (www.landesfachschule-metall.de). Zur Durchführung der theoretischen Prüfung hält das Tool einen Fragenkatalog vor. Das Programm unterstützt durch Anweisungen und automatische Protokolle die Prüfung vor, während und nach dem Schweißen und erstellt nach Abschluss die Prüfbescheinigung einschließlich der geforderten Dokumentation. Zusätzlich kann sich der Nutzer nach sechs Monaten über Outlook erinnern lassen, um die Prüfung entsprechend ISO 9606-1 auf dem Zertifikat zu bestätigen. Folgende drei Sachverhalte sollten halbjährlich auf der Prüfungsbescheinigung bestätigt werden:

„... hat regelmäßig im Geltungsbereich der Schweißerprüfung geschweißt.“

„... hat die Schweißertätigkeit nicht länger als sechs Monate unterbrochen.“

„... gibt keinen Anlass dazu, an seinem handwerklichen Können und seinem fachkundlichen Wissen zu zweifeln.“

Für die DIN EN ISO 9606-1 (zwei Jahre bei der DIN EN 287-1) hat die Schweißerprüfung in der Regel eine maximale Gültigkeit von drei Jahren.

Software für interne Prüfungen

Der Landesverband Metall Niedersachsen/Bremen wird spezielle Schulungen für das Programm anbieten. Für Innungen ist es möglich Seminare vor Ort durchzuführen, eine entsprechende Ausstattung muss allerdings vorhanden sein. Es geht darum, Unternehmer beziehungsweise Schweißaufsichtspersonen im Umgang mit der Software zu unterrichten, vor allem in Bezug auf die Durchführung von Prüfungen und die Bewertung von Prüfstücken.

Die Software hat einen Listenpreis von 250 Euro + MwSt. Innungsbetriebe des LVM und Unternehmen befreundeter Landesverbände können das Programm für 150 Euro + MwSt erwerben. Die Anmeldung zum Seminar am 8. Februar 2018 in Lüneburg und der Kauf der Software sind möglich unter: www.landesfachschule-metall.de

Sachgebiete der Theorieprüfung

Schweißer müssen ihre Eignung nachweisen. Je nach Tätigkeitsbereich und Einsatzgebiet können für einen Schweißer mehrere Prüfungsbescheinigungen nötig sein. Schweißerprüfungen bestehen aus einem praktischen Teil und einer Theorieprüfung. Die Fachkundeprüfung schließt folgende Sachgebiete ein: Verhüten von Unfällen und Brandschäden (BGR 500 „Betreiben von Arbeitsmitteln“, Kapitel 2.26: „Schweißen, Schneiden und verwandte Verfahren“)

Vermeiden und Beseitigen von Fehlern beim Schweißen

Grundwerkstoffe, z.B. Stähle, Aluminium etc.

Schweißzusätze

Schweißzeichen und Schweißsymbole

Vorbereiten der Werkstücke zum Schweißen

Bezeichnung einer Schweißerprüfung und deren Geltungsbereich

Schweißeinrichtungen und deren Handhabung

Einfluss der Schweißparameter

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