Schweiz: Planer und Metallbauer

Dipl.-Ing. Erwin Trommer ist Leiter des technischen Controllings/Zentrale Technik bei Frener & Reifer in Brixen. Das Metallbauunternehmen in Südtirol beschäftigt 200 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von ca. 60 Mio. Euro. Etwa 30 % der Aufträge stammen aus den D-A-CH-Ländern. Die USA, UK und Frankreich führen das Ranking des internationalen Geschäfts an.


metallbau: Wie viele Mitarbeiter sind bei Frener & Reifer damit beschäftigt, dass die diversen landesspezifischen Normen und Vorgaben eingehalten werden?

Erwin Trommer: Derzeit setzen wir in zehn Ländern zugleich Fassadenobjekte um. Da ich als Leiter der zentralen Technik die Projekte von Anfang an begleite, bin ich zunächst für die landesspezifischen Normen zuständig. Beim Erstellen des Angebots beschäftigt sich dann noch ein Techniker aus der Kalkulation mit den Vorgaben. Während der Projektphase ist ein Mitarbeiter des Projektteams zuständig und ein weiterer aus der Abteilung Qualitätssicherung.

metallbau: In den D-A-CH Ländern favorisieren Sie den Schweizer Markt, wieso?

Trommer: Aktuell setzen wir drei große, prominente Objekte in der Schweiz um. Der Schweizer Markt bietet im Fassadenbau Sonderprojekte, die es in Deutschland in dieser Form nicht sehr oft gibt. In Deutschland ist die Baukunst weniger frei, die Architektur lässt sich stärker von den Normen und Vorgaben begrenzen. Aber es gibt noch einen zweiten Punkt, weshalb wir als ausführendes Unternehmen die Schweiz so attraktiv finden. Der Metallbauer ist dort anders positioniert, arbeitet mit Bauherren, Architekten und Planern auf Augenhöhe und wird als Partner im Projekt wahrgenommen.

metallbau: Wie konkretisiert sich das bei einem Objekt?

Trommer: Natürlich sind die Aufgaben eines Metallbauunternehmens in Deutschland und in der Schweiz ähnlich. Wir sind verantwortlich für die technische Planung und Umsetzung. Bei schweizer Projekten ist unsere Rolle jedoch deutlich aktiver, wir agieren mit größerer Verantwortung und oft mit wirklicher Gestaltungsmöglichkeit: In der Schweiz werden wir oft in einer viel früheren Phase in die Planung des Objekts mit einbezogen. Weil die Ausarbeitung dann noch nicht so fortgeschritten ist, bleiben mehr Möglichkeiten mitzugestalten, unser Engineering ist gefragt. In der Schweiz wird die Leistung eines Ingenieurs auch nicht von einem anderen Ingenieur z.B. Prüfstatiker geprüft; hier stehen wir mit unseren technischen Lösungen also in der Nachweispflicht. Natürlich ergibt sich in Konsequenz daraus eine größere Verantwortung. Aber unsere Freude an der Arbeit ist größer, wenn wir gestaltend am Objekt mitwirken können.

metallbau: … und die Planer und Architekten nehmen das ernst, was Sie in die Gespräche einbringen?

Trommer: Es wird von uns sogar erwartet, die gestalterischen Anforderungen an Metallbauer werden höher angesetzt – das Team der Baubeteiligten bespricht sich mit uns auf Augenhöhe. Hier ist also unbedingt eine entsprechende Einstellung des Unternehmens für diese aktive Herangehensweise gefragt, die dann aber auch einen entsprechend großen Anteil und Beitrag an der technischen Umsetzung mit sich bringt.

metallbau: Welche Erfahrungen haben Sie in Deutschland gemacht?

Trommer: In Deutschland ist der Metallbauer im Team Bauherr, Architekt und Planer buchstäblich das letzte Glied in der Kette. Er darf die Vorgaben der drei anderen nach detaillierten Plänen umsetzen. Zudem versucht man sich an Normvorgaben zu halten, um nicht zusätzlichen Aufwand zu schaffen.

metallbau: Wie unterscheiden sich Schweizer Leistungsverzeichnisse (LV) von deutschen?

Trommer: In der Schweiz werden weniger Produkte und Materialien in den LVs spezifiziert, nur selten wird da zum Beispiel ein Systemprofil genannt. Es werden eher Anforderungen formuliert, die das Projekt am Ende erfüllen muss. In Deutschland sind die LVs teils detailliert ausgearbeitet, in gewerblichen Ausschreibungen die Produkte meist genannt. Will der Metallbaubauer technische Lösungen mit vielleicht anderen Produkten umsetzen, bleibt der Mehraufwand an ihm hängen.

metallbau: Wird nicht das Handwerk in der Schweiz einfach mehr geachtet, weil es deutlich besser bezahlt wird?
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Trommer: Ja, das Handwerk hat ein anderes Standing, die Bezahlung mag da mit Sicherheit eine Rolle spielen. Aber über unser handwerkliches Können hinaus werden wir auch mit unserer Ingenieursleistung anerkannt und wertgeschätzt. Natürlich haben diese charmanten Möglichkeiten ihren Preis. Wir können uns nicht nur an die Vorarbeiten eines Fassadenplaners anlehnen, sondern müssen das Bauvorhaben von Anfang an in einem umfassenderen Sinn betrachten. Das Herangehen an einen Auftrag ist ganz anders als dies in Deutschland der Fall ist. Hier ist eine eingehende Risikobewertung und das Bewerten kritischer Projektaspekte stets ein wichtiger Bestandteil in der Angebotsbearbeitung. ma

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