Schweizer Vor-Bild

Diakonie Bethanien in Zürich-Altstetten

Das Haus der neuen Diakonie Bethanien in Zürich-Altstetten wird vielfältig genutzt: Neben der Verwaltung sind ein Palliativzentrum, ein Designhotel, Restaurant, Konferenzräume, eine Kita und Mietbüros in dem Gebäudekomplex untergebracht. Das Äußere des 40 Meter hohen Baus prägen 500 auf die Sichtbetonfassade aufgesetzte Aluminium-Schiebefenster. Für diese Neuentwicklung erhielt die Schweizer Firma Krapf kürzlich den German Design Award.

Mit rund 31.000 Einwohnern ist Zürich-Altstetten das bevölkerungsreichste Quartier der Stadt. Inmitten großflächiger Gewerbe-, Büro- und Wohnbauten zeichnen sich nur noch wenige Zeugen einstiger dörflicher Strukturen ab. In diesem Zusammenhang wird der neue Hauptsitz der Diakonie Bethanien von Piet und Wim Eckert, E2A Architects, dem Quartierswandel hin zu multikultureller Urbanität gerecht. Der Solitär bildet in seiner schlanken aufragenden Form neue städtebauliche und visuelle Hierarchien. Eine entscheidende Rolle kommt dabei seiner äußeren Hülle zu: Aus Sichtbeton orientiert sich diese an den umliegenden, industriell und gewerblich geprägten Bauten. Das Erratische bewirken die 500 Fenster, die als Schiebeelemente auf die äußere Hülle gesetzt sind. Das repetitive Muster variiert, je nachdem, welche Fenster geöffnet oder geschlossen sind. Das Gebäude erhält eine individuelle, lebhafte Präsenz.

Nutzungskonzept

Das Sozialwerk Diakonie Bethanien hat seine Verwaltung im Laufe der Zeit auf mehrere Standorte verteilt. Um ein effizientes Management zu ermöglichen, erwarb man 2010 ein Grundstück an der Buckhauserstrasse in Zürich-Altstetten. Der Weg für einen neuen Hauptsitz war geebnet.

Nach fünf Jahren Planungs- und Bauzeit zog Ende Oktober 2016 die Verwaltung vom Zürichberg in das Gebäude. Dieser besteht aus einem komplex zusammenwirkenden Nutzungsprogramm, wobei in der Planung mit den vorgesehenen Pflege- und Betreuungsfunktionen maximale Synergien auch für die weiteren Nutzungen im Haus aufzubauen waren. Neben der Diakonie-Verwaltung beherbergt das Gebäude auf zwölf Geschossen eine Palliativstation, eine Kita, Schulungsräume und Dienstleistungsflächen sowie ein Designhotel mit Konferenzräumen, Bar und Restaurant. Diese werden über eine komplexe Kerninfrastruktur versorgt. Das Gebäude funktioniert sowohl als logistische Einheit als auch in getrennten autarken Bereichen. Erschlossen wird der Komplex über eine zweiseitig offene Eingangshalle. Daran schließen sich Konferenzbereich und Bar/Restaurant an. Sie haben eine direkte Anbindung an die ebenfalls im Erdgeschoss liegende Küche. Das erste Obergeschoss beherbergt Kita, Personalrestaurant und die nach Süden orientierten Büros der Diakonie. Weitere Räume der Diakonie-Verwaltung sowie Mietbüros sind im zweiten bis sechsten Obergeschoss untergebracht. In den beiden darüber liegenden Stockwerken befindet sich die Palliativstation mit jeweils 16 Appartements. Das Hotel im neunten bis elften Obergeschoss verfügt über 87 Zimmer und ist im Viersterne-Bereich klassifiziert.

Innenarchitektur und Konstruktion

Eine homogene Innenarchitektur fasst die vermeintlichen Gegensätze der Nutzungen im Haus zusammen. So wurden in jeder Nutzungseinheit die gleichen Materialien verwendet, aber unterschiedlich interpretiert; den Raumeindruck prägen klare Linien und stützenfreie Flächen, Sichtbetonwände und Verkleidungen aus hellem Holz. Konstruktiv wird das Gebäude über die zentral angeordneten Kerne sowie über die Fassade gehalten. Letztere besteht aus vorfabrizierten Elementen; so konnte die innere Tragschicht entlang der Fassade in kurzer Zeit zusammen mit den Kernen erstellt werden. Dies führte zu einem optimalen Bauablauf. Die äußere Ortbeton-Fassade errichtete man im Nachgang. Danach wurden die 500 Fenster auf die Fassade gesetzt. Zeitgleich erfolgte der Innenausbau.

„Bilderrahmen“-Schiebeflügel

Die Aluminium-Schiebefenster auf Basis des von Krapf entwickelten air-lux-Systems sind jeweils 2,30 Meter hoch und schwellenfrei vor die tragende und äußere Fassadenkonstruktion gesetzt. An den Längsseiten des Hochhauses beträgt die Breite der einzelnen Schiebeelemente 2,80 Meter, an den Schmalseiten 2,60 Meter – ein Unterschied, der optisch nicht ins Gewicht fällt, wie Markus Eberle, Projektleiter/GL bei Krapf, betont. Im geschlossenen Zustand bilden die „Bilderrahmen“-Schiebeflügel ein starres Raster. Wird eines der Fenster geöffnet beziehungsweise zur Seite geschoben, durchbricht es dies. Die Fassade „lebt“. Weil die Fenster komplett vor der Gebäudehülle liegen, entstehen erkerähnliche Vorbauten. Der Innenraum wirkt großzügig. Dies wird verstärkt durch die Tatsache, dass die Fenster seitliche Ausblicke ermöglichen.

Technische Neuentwicklung

Das eingesetzte Fenster des air-lux Systems wurde auf die Wünsche des Architekten und der Bauherren hin zugeschnitten und stellt als komplett aufgesetztes Element eine architektonische wie technische Neuentwicklung dar. Die horizontal und automatisch verschiebbaren Fenster fahren außerhalb des Gebäudes. „Das Besondere ist, dass die Schiebefenster außen an der Fassade liegen ohne sichtbare Führungsschiene unten und oben. Alle Profile haben wir dafür neu entwickelt. Einzig die Dichtung des air-lux-Systems haben wir übernommen“, erklärt Eberle. Steuerung, Lufterzeugung für die aufblasbare Dichtung und Antriebe sind im Rahmen integriert.

Die Rahmenkonstruktion ist innenseitig mit einer umlaufenden Laibung verkleidet und im Bodenbereich begehbar. Ein innen montiertes, ebenfalls nach den Vorstellungen des Architekten und von Krapf entwickeltes Geländer dient der Absturzsicherheit. Die Abdichtung zwischen Rahmen und Flügelelement gewährleistet die patentierte pneumatische Dichtung: Über einen Taster wird der integrierte Antrieb, der das Schiebefenster öffnet und schließt, aktiviert. Die aufblasbare Dichtung wird beim Öffnen automatisch entleert und im geschlossenen Zustand aufgepumpt. Mithilfe der Luft presst sich die Dichtung an das Schieberprofil, sodass der Spalt zwischen Schiebeflügel und festem Rahmen ohne Unterbruch dicht und verschlossen ist. Zum Öffnen wird der Taster erneut betätigt, sodass die Luft entweicht und ein reibungsfreies Bewegen der Schiebeflügel ermöglicht. Die auf diese Weise geschlossenen Fenster haben eine Schlagregen- und Winddichtigkeit der Klasse E1500/ Klasse C4/B4. Die Schalldichtigkeit der Fenster beträgt 43dB. Die Fensterflügel sind dreifach-isolierverglast (nach EN 10077-1: 0,92 W/m2K bzw. Ug = 0,6 W/m2K). Damit entspricht das System dem Schweizer Minergie-Standard.

Montage

Die Fenster wurden komplett im Werk des Fassadenbauers produziert und fertig auf die Baustelle geliefert. Zu Spitzenzeiten arbeiteten etwa zehn bis zwölf Monteure auf der Baustelle. „Zunächst erfolgte die Vormontage des Grundrahmens parallel zum Rohbau, also von unten nach oben“, so Eberle. „ Danach montierten wir die eigentlichen Elemente. Sie wiegen rund 530 kg. Wir ließen die Fenster einzeln vom Dach durch einen Raupenkran herunter, und je zwei Mann installierten sie. Das ging stockwerkweise von oben nach unten.“

Fassadenbauer

Krapf mit Sitz in Engelburg im Schweizer Kanton St. Gallen beschäftigt rund 80 Mitarbeiter. Der Metallbauer realisiert mit dem air-lux System komplette Gebäudehüllen. Seit der ersten Installation im Jahre 2004 wurden in dem System bereits über 5.000 Schiebeflügel verbaut. air-lux wird auch im Wicona-Showroom „NEXT“ in Frankfurt gezeigt. „Der Münchner und der Hamburger Raum haben für uns das größte Potenzial“, so Eberle. Das Unternehmen ist Zulieferer und Metallbauer zugleich.

Fazit

Die Sonderlösungen von Krapf führen immer wieder zu außerordentlichen Projekten. Bestes Beispiel ist der neue Hauptsitz der Diakonie Bethanien. Als über 40 Meter hohes Hochhaus ragt er aus dem Gemenge anonymer Gewerbe- und Bürobauten heraus. Die Mischnutzung spiegelt sich in der belebten Fassade wider. Für die Menschen ist das Haus Arbeitsstätte und Heimat auf Zeit – ein Ort des Ankommens und Abschieds zugleich.

Info & Kontakte

Krapf AG
Breitschachenstr. 52
CH-9032 Engelburg/SG
Tel. +41 71 272 26 00
info@krapfag.ch
www.krapfag.ch