UK: Planer und Metallbauer

Gerhard Haidinger von GIG Fassaden
GIG Fassaden in Attnang-Puchheim wurde vor rund 70 Jahren als Metallbauunternehmen gegründet. Heute ist IFN Holding Mehrheitseigentümer, Pohn Management hält ein Drittel der Anteile. Das Unternehmen ist im internationalen Fassadenbau tätig und beschäftigt 190 Mitarbeiter. Die Planung verfügt über 40 Ingenieure, ind der Produktion sind 95 Fachkräfte tätig, 10 Baustellenleiter dddgeneriert werden. 80 % vom Umsatz wird über Export erwirtschaftet, die Hälfte davon in UK. Dort hat GIG Fassaden bislang an 150 Gebäuden die Fassaden errichtet. Stefanie Manger hat mit Geschäftsführer Gerhard Haidinger über seine Erfahrungen mit Planern und Architekten in UK gesprochen.
metallbau: Auf welche Fassadentypen ist GIG spezialisiert?

Gerhard Haidinger: Wir sind auf individuelle Fassaden spezialisiert, dafür stehen die 1.000 Neuprofile, die wir in den vergangenen zehn Jahren produziert haben. Aktuell fertigen wir 40 neue Profile für ein Objekt. Wir werden gefragt, wenn es um Lösungen im Sinne von Green Building geht, beispielsweise haben wir mit einer Closed Cavity Fassade eine erste passivhaustaugliche Hochhausfassade erstellt. Doppelfassaden gehören zu unserem Geschäft wie Medienfassaden, aber auch wenn Photovoltaik in die Gebäudehülle integriert wird oder es ganz allgemein um Fassaden aus Aluminium, Stahl und Glas geht, verfügen wir über umfassendes Know-how. Einen Namen haben wir aber auch für Fußgängerbrücken aller Art und spezielle Anwendungen im Sonnenschutz. 2016 haben wir ca. 34 Millionen Euro umgesetzt, unsere Betriebsleistung ist um 15 Prozent gewachsen.

metallbau: GIG Fassaden baut seit über 30 Jahren in UK Fassaden — welche Erfahrungen hat das Unternehmen, was die Absprachen der Baubeteiligten betrifft?

Haidinger: Wir arbeiten in UK mit fünf bis zehn Architekten zusammen und haben fünf bis zehn große Kunden. Meine Erfahrungen habe ich vor allem im hochwertigen Bürobau gesammelt, an öffentlichen Ausschreibungen nehmen wir in UK nicht teil. Wann der Metallbauer in die Absprachen zwischen Bauherr, Architekt und Planer eingebunden wird, ist unterschiedlich. Prinzipiell ist das in UK eher frühzeitig der Fall. Bei Sonderlösungen bleibt auch gar nichts anderes übrig. Ein Jahr bevor die Ausschreibung rausgeht, ist durchaus ein gängiges Zeitfenster. Wobei ich auch sagen muss, dass die gewerblichen Ausschreibungen in UK funktional sind und einem ausführenden Betrieb vergleichsweise viel Gestaltungsspielraum bleibt – selbst wenn er erst zum Team stößt, nachdem er den Zuschlag erhalten hat.

metallbau: Wie würden Sie denn die Ausschreibungen in Deutschland bezeichnen?

Haidinger: In Deutschland handelt es sich eher um detaillierte Ausschreibungen, das heißt, dem Ausführenden bleibt dann eher weniger Gestaltungsfreiheit. Internationale Objekte werden allerdings überall funktional ausgeschrieben.

metallbau: Wenn GIG bereits ein Jahr vor der Ausschreibung in Planungsgespräche involviert ist, dann aber bei der Ausschreibung ein Angebot vom Mitbewerber zum Zug kommt, ist das nicht ärgerlich?

Haidinger: Der Wettbewerb in UK ist anders als in Österreich. Um sich zu qualifizieren, ist ein größerer Aufwand gefragt. Es wird vielmehr auf die Leistungsfähigkeit der Unternehmen geschaut. Im Normalfall werden im Segment hochwertige Bürogebäude maximal fünf Firmen eingeladen, ihr Angebot für eine Ausschreibung abzugeben.

metallbau: In Deutschland wird ja mit Fairness argumentiert, weshalb es offiziell kostenfreie Beratungsleistungen des Metallbauers weniger geben soll. Gleichzeitig wird aber moniert, dass er das letzte Glied in der Kette der Baubeteiligten ist.

Haidinger: Das kann in Deutschland schon so sein, aber in UK gehören die Vorleistung und Vorabgespräche zum Wettbewerb, klar hat man beim Zuschlag keine Erfolgsquote von 100 %. Das ist halt so. Im Bereich Sonderfassadenbau sitzen wir mit am Tisch, damit überhaupt die technischen Lösungen gefunden werden können.

metallbau: Sie geben also Ihr technisches Know-how raus, ohne den Auftrag in der Tasche zu haben.

Haidinger: Ja, das ist so. Wenn wir spezielle Lösungen anbieten, müssen wir in Vorlage gehen – dass ist in den Märkten Maschinen- und Anlagenbau auch so. Wir haben zwei Fassadenprüfstände, die vom ift Rosenheim akkreditiert sind, damit können wir die länderspezifischen Normanforderungen sicherstellen. Wir führen im Jahr zwischen drei und fünf Tests durch, in denen eine neuentwickelte Fassade beispielsweise CE-zertifiziert wird.

metallbau: Wie viel exportiert GIG nach Deutschland und in die Schweiz?

Haidinger: In beide Länder gesamt etwa 15 %, zurzeit haben wir in Deutschland mit dem Axel Springer Neubau in Berlin ein aktuelles Objekt.

metallbau: Wie ist dabei Ihre Position als Fassadenbauer deutsche Fairness und letztes Glied in der Kette oder kostenfreie Vorleistung?

Haidinger: Der Generalunternehmer Züblin realisiert das Objekt im Partnerschaftsmodell, das ja für die frühe Einbindung aller baubeteiligten Parteien steht. Wir sind seit einem Jahr mit einem offiziellen Planungsauftrag dabei und nun geht es um die Ausführung.

metallbau: Haben Sie schon mit BIM gearbeitet? Trotz umfassender Recherche habe ich bislang noch keinen Fassadenbauer getroffen, der über seine Erfahrungen mit dieser Arbeitsweise sprechen konnte.

Haidinger: Doch wir haben Erfahrungen. Insgesamt sind wir in vier BIM-Objekte involviert, zwei in England, eines in Irland und der Neubau von Axel Springer in Berlin soll auch als BIM-Objekt umgesetzt werden. Unsere Architekten haben einen BIM- Koordinator und mit ihm wird dann die Arbeitsweise festgelegt. Allerdings muss ich sagen, dass es im Fassadenbau bislang keine Planung gibt, die voll BIM-integriert ist. Das beginnt jetzt erst schrittweise. Bislang arbeiten wir mit unserer normalen Konstruktionssoftware und im Revit-Format parallel an den BIM-Modellen.

metallbau: Welchen Informationsvorteil haben Sie, wenn Sie in Revit arbeiten?

Haidinger: Der Nutzen ist noch nicht überschaubar. In der Zukunft schon, aber der Prozess hat ja erst begonnen, die Baubranche ist noch in einer frühen Phase. Später wird sicher über BIM die komplette Projektsteuerung gemanagt, vor allem die Terminplanung. Der gesamte Bauablauf kann mit BIM getaktet werden oder das Facility Management kann sich mithilfe von BIM die Beschaffung von Ersatzteilen oder Wartungszyklen organisieren lassen. Heute hat jeder mit seiner ERP–Software ein Projektmanagement im Stande-Alone-Modus, über BIM gibt es einen firmenübergreifenden Standard für das Projektmanagement. Die Daten aller Projektbeteiligten fließen zusammen. Dieser Informationspool hat sicher für alle einen Nutzen. Wir Fassadenbauer können beispielsweise eine Materialdisposition oder einen Terminplan über unsere Konstruktionen legen.

metallbau: Es gibt also für Fassadenbauer kein Vorbeikommen an BIM?

Haidinger: Heute wird noch parallel in 2D und 3D gearbeitet, das wird sicher nicht mehr lange gehen, diese Kosten für die Planung sind viel zu hoch. Möglicherweise wird alles viel schneller gehen, als wir meinen. Ich vergleiche gerne BIM mit der Entwicklung von CAD. Viele wollten sich seinerzeit nicht von ihrem Zeichentisch trennen, heute ist die Arbeit mit CAD selbstverständlich. BIM wird sicher kommen. Wir bilden drei, vier Mitarbeiter in 3D und BIM aus. Als Grundausbildung haben diese Leute ein Bau- oder ein Maschinenbaustudium absolviert.

metallbau: Wie wird BIM Fassadenbauer treffen, die gelegentlich ein Autohaus oder eine Schule errichten?

Haidinger: Vielleicht gibt es irgendwann einen Spezialisten einen BIM Koordinator, der beim Planer angesiedelt wird. Seine Aufgabe könnte es sein, von Seiten der Gewerke des Handwerks die Daten übergreifend einzupflegen. Ob BIM klassischen Handwerksbetrieben zuzumuten ist, bleibt abzuwarten.⇥