„Unser Aluminiumsystem wird unterschätzt“

Gutmann in Weißenburg hat sich für die fensterbau frontale ein ganz spezielles Exponat ausgeguckt. Eines, das mit einem frischen Strahlen wirbt. Eine Eigenschaft, die ein modernes Fenster trotz multifunktionaler Finessen doch nicht leistet. Die Branche hat Arnd Brinkmann wieder und seine Ansage ist klar. „Metallbauer schaut künftig ruhig mal auf Gutmann.“


metallbau: Wie lange hat die Pause von Ihrem Abschied bei Wicona bis zum Start bei Gutmann gedauert und wie haben Sie sich die Zeit vertrieben?
Arnd Brinkmann: Zehn Monate habe ich pausiert. Für einige Firmen stand ich im Freundschaftsdienst mit Rat und Tat zur Seite. Aber die Veränderung war trotzdem enorm: Ich bin von 200 Prozent Beruf auf eine völlig normale Freizeit heruntergefahren, habe mein Motorrad restauriert und Deutschland mal nicht auf Geschäftsreisen kennengelernt, sondern mit meiner Frau an der Seite. Überhaupt die Zeit, die ich für meine Familie hatte, das war sehr ungewöhnlich. Sehr schön ist auch die Zeit, die für Reflexion bleibt. Insgesamt habe ich die Situation als Chance begriffen und so ist es ja dann auch im Rückblick gewesen.

metallbau: Wie haben denn die Branchenkollegen hier auf der frontale reagiert?
Brinkmann: Es waren viele alte Freunde aus der Branche am Messestand, aber ich habe auch schon wieder viele neue Geschäftspartner über das Netzwerk der Gutmann AG kennengelernt.

metallbau: Was sind denn die Aufgaben des Vice Presidenten?
Brinkmann: Hinter Gutmann steht zwar eine Unternehmerfamilie, allerdings als Aktiengesellschaft mit über 1.300 Mitarbeitern. Deshalb also die Funktion des Vice Presidenten, in der ich für den Geschäftsbereich der Bausysteme verantwortlich bin. Darüber hinaus hat die AG die Sparten Aluminiumprofile und Spezialdraht. Zu den Bausystemen gehören die Aluminium-, Metallverbund-  und Baubeschlagsysteme. Natürlich kenne ich mich mit Aluminiumsystemen sehr gut aus, aber die Metallverbundsysteme und Baubeschlagsysteme komplettieren das Angebot für die Fenster- und Fassadenbranche und gestalten meine Aufgabe umso interessanter.

metallbau: Mit welchem Auftrag hat Sie die Aktiengesellschaft Gutmann ins Rennen geschickt?
Brinkmann: Die Struktur des Familienunternehmens und die Unternehmenskultur, die ich kennengelernt habe, haben mich gereizt die Aufgabe anzunehmen. Die AG denkt nicht in Monats- oder Quartalsergebnissen. Die Planungshorizonte sind langfristiger verbunden mit einer klaren Vorstellung über das Machbare und auch in welchen Zeitschienen die Ziele umgesetzt werden sollen. Ich bin für Wachstum angetreten, das liegt in meinen Genen. Wenn ich irgendetwas mache, dann möchte ich dies positiv nach vorne entwickeln. Unabhängig von meiner Person, erwartet Gutmann ein solides, kontinuierliches, qualitatives Wachstum.

metallbau: Können Sie die Produkte nennen, für die Wachstum Priorität hat?
Brinkmann: Bei den drei Produktsparten Metalverbundsysteme, Baubeschlagssysteme und Aluminiumsysteme sehe ich im Aluminiumsystem das größte Wachstumspotenzial. Hier ist Gutmann mit einem sehr guten Komplettsystem im Markt unter seinem Potenzial vertreten.Die Bereiche Metallverbund- und Baubeschlagsysteme, wo wir uns als Marktführer sehen, geben eine solide Basis, die richtigen Entscheidungen für das Aluminiumsystem zu treffen.

metallbau: Wie wollen Sie das Geschäftsfeld der Bausysteme in den deutschsprachigen Ländern und in Europa positionieren?
Brinkmann: Objektiv gesehen hat in Deutschland kaum ein Systemhaus derart gute Voraussetzungen wie Gutmann. Wir sind nahezu Komplettanbieter für die Fenster- und Fassadenindustrie – zumindest was Holz-Aluminium, Aluminium und Baubeschlagssysteme anbelangt. Wir haben die ganze Wertschöpfungskette in der eigenen Hand, das macht uns zu einem starken, kompetenten Partner. Die Synergien aus diesen drei Materialien gebündelt auf die Straße zu bringen, das ist das Ziel. Wir sind in der D-A-CH Region vertreten und international - beispielsweise sind bei zahlreichen Skyscrapern in Europa und dem Mittleren Osten unsere Elementfassaden verbaut.

metallbau: Möchten Sie in dieses Objektgeschäft verstärkt einsteigen?
Brinkmann: Ich möchte nicht ein kurzfristiges Umsatzwachstum durch Großprojekte. Das wäre der falsche Weg, mir geht es um längerfristiges Wachstum, unter anderem indem wir unsere Position mit Technikern und Außendienstmitarbeitern ausbauen. Im Verbund- und Baubeschlagsystem haben wir in Deutschland eine Marktführerschaft und eine sehr gute flächendeckende Präsens durch den eigenen Vertrieb und soliden und guten Partnerschaften mit dem Handel, im Aluminiumsystem sind wir sicher nicht unter den ersten vier. Ich sehe Wachstums- und Entwicklungspotenzial in allen Bereichen, aber am stärksten für das Aluminiumsystem. Dabei geht es in erster Linie um den Markt der D-A-CH Region.

metallbau: Der Trend zum Glas und die DIN 18008 haben dem französischen Ganzglasbalkon eine starke Nachfrage beschert. Gutmann hat ihn schon im Portfolio – zugekauft oder aus der Produktion?
Brinkmann: Natürlich handelt es sich bei dem jetzt auf der Fensterbau Frontale vorgestellten Gutmann FPS – System um eine eigene Entwicklung. Die Resonanz ist ausgesprochen gut – wir haben den Trend in der Architektur voll getroffen. Es ist ein geprüftes System mit allen Zertifikaten, ist prozesssicher zu montieren und genauso leicht wieder auszutauschen.

metallbau: Haben Sie zum Ende des Interviews noch einen Satz an die Metallbauer?
Brinkmann: Schaut künftig ruhig mal nach Gutmann und ihr werdet überrascht sein.


Chefredakteurin Stefanie Manger hat Arnd Brinkmann auf der Fensterbau frontale getroffen.