Unternehmerin Hedwig Wecker

Nicht viele Metallbauunternehmen fertigen Spielplatzgeräte. Gockeln Metallbau in Borlinghausen bei Paderborn ist in diesem Nischenmarkt seit 40 Jahren positioniert. Das Arbeitsfeld ist stark rückläufig, der Gesamt­umsatz wird zu 80 % mit Aufträgen aus der Industrie erwirtschaftet.

Die Tradition des Metallbaubetriebs reicht bis ins Jahr 1883. Seinerzeit fertigte die Schlosserei Teekistenschlösser für den Export nach Japan und China. „Mein Urgroßvater stand um 4.00 Uhr morgens auf, um seine Dampfmaschine einzuheizen. Die Handwerker sollten um 7.00 Uhr mit ihrer Arbeit anfangen können“, erzählt Hedwig Wecker.

Die 51-Jährige hat sich zunächst nicht in die Unternehmertradition der Familie eingereiht, sondern war als Krankenschwester tätig. 2003 übernahm Hedwig Wecker die Geschäftsführung von Gockeln Metallbau. „Um das qualifiziert zu tun, habe ich die Weiterbildung als Betriebswirtin im Handwerk absolviert“, berichtet sie. Das Unternehmen floriert unter ihrer Leitung, inzwischen beschäftigt Gockeln Metallbau 29 Mitarbeiter – 12 mehr als im Jahr 2007.

Nischenmarkt Spielgeräte. „Karussells, Klettergeräte oder Schaukeln aus Metall sind generell beliebt“, weiß Hedwig Wecker. Es verrottet nichts, splittert nichts, und die Geräte sind bis zu 30 Jahre im Einsatz. In den 1990er-Jahren waren Spielgeräte noch ein Teil des Kerngeschäfts, seit der Insolvenz eines großen Kunden am Ort schrumpft das Segment. Kunden sind heute in erster Linie Betriebe des Garten- und Landschaftsbaus, inzwischen überlassen viele Kommunen den Einkauf diesen Firmen.

„Der Rücklauf dieses Segments ließ sich nicht aufhalten, obwohl wir um das Interesse der Kommunen geworben haben“, erläutert die Unternehmerin. „Kauft eine Stadt ein Karussell direkt von uns und baut es durch eigenes Personal ein, kostet es erheblich weniger als über den Zwischenhändler“, konstatiert Maschinenbautechniker Olaf Zinkhöfer. Er versteht nicht, weshalb die Kommunen nicht versuchen, den höheren Preis zu vermeiden. Er verantwortet die normkonforme Fertigung im Betrieb. „Unsere Spielgeräte entsprechen der DIN EN 1176-2008-8 und verfügen über eine Konformitätserklärung des TÜVs“, stellt Zinkhöfer fest. Auf dem Schreibtisch liegt das DIN Taschenbuch für Kinderspielgeräte vom Beuth Verlag. Einbauanleitung und ein Wartungsplan sichern die fachgerechte Montage.

Der Nischenmarkt fordert einen vergleichsweise hohen Aufwand. Die jährlich vorgeschriebene Betriebsstättenabnahme leistet der TÜV Thüringen. Bei dem Vor-Ort-Termin wird regelmäßig die Konformitätserklärung neu ausgestellt. Geht es um den Bau von rollstuhlgerechten Schaukeln oder Karussells, trifft Zinkhöfer individuelle Absprachen ebenfalls mit dem Sachverständigen vom TÜV. Dies ist Vorgabe, wenngleich die Geräte ausschließlich in betreuten Einrichtungen aufgestellt werden.

Eine spezielle Vereinbarung betraf beispielsweise den Einbau einer Bremse in ein Karussell, das Platz für zwei Rollstuhlfahrer und bis zu vier Betreuer bietet. „An der Konstruktion habe ich mit Kollegen ein Jahr lang getüftelt“, erzählt Zinkhöfer. Auch behindertengerechte Spielgeräte werden im Betrieb entworfen, geplant, umgesetzt und nach externem Verzinken auf Wunsch farbig lackiert. Dass die Gewinne in diesem Arbeitsfeld eher bescheiden ausfallen, kann sich jeder selbst ausrechnen. „Am ’Glücklichmachen‘ von Kindern und Rollstuhlfahrern beteiligt zu sein, macht aber für uns alle Sinn“, sagt Wecker.

Florierende Segmente. Die Anlagen für Spielplätze haben eine Firmentradition von 40 Jahren, der Bereich der Stanzerei besteht noch einige Jahrzehnte länger. Produziert werden vor allem Beschlagsserien für Leitern und Treppengerüste. Im vergangenen Jahr wurde in diesem Segment etwa ein Viertel des Umsatzes erwirtschaftet. Die erste Doppelständerpresse aus dem Jahr 1906 hat Wecker erst kürzlich der Berufsgenossenschaft als Ausstellungsstück vermacht. „Bis zum Jahr 2000 hatten wir diese Maschine noch in Betrieb.“ Die Stanze aus dem Jahr 1939 läuft wegen Vorgaben der Arbeitssicherheit nur sporadisch.

1978 wurde eine moderne Stanze angeschafft: eine 80-Tonnen-Exzenterpresse von Müller Maschinen und Anlagen. Die aktuelle Nachfrage ist jedoch im Wandel, sodass die Stanze mit den immer größer werdenden Werkzeugen überlastet war. Wecker berichtet: „Zunächst haben wir einen Teil der Aufträge an einen Unternehmerkollegen abgegeben, inzwischen haben wir eine neue Exzenterpresse mit 160 Tonnen Druckkraft angeschafft.“ Die neue Maschine steht noch keine Woche in der Werkstatt, Servicetechniker von Müller Maschinen und Anlagen schulen den Metallbauer Paul Maksuti in der Bedienung. Diese Stanze hat einen Durchsatz von bis zu 70 Teilen pro Minute, die bis zu drei Millimeter dick sein können. „Ab jetzt können wir unsere Aufträge wieder komplett selbst ausführen“, sagt die Unternehmerin.

Lackiererei stärkt Marktposition. Die Aufträge aus der Industrie verzeichnen einen starken Zuwachs. Von 2007 bis 2013 wurde dieser Umsatzbereich verdoppelt. Für die Automobilbranche werden z.B. Arbeitsbühnen für die Montage gefertigt. „Die Stahlträger sollen wir oft just in time liefern“, berichtet Wecker. Ohne betriebseigene Lackiererei wäre dies nicht machbar. „So sparen wir einiges an Logistik und haben die Termine besser im Griff.“ Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit.

Etwa 1.000 Stunden pro Jahr wird die Anlage genutzt. Das separate Gebäude wurde 2008 nach Stand der Technik gebaut. Neben der Anschaffung einer Lackieranlage braucht es zudem eine normgerechte Absaugung, Filtermatten sowie Bodenfolien müssen regelmäßig ausgetauscht werden.

Nach der Erstabnahme durch den Sachverständigen für Beschichtungs- und Trockenanlagen ist weiterhin eine jährliche Prüfung notwendig. Zudem schult der Sachverständige die Metallbauer im sachgerechten Umgang mit den Materialien. Wecker moniert: „Es gibt keine Weiterbildungsangebote für Metallbauer, die Werkstücke lackieren.“

Derzeit steht Andre Steinbach in der Lackiererei. Der Azubi ist im dritten Ausbildungsjahr, irgendwie muss er das Tragen des Schutzoveralls mit Kapuze, der Atemmaske und der Handschuhe mögen. „Ich bin froh, dass ihm diese Arbeit liegt, die meisten Mitarbeiter lehnen das ab.“ Das verwundert nicht: In seinem Overall mit Maske und Farbpistole wirkt Steinbach wie vom anderen Planeten.

Qualifiziert und zertifiziert. Auch der vierte Bereich – die Bauschlosserei – verzeichnet ein sattes Wachstum. Fertigung und Montage umfassen Balkon- und Treppengeländer, vorgesetzte Balkone, Fluchttreppen und Vordächer. Mit zwei Schweißfachmännern und zwölf geprüften Schweißern ist die Personaldecke für die Verarbeitung von Stahl sehr gut. „Die Zertifizierung nach EN 1090 haben wir schon hinter uns“, sagt Wecker. Der Betrieb ist für die Schweißprozesse E-Hand­schweißen, MAG und WIG geprüft. Der Handlungsspielraum ist vergleichbar mit den Möglichkeiten nach EN 18800. „Zuvor konnten wir 30 bis 35 mm dicke Stahlplatten schweißen, nun bis zu 40 mm dicke Platten“, erläutert Zinkhöfer einen Unterschied. Abweichend sind vor allem die zusätzlichen Anforderungen an die Dokumentation. Die Kosten für die Prüfungen fallen nicht ins Gewicht, der innerbetriebliche Arbeitsaufwand allerdings schon. Die Unternehmerin hat sich im Ablauf auf die Zusammenarbeit mit dem Fachverband Metall NW gestützt. Dank der detaillierten Betriebsdatenerfassung waren die Voraussetzungen für die Einführung der neuen Dokumentationsstrukturen recht gut.

Modernes Betriebsmanagement. „Der Betriebserfolg fußt auf dem steten Bearbeiten aller vier Arbeitsbereiche“, so Wecker. Damit klar ist, welcher Materialaufwand für den jeweiligen Auftrag benötigt wird und ob die Kalkulation mit dem tatsächlichen Bedarf der Stunden übereinstimmt, hat das Unternehmen eine mitarbeiter- und auftragsbezogene Zeiterfassung. „Damit haben wir die Effektivität der Bereiche präzise im Blick.“ Die Vorlagen der Betriebsdatenerfassung hat ihr Mann Manfred Wecker angelehnt an WINLine erstellt. Das Rechnungsprogramm ist eine ERP-Software für kleine und mittelständische Unternehmen – genau auf den Bedarf des Betriebs zugeschnitten. Hedwig Wecker kann jederzeit auf Knopfdruck abrufen, welcher Mitarbeiter seit wann an welchem Auftrag mit welcher Arbeit beschäftigt ist. Der systematisierte Informationsfluss, der exakt auf die Betriebsstrukturen von Gockeln Metallbau abgestellt ist, hat viele praktische Vorteile für die Unternehmerin.

Schon seit 2008 wird jeder Auftrag mit einem Barcode markiert. Wer an dem Auftrag arbeitet, stempelt sich ein und gibt kurz an, welche Arbeit er ausführt. Natürlich ist da der Gedanke an „big brother is watching you“ naheliegend. Zinkhöfer schüttelt den Kopf: „Wer im engen Wettbewerb bestehen möchte, braucht einen präzisen Überblick über die Arbeitsabläufe.“ Für die werkseigene Produktionskontrolle im Rahmen der EN 1090, für die Nachkalkulation eines Auftrags oder die Erstellung einer Jahreszielplanung ist diese Datenerfassung Gold wert. Wird für eine Aufgabe beispielsweise entscheidend mehr Arbeitszeit benötigt als in der Kalkulation vorgesehen, wird diese mit einer roten Bewertungszahl markiert. Solche automatischen Alarmsignale rufen die Aufmerksamkeit der Unternehmerin rechtzeitig auf den Plan.

Die Transparenz des Controllings verschafft den Mitarbeitern Sicherheit, dass Gockeln Metallbau sich nicht unter den insolventen Betrieben einreihen wird, über die jeden Tag in den Tageszeitungen zu lesen ist.

Fazit. Der Zuwachs an Dokumentation in einem modernen Metallbaubetrieb ist erheblich. Mit der Software ELO-Professional wurde für die Bürokräfte und technischen Führungskräfte eine flotte Recherchemöglichkeit installiert. „Vorteil des Programms ist, wir können Dokumente über ein Stichwort suchen, ohne dass wir diese zuvor verschlagworten müssen“, erläutert Wecker. So ist es beispielsweise möglich, Materialrechnungen, Schweißnachweise, Lieferscheine usw. einzuscannen und mit Eingabe eines Stichwortes schnell wiederzufinden. Stefanie Manger 

Info & Kontakte

Gockeln Metallbau GmbH & Co

Hauptstr. 17

34439 Willebadessen - Borlinghausen

Tel. 05642 94973 0

www.gockeln-metallbau.de