Online-Marktplatz für Bleche

„Mal eben schnell einen Preis abfragen!“

Mit seinem Marktplatz für Laserteile und Blechzuschnitte ist das Start-up orderspot auf dem besten Weg, sich als Bindeglied zwischen Metallbauunternehmen und Dienstleister wie Tailor Steel oder Laserteile4you zu etablieren. Drei Metallbauer berichten von ihren Erfahrungen.

Vor zwei Jahren gegründet, schickt sich das Start-up orderspot an, ein Bindeglied zwischen Metallbauer und Hersteller zu werden, auf das keiner mehr verzichten möchte. „Ein Flacheisen aus dem Regal ziehen, zur Sägemaschine bringen, ablängen, auf Maß sägen, vier Bohrlöcher anzeichnen und bohren: Wenn das ein Geselle macht, kostet das leicht um die 250 Euro. Wenn ich das plasmaschneiden oder lasern lasse, zahle ich 50 Euro“, sagt Pascal Schlesinger. Kleine Handwerksbetriebe hätten in den seltensten Fällen eine eigene Laseranlage oder Wasserstrahlanlage, fügt der Werkstattmeister bei Röll Metallbau in Hagen hinzu. Es lohnt sich für kleinere Betriebe, diese „einfachen“ Vorarbeiten außer Haus zu geben. Neben den Kosten- und Zeitgründen ist das Zuschneiden der Bleche – gerade von komplexeren Formen – per Lasermaschine auch präziser als die mechanische Bearbeitung. Schlesinger: „Per Laser wird das bis auf den Zehntel Millimeter genau geschnitten.“

Das Münsteraner Start-up orderspot versteht sich als Bindeglied zwischen Metallbauer und Hersteller von Blech- und Kantteilen. Martin Lenter und Denis Westermeyer haben den Marktplatz im Februar 2021 gegründet. Mittlerweile sind 56 Hersteller registriert und mehrere Hundert Kunden nutzen das Portal. Handwerksbetriebe können online Zuschnitte aus Stahl, Edelstahl oder Aluminium anfragen und erhalten in Minutenschnelle ein Angebot von mehreren Anbietern im Überblick.

Vorteil 1: Flottes Angebot

„Das Schöne ist, dass man innerhalb von fünf Minuten die Angebote vorliegen hat und vergleichen kann“, erzählt Schlesinger. Der Werkstattmeister des Hagener Metallbaubetriebs ist verantwortlich für das Aufmaß und die anschließende Konstruktion mittels CAD-Programm. Dann recherchiert er mögliche Lieferanten. „Früher hat es teilweise Tage gedauert, bis man eine Antwort bekam“, erzählt er. Mehrere Angebote vergleichend einzuholen, scheiterte nicht selten an der Zeit. Heute nutzt er „gefühlt täglich“ die Plattform oderspot. „Der Bestellwert liegt meistens zwischen 150 und 200 Euro, kann aber auch mal bei 1.000 Euro liegen, dann, wenn wir 350 Ankerplatten für ein 350 Meter langes Geländer bestellen.“

Philipp Ening bestellt ein- bis zweimal in der Woche über orderspot. Der Metallbaumeister bei Eickhoff Metallgestaltung und Kunstschlosserei in Havixbeck westlich von Münster ist zuständig für die Arbeitsvorbereitung und den Materialeinkauf. Er bestellt Blechzuschnitte mit unterschiedlichen Oberflächen – geschliffen, hochglanzpoliert oder roh –, die dann beispielsweise für den Geländerbau oder für Stahlbaukonstruktionen verwendet werden. Er sagt: „Wir ziehen es vor, mit Lieferanten aus der Region zu kooperieren. Mit einem Lieferanten in unserer Nähe arbeiten wir schon länger zusammen, daran halten wir fest; ansonsten nutzen wir orderspot.“ Ening schätzt die Zeitersparnis gegenüber dem früheren Prozess auf rund 30 Prozent. Zeit spare man vor allem dadurch ein, dass man direkt die Dateien hochladen kann und sofort den Kostenüberblick hat.

Die oftmals sehr lange Reaktionszeit, wenn man direkt auf die Hersteller zugeht, ist ein Grund, warum orderspot so gut angenommen wird. Martin Lenter, einer der zwei Geschäftsführer von orderspot, erläutert den klassischen Bestellweg: „Der Verantwortliche für den Einkauf sendet Zeichnungen in 2D oder 3D per E-Mail an den Hersteller und fragt ein Angebot an; das kann dann innerhalb von zwei Tagen vorliegen, aber auch mal zwei bis drei Wochen dauern, wenn man nicht zu den Top-Kunden gehört.“ Das kann Maximilian Lachmann bestätigen. Es dauert oftmals sehr lange, bis man eine Antwort erhält, erzählt der Inhaber von Max Steel Metallbau aus Gera.

Vorteil 2: Transparenter Preis und Liefertermin

Eine Anfrage über das Online-Portal zu stellen, ist eine Sache von wenigen Minuten. Die Metallbauer und Handwerksmeister laden die Dateien hoch – meistens eine Step-Datei –, wählen Materialart, -stärke und -oberfläche aus, geben die Stückzahl ein und lassen dann orderspot „rechnen“. Die Lieferzeit beeinflusst den Preis. Wer die Ware innerhalb von 5 bis 8 Tagen haben möchte, muss etwas tiefer in die Tasche greifen. Wer es nicht eilig hat, fährt in der Regel günstiger.

Maximilian Lachmann nutzt orderspot seit einem dreiviertel Jahr und bestellt im Schnitt einmal im Monat; der Bestellwert liegt in der Regel zwischen 1.000 und 1.500 Euro. Max Steel Metallbau hat sich unter anderem auf Klavierzubehör spezialisiert, aus den Stahlzuschnitten entstehen beispielsweise Flügeltransportrollen. 1.400 Stück im Jahr stellt der Vier-Mann-Betrieb davon her.

Pascal Schlesinger von Metallbau Röll nutzt parallel drei Portale für seine Anfragen. Neben orderspot fragt er auch über Laserhub und 247TailorSteel an. Während 247TailorSteel selbst ein großer Hersteller ist, der alle seine Produkte digital anbietet, ist Laserhub ebenfalls ein Start-up, das selbst nicht produziert, sondern als Händler fungiert. Im Unterschied zu Laserhub ist in der Ergebnisliste von orderspot ersichtlich, wer der Hersteller ist, von dem das Angebot stammt.

Vorteil 3: Hersteller ist bekannt

Von Beginn an war es den Gründern wichtig, dass die Anbieter transparent sind. Die Devise lautete: „Der Kunde muss mit dem Hersteller sprechen können.“ Vorteil dabei ist auch, dass orderspot keine Mitarbeiter für den Kundenservice „vorhalten“ muss. Das ist anders als beim Mitbewerber Laserhub. Der Werkstattmeister von Röll Metallbau: „Wenn man über Laserhub bestellt, kommuniziert man nie direkt mit dem Produzenten. Auch wenn man nach Erhalt der Ware eine Reklamation hat, wendet man sich direkt an Laserhub.“ Deren Service-Mitarbeiter sind Anlaufstelle für Rückfragen der Käufer, wenn etwas fehlt oder nicht wunschgemäß gefertigt wurde. „Wir sparen uns diesen ‚Wasserkopf‘“, sagt der orderspot-Vertriebsmann.

Für Philipp Ening von Eickhoff ist es wichtig, regionale Lieferanten auszuwählen. Über orderspot kann er neben dem Preis auch sehen, ob der Lieferant in der Umgebung sitzt. „Das ist entscheidend, damit wir die Materialien gegebenenfalls selbst abholen können oder unsere eigenen Fahrdienste oder den Fahrdienst des Zulieferers nutzen können.“ Auch wenn sie schon oft festgestellt haben, dass der günstigste Lieferant bei ihnen in der Nähe sitzt, bestellt der Betrieb dennoch nicht direkt bei ihm, sondern nutzt weiterhin die Plattform der Münsteraner.

Vorteil 4: Kostengünstiger einkaufen

Der Geschäftsführer von orderspot sagt, dass seine Kunden im Schnitt 10 bis 15 Prozent im Jahr beim Einkauf von Laserteilen und Blechzuschnitten sparen könnten. Vor Kurzem hat Martin Lenter eine Stichprobenanalyse durchgeführt und dabei die Preise für 40 Produkte bei verschiedenen Online-Marktplätzen verglichen. Das Ergebnis: Die Angebote bei orderspot waren im Schnitt 22 % günstiger, nur in zwei Fällen war man teurer. Dass der Lieferant in der nächstgrößeren Stadt „mit den Preisen davongeritten ist“, veranlasste auch Maximilian Lachmann dazu, sich neu zu orientieren, er stieß schließlich über einen Messeflyer auf das Online-Portal. Er berichtet, dass er über orderspot bei Kleinteilen oftmals die Hälfte weniger bezahlen müsse als zuvor.

Auch der Hersteller spart Zeit und Aufwand und damit Kosten, indem er einmal nach Registrierung seine Kalkulationsgrundlagen eingibt. Das sei ähnlich wie bei jedem Kalkulationsprogramm. „Man gibt den Kilogramm-Preis für den Stahl ein, die gewünschte Marge, Maschinenangaben wie Schnittgeschwindigkeit, Stundensatz und Rüstzeiten. Einmal hinterlegt, generiert das Programm dann nach diesen und weiteren Angaben des Herstellers den Angebotspreis bei einer Anfrage des Interessenten“, erläutert Lenter. An der Komplexität dieses Verfahrens liegt es auch, dass (noch) nicht alle Fertigungsverfahren automatisch kalkuliert werden können.

Noch Zukunftsmusik: Ganze Bauteilgruppen

Angesprochen auf die Wünsche seiner Kunden, lacht Martin Lenter. „Ganze Bauteilgruppen vorab zu kalkulieren, ist einfach schwierig“, antwortet der CSO auf den Wunsch von Pascal Schlesinger. „Es wäre ein Traum, auch kleine Baugruppen oder kleinere Schweißkonstruktionen über orderspot bestellen zu können“, sagt der Werkstattmeister von Röll. Obwohl es sehr komplex sei, so etwas vollautomatisch zu berechnen, will orderspot dies in naher Zukunft anbieten. „Auch wenn das sehr sportlich ist“, so Lenter.

Momentan ist es möglich, aus 500 unterschiedlichen Materialkombinationen, also einer Legierung plus Oberflächenbeschaffenheit und Dicke, auszuwählen. Auch Nachbearbeitungen wie „Gewinde schneiden“ oder „entgraten“ sollen angeboten werden. Es liege an den Herstellern selbst, dass sie ihr gesamtes Portfolio im Programm hinterlegen. 

Mit der „Usability“ sind die befragten Metallbauer durchwegs zufrieden. Philipp Ening: „In den letzten 6 bis 12 Monaten wurde das Programm deutlich erweitert und verbessert. Die Eingabe der Materialien ist deutlich komfortabler geworden.“ Ening, Schlesinger und Lachmann begrüßen es, dass Martin Lenter Kontakt hält und offen für Verbesserungsvorschläge ist. Schlesinger vermisst nichts und wenn man mal einen Fehler findet, „wird das schnell gefixt“.

Transparenz über Provision

Das Geschäftsmodell von orderspot ist provisionsbasiert. Die Hersteller, die sich bei der Plattform registrieren, bezahlen fünf Euro, wenn ein Auftrag zustande kommt, fünf Euro pro Auftragsposition plus 0,1 Prozent vom gesamten Bestellwert. Abgerechnet wird direkt mit dem Hersteller am Monatsende. Dieses Preismodell besteht unverändert seit der Gründung im Frühjahr 2021. Es müsse sich für beide Seiten lohnen, betont Martin Lenter und erklärt: „Das Preismodell basiert auf den Erfahrungen und unserem Wissen darüber, wie lange ein Hersteller braucht, um ein Angebot zu kalkulieren und wie viel organisatorischer Aufwand damit verbunden ist.“

Die Ursprungsidee

Lenter nennt zwei Schlüsselerlebnisse, die ihn und seinen Kompagnon anregten, einen Marktplatz für Laserteile à la „Check24“ aufzubauen. Als Technischer Leiter eines Metallbauunternehmens für den Innenausbau fand er es nicht mehr zeitgemäß, selbst einfachste Laserteile jedes Mal neu manuell kalkulieren zu lassen. Die Erkenntnis, dass man „so simple Bauteile doch vollautomatisch berechnen können muss“, war der Ursprung seiner Geschäftsidee, „ein Kalkulationstool für die Branche zu kreieren.“

Der zweite Schlüsselmoment war der, als er feststellen musste, dass es gar nicht so einfach ist, „auf die Schnelle einen Preis zu erhalten“. Selbstbewusst sagt der CSO: „Das, was wir mit orderspot anbieten, gibt es so in ganz Europa nicht.“ Nach einer etwa einjährigen Aufbau- und Testphase würde man seit Frühjahr 2022 „durchstarten“. Für 2023 hat sich das Start-up vorgenommen, den Umsatz zu verdreifachen.

www.orderspot.de

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