Isolar Wettbewerb 2017

Kategorie: Innovative Objekte

Der Name Leuphana geht zurück auf den antiken Geographen Ptolemäus, der damit im zweiten Jahrhundert eine Siedlung in der Region des heutigen Lüneburg bezeichnete. Dieser Name ist zugleich Programm für die Universität ebenso wie für ihr neues Zentralgebäude. Der Standort der Leuphana Universität befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Wehrmachtskaserne. Die noch vorhandenen Gebäude aus den Dreißiger Jahren sind bis heute von der Ausrichtung auf ihren militärischen Zweck geprägt.

Architekt Prof. Daniel Libeskind, seit der Arbeit am Konzept für das neue Zentralgebäude auch Professor für Architekturentwurf an der Leuphana Universität, setzte auf eine intensive Zusammenarbeit mit den Studierenden. In insgesamt 14 Seminaren – in New York wie auf dem Campus – wurden Ideen für die Architektur entwickelt. Nach eigenem Bekunden erlebte er dabei die Leuphana als einen „Brutkasten für neue Ideen, Innovation, Forschung und Entdeckung“. Folgerichtig ist das neue Zentralgebäude von diesen Elementen durchdrungen. Mit seinen asymmetrischen Formen ist es im Vergleich zu der strengen Gebäudestruktur der Vergangenheit das genaue Gegenteil.

Beinahe wie der Bug eines Schiffes ragt der fast 37 m hohe Turm des Seminar- und Studierendenzentrums empor, das sich über etwa 5.000 m² der Gesamtnutzfläche von etwa 13.000 m² erstreckt. Das Veranstaltungszentrum ist für 2.500 Besucher konzipiert, davon 1.100 im neuen Auditorium Maximum, das von der Stadt Lüneburg auch als Stadthalle genutzt werden soll.

Innovation, Forschung und Entdeckung sind auch prägende Elemente bei den Komponenten für die technische Umsetzung des architektonischen Entwurfs. Schwerpunkt ist dabei die saisonale Wärmespeicherung in einem untertägigen Grundwasserleiter. Weitere Aspekte sind die Verwendung von Vakuumpaneelen und PCM-Materialien sowie von schaltbarem Glas im Zusammenspiel mit einer präsenz- und tageslichtgesteuerten LED-Beleuchtung. Für die Fassade fiel die Entscheidung zugunsten einer metallenen Oberfläche mit der Aussicht auf die Bildung von Patina und auf große Fensterflächen, die viel Licht ins Gebäude lassen.

„Ein weiterer wichtiger Schritt war der Verzicht auf jegliche außenliegende Beschattung zur Wahrung des Designs“, beschreibt Manfred Dittmar, bei EControl-Glas für die Projektberatung und -begleitung verantwortlich, die Ansatzpunkte für seine Gespräche mit den Fassadenplanern von ARUP. „Es ist uns gelungen aufzuzeigen, dass unser stufenlos dimmbares Glas im Kontext von Fassadendesign und technischen Vorgaben die optimale Lösung darstellt.“ Das Ergebnis kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen: über 600 m² schaltbares Dreifach-Funktionsglas mit elektrochromer Außenscheibe in den Fensterbändern des Seminar- und Studierendenzentrums und noch einmal fast 150 m² in Pfosten-Riegel-Konstruktionen in den Dachflächen des Turms.

Die elektrochromen Verbundgläser aus der Produktion von EControl-Glas für die Leuphana wurden, wie für viele andere Projekte auch, bei Glas Natter in Regensburg zu Dreifach-Funktionsglas weiterverarbeitet. Die Gläser für die Fensterbänder erhielten EC 11 Außenscheiben, während die Dachscheiben mit EC 9 Außenscheiben versehen wurden.“

„Die Firma EControl-Glas ist ein sehr anspruchsvoller Auftraggeber mit Anforderungen an die Qualität der Isolierglas-Fertigung, die weit über das normale Maß hinausgehen“, verrät Rosemarie Natter, geschäftsführende Gesellschafterin. „Dass wir immer wieder der Partner der Wahl für die Produktion der schaltbaren Funktionsgläser sind, ist das beste Kompliment, das wir für unser Qualitätsstreben und die Fähigkeit unserer Mitarbeiter, sich auf Sonderwünsche einzustellen, bekommen können,“ beschreibt sie die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit. „Wir sind schon ein wenig stolz darauf, dass Scheiben aus unserer Isolierglas-Fertigung den Weg in ein solch prominentes Projekt gefunden haben, das zudem auch noch richtig gut aussieht.“

„Schiefe Wände regen das Denken an“, so beschreibt Susanne Leinss, Projektleiterin bei der Leuphana Universität, „ihren Neubau“. Niedersachsens Ministerpräsident Weil sagte bei der Eröffnungsfeier am 11. März 2017: „Die Universität hat ein architektonisches Highlight bekommen, auf das auch Stadt und Region stolz sein können.“ Das neue Zentralgebäude entspreche den Idealen einer offenen Gesellschaft und spiegele so das Leitbild der Universität und des Landes wider.

Kategorie: Kreative Objekte

„Ein Logenplatz im Opernquartier“ – so wirbt das MA’RO auf der Webseite für sich selbst und verweist auf die neue Lage der beiden neuen Wohn- und Geschäftshäuser am Eingang zur Neuen Rothofstraße, einer kleinen Parallelstraße zur Goethestraße. Zuvor standen an derselben Stelle an beiden Straßenecken die Zwillinge der BHF-Bank, die nunmehr durch ihren Abriss Platz für eine neue Zeit in einem bisher langweiligen Büroviertel gemacht haben. Das Projekt wurde gebaut im Auftrag der Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft.

In kompletter Abkehr vom biederen Charme der Vorgängerbauten und im vollständigen Kontrast zu den landauf landab gängigen geschlossenen Fassaden von Büro- und Geschäftshäusern entwickelten Eike Becker Architekten aus Berlin ein avantgardistisches Konzept, mit dem sie den Wettbewerb für die Realisierung der Neubauten gewannen: Die Grundidee für das MA’RO beruht auf dem Stapeln und Fügen unterschiedlicher Rahmen in bis zu sieben Lagen (Geschossen), die wie Erker leicht in den öffentlichen Raum hineinragen. In einer weitgehend aus verglasten Flächen bestehenden Fassade wird so jeder einzelne der vor und zurück springenden Würfel zu einem eigenen Blickfang. Zugleich entstehen die beiden Gebäude als ein lebendiges Ganzes, zu dem jeder einzelne Würfel seinen Beitrag leistet.

Die beiden neuen Gebäude punkten außerdem mit großen Schaufensterfronten über zwei Etagen, mit einer Deckenhöhe von bis zu fünf Metern und großzügig geschnittenen Räumen. Dies ist vor allem eine Ausrichtung auf die als Mieter erwarteten Boutiquen im Luxus-Shopping-Segment. In beiden Gebäuden zusammen ist auf einer Gesamtfläche von 3.800 m² Platz für 12 Geschäfte vorhanden. Die Geschäftsflächen werden ergänzt durch ein entsprechendes gastronomisches Angebot, etwa mit einer Dependance für die Münchener Szene-Pizzeria H‘ugo’s mit 300 Sitzplätzen auf 680 m². Insgesamt steht für Geschäfte, Gastronomie und Premium-Büros in den oberen Stockwerken eine Nutzfläche von über 12.000 m² zur Verfügung. Die oberen Terrassen bieten als Zugabe einen sensationellen Ausblick auf die Skyline von Mainhattan.

„Man kann sagen, dass in diesem Projekt nahezu die gesamte Vielfalt unseres Produktprogramms abgerufen wurde“, berichtet Christian Dahlick. Insgesamt produzierte Oderglas für das Projekt Isolar Solarlux III 50.27 in Kombination mit Schalldämmung und Angriffhemmung in über 20 verschiedenen Ausführungen. Dahlick, der Geschäftsführer von Oderglas sagt: „Unsere Aufgabe bestand darin, gemeinsam mit dem Fassadenbauer für jede der vielen Teilfassaden das richtige Dreifach-Multifunktionsglas zu finden. Ein großer Vorteil war, dass Heidersberger Fassadenbau uns aus der Zusammenarbeit von ähnlich gelagerten Projekten kannte.“

Die Palette der Glas-Wünsche bezog sich auf zahlreiche verschiedene Kombinationen der Funktionen Wärme- und Schalldämmung, Sonnenschutz und Angriffhemmung. Große Anteile der angriffhemmenden Gläser wurden zum Schutz der wertvollen Auslagen in den Geschäften mit einer Alarmgebung ausgestattet. Zum Erreichen der diversen Anforderungen an die Schalldämmung war überwiegend der Einsatz von Akustik-VSG erforderlich. In manchen der Dreifachgläser war jede Scheibe mit einer Funktion belegt. Für die oberen Stockwerke wurden zahlreiche Gläser mit einem teilflächigen Siebdruck versehen. Hier kamen neben den Multifunktionsgläsern auch über 650 m² monolithische emaillierte Gläser zum Einsatz. Die meisten Multifunktionsgläser hatten geschosshohe Formate, einige von ihnen waren sehr groß.

„Auch das logistische Konzept war eine Herausforderung“, erzählt Dahlick. „Die großen Formate wurden jeweils nach Einzelabstimmung direkt auf die Baustelle angeliefert, wobei sich auch deren Lage im Stadtzentrum als Aufgabe herausstellte. Die meisten anderen Formate wurden passend zur Vorfertigung der jeweiligen Fassadenelemente an den Produktionsbetrieb der Heidersberger Gruppe geliefert.“

Kategorie: Repräsentative Objekte

Der Gebäudekomplex Viale Monte Grappa ist der ehemalige Firmensitz des weltweit vertretenen Chemie-Anlagenbauers Maire Tecnimont SpA. Er wurde Anfang der Siebziger Jahre von den Architekten Claudio Longo und Giulio Ricci entworfen und gilt in Mailand als architektonische Ikone unter den Bürohäusern dieser Zeit. Der Komplex besteht aus zwei parallelen achtgeschossigen Gebäuden mit Verbindungsbrücken in allen Stockwerken. Bekannt ist er vor allem durch seine Fassaden, die von Platten aus anodisiertem Aluminium geprägt sind. Eigentümer ist ein internationaler Immobilienfonds.

Den Auftrag für die Planung der umfassenden Sanierung erhielt das Mailänder Büro GBPA Architekten. Antonio Gioli und Federica De Leva fassen die wesentlichen Teile ihres Sanierungsprojektes unter der Überschrift „Wiederbelebung der Moderne“ zusammen. Die Innenstruktur der Gebäude wird den zeitgemäßen Ansprüchen an eine Nutzung durch ein großes Unternehmen angepasst. Voraussetzung dazu ist eine weitgehende Entkernung. Die vertikalen Strukturen (u.a. Aufzüge) werden versetzt. Dazu werden die bisherigen Verbindungsbrücken durch einen neuen Mitteltrakt mit einem Innenhof und mit einem repräsentativen Eingang ersetzt. Auf beiden Gebäuden entstehen große Dachterrassen. GBPA Architekten fühlen sich besonders einer innovativen, hochwertigen und nachhaltigen Bauweise verpflichtet, weshalb ein LEED Zertfikat auf dem höchsten Level zum Projektpaket gehört.

Bei den Fassaden liegt ein Schwerpunkt auf der Bewahrung der charakteristischen vertikalen Elemente, die auch bisher für die markante Erscheinung sorgten. Im Gegensatz zu dem schweren und dunklen Auftreten der Vergangenheit soll jedoch eine transparentere Glas-Vorhangfassade die Beziehung zwischen dem Gebäudeinnern und der Außenwelt verbessern und die Versorgung der Gebäude mit Tageslicht drastisch erhöhen, sodass eine moderne Tageslichtplanung erfolgen kann. Die vertikalen Strukturen werden erzeugt, indem Glasschwerter auf die Glasfassade aufgesetzt werden.

Der Partner der Wahl für die Errichtung der neuen Glasfassade war Stahlbau Pichler in Bozen. „In diesem Fall haben wir eine Technologie gewählt, bei der die Fassadenelemente in unserem Werk in Bozen vorproduziert und an der Baustelle nur noch eingehängt wurden“, erläutert Projekt-Manager Ezio Zadra. Als höchste Priorität für das Projekt benennt er die kundenspezifische Entwicklung im Hinblick auf Funktionalität, optische Erscheinung, Energie-Effizienz, Standfestigkeit und Langlebigkeit. „Auch die Logistik vor Ort war eine Herausforderung für uns wegen der Größe der Elemente und der Lage der Baustelle im Herzen Mailands an sehr belebten Straßen.“ Ein weiterer wichtiger Baustein für das Gelingen des Projektes sind die Kompetenz und die Lieferfähigkeit des Glaslieferanten.

„Bei der Auswahl der Beschichtung fiel eine gemeinsame Entscheidung für ein hochselektives neutrales Solar-Control-Glas“, berichtet Tvitec Projekt-Manager Ricardo Santos. „Aus den Anforderungen ergab sich für das Fassadenglas schließlich ein Aufbau mit 10 mm heiß gelagertem vorgespanntem beschichteten Glas außen und 88.4 laminiertem Glas mit Akustik-Interlayer innen. Für den Einbau in die Fassadenelemente wurde ein Teil der Isoliergläser als Stufenglas mit einem Kantenschliff von 45° ausgeführt. Insgesamt haben wir 3.000 Einheiten Isolar Solarlux superneutral mit etwa 10.000 m² Fläche ausgeliefert.“

Für die Glasschwerter wurde eisenarmes Glas der Dicken 10 + 10 mm und 8 + 8 mm mit verschiedenen Siebdrucken und den Bohrungen für die Befestigung versehen, vorgespannt und laminiert. „Die Anforderungen an die Qualität und an die Organisation unserer Fertigung waren sehr hoch“, ergänzt Santos. „Wenn ein solches Projekt für uns erfolgreich abgeschlossen ist, sind wir jedes Mal wirklich stolz und dankbar.“

Der Umzug in das neue Hauptquartier mit einer Nutzfläche von 17.500 m² für die derzeit 450 Mitarbeiter von Amazon in Mailand wird bis zum Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. In Zukunft können dort bis zu 1.100 Mitarbeiter Platz finden. „Heute ist ein wichtiger Schritt für Amazon in Italien“, sagte François Nuyts, Country-Manager für Italien und Spanien beim Abschluss des Mietvertrages. „Wir freuen uns, dass dieses außergewöhnliche Gebäude das Zuhause für unser talentiertes Team werden wird und für alle, die noch zu uns kommen werden.“ ⇥red ◊

Daten zum Projekt:

Objekt: Neues Zentralgebäude mit Audimax

Bauherr: Leuphana Universität Lüneburg

Scharnhorststraße 1

21335 Lüneburg

Planung: Prof. Daniel Libeskind

Fassadendesign: Arup GmbH, 10623 Berlin

Fassadenbau:

Glasfassade: 618 m² Isolar Solarlux variosolar /// mit EC 11 Außenscheibe

139 m² Isolar Solarlux variosolar /// mit EC 9 Außenscheibe

Hersteller: EControl-Glas GmbH & Co. KG, 08527 Plauen

Glas Natter GmbH, 93055 Regensburg

Daten zum Projekt:

Objekt: MA’RO Opernquartier

Neue Mainzer Straße 74/80

60311 Frankfurt/Main

Bauherr: Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH, 60325 Frankfurt/Main

Planung: Eike Becker Architekten, 10557 Berlin

Fassadenbau: Heidersberger Fassadenbau GmbH, 48268 Greven

Glasfassade: Ca. 3.000 m² Isolar Solarlux neutral /// 50.27 in 20 Ausführungen mit Schalldämmung, Angriffhemmung, Alarmglas, Siebdruck (teilflächig)

Ca. 650 m² Isolar Dekorex mono Fassadenplatten

Hersteller: Oderglas GmbH, 15299 Müllrose

Daten zum Projekt:

Objekt: Amazon’s New Headquarter

Viale Monte Grappa 3

20124 Milano, Italy

Bauherr: Antirion SGR SpA, 20122 Milano

Planung: GBPA Architects, 20144 Milano

Metallbau: Stahlbau Pichler GmbH, 39100 Bolzano

Glasfassade: 10.000 m² Sonnenschutzglas Isolar Solarlux superneutral HT // 51/28, 1.100 Glasschwerter, Weißglas / DG 41

Hersteller: Tvitec Técnicas de Vidrio Transformado S.A., Cubillos del Sil (Léon), Spanien