Automatiktüren – Technik & Trends

Das After-Sales-Geschäft wird wichtiger

Kraftbetätigte Türen sind für den Metallbau ein bedeutender Markt, der sich allerdings rasant verändert. Einfache Türfunktionen weichen ambitionierter Elek-tronik und Sicherheitstechnik. Das After-Sales-Geschäft mit Wartung und Instandhaltung, Service und Reparatur wird umfangreicher und anspruchsvoller, vor allem was Fehleranalyse und -diagnostik angeht. Hersteller wie record Türautomation unterstützen Metallbauer bei Wartung und Instandhaltung.

Die Anforderungen bei kraftbetätigten Türen sind zwar hoch, aber die Marktanteile begehrt. „Wir beobachten in den letzten ein, zwei Jahren eine deutliche Tendenz, dass auch andere Branchen in diesen Bereich einsteigen“, sagt Michael Dorré, Vertriebsleiter des Unternehmens record Türautomation aus Wuppertal.

Vor allem Facility-Management-Unternehmen oder Firmen, die die Sicherheits- und Brandschutztechnik in Gebäuden installieren und instandhalten, gehören dazu. Immer bedeutungsvoller wird das Service-Geschäft, also der After-Sales-Bereich. „Diese Unternehmen kaufen bei uns als Hersteller zum Beispiel komplette Türen inklusive der Montage ein und übernehmen dann die Einbindung in die Gebäudesystemtechnik sowie Wartung und Service“, so Dorré.

Bedarf im Objektbau wächst

Im privaten Wohnungsbau wächst der Bereich Barrierefreiheit, weil immer mehr Menschen so lange wie möglich im heimischen Umfeld wohnen möchten. Nicht immer sind die erforderlichen Elektroanschlüsse vorhanden, unkonventionelle Lösungen wie akkubetriebene Türantriebe sind gefragt. „Da tun sich gerade neue Geschäftsfelder auf“, sagt Dorré. Im privaten Wohnbau spielen Automatiktüren prinzipiell noch eine untergeordnete Rolle. Laut Dorré wird bei Mehrfamilienhäusern ab und zu mal eine Eingangstür mit einem Drehtürantrieb beauftragt.

Ganz anders sieht es bei Hotels sowie Büro- und Verwaltungsgebäuden aus. Hier hält der Trend zu Design und Technologie unvermindert an. Und vor allem der gehobene Bereich sticht mit Spezialanforderungen hervor. „Wir sind beispielsweise Exklusivlieferant für die Automatiktüren von Apple weltweit, auch für die Zentrale in Cupertino. Und die haben ganz besondere Anforderungen an das Design und die Technik“, berichtet Michael Dorré. Hingegen sind die Segmente Supermarkt und Banken stagnierend bis rückläufig. Die Geschäfte sind modernisiert, Neueröffnungen werden seltener und Banken schließen Filialen.
Für individuelle Lösungen, beispielsweise für außergewöhnliche Glasarchitekturen oder für den Yachtbau, bleiben automatische Türsysteme begehrt. „Hier sind wir mit unserem Tochterunternehmen Blasi weltweit tätig und erfüllen höchste Ansprüche, auch in Bezug auf Sicherheit“, betont Dorré. Blasi ist Anbieter von Spezialtüren jeglicher Art, zum Beispiel für sphärische Türen, also in zwei Ebenen gebogene Rundbogen-Glasschiebetüren, auch Curved-Türen genannt. 2019 schnellte der Zuwachs auf über hundert Prozent.

Nachrüstung gefragt

Preiswerter bleibt das Thema Nachrüsten. Aber das hat vor allem im Drehtürbereich eindeutige Grenzen. „Durch den Drehpunkt und die enorme Last, die der Antrieb auf das Türblatt ausübt, kann man eine x-beliebige Eingangstür nicht einfach nachträglich automatisieren“, erklärt Michael Dorré. Denn auch die Aufhängung der Tür muss für diese Lasten ausgelegt sein, sonst ist die Tür in kurzer Zeit defekt. Nachrüsten ist hauptsächlich im Sinne von Umrüsten erfolgversprechend und wird vor allem im Schiebetürbereich mit Umrüstkits gemacht. Er ergänzt: „Unter der Voraussetzung, dass Türflügel und Verkleidung noch geeignet sind, kann das vorhandene Antriebssystem auch gegen ein record-Antriebskit getauscht werden.“ Hierfür gibt es Listen mit zugelassenen Fabrikaten.

Generell schwierig ist die thermische Trennung. Die meisten Automatiktüren sind nie vollständig dicht, oft zieht es an allen Ecken und Kanten. Das Unternehmen record bietet mit dem Türsystem Thermcord ein automatisches lineares Türsystem mit thermisch getrennten Rahmenprofilen und abgedichteten Spaltmaßen. Es ist nicht nur bei hohen Temperaturgefällen wärmedämmend und unterbindet unerwünschte Sogwirkung, sondern kann bis zur Einbruchsschutzklasse RC3 ausgelegt werden. Thermcord-Türen sind ringsum hermetisch abgedichtet und im Bodenbereich mit absenkbaren Dichtungen versehen. Bei der Variante Thermcord+ wirken die aktiven Anpressdichtungen auch schallisolierend. Mit entsprechendem Glas werden bis zu 35 dBA erreicht.

Safety- und Security-Anforderungen steigen

Auch für die wachsenden Sicherheitsanforderungen in Security-Bereichen werden Lösungen angeboten. Zu den aktuellen Trends gehören die in Flughäfen üblichen Einwegdurchgangssysteme, sogenannte Flip-Flow-Anlagen. Diese Schleusen mit Klappflügeltüren sind mit Hightech-Security ausgestattet. Sie steuern die Laufrichtung und -geschwindigkeit von Personen, verhindern das Eindringen in unerlaubte Bereiche, lösen gegebenenfalls Alarm aus. Jeder Schritt wird sofort diagnostiziert. Sogar sprengstoffhemmende Bauelemente werden zunehmend verlangt, insbesondere bei Behörden. record Türautomation wird 2020 eine sogenannte Bomb-Blast-Tür auf den Markt bringen. Sie ist laut Dorré die bisher einzige zertifizierte Tür zur Sprengstoffhemmung: Werden 100 Kilogramm TNT in 25 Meter Entfernung gezündet, bleibt die Tür sicher in der Verankerung.

Zunehmend spielen Feuer- und Rauchschutztüren eine größere Rolle, was bei Automatiktüren mit Fluchtwegfunktion zu komplizierten Steuerungsalgorithmen führt. Die Situation ist konträr: Feuer und Rauchschutz soll die Tür schließen, als Fluchtweg soll die Tür öffnen. Die Technik muss analysieren, welche Gefährdungssituation vorliegt und dann die richtige Entscheidung treffen. Zuvorderst gilt: Personenschutz geht vor Objektschutz. „Die Anforderungen an solche Türsysteme sind sehr hoch. Viele Hersteller beschäftigen sich aktuell mit diesem Thema und entwickeln derzeit Lösungen“, sagt Michael Dorré.

Maschinenrichtlinie und Schutzflügel

Für kraftbetätigte Türen gilt die Maschinenrichtlinie mit definierten Sicherheitsleveln zur Unfallverhütung, z.B. an Quetsch- oder Scherkanten. Sie soll sicherstellen, dass im Aufenthaltsbereich einer automatischen Tür niemand zu Schaden kommt. Das heißt, die sensorischen Erfassungsbereiche vom Radarmelder, Laserscanner oder der Lichtvorhang müssen so eingestellt und parametriert werden, dass der Funktionsablauf sinnvoll ist und gleichzeitig die einschlägigen Normen berücksichtigt werden. In bestimmten Fällen setzt record zusätzlich spezielle Schutzflügel ein, die die Gefahr von Quetschungen, insbesondere von kleinen Kindern, in Randzonen oder verdeckten Bereichen verhindern.

Nach der Maschinenrichtlinie gilt: Wer die Tür einbaut, d.h. in Verkehr bringt, der ist für die Erstellung einer Risikobeurteilung verantwortlich. Das bedeutet: Wird die Tür beim Hersteller samt Einbau gekauft, dann übernimmt die Zertifizierung der Hersteller, ansonsten der Metallbauer. Danach liegt die Verantwortung beim Betreiber. Mit der Konsequenz: Wenn der Gebäudebetreiber nach dem normkonformen Einbau und der entsprechenden Abnahme nachträglich Änderungen oder Einbauten im Sicherheitsbereich der kraftbetätigten Tür vornimmt, trägt der Metallbauer keine Verantwortung.

Technik-Trends zusammengefasst

Intelligente Sensorik, Elektroinstallation per Plug-and-Play und Steuerungstechnik sind aktuelle Trends bei Automatiktüren. Die Einbindung in BUS-Systeme ist nicht immer gewünscht, vielfach werden noch immer Stand-alone-Lösungen eingesetzt. Im Privatbereich sind kraftbetätigte Türen noch wenig verbreitet, das liegt vor allem an der Hochpreisigkeit der Produkte. Hier sind BUS-Schnittstellen zur Einbindung in Smart Home sinnvoll. Im Bereich der Motorentechnik gibt es physikalische Grenzen. Kleiner, leichter und sehr leise sind verständliche Wünsche, gleichzeitig sollen die Antriebe immer größere und schwerere Türflügel bewegen. Das sind gegensätzliche Anforderungen. Auch die Zahl der Öffnungszyklen, hohe Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten oder verschmutzte Bodenführungsschienen haben großen Einfluss auf die Lebensdauer von Motoren. Und für die Montagefreundlichkeit gibt es außerdem Grenzen nach unten. „Die Motoren müssen robust sein, einiges aushalten. Und von daher kommt die Verkleinerung an Grenzen. Bauhöhen von maximal sieben Zentimetern lassen sich außerdem kaum noch montieren“, fasst Dorré zusammen. Einen besonders baukleinen Slimline-Antrieb hat record deshalb wieder vom Markt genommen.

Auch die Ansichtsprofile von Türen wünschen Architekten und Designer immer kleiner oder immer schmaler zu gestalten, am besten rahmenlos zu arbeiten. Andererseits ist die Stirnkante von Einscheibensicherheitsglas (ESG) extrem bruchgefährdet. „Deswegen ist ein Profil immer noch der hauptsächliche Schutz für das Glas“, betont Michael Dorré.

After-Sales wird anspruchsvoller

In Summe bedeutet das für den Metallbauer, dass die automatischen Türen zwar schon ein weiteres Standbein bedeuten können, aber erfolgversprechend ist dieses Segment vor allem, wenn eine Spezialisierung erfolgt.

Dorré stellt zwei Tendenzen fest: „Sehr viele Metallbauer kaufen bei uns die fertigen Türen inklusive Montage und Programmierung ein, weil sie selbst nicht mehr die Ressourcen haben. Einige Metallbauer kaufen zwar die Türen, machen den Rest aber selbst und sind dafür entsprechend geschult. Allerdings fällt auf, dass diese Unternehmen sehr häufig kein Interesse am After-Sales-Geschäft haben.“ Hierfür muss man einen Notdienst gewährleisten und braucht fundierte Elektronikkenntnisse. Wo früher für die Fehleranalyse ein Standard-Multimeter genügte, erfordern heute BUS-Systeme, Diagnose-Tools und die Sensorik fundiertes Know-how.

Das Unternehmen record wird künftig Metallbauer, die selbst einbauen, noch gezielter schulen. Die Weiterbildung zur Elek-trofachkraft für festgelegte Tätigkeiten will record in diesem Jahr innerhalb seines Schulungsportfolios anbieten und hier den Schwerpunkt auf die Automatiktür und ihre elektrischen und elektronischen Komponenten legen. Im zweiten Quartal dieses Jahres soll außerdem die Tablet-App i-record zur Verfügung stehen, mit der über Bluetooth die Tür parametriert werden kann. „Und das vereinfacht einerseits die Inbetriebnahme für Händler. Andererseits ist die App mit ihren Diagnose- und Analyse-Tools für das Wartungsgeschäft sinnvoll.

record verfügt in Deutschland über mehr als 100 Monteure und Servicetechniker, die bundesweit ansässig sind. Sie montieren, erledigen die Wartung und gewährleisten gleichzeitig auch den Notdienst mit 24-Stunden-Support. In Deutschland stehen ca. 60.000 Türen unter einem Wartungsvertrag.

www.record.de

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