Edles Design für Fassaden

Mit Edelstahl dem Prestige frönen

Dank der Kombination aus Langlebigkeit, sehr guter Verarbeitbarkeit, einer Korrosionsbeständigkeit bei unterschiedlichsten atmosphärischen Bedingungen und einem ansprechenden Erscheinungsbild hat sich Edelstahl zu einem beliebten Werkstoff bei renommierten Architekturprojekten entwickelt: Im Jahr 2015 wurden 15 Prozent des weltweit genutzten Edelstahls in der Architektur und Bauindustrie verwendet.

Für Fassadenanwendungen sind besonders austenitische Sorten gefragt, die in Gebäuden wie dem One World Trade Center in New York, der Birmingham New Street Station in Großbritannien oder dem Ping An International Finance Center im chinesischen Shenzhen verbaut wurden. Zusammen mit einer entsprechenden Oberflächenveredelung kann durch Dessinieren oder Schleifen ein spezieller Look erzielt werden.

Fassadengestaltung unter Extrembedingungen

Heißes Meeresklima wie auf der arabischen Halbinsel stellt an die Fassade durch hohen Salzgehalt der Luft, starke Temperaturschwankungen, kaum Niederschlag und starke sand- und staubhaltige Winde hohe Anforderungen. Es hat sich gezeigt, unter solchen Bedingungen wird eine besonders widerstandsfähige Edelstahlsorte benötigt.

In Außenbewitterungstests des schwedischen Avesta Research Center (ARC) von Outokumpu wurde Duplex-Edelstahl im Vergleich zu austenitischen Sorten in offenem und geschlossenem Umfeld in Dubai auf Beständigkeit geprüft. Die Ergebnisse der Tests zeigten, dass Duplexstähle wie z.B. der Outokumpu Forta DX 2205 (EN 1.4462) vorzuziehen sind. In solch extrem anspruchsvollen Umgebungen kann dieser Werkstoff seine Stärken ausspielen – eine hohe Festigkeit und damit auch gute Verschleißbeständigkeit sowie ein PREN-Wert (Pitting Resistance Equivalent Number, ein Maß für die Korrosionsbeständigkeit von Stahl) von ≥35, bieten eine ausreichende Korrosionsbeständigkeit unter Meersalzbedingungen. Dies ist wichtig, da Salz- und Staubablagerungen aufgrund von Niederschlagsmangel nicht durch Regen abgetragen werden. In Kombination mit einer geeigneten Oberflächenausführung und regelmäßiger Reinigung wird das ursprüngliche, makellose Erscheinungsbild der Fassade lange erhalten.

Fassadenbefestigungen aus Edelstahl

Neben der „Außenhaut“ des Gebäudes, die für den Betrachter direkt sichtbar ist, wird Edelstahl auch unter der Fassade zu Befestigungszwecken genutzt. Hier sind Duplexstähle das bevorzugte Material, wenn bei vergleichbarer Korrosionsbeständigkeit Befestigungsbauteile mit hoher Festigkeit benötigt werden. Dieser Werkstoff ist einfach zu verarbeiten und bietet gute Schweißeigenschaften. Mit Duplex lassen sich Projekte realisieren, die mit anderen Werkstoffen nicht einfach möglich sind. So können schwere Fassadenelemente mit Mauerhaken aus Duplex-Edelstahl befestigt werden, da die höhere Festigkeit die Voraussetzungen schafft, um leichtere und kleinere Bauteile herzustellen. Dies wirkt sich auch positiv auf die thermische Isolierung einer solchen Fassadenlösung aus, da Kältebrücken minimiert werden können. Darüber hinaus spielt Duplex-Stahl seine Vorteile auch bei der Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden aus, da es gerade in diesem Einsatzgebiet auf Leichtbau, Korrosionsbeständigkeit und Langlebigkeit ankommt.

Duplex-Edelstahl ist ­bauaufsichtlich zugelassen

Um Edelstahl für die Fassadengestaltung von Architekturprojekten in Deutschland ohne weitere Prüfung nutzen zu können, benötigt er die Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (AbZ) 30.3-6, die durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) erteilt wird. Neben den schon seit Jahren eingesetzten Duplex-Stählen EN 1.4462 und EN 1.4362 (Outokumpu Forta DX 2304) sind seit 2014 auch die im Outo­kumpu-Forschungszentrum im schwedischen Avesta (ARC) entwickelten Lean-Duplex-Stähle Outokumpu Forta LDX 2101 (EN 1.4162) und Forta LDX 2404 (EN 1.4662) in Deutschland bauaufsichtlich zugelassen.

Die Zulassung bedeutet für die Bauindustrie, dass Hersteller von Bauteilen und deren Verbindungen Lean-Duplex-Stahlsorten verwenden dürfen und von deren Vorteilen profitieren können, ohne für das jeweils gefertigte Teil eine Einzelzulassung beantragen zu müssen. Im Rahmen der voranschreitenden Harmonisierung werden derzeit die Inhalte der deutschen Regelung auch in eine entsprechende europäische Norm, den Eurocode 3, überführt. Die Stahlsorten EN 1.4162, EN 1.4362 und EN 1.4662 sind der Korrosionswiderstandsklasse 3 zugeordnet, der Werkstoff 1.4462 der Klasse 4 (4 = „stark“).

Nachhaltigkeit im Bauwesen

Die Verwendung von Edelstahl im Gebäudebau ist ein Faktor, der das LEED-Rating in vielen Bereichen positiv beeinflussen kann. Die Stähle von Outokumpu sind nach der Umweltrichtlinie DIN EN ISO 14025 sowie der DIN EN 15804 zur Nachhaltigkeit von Bauwerken zertifiziert. Outokumpu-Edelstahl besteht zu 87 Prozent aus recycelten Materialien (Stand 2015). Dabei lag der Anteil an „pre-consumer-recycled content“, also Materialien, die bei der Produktion abfallen und wiederverwertet werden, bei 18 Prozent. Der Anteil an „post-consumer recycled content“, also Werkstoffen, die durch den Endverbraucher wieder in den Recycling-Kreislauf eingebracht werden, lag bei 69  Prozent.

Zudem nutzt der Hersteller die Umweltproduktdeklaration EPD (Environmental Product Declaration) für sein Portfolio. Die EPD enthält Informationen über den Umwelteinfluss der Produktion und gibt das potenzielle Ende der Nutzungsdauer von Edelstahl an. Sie listet Angaben über den Energie- und Ressourcenverbrauch auf und enthält Werte zum CO2-Ausstoß.

Weitere Vorteile des neutralen Werkstoffs Edelstahl hinsichtlich des LEED-Ratings sind, dass er keine Metallausträge enthält und dauerhaft korrosionsbeständig ist. Im Vergleich zu anderen Baustoffen sind die geringen Wartungskosten aufgrund der guten Reinigungseigenschaften genauso hervorzuheben wie seine Widerstandsfähigkeit, Langlebigkeit und seine hundertprozentige Recycelfähigkeit.

Sonnenschutz aus Edelstahl

Dächer, Wandpaneele und Sonnenschutz aus Edelstahl können zu einer wesentlichen Reduzierung des Energieverbrauchs in Gebäuden beitragen. Der Grad, in dem Edelstahl das Sonnenlicht von gewöhnlichen Oberflächen reflektiert, ist hoch genug, um die Voraussetzungen für die LEED-Zertifizierung zu erfüllen. Im Vergleich zu textilen Sonnenschutzelementen sind außenliegende Verschattungssysteme aus Metall wesentlich windstabiler und langfristig wetterfest. Die Sonnenblenden aus Edelstahl schützen Gebäude und Strukturen gegen Aufheizen im Sommer, Wärmeverlust im Winter und reduzieren so den Energiebedarf.

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