Effizient mit Dienstleistern

Gut fürs Portfolio und den Preis

Ob Feuerverzinken, Pulverbeschichten oder die Vorfertigung von Bauelementen: Nicht nur große Unternehmen vergeben Aufträge an externe Dienstleister. Auch – oder gerade – kleinere Betriebe aus dem Stahl- und Metallbau kaufen Leistungen und Produkte extern ein.

Daniel Smela fliegt regelmäßig nach Prag, um am dortigen Flughafen ein Fastfood-Restaurant zu besuchen. Der Grund: Smelas langjähriger Lohnfertiger sitzt in Tschechien, etwa zwei Stunden vom Prager Flughafen entfernt. „Die meiste Korrespondenz erledigen wir digital, doch bei umfangreicheren Aufträgen ist es nach wie vor vorteilhaft, einmal persönlich alle Unterlagen durchzugehen. Damit ich Zeit spare und keine Übernachtung brauche, finden unsere Treffen meistens am Flughafen in einem Schnellrestaurant statt“, erklärt der Geschäftsführer von Smela Metallbau.

Sein Vater, Günter Smela, hatte am 1. Januar 1979 seinen ehemaligen Ausbildungsbetrieb erstanden. „Der ursprüngliche Besitzer ist aus Altersgründen ausgeschieden. Mein Vater hat damals seine Chance erkannt und die Schlosserei mit zwei Lehrlingen übernommen“, erzählt Smela Junior aus der Firmengeschichte.

Innerhalb der nächsten 15 Jahre entwickelte sich die kleine Bauschlosserei in Oberhausen weiter. Mit dem Umzug 1995 in ein Gewerbegebiet und einem Hallenneubau hat sich der Betrieb breiter aufgestellt. Stahl-Anbaubalkone, Aluminium-Terrassendächer, Feuerschutztüren, Brandschutztore sowie Markisen gehören zum Angebot. Außerdem bietet das Unternehmen den Einbau und die Prüfung von Brandschutztüren an sowie die Wartung, Reparatur und Instandhaltung von Fenstern, Türen und Schlössern. Zu den Kunden des 25-Mitarbeiter-Betriebes gehören große Lebensmittel-Filialisten.

Kaltakquise eines Lohnfertigers

In den ersten Jahren nach dem Umzug des Unternehmens wurden noch alle Stahl- und Metallbauteile intern gefertigt. Bis vor gut 20 Jahren ein Brief eine Neu-Organisation einleitete: Ein Lohnfertiger aus der tschechischen Republik bot damals Günter Smela seine Zuarbeit in der Fertigung an. „Mein Vater hatte bis dahin noch nicht in Erwägung gezogen, die Fertigung auszulagern. Er fand das Angebot allerdings interessant und so haben wir uns damals mit dem Auto auf die gut neunstündige Reise in den tschechischen Ort Gabel gemacht“, erinnert sich Daniel Smela an den Beginn der deutsch-tschechischen Kooperation, die bis heute besteht. „Wir haben das Know-how, messen, planen und montieren. Selbst fertigen wir allerdings inzwischen nur noch komplexe Teile wie Anbaubalkone sowie sehr eilige Bauteile oder kleinere Teile wie Handläufe. Den größten Teil der Fertigung übernimmt unser Dienstleister in Tschechien“, beschreibt der Unternehmer die Arbeitsaufteilung. Größte Herausforderung nach dem Start der Zusammenarbeit sei gewesen, die ursprünglich angebotene Qualität auf das gewünschte hohe Niveau zu heben. Was dabei geholfen hat: „Zwei Mitarbeiter des tschechischen Betriebs haben für einen Monat bei uns in der Fertigung mitgearbeitet. So konnten wir praxisnah unsere Standards vermitteln“, berichtet der heutige Geschäftsführer.

Inzwischen ist der tschechische Lohnfertiger zertifiziert nach DIN EN 1090 und fertigt für seinen deutschen Auftraggeber Balkon- und Treppengeländer, Stahltüren, Tor- und Zaunanlagen, Gitter und Stahlkonstruktionen. Etwa 30 bis 40 Prozent des Jahres-Auftragsvolumens gehen an das zuarbeitende Unternehmen. Ein weiterer Dienstleister ist direkt im nächsten Glied der Wertschöpfungskette angesiedelt: Ein Unternehmen in Zittau übernimmt die Pulverbeschichtung und Feuerverzinkung der Teile, die in Tschechien produziert werden. Smela: „Das sächsische Zittau ist vom tschechischen Ort Gabel nur rund 20 Kilometer entfernt. Unser Lohnfertiger bringt die Teile selbst nach Zittau und liefert sie uns anschließend fix und fertig zur Montage an.“

Von der Kompetenz her könnte das rheinländische Metallbau-Unternehmen nach wie vor alle zugelieferten Teile auch selbst anfertigen. „Allerdings wäre die Realisierung zu marktverträglichen Preisen für uns schwer. Und der ständige Umbau des Maschinenparks, um heute ein Terrassendach und morgen einen Stahlträger zu fertigen, sehr aufwendig“, gibt Smela zu bedenken. Ein Vorteil seines Dienstleisters sei, dass es sich um einen reinen Fertigungsbetrieb handelt, der über einen bestens ausgestatteten Maschinenpark verfügt und aufgrund seines Fertigungsvolumens Rohmaterial günstig einkaufen kann. Was ebenfalls zum Erfolg beiträgt, ist ein mit den Jahren gewachsenes, vertrauensvolles Verhältnis. Der Zulieferbetrieb ist, wie Smela, ein Familienunternehmen. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren auch immer mal privat besucht. Gefühlt ist die Beziehung nicht nur rein geschäftlich, sondern auch familiär“, so Smela.

Beständige Geschäftsbeziehungen

Auch Michael Palmen ist ein Freund von gewachsenen, beständigen Geschäftsbeziehungen: „Immer wieder übers Land zu ziehen, um für jeden neuen Auftrag den günstigsten Dienstleister zu suchen, käme für mich nicht in Frage“, sagt der Inhaber einer Kunst- und Bauschlosserei. 1974 von Josef Palmen gegründet, ging die Geschäftsführung des Unternehmens am 1. Januar 2019 an seinen Sohn Michael Palmen: „Den Großteil unseres Umsatzes machen wir mit Reparaturen oder Restaurationen sowie mit Wartungen“, so der gelernte Metallbaumeister und Restaurator, der für das Kerngeschäft einen Meister und einen Gesellen sowie aktuell drei Auszubildende beschäftigt. Viele Aufträge kommen von öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen oder Rathäusern, um Türen, Fenster oder auch einmal ein Friedhofsgeländer reparieren zu lassen. Daneben ist das Unternehmen spezialisiert auf die Prüfung und Wartung von Rauch- und Brandschutztüren sowie dazugehörender Feststellanlagen.

Ein Schwerpunkt ist die Rekonstruktion in der Denkmalpflege. Wie beispielsweise das Restaurieren von Kirchturmspitzen, historischen Zäunen oder unter Denkmalschutz stehenden Fenstern und Türen sowie die Herstellung sakraler Gegenstände aus Metall. Weil diese Arbeit viel Zeit und Knowhow verlangt, zudem jedes Teil eine individuelle Einzelanfertigung ist, arbeitet der Unternehmer bis aufs Schweißen für fast alle anderen angebotenen Leistungen mit externen Firmen zusammen. Die Dienstleister übernehmen in der Fertigung von Stahlbalkonen, Treppen oder Überdachungen Arbeiten wie Feuerverzinkung, Blechkanten, Pulverbeschichtungen sowie Laser- und Sandstrahlarbeiten. Auch mit einem Türenbauer besteht eine Kooperation. Die meisten zuarbeitenden Firmen sitzen in der Region – bis auf den Laserschneider-Betrieb, der seinen Firmensitz in den benachbarten Niederlanden hat: „Bei dem niederländischen Fachbetrieb können wir Bleche auch kanten und individuell gestalten lassen“, erläutert Palmen. Die dazu notwendigen CAD-Dateien erhält der Dienstleister digital im DWG-Format. Kooperationsverträge hat Palmen nicht mit den zuarbeitenden Betrieben geschlossen. Jeden Auftrag kalkuliert er separat und fragt dazu die entsprechenden Leistungen bei seinen festen Geschäftspartnern an.

Kooperationen sparen Zeit & Kosten

Genau 100 Jahre älter als Michael Palmens Kunst- und Bauschlosserei ist die Karl Deppe GmbH und Co. KG in Bielefeld: 1874 eröffnete Carl-Friedrich-Willhelm Deppe einen Schmiede- und Schlossereibetrieb. Heute ist daraus ein Schweißfachbetrieb geworden, der seit 2006 von Martin Deppe in fünfter Generation geführt wird. Mit 20 Mitarbeitern fertigt und montiert der Geschäftsführer gängige sowie individuelle Bauteile aus Stahl, Edelstahl und Aluminium oder bezieht diese von extern. Darüber hinaus bietet das Unternehmen Beratung zu Brand- und Rauchschutz, Fluchtwegsicherung und Einbruchschutz an. Das Instandsetzen, Umrüsten und Warten von Fenstern, Türen und Toren rundet das Portfolio ab. „Zwischen 20 und 30 Prozent unseres Jahres-Umsatzvolumens gehen an 15 bis 20 externe Dienstleister, mit denen wir regelmäßig zusammenarbeiten“, sagt Martin Deppe.

Während im Betrieb so gut wie alle Schweißarbeiten intern erledigt und lediglich zu Spitzenauslastungen externe Dienstleister oder Arbeitnehmerüberlassungen zum Einsatz kommen, profitiert das Unternehmen in fast allen anderen Bereichen seit jeher von den jeweiligen Spezialisierungen zuarbeitender Firmen: „Die Anschaffung eines eigenen Laserschneiders ist für ein kleines Unternehmen, wie wir es sind, nicht rentabel. Sowohl wirtschaftlich als auch zeitlich gesehen ist es für uns günstiger, diese Leistung einzukaufen“, gibt der Unternehmer ein Beispiel. Zu den externen Kooperationspartnern zählt Deppe auch Lieferanten, bei denen er Handelsware wie Türen, Fenster, Tore oder Zaunsysteme einkauft. „Früher haben wir Fenster selbst produziert, dann änderten die Systemgeber die Profile und wir mussten dementsprechend oft unsere Maschinen umrüsten. Das führte zur Entscheidung, Fenster von größeren Metallbauern in der Region zu beziehen und nur noch zu montieren“, berichtet Deppe.

Im Vergleich zur Eigenproduktion hätte sich so eine Ersparnis von 30 bis 45 Prozent ergeben. Nach und nach hat der Unternehmer daher sein Geschäftsmodell geändert: Statt auf die Fertigung konzentriert Deppe sich mit seinem Team heute vor allem auf Planung, Kalkulation und Montage. „Die große Ersparnis im Fensterbau lässt sich nicht auf alle Produkte übertragen, aber unterm Strich profitieren unsere Kunden von der Zuarbeit anderer Firmen“, so der Inhaber, der auch externe Leistungen von Pflasterern, Gartenbauern, Malern oder Elektrikern in seine Angebote mit einkalkuliert und die Fremdgewerke entsprechend koordiniert. „Wir wollen dem Kunden alles aus einer Hand anbieten“, begründet Deppe die vielfältigen Geschäftsbeziehungen zu anderen Unternehmen. Während die Zusammenarbeit mit Dienstleistern in den vergangenen Jahren gewachsen ist, blieb die Anzahl der Mitarbeiter stabil. Lediglich innerhalb der Arbeitsfelder gab es eine Verschiebung im Vergleich zu früher: Gesunken ist die Anzahl der Beschäftigten im Stahlbau, im Servicebereich kamen mehr Mitarbeiter dazu. Die 20 Festangestellten ergänzt regelmäßig ein Auszubildender im Metallbau, der in der Regel nach erfolgreichem Abschluss der Lehre übernommen wird.

www.karldeppe.de

www.metallbau-palmen.de

www.smela.de

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