An der HWK Koblenz zum Metallbaumeister

Meister für den Metallbau

Kaufmännische Themen vom Marketing über Auftragsabwicklung und Kalkulation bis hin zu Buchhaltung, Controlling und Personalarbeit sind für Metallbauunternehmer überlebenswichtig. Handwerkliches Können ist nach wie vor die Grundlage des Erfolgs, aber ein solides Unternehmen ohne kaufmännische Kenntnisse aufzubauen, ist schwierig.

Die Meisterprüfung ist nicht nur das Qualitätssiegel für Führungskräfte im Handwerk, mit Erhalt des Meisterbriefs können Metallbauer ein Unternehmen gründen. Im deutschen Qualifikationsrahmen, der sich an erworbenen Kompetenzen orientiert und Bildungsabschlüsse vergleichbar macht, wird die Meisterausbildung auf Niveaustufe 6 des insgesamt achtstufigen Rahmens eingeordnet. Damit liegt die Meisterqualifikation auf gleichem Niveau wie beispielsweise der Bachelorabschluss an einer Hochschule. Entsprechend anspruchsvoll ist auch die Ausbildung. Die Umsetzung dazu bleibt jeder Handwerkskammer vorbehalten, denn anders als bei der IHK läuft zwar die Ausbildung gemäß Rahmenlehrplan, die Prüfung selbst wird von den dort ansässigen Prüfungsausschüssen umgesetzt. Und der Rahmenlehrplan lässt viel Freiraum bei der Ausgestaltung der Inhalte.

Gute Perspektiven

Die meisten Meisterschüler stehen im Berufsleben, die einen ziehen die Ausbildung in Vollzeit durch, die anderen machen die Ausbildung neben der täglichen Arbeit. Beides ist anstrengend, aber die Mühe lohnt sich. Denn wenn man die Meisterprüfung geschafft hat, winkt eine erfolgreiche berufliche Zukunft. Das Sprichwort „Handwerk hat goldenen Boden“ entspricht immer mehr der Wirklichkeit. „Denn die zunehmende Akademisierung lässt die Arbeitskräfte knapper werden und diejenigen, die sich hier weiter qualifizieren, haben beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Oder sie übernehmen den elterlichen Betrieb und können gerade durch die kaufmännischen Kenntnisse die Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigern“, so Sascha Schwaderlapp von der Handwerkskammer Koblenz.

Praxisnahe Ausbildung

Die HWK Koblenz bietet die Weiterbildung zum Meister über Vollzeitkurse und über Teilzeitkurse an. Jährlich finden sowohl bei Metallbauern als auch bei Feinwerkmechanikern je zwei Vollzeit- und Teilzeitkurse statt. Die Kurse sind stets gut besucht, etliche Teilnehmer kommen aus anderen Kammerbezirken, der gute Ruf hat sich herumgesprochen.

Im Handwerk laufen Meisterausbildung und Prüfung in vier selbstständigen Teilen. Fachpraxis in Teil I, Fachtheorie in Teil II, diese Teilbereiche sind gewerkspezifisch, die Teile III und IV werden gewerkübergreifend unterrichtet. Dabei werden in Teil III die betriebswirtschaftlichen Grundkenntnisse vermittelt. Dazu gehören Themen wie Kostenrechnung, Arbeitsrecht oder auch Marketing. Teil IV bezieht sich auf die Berufs- und Arbeitspädagogik, Meister erwerben mit Bestehen des Teils IV die Befähigung, auszubilden.

Spannend wird es bei Teil I und II. Im ersten fachpraktischen Teil fertigen die angehenden Meister verschiedene Werkstücke, lernen theoretische Hintergründe und kalkulieren ihre Projekte. Das Meisterstück ist Höhepunkt und Abschluss der gesamten Ausbildung. Es verdeutlicht die ganze Bandbreite, die ein angehender Meister lernt. Wer die Meisterprüfung in allen vier Teilbereichen bestanden hat, erhält den Meisterbrief.

Die Meisterprüfungsverordnung stellt die Handlungskompetenz in den Vordergrund. In Koblenz setzt die Handwerkskammer auf eine praxisnahe, ganzheitliche Ausbildung und Prüfung, das heißt, anhand praktischer konkreter Beispiele lernen die zukünftigen Meister alle Aspekte eines Projekts kennen. Das fängt mit kleinen Aufgaben an und steigert sich allmählich. Dabei lernen die Teilnehmer von Projekt zu Projekt. Wie im Geschäftsalltag üblich eignen sich die Meisterschüler von der Kundenanfrage über die Konstruktion, Zeichnung, Planung und Umsetzung alle Schritte an und können dies später analog in der Praxis umsetzen.

Moderne Ausstattung

Der Maschinenpark der Handwerkskammer ist modern. So wird beispielsweise im Bereich Wasserstrahlschneidanlagen mit der „Omax 2626“ gearbeitet. Die IT ist ebenfalls qualitativ hochwertig: Im CAD-Bereich wird SolidWorks eingesetzt.

Kaufmännische Inhalte wie die Kalkulation und die Ermittlung der Kosten spielen in den Projekten natürlich auch eine wichtige Rolle. Denn wer Meister werden möchte, braucht neben handwerklichem Geschick und Können auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse, um einen Betrieb erfolgreich zu führen.

Im kaufmännischen Bereich wird deshalb mit der Branchenlösung TaxMetall gearbeitet. Die Kammer Koblenz setzt TaxMetall in Fachpraxis und Fachtheorie ein, für die Kalkulation der Projekte und für das Meisterstück wird das Programm genutzt. Auch die Angebotserstellung in Teil II läuft über das System. Wolfgang Müller ist der Fachbereichskoordinator Metall und leitet mit seinem Kollegen Sascha Schwaderlapp die Kurse für Metallbau und Feinwerkmechanik. Sie koordinieren und entwickeln seit Jahren erfolgreiche Projekte, die sie im Unterricht entsprechend umsetzen.

Im Teil II umfasst der Bereich Auftragsabwicklung, Betriebsführung und Organisation 80 Unterrichtsstunden, in denen die künftigen Meister betriebswirtschaftliche Aufgaben mit TaxMetall bearbeiten. Die Meisterschüler lernen, die Kosten zu kalkulieren und diese transparent darzustellen, um ein wettbewerbsfähiges Angebot erstellen zu können.

Sichere Kalkulation

Kein Meisterbetrieb kommt heute ohne eine vernünftige Kalkulation und Auftragsabwicklung aus. In Zeiten von Internet und Digitalisierung sind Preisvergleich und Wettbewerb trotz guter Konjunktur härter denn je. Deshalb ist eine gute Basisausbildung in diesem Bereich wichtig. Und dabei hilft der Einsatz eines ERP-Systems.

Nicht jede Kammer setzt auf eine Branchenlösung, viele behelfen sich heute noch mit Word und Excel. Die HWK Koblenz hat sich bereits im Jahr 2000 für eine professionelle Software entschieden. Die Wahl fiel damals auf TaxMetall, ein Programm, das häufig in kleinen und mittleren Handwerks- und Industriebetrieben eingesetzt wird. In Zusammenarbeit mit Vectotax Software, dem Hersteller der Software, wurde TaxMetall für den Einsatz in der Meisterausbildung modifiziert; so sind beispielsweise Musterdaten hinterlegt und die Druckvorlagen für die Kalkulation unterrichtsbezogen integriert.

TaxMetall ist eine Branchensoftware, ein sogenanntes ERP-System, mit dem Unternehmen ihre kaufmännischen Prozesse abbilden können. Wurde früher im Handwerk weniger Wert auf kaufmännische Themen gelegt, hat inzwischen ein klarer Sinneswandel stattgefunden. Denn wer seine kaufmännischen Prozesse im Griff hat, wer sauber kalkulieren und schnell reagieren kann, seine Lieferzeiten berechnet und seine Aufträge im Blick hat, hat höhere Erfolgschancen am Markt. So steigt der Anteil an Unternehmen, die ERP-Software einsetzen, kontinuierlich.

Wenn in einem Betrieb mit einem ERP-System gearbeitet wird, werden folgende Vorteile klar:

Nachverfolgbarkeit der Angebote

Übersicht über Bestellungen der Materialien

Schnelle, transparente Kalkulation mit Berücksichtigung von Lohnkosten, Material und auch Fremdbearbeitungen, die man per Copy & Paste auf neue Projekte übertragen kann

Durchgängigkeit der Daten

Übersichtliche Kundenkartei mit einer Übersicht aller Geschäftsvorfälle

Überblick, welches Projekt wie weit ist

Thomas Nolte, ein ehemaliger Meisterschüler der HWK Koblenz, setzt TaxMetall im familieneignen Unternehmen ein und profitiert von dem Wissen, das er sich während der Ausbildung angeeignet hat. Nolte Werkzeugbau in Mendig wickelt die gesamten kaufmännischen Prozesse von der Kundenanfrage über die Projektabwicklung bis hin zur Produktion und Auslieferung mit TaxMetall ab. Dass er diese Software implementiert hat, bereut er bis heute nicht. „Das Programm bietet natürlich viel mehr, als wir in der Meisterausbildung gelernt haben, aber die Basis  kannte ich ja schon und die hat mich überzeugt“, meint Nolte rückblickend.                                                                          

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