Bau-Turbo fordert Leitplanken

Die DGNB kommentiert den Bau-Turbo

Schnelligkeit versus Nachhaltigkeit

„Mit den neuen Freiheiten geht eine zusätzliche Verantwortung einher“, sagt Leon Beck, Vorstand von Architects for Future e.V.. „Der Bau-Turbo kann helfen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und den Gebäudebestand besser zu nutzen. Doch die aktuellen Regelungen sind zu wenig zielgenau: Sie öffnen auch Wege für Projekte, die unseren Klimazielen und dem Prinzip der Innenentwicklung vor Außenentwicklung entgegenlaufen. Ob der Bau-Turbo Fortschritt oder Rückschritt bedeutet, entscheidet sich in den Kommunen.“

Das Gesetz erlaubt es nun, Bauvorhaben über neue Paragraphen wie §31 Absatz 3, §34 Absatz 3b und §246e BauGB schneller und mit mehr kommunalem Entscheidungsspielraum zu genehmigen. Damit gewinnen Städte und Gemeinden an Bedeutung für die räumliche und soziale Entwicklung. Das Bündnis möchte sie darin unterstützen, die neuen Instrumente verantwortungsvoll zu steuern und ihren Beitrag zur notwendigen Bauwende zu leisten.

„Die Idee, Entscheidungen näher an die lokale Ebene zu bringen, ist richtig“, betont Kurt Gramlich von Klimaschutz im Bundestag e.V.. „Aber es darf nicht passieren, dass Tempo und Vereinfachung Klimaschutz und Beteiligung aushebeln. Die Kommunen brauchen Orientierung, um das neue Recht im Sinne einer sozial-ökologischen Transformation anzuwenden – nicht als Freifahrtschein für Bauen um jeden Preis.“ Partnerorganisationen fordern verbindliche Kriterien für Nachhaltigkeit Auch die Partnerorganisationen fordern, den beschleunigten Entscheidungsprozessen ein stabiles Fundament aus Fachlichkeit und Nachhaltigkeit zu geben.

Dr. Christine Lemaitre, Vorständin der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), erklärt: „Nur wenn Gemeinden verbindliche Kriterien festlegen – von Energie- und Ressourceneffizienz bis zu sozialer Infrastruktur und Freiraumqualität – wird aus dem Bau-Turbo ein Werkzeug für eine lebenswerte Zukunft.” Für die Bundesarchitektenkammer (BAK) mahnt Präsidentin Andrea Gebhard: „Gute Architektur und nachhaltige Planung brauchen Verlässlichkeit – besonders wenn Planungsprozesse beschleunigt werden. Der kommunale Gestaltungswille darf sich nicht in beliebigen Einzelfallentscheidungen auflösen, Beschleunigung darf Qualität und Gemeinwohlorientierung nicht ersetzen.“ Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) sieht in der Reform Risiken, wenn Kommunen keine klaren Grenzen ziehen. Sylvia Pilarsky-Grosch, Vorsitzende des BUND Baden-Württemberg, warnt: „Wenn die neuen Freiheiten dazu genutzt werden, Bauprojekte im Außenbereich zu ermöglichen, verlieren wir weitere wertvolle Natur- und Agrarflächen wie z.B. Streuobstwiesen. „Damit gefährden wir Artenvielfalt, Klimaziele und die Lebensqualität kommender Generationen.“

Gesprächsrunde 4. März 2026

Am Mittwoch, den 4. März 2026, findet im Rahmen des digitalen DGNB Jahreskongresses die von Dr. Christine Lemaitre moderierte Gesprächsrunde „Bau-Turbo, und jetzt?" statt. Mit dabei sind Leon Beck, Architects for Future Deutschland e.V., Philipp George, Klimaschutz im Bundestag e.V. und Sylvia Pilarsky-Grosch, BUND BadenWürttemberg. Die Anmeldung zur kostenlosen Teilnahme erfolgt unter www.dgnb.de/jahreskongress. Ein Mitschnitt der Runde ist im Nachgang auf dem YouTube-Kanal der DGNB zu finden.

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