Interview

Heinz Ferk, Prüflabor an der TU Graz

„Win-Win-Situation für Metallbauer und Labor“

Metallbau Meier* (Firmierung von der Redaktion geändert) bietet das klassische Portfolio. Darüber hinaus entwickelt es Komponenten für die Fassadenerneuerung und für aktive Gebäudehüllen. Auditiert wird an der TU Graz unter der Leitung von Dipl.-Ing. Heinz Ferk. Sein Labor ist durch das BMDW akkreditiert und ist European Notified Body Lab der TU Graz.

metallbau: Herr Ferk, nach welchen Normen lässt Metallbau Meier bei Ihnen prüfen?

Heinz Ferk: Aufgrund des Produktportfolios sind insbesondere die Inhalte der Produktnormen ÖNORM EN 14351 — Fenster und Türen, Produktnorm, Leistungseigenschaften, sowie der ÖNORM EN 13830 — Vorhangfassaden und der damit zusammenhängenden Spezifikationen ein wichtiges gemeinsames Arbeitsgebiet.

metallbau: Wie ist der Betrieb erstmals an Sie herangetreten?

Ferk: Die Zusammenarbeit reicht mehr als 20 Jahre zurück; heute ist Metallbau Meier unser Stammkunde. Damals benötigte das Unternehmen dringend eine Untersuchung der Schalldämmung eines Prototyps. Wir konnten hierfür die erforderlichen Messungen und Analysen durchführen und den Betrieb in weiterer Folge auch davon überzeugen, bei dieser Anfrage zu ermitteln, wie sich spezifische Änderungen – in diesem Fall Wünsche aus der Architektur – auf die Schalldämmung des Prototyps auswirken. So konnte es für derartige künftige Aufgabenstellungen gleich Erfahrungen „als Nebenprodukt“ sammeln.

metallbau: Wie häufig finden die Audits statt?

Ferk: Es ist, wie bei vielen anderen Betrieben auch, ein gewisser konjunkturabhängiger Zyklus zu erkennen. In der Hochkonjunktur, also „exzessiven“ Bauphasen, sind es häufig kurzfristige Untersuchungen und Analysen an Prototypen, um entweder bestimmte erwünschte bauphysikalische Eigenschaften zu erzielen oder diese so weit zu optimieren, dass die gewünschten Eigenschaften kostengünstig und/oder innovativ erreicht werden können. Lässt die Konjunktur nach, bestimmen langfristigere Entwicklungsziele unsere Zusammenarbeit. Dann dominieren Arbeiten an Innovationen und Entwicklungen für künftige Produkte. In dieser Phase werden gemeinsam Forschungsanträge formuliert und entsprechende Planungen, aber auch Fortbildungen zu spezifischen Themen durchgeführt.

metallbau: Wo wird normalerweise geprüft?

Ferk: Die Untersuchungen werden häufig im Labor durchgeführt, nach Erfordernis aber auch direkt bei Metallbau Meier, je nachdem, was mehr Sinn macht. Wenn beispielsweise das erforderliche Untersuchungs- bzw. Messequipment mobil ist, kann der Prototyp direkt im Metallbaubetrieb aufgestellt werden. Änderungen lassen sich dann einfacher durchführen. Bei größeren Untersuchungen, wie etwa für die Analyse der Schall-Längsleitung von Vorhangfassaden, erfolgt eine Abstimmung mit den weiteren erforderlichen Gewerken, wie z.B. dem Trockenbau. So können wir die Prüfsituation im Labor zügig herstellen.

metallbau: Worauf legen Sie als Prüfer Wert?

Ferk: Besonders wichtig ist es uns, möglichst umfassend alle uns bekannten Eventualitäten aufzuzeigen. So können wir meist zeitaufwendige Variationen, die sich unter Umständen ergeben, möglichst bereits bei der Grundkonzeption des Prototyps und der Prüf- oder Berechnungssituation vorsehen. Diese Vorgangsweise hat sich im Sinne von Metallbau Meier vielfach sehr bewährt und bringt letztlich auch uns Vorteile: Wir können damit die angesetzten Bearbeitungszeiten oder z.B. Belegungszeiten von Prüfeinrichtungen besser abschätzen und in der Regel reduzieren. Von Vorteil ist auch die gemeinsame Erstellung einer Art Checkliste des gesamten Prozesses. Dies spart Zeit, erhöht die Qualität und Brauchbarkeit der Ergebnisse und führt letztlich immer zu geringeren Kosten, als wenn man auf den Abstimmungsprozess verzichten würde.

metallbau: Warum würden Sie die Kooperation als beispielhaft bezeichnen?

Ferk: Die Kooperation ist beispielhaft, weil sich durch die kontinuierliche Zusammenarbeit eine Win-Win Situation für beide Seiten ergibt und die Kooperation durch die Bearbeitung von Forschungsthemen immer auch zukunftsgerichtet und mit der Lehre gut verknüpfbar ist. Da man die gegenseitigen Möglichkeiten und Erfordernisse aufgrund der langjährigen Erfahrung bereits gut kennt, fallen langwierige Abstimmungsprozesse weg. Es wird ein sehr professionelles Arbeiten möglich, was sich im Sinne beider Seiten positiv auswirkt.

metallbau: Wie können sich die Metallbaubetriebe einbringen?

Ferk: Unser Bestreben ist es, die Arbeiten mit modernsten Methoden und hoher Kompetenz und Qualität durchzuführen. Umso positiver ist es, wenn auch bei Metallbau Meier engagierte Leute aktiv an einer positiven Umsetzung arbeiten. Zudem kann man auf die Einhaltung der vereinbarten Termine vertrauen, was heute keine Selbstverständlichkeit mehr darstellt. Nicht zuletzt führt das gegenseitige Schätzen der jeweiligen Leistung und Kompetenz des anderen zu einem qualitativ hochwertigen Prozess der Projektbearbeitung und damit letztlich zu besseren Prototypen und schließlich besseren Produkten am Markt bei geringeren Kosten – also einem Wettbewerbsvorteil bis hin zu einem guten Namen am Markt.

metallbau: Wie verläuft eine Prüfung?

Ferk: In der Regel kommt es zu einer ersten Anfrage, verbunden mit einer Terminvorstellung, wann Ergebnisse vorliegen sollten. In einfachen Fällen kommt es direkt danach zur Erstellung eines Angebots. Je nach Komplexität der Aufgabenstellung kann es aber auch zu einem oder mehreren Folgegesprächen kommen, in denen zunächst Randbedingungen, Prototyp-Spezifikationen oder auch Erfordernisse für die Untersuchung, Analyse, Messung oder Berechnung besprochen werden. Das Ergebnis ist ein Terminplan sowie ein konkretes Angebot. Bereits während der Anlieferung und auch während des Aufbaus erfolgt eine Dokumentation des Prototyps. Schließlich werden die Untersuchungen an den Prototypen durchgeführt und gegebenenfalls die Wirkung der vorab festgelegten Modifikationen untersucht und entsprechend dokumentiert. Nach Durchführung aller erforderlichen Messungen, Analysen und Arbeiten samt entsprechenden Qualitätssicherungsmaßnahmen erfolgen bei Laborversuchen der fachgerechte Ausbau des Prototyps und der Abtransport. Sobald alle erforderlichen Pläne und Unterlagen vorliegen, erstellen wir einen Ergebnisbericht, der dann in der Regel elektronisch übermittelt wird.

metallbau: Ist jemand von der Firma bei der Prüfung dabei?

Ferk: Aus unserer Sicht ist von großem Vorteil, wenn während der Untersuchungen ein oder mehrere kompetente Mitarbeiter von Metallbau Meier anwesend sind, da so auch stets neue Erkenntnisse aus den Untersuchungen direkt an den Betrieb  kommuniziert werden können. Das wirkt sich praktisch immer positiv auf die Qualität und die intelligente Erarbeitung künftiger Prototypen und Problemlösungen aus.

metallbau: Gehen Sie auch auf kurzfristige Änderungs- oder Modifikationswünsche ein?

Ferk: Selbstverständlich. In geeigneten Fällen können, natürlich nur nach entsprechender Zustimmung von Metallbau Meier, auch unsere Studenten im Rahmen von Lehrveranstaltungen, Masterarbeiten etc. erste Erfahrungen an aktuellen Problemstellungen der Wirtschaft sammeln und Messungen oder Auswertungen an den Prototypen vornehmen oder entstehende Problemstellungen als Thema für ihre Studienarbeiten nützen.

metallbau: Was erhöht die Chancen auf Erfolg?

Ferk: Prinzipiell versuchen wir, unsere „Kunden“-Betriebe durch kompetente Beratung und Hineindenken in das Kundenanliegen zum jeweiligen Prüf- oder Berechnungsprozess etc. auf den richtigen Weg zu einer erfolgreichen, ressourcenschonenden und zielorientierten Abwicklung zu führen. Von Vorteil ist jedenfalls eine saubere Vorbereitung des Projekts, ausreichend Zeit und Ressourcen für den jeweiligen Projektverantwortlichen, ein entsprechendes Management des Prozesses, die Bereitstellung entsprechender Unterlagen – von korrekten Beschreibungen und Plänen bis dahin, dass man entweder selbst oder auch mit unserer Beratung die erforderlichen Untersuchungen möglichst klar und eindeutig beschreiben und festlegen kann.

metallbau: Wo sehen Sie mögliche Fehlerquellen?

Ferk: Ein Problem, das in den letzten Jahren häufiger zu beobachten ist, sind nicht zuletzt Probleme beim Prototypenbau selbst. Das führt immer wieder zu Terminverschiebungen oder dem Einsatz provisorischer Komponenten. Leider ist es im Metallbau immer noch Usus, den Umfang von Untersuchungen möglichst gering zu halten, was aus Kostengründen, bezogen auf einen Prototyp, verständlich erscheint. Zum einen sollte man aber die Aufwendungen realistischer auf die Stückzahl oder den Gesamtwert und Nutzen der später hergestellten Elemente beziehen. Zum anderen sollte man aber auch versuchen, die einzelnen Messaufgaben bzw. Berechnungen so zu gestalten, dass ein Mehrwert für die künftigen Entwicklungen entsteht. Das geht, indem man verstärkt versucht, die Auswirkung von Änderungen und Sensitivitäten von Maßnahmen grundlegender zu erarbeiten und nicht immer wieder das Rad von Neuem zu erfinden.

metallbau: Was schlagen Sie als Abhilfe vor?

Ferk: Dem einzelnen Betrieb bleibt dafür heute oft zu wenig Zeit bzw. es werden hier oft fehlende Ressourcen als Hindernis für eine weitergehende Betrachtung genannt — der langfristige Nutzen wird übersehen. Hier wäre es wichtig, zumindest in Grundlagenfragen auch auf konstruktivem Gebiet wieder aktiver in einer gemeinsamen Metallbau-Plattform zusammenzuarbeiten. Erstrebenswert wäre es, entsprechende Unterlagen zu erarbeiten, Fortbildungen mit „Blick über den Zaun“ anzubieten, aber auch Zukunftsthemen zu bearbeiten. Und das im Sinne eines langfristig erfolgreichen Metallbaus.

www.tugraz.at

bauphysik@tugraz.at

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