Verbindung von Stahl mit Alu zu Hybridplatinen

Lichtbogenfügen

Eine imposante Innovation hat die Grenzen des Schweißens weiter verschoben: Galten bisher Stahl und Aluminium als thermisch nicht miteinander fügbar, ist dies jetzt praxistauglich machbar.

Die Lösung erfüllt die Visionen von Werkstoffexperten, Konstruktions- und Fertigungsingenieuren. Vor allem die Manager der Automobilindustrie werden glücklich gemacht. Festen Stahl mit leichtem Aluminium - je nach dem Beanspruchungsverlauf im Bauteil - belastungssicher thermisch zu verbinden, war lange Zeit ein gehegter Wunsch. Speziell der Automobilindustrie erleichtert dies, das Fahrzeuggewicht und damit den Energieverbrauch sowie die CO2-Emissionen zu reduzieren sowie den EU-Grenzwert von 130 g/km CO2-Ausstoß im Jahr 2012 zu erfüllen. Auch in anderen Branchen - vom Designobjekt über das Hallendach bis zur Windenergieanlage - bringen zuverlässige Leichtbaukonstruktionen ebenfalls erheblichen Nutzen.


 
Tauglich. Laut Schweiß-Lehrbuchmeinung lassen sich die in ihren physikalischen Eigenschaften wie der Schmelztemperatur (1500 versus 590°C) dem Ausdehnungskoeffizienten (1,2 versus 2,3 mm/100°C) oder dem elektrochemischen Potenzial sehr unterschiedlichen Metalle nicht per Lichtbogenschweißen verbinden. Dieser schweißtechnische Engpass forderte Fronius schon seit über 20 Jahren heraus. Bereits vor der CMT (Cold Metal Transfer)-Lösung entstanden erste reproduzierbare Verbindungen. Seit 2003 konkretisierte sich eine nachvollziehbare Technologie in der Zusammenarbeit mit voestalpine. Zahlreiche Versuche belegen inzwischen die industrielle Tauglichkeit des Verfahrens und seiner Anwendungen.  
Patentiert. Aluminiumseitig liegt eine Schweißung vor, während das Stahlblech eine Lötverbindung zeigt. Die Entwickler erhielten für die Lösung verschiedene Patente. Gemeinsam entwickeln sie umformfähige Hybridplatinen. Als Halbzeuge lassen sie sich in Verfahren wie Abkanten, Walzen oder Tiefziehen zu Profilen oder Crashabsorbern umformen.


 
Festigkeit. Einige technische Randbedingungen: Die Stahlbleche müssen verzinkt sein (wie im Automobilbau üblich), die Aluminiumbleche aus den Werkstoffreihen AW5xxx oder 6xxx stammen und als Schweiß- bzw. Lotzusatzwerkstoff ist AlSi3Mn1 vorgegeben. Die Zinkschicht auf dem Stahlblech wirkt wie ein Flussmittel und benetzt den Stahl. Entscheidend ist die intermetallische Phase (IMP). Sie soll so dünn wie möglich sein und höchstens 10 µm betragen. Dann ist die Festigkeit der Verbindung so hoch, dass bei Zerreißproben die Naht hält und das Abreißen im Aluminiumblech eintritt. Inzwischen belegen mehrjährige Tests an umgeformten Platinen, dass weder interkristalline noch Spannungs- oder Spaltrisskorrosionen auftreten, lediglich geringe Flächenkorrosionen sind nachweisbar. Für die Platinen haben sich Schweißsysteme bewährt, die mit dem CMT-Prozess beidseitig synchron senkrecht von oben nach unten schweißlöten. Das Know-how von voestalpine betrifft die Anarbeitung der Nahtgeometrie; die Forschung und Entwicklung von Fronius steht für den Zusatzwerkstoff und die Modifikation des ebenfalls für Fronius patentierten CMT-Systems.
 
Info + Kontakte
 
Fronius International GmbH
Froniusplatz 1
A-4600 Wels
Tel. +43 (0)7242/241 2590
Fax +43 (0)7242/241 95 3940

www.fronius.com

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2013-11

Fronius

Mit dem Accupocket 150/400 ermöglicht Fronius das Schweißen ohne Netzstrom. Das Elek-trodenschweißgerät ist mit einem integrierten Lithium-Ionen-Hochleistungsakku ausgestattet und wiegt 11 kg....

mehr
Ausgabe 2020-12

Brandl Eitensheim

Hart verzunderter Stahl

Mit einem hart verzunderten Stahlblech bietet das Metallbauunternehmen Erhard Brandl eine neue Oberflächenbearbeitung. Bei 900°C werden Stahlbleche über mehrere Stunden geglüht und so eine...

mehr

Geschäftsführung Fronius Deutschland

Ewald Eisner hat die Geschäftsführung übernommen

Ewald Eisner verantwortet ab sofort die Geschäfte bei Fronius Deutschland. Gleichzeitig bleibt der 54-Jährige Vertriebsleiter der Business Unit Perfect Welding. Eisner ist bereits seit 1991 für...

mehr
Ausgabe 2015-12

Schweißtechnik-Daten im Blick

Die Dokumentation und Analyse von Prozessdaten gewinnt in der Schweißtechnik an Bedeutung. Fronius hat dafür das Dokumentations- und Datenanalysesystem WeldCube entwickelt. Die Lösung basiert auf...

mehr
Ausgabe 2010-03 Sorglos-Paket für Kunden

Guter Service schweißt Beziehungen dauerhaft

Vor diesem Hintergrund erweitert Fronius sein Servicespektrum mit dem erklärten Ziel, auch auf diesem Gebiet länderübergreifend der Branchenprimus zu bleiben. Der Anspruch basiert auf ausgewogenen...

mehr