Marktübersicht

Elektrische Fensterantriebe

Elektrische Fensterantriebe bieten Komfort und Sicherheit. Sie erfreuen sich generell – und in jüngerer Zeit auch im privaten Wohnungsbau – zunehmender Nachfrage. Der Metallbauer hat die Möglichkeit, sich mit diesem Produkt zukunftsfähige Geschäftsfelder zu erschließen und neue Kundengruppen anzusprechen. Die Marktübersicht stellt Antriebslösungen von 11 Unternehmen vor.

Richtiges Lüften ist vor allem in Gebäuden mit hochgedämmten Fassaden und dreifach verglasten, dicht schließenden Fenstern nach der EnEV zwingend nötig. Ausreichende Luftzufuhr dient nicht nur der Gesundheit und Konzentrationsfähigkeit, auch Schimmel und Feuchteschäden in Gebäuden werden damit vermieden. Doch in der Praxis ist das oft gar nicht so einfach. Bewohner und Nutzer sind mit dem Lüften vielfach überfordert, weil sie alte Bediengewohnheiten — wie z.B. die Fenster dauerhaft ankippen — einfach beibehalten. Elektrisch betätigte Fensterantriebe sorgen für die erforderliche gute Lüftung, auch im Automatikmodus. Im Fachjargon heißt das: kontrollierte natürliche Lüftung.

Kontrolliertes, nutzerunabhängiges Lüften

Dabei wird die Einbindung in Smart Building bzw. die Vernetzung mit Gebäudeleitsystemen immer stärker nachgefragt. Christian Ulrich, Projektmanager Produktinformationsmanagement (PIM) bei Geze, registriert außerdem den „Trend zu einem schlanken Antriebsdesign und bevorzugt ins Fensterprofil integrierte Systeme. Gefragt sind auch geräuscharme Lösungen und immer mehr die Verfügbarkeit als BIM-Objekt“, sagt er.

Zudem bieten elektrische Fensterantriebe bei besonders großen und schweren Fenstern viel Bedienkomfort oder dienen der bedarfsgesteuerten Betätigung von schwer zugänglichen Dachfenstern oder Oberlichtern. Außerdem werden sie zur Entrauchung, oft in Kombination mit natürlicher Lüftung, eingesetzt. Neben dem Einsatz zur täglichen Lüftung können sie auch der Nachtauskühlung von Gebäuden dienen und reduzieren oder sparen dadurch den Einsatz von Energie fressenden Klimaanlagen. „Gerade unter nachhaltigen Gesichtspunkten können Fensterantriebe mit Lüftungsfunktion zum Beispiel durch die Nachtauskühlung eine Verringerung der Energiebilanz des Gebäudes zur Folge haben und so nicht nur in Bezug auf die Anschaffung, sondern auch im Betrieb eine sinnige Lösung sein“, erläutert Christian Ulrich.

Auch das Unternehmen Aumüller verweist darauf, dass „durch die kontrollierte natürliche Lüftung über elektrische Fensterantriebe hohe Luftwechselraten bei sehr geringem Energieaufwand erzielt werden können.“ Um diese Aufgabe optimal und nutzerunabhängig umzusetzen, können ergänzend Sensoren zur Erfassung von wetterspezifischen und raumluftabhängigen Daten verwendet werden. In Kombination mit Heizungs-, Kühlungs- und Sonnenschutzanlagen werden die Regelmechanismen abgestimmt und am individuellen Bedarf orientiert.

Große Auswahl an Antriebsarten

Entsprechend den verschiedenen Lüftungsprinzipien wie einseitige Lüftung, Querlüftung und Auftriebslüftung, bieten die Hersteller unterschiedliche Fensterantriebe für unterschiedliche Einsatzbereiche an. Das reicht vom Ketten- über den Spindel- und Zahnstangenantrieb bis hin zum Drehflügel- und Lamellenantrieb. Welcher Antrieb letztlich für welches Fenster passt, ist von vielen Faktoren abhängig. Zu den wichtigen Kriterien gehören die Öffnungsart und die Öffnungsrichtung. Generell kann gesagt werden, dass Ketten- und Spindelantriebe bevorzugt für Lüftungs- und RWA-Anwendungen im Einsatz sind, während Scherenantriebe sich mehr für einfache Lüftungsapplikationen an Oberlichtöffnungen eignen. Bei Dreh- und Kippfenstern oder Lüftungsklappen kann oft ein Antrieb für alle Modelle verwendet werden. Anders bei Lamellenfenstersystemen. Für unterschiedliche Mechaniken gibt es verschiedene Antriebstechnik.

Die in der Marktübersicht aufgeführten technischen Daten helfen zur ersten Orientierung. Maximal mögliches Flügelgewicht und Flügelabmessungen werden nicht aufgeführt, weil dies von der Öffnungsart des Flügels abhängt und erst im konkreten Anwendungsfall bestimmt werden kann. Die Hublänge und die Öffnungsweite sind vielfach identisch, sind allerdings bei Oberlichtbeschlägen und Lamellenflügeln von der Konstruktion abhängig. Daher kann beispielsweise die Firma Esco hierzu teilweise keine Angaben machen.

Systemlieferant Schüco bietet mit dem mechatronischen Antrieb TipTronic SimplySmart ein komplett profilintegriertes Beschlagsystem an, das die Komponenten Antrieb, Beschlag und Profilsystem zu einer Einheit verschmelzen lässt. Ähnliche Systemgedanken greifen auch Hersteller wie z.B. Aumüller oder Siegenia auf, wodurch das Fenster so zum integralen Bestandteil des intelligenten Gebäudes wird.

Sinnvoll sind auch Lösungen, die ab Werk konfiguriert sind und die eine nachträgliche Parametrierbarkeit vor Ort zulassen. Sie ermöglichen eine gute Einbindung in die Gebäudeleitsysteme und bieten durch Positionsrückmeldung auch Sicherheit im Sinne von Security.

Kenntnisse, die der Metallbauer braucht

Metallbauer, die elektrische Fensterantriebe verarbeiten und montieren, benötigen neben soliden Montage- und Installationskenntnissen auch elektrotechnisches Grundwissen. Die meisten Antriebshersteller unterstützen zusätzlich mit Schulungen und Unterlagen. Geze beispielsweise bietet den Metallbauern Produktschulungen, Seminare, Montagevideos und Weiterbildungen zu Regelwerken an. Softwareunterstützung wird zur Planung und Auslegung von Fensterantrieben geleistet. Bei Bedarf gibt es auch gemeinsame Montage vor Ort.

Für Metallbauer, die tiefergehende Kundenberatung leisten möchten oder müssen, empfehlen sich umfassende Kenntnisse der baulichen Regelwerke, der Vorteile, Funktionsweise und Leistungseigenschaften von elektrischen Fensterantrieben, Wissen über mögliche Anwendungen sowie Montagesituationen. Christian Ulrich erläutert, mit welcher Unterstützung der Metallbauer bei Geze außerdem rechnen kann: „Angefangen bei der Unterstützung für die Angebotserstellung zu Ausschreibungen bieten wir auch konfektionierte Lösungen für komplette Gebäude, Planungstools zur Auslegung von Antrieben sowie die Bereitstellung von Montagehilfen. Der Metallbauer wird durch uns auch zur notwendigen Sachkunde für die Inbetriebnahme und Wartung befähigt.“ Auch die Maschinenrichtlinie spielt eine Rolle, denn automatisierte Fenster unterliegen der Maschinenrichtlinie mit ihren entsprechenden Sicherheitsbewertungen. Antriebshersteller unterstützen mit Unterlagen, Zertifikaten und Sicherheitsanalysen.

In Bezug auf die Bauteilabnahme bzw. Übergabe der Leistung empfiehlt sich für den Metallbauer die Durchführung von Inbetriebnahmetests. Damit weist er die störungsfreie Funktion des elektrischen Beschlags nach, noch bevor der Elektriker das Fenster zu einem späteren Zeitpunkt anschließt. Hersteller bieten hierfür ein speziell entwickeltes Überprüfungsgerät an.

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