„Nur ein bisschen Licht“

Blechbearbeitung für komplexe Spezialbaugruppen

Das Unternehmen LMT stellt individuelle Leuchten und Lichtbänder her, größtenteils aus Edelstahl und Aluminium. Der moderne Maschinenpark zur Blechverarbeitung wird außerdem mit der Fertigung von Gehäusen, Kunstobjekten oder für OEM- und Lohnarbeiten ausgelastet. Um die kreativen Entwürfe von Lichtdesignern und Architekten in praxistaugliche Produkte umsetzen zu können, ist ein breites Wissen und Können erforderlich. Dazu gehört auch die Beherrschung von 3D-Software, BIM und demnächst Virtual Reality.

„Wir setzen die Ideen unserer Kunden in Lösungen um“, sagt Geschäftsführer Mike Otterpohl und fügt hinzu: „In den Ausschreibungen ist immer exakt vorgegeben, was wir liefern sollen. Wir brauchen also quasi nur zu überlegen, wie dies bezahlbar umgesetzt werden kann.“ Klingt simpel, ist es aber bei Weitem nicht, wie sich im Laufe des Interviews mit ihm herauskristallisiert. Moderner Leuchtenbau ist hochinnovativ und hat beim Leuchtenbauer LMT außerdem sehr viel mit Metallbau zu tun.

Dynamischer Leuchtenmarkt

Das Unternehmen LMT Leuchten + Metall Technik aus dem mittelfränkischen Hilpoltstein stellt seit seiner Gründung im Jahr 1984 Leuchten her. Ursprünglich waren es Beleuchtungen für Bahnanlagen, heute überwiegen individuelle Lösungen für Objekte, teils wird auch als OEM produziert. „Weil der Markt für Leuchten sehr dynamisch ist, führen wir nur ein begrenztes Standardsortiment“, berichtet Mike Otterpohl. Den Familienbetrieb leitet der Diplomingenieur seit 2004 gemeinsam mit seinem Bruder Tobias, inzwischen haben sie das Unternehmen auch als geschäftsführende Gesellschafter vom Vater übernommen. Von den 48 Mitarbeitern sind allein acht in der Konstruktion und Arbeitsvorbereitung beschäftigt, acht im Metallbau, zehn in der Elektromontage. Die meisten sind Facharbeiter oder Ingenieure, also bestens qualifiziert. Aktuell gibt es zwei Auszubildende im Beruf Konstruktionsmechaniker.

Das Unternehmen bedient drei Produktsparten: architektonische Leuchten für den Innen- und Außenbereich, Lichtbänder für Bahn- und U-Bahn-Anlagen sowie Produkte des allgemeinen Metallbaus. Letzteres betrifft vor allem Kunst am Bau, Ausstattung von U-Bahnhöfen, Gehäuse für operative Medizintechnik oder Sonderprojekte wie zum Beispiel die Wandverkleidungen und quaderförmigen Stelen für die Bionik-Dauerausstellung im Nürnberger Tiergarten. Die Produkte von LMT sind im In- und Ausland begehrt. Die Sparte Metallbau hat sich aus dem Bereich Leuchten heraus entwickelt, da ein moderner und umfangreicher Maschinenpark sowieso vorhanden ist. Verarbeitet werden vorwiegend Edelstahl und Aluminium. LMT verfügt über ein großes Portfolio an eigens gepressten Aluminiumprofilen, für die auch die Werkzeuge selbst entwickelt wurden. Zugekauft werden lediglich Leuchten-Spezialteile aus Aluminiumguss, Komponenten für die elektrische Anschlusstechnik, Gläser und Kunststoffe sowie sämtliche Oberflächenveredelungen wie Pulverlack, Nasslack und Eloxal.

Ideenumsetzung erfordert breites Wissen

Der Produktfindungsprozess ist hingegen nicht sehr ausgeprägt. Mike Otterpohl begründet: „Weil das bereits unsere Kunden machen. Der Endkunde beauftragt für das Leuchtendesign meist einen Industriedesigner, der uns den Entwurf samt Daten schickt. Wir arbeiten diese auf und entwickeln daraus ein Produkt.“ Dieser Prozess ist durchaus aufwändig. Denn aus den Bildern und 3D-Modellen mit Flächenstrukturen müssen die Konstrukteure von LMT vollständige 3D-Volumenkörper sowie die entsprechenden Fertigungszeichnungen und Schnittdaten für die 2D- und 3D-Laseranlagen erzeugen. „Für diese hochspezialisierte Tätigkeit braucht man mindestens eine Techniker-Ausbildung, besser noch ist eine Fach- oder Hochschulausbildung“, meint Otterpohl.

Das Unternehmen LMT versteht sich als Komplettanbieter, der die Architekten und Designer zu ihren Projekten von A bis Z berät und betreut, von der Teilnahme an der Ausschreibung bis zur Produktion und gegebenenfalls bis zur Montage. Ein großes Anliegen ist auch, die Kunden beim Verkauf und Marketing ihrer Produkte bestmöglich zu unterstützen. „Wir sind stark in der Visualisierung, weil wir komplett in 3D arbeiten. Für uns ist es kein Problem, mal schnell eine fotorealistische Darstellung zu erzeugen, beispielsweise für eine anschauliche Präsentation“, betont Mike Otterpohl.

Denkweise, Design und Digitalisierung

An die vielen unterschiedlichen Denkweisen von Designern und Architekten hat sich der Diplomingenieur mit der Zeit gewöhnt und fügt lachend hinzu: „Ich bin ja selbst mit einer Architektin verheiratet.“ Er beurteile nicht, ob etwas schön sei, sondern versuche, die Kundenwünsche optimal umzusetzen. Nur wenn technisch keine Lösung zu finden ist oder diese so teuer sei, dass der Kunde sie nicht bezahlen wolle oder könne, muss der Entwurf angepasst werden. „Zwischen Kosten, Design und Funktionen gibt es immer ein Spannungsdreieck“, sagt Otterpohl.

Einige Produkte werden in Lizenz für andere Unternehmen gefertigt, z.B. als OEM-Partner. Patente auf Eigenentwicklungen lohnen sich laut Otterpohl kaum, auch wenn in vielen Produkten besondere Ideen stecken. „Leuchten sind relativ schnelllebig und verändern sich rasant. Oftmals rentiert sich ein Patent nicht.“ Künftig soll aber mehr eigenes Design entstehen, kreiert von Diplomdesigner Michael Jurisch. Er leitet seit August 2018 die neue Niederlassung in Berlin. Aktuell besteht seine vorrangige Aufgabe in der Beratung und Unterstützung von Lichtplanern und Architekten, auch in Bezug auf Steuerungstechnik, Auslegung von LEDs und Kühlkörpern. Neu entwickelt wurde bereits eine dezentrale Leuchtensteuerung, die sich in Smart Home-Netzwerke integrieren lässt und damit auch für Endverbraucher interessant sein dürfte. Weil die Welt in Zukunft immer digitaler wird, entwickelt man bereits eigene Lichtplanungs-Apps und ist dabei, Virtual Reality (VR) im Unternehmen einzusetzen.

Auch BIM (Building Information Modeling, deutsch: Bauwerksdatenmodellierung) ist bei LMT unterdessen ein relativ großes Thema. Es wird zwar erst seit Kurzem von den Kunden gefordert, nimmt aber stark zu. Demnächst will man einen eigenen Arbeitsplatz mit entsprechender Software ausstatten. Mike Otterpohl betont: „Wir arbeiten bereits seit 20 Jahren mit Maschinenprogrammen. Da kennen wir das Thema prinzipiell schon lange.“

Spezialleuchten für besondere Anforderungen

Neben Leuchten und Lichtbändern für die Deutsche Bahn und für U-Bahn bauende Städte weltweit sowie zur Tunnelbeleuchtung stattet das Unternehmen LMT auch die Innen- und Außenbereiche von Zweck- und Wohngebäuden mit Licht aus. Mike Otterpohl nennt als Beispiele den Flughafen Frankfurt und den Kulturpalast Dresden (siehe Seite 19). Auch werden spezielle Kontrollleuchten zur Oberflächenqualitätskontrolle für Lackierbetriebe oder die Automobilindustrie sowie für die Wareneingangs- und -ausgangskontrolle angeboten. „Normale Tiefstrahlerleuchten für Werkhallen sind hingegen nicht unser Metier“, so Otterpohl. „Die kommen heute in großer Vielfalt aus Fernost. Das machen wir nicht.“

Viele Leuchten müssen auch die Anforderungen für Feuerschutz oder Vandalismus erfüllen, also Einsatzklassen bis zum Stoßfestigkeitsgrad IK10 erreichen. Gerade im Bahnbereich ist das ein großes Thema. Für die Leuchten werden dann entsprechend dickere Bleche sowie Verbundgläser anstatt ES-Gläser verwendet oder robuste Hochleistungskunststoffe wie Polycarbonat eingesetzt und spezielle Befestigungen gewählt. Sämtliche Leuchten benötigen ein CE-Zeichen, entsprechende Testeinrichtungen sind im Betrieb vorhanden. Bei einigen Projekten werden auch mal Lichtverteilungskurven gefordert. Das wird dann an externe Dienstleister vergeben. Als problematisch hingegen sieht Mike Otterpohl die vielen speziellen Normen und Vorschriften für die unterschiedlichsten Bereiche an, denen immer und überall gerecht werden muss. „Beleuchtungen für Unterführungen im Bahnbereich haben andere Normen als Beleuchtungen für U-Bahnhöfe oder in Tunneln. Auch wenn es theoretisch ähnliche Anforderungen sind. Hinzu kommen noch die verschiedenen Länderspezifika.“

Vorzeige-Blechfertigung mit Trumpf

Der Maschinenpark von LMT ist mit einer ganzen Reihe voll- und teilautomatischer Maschinen ausgestattet. Größte Abteilung ist die Blechbearbeitung, in der ausschließlich Maschinen von Trumpf stehen: eine 2D-Laserschneidmaschine Tru Laser 3030 fiber mit automatisierter Beschickungsanlage Lift Master Compact, eine kleinformatige Biegemaschine Tru Bend 7036 und ein teilautomatisiertes Schwenkbiegezentrum Tru Bend Center 5030. Auch eine Roboter-Laserschweißanlage Tru Laser Weld 5000, an die ein zweiter Roboter über das Lasernetzwerk angeschlossen ist, gehört zur Ausstattung. Es kann passieren, dass die Roboter zweimal am Tag umgerüstet werden müssen, „weil wir sowohl Stückzahl Eins als auch mal 2000 identische Leuchten für den Gotthardtunnel schweißen. Es kommt immer drauf an, ob es das Produkt erfordert, mit dem Laser geschweißt zu werden oder nicht“, berichtet Mike Otterpohl und ist überzeugt, dass sich der Einsatz von Robotern auf jeden Fall lohnt. Mit den 3D-Schweißrobotern war LMT auch Trumpf-Testkunde, weil diese Flexibilität etwas Besonderes im Fertigungsalltag ist. Außerdem führte Trumpf im Juni 2018 hier einen TechDay mit Schweißvorführung und Erfahrungsaustausch für andere nordbayerische Unternehmen durch. Hier konnte LMT seine Leistungsfähigkeit in der Blechbearbeitung demonstrieren.

Ein Vorzeigeunternehmen ist LMT auch in Bezug auf seine nachhaltige Stromerzeugung. Die Fertigungshallen und Büroräume werden überwiegend mit dem Strom der eigenen 1.200 Quadratmeter umfassenden PV-Anlage versorgt und Spitzen durch den Zukauf von Ökostrom ausgeglichen. Für die Versorgung der Laserschneidmaschine wurde eine eigene Stickstofferzeugungsanlage mit Zwischenspeicher angeschafft, die den Strom aus der Photovoltaikanlage zu den Zeiten nutzt, in denen die Fertigungsanlagen nicht in Betrieb sind.

Zwei unterschiedliche Projekte unterstreichen die Vielseitigkeit des Leuchtenspezialisten LMT aus Hilpoltstein: Während der Vorfahrtsbereich des Terminal 1 am Flughafen Frankfurt von langen Lichtbändern erleuchtet wird, deren Lichtfarbe sich mit der Tageszeit ändert, wurde im Kulturpalast Dresden eine große Zahl individueller LED-Leuchten installiert, die zu wartungsfreundlichen Produktgruppen zusammengefasst wurden.

Der Terminal 1 am Flughafen Frankfurt

Der Ankunftsbereich vor dem Terminal 1 am Flughafen Frankfurt/Main wird auch Vorfahrt genannt. Hierher werden Fluggäste mit Autos, Taxen, Bussen gebracht oder abgeholt, erreichen Fußgänger von den Parkhäusern die Abflugschalter. Nach 40 Jahren wurde die Vorfahrt rundum modernisiert, erhielt eine moderne Fassade und insgesamt 144.000 energieeffiziente LEDs. An sechs großformatigen LED-Flächen wird multimedial Flughafen-Werbung gezeigt. Zwei Lichtbänder von LMT mit einer Gesamtlänge von 950 Metern und 120.000 LEDs wurden an der Decke installiert. Eines der Lichtbänder ist parallel zur neugestalteten Glas-/Metall-Fassade geführt und leitet die Besucher mit je zwei so genannten Evolventenbögen in die neun Eingänge. Die Lichtbänder enthalten verschiedenste Lichtsysteme zur direkten und indirekten Beleuchtung sowie für die Fassadenbeleuchtung.

Zudem wurden Überwachungskameras, Blitzleuchten für den Brandschutz und Hinweisleuchten für die Rettungswege integriert. Taubenschutzdrähte beugen Verschmutzungen vor. Alle LED-Leuchten werden zentral gesteuert und verändern ihre Lichtfarbe tageszeitabhängig von kalt-weiß bis warm-weiß. Das heißt, frühmorgens ist die Lichtfarbe 5.000 K neutralweiß, über den Tag verteilt dimmt sie sich automatisch auf 4.000 K und gegen Abend wird das Licht etwa 2.700 bis 3.000 K warm-weiß. Die Lichtstärke bleibt dabei immer in den geforderten Bereichen. Auch die 22 Säulen des Ankunftsareals wurden in das Lichtkonzept einbezogen und werden von Uplights mit RGB LED-Einsätzen farbig illuminiert. Sämtliche Komponenten der Lichtbänder sowie die Uplights entsprechen der Schutzklasse IP 65 und werden über DMX gesteuert. Bei diesem Projekt wurde gewerkeübergreifend mit BIM-Werkzeugen gearbeitet.

Dresdner Kulturpalast

Im Rahmen der umfassenden Neugestaltung des unter Denkmalschutz stehenden Dresdner Kulturpalastes hatte der Lichtplaner sehr viele verschiedene Leuchten eingeplant. Alle sollten eigene Reflektortypen bekommen, eigene Lichttechniken enthalten und jeweils auch unterschiedlich angesteuert werden. Für den Betreiber wäre die Wartung dieser Vielfalt äußerst schwierig und teuer geworden. In Abstimmung mit allen Beteiligten wurden ähnliche Leuchten mit gleicher LED-Technik und gleicher Kühltechnik zu Gruppen zusammengefasst. Um dem unterschiedlichen Lichtbedarf gerecht zu werden, wurde der einheitliche LED-Typ auf den höchsten Bedarf ausgelegt und nur die Treiber entsprechend anders programmiert und eingestellt. So braucht der Betreiber – für eventuelle Ausfälle – für diese ähnlichen Leuchten nur wenige Bauteile auf Lager zu haben.

Gemäß der Lichtplanung fertigte LMT über 200 energieeffiziente LED-Leuchten für Dachvorsprünge und Arkaden sowie 12 Doppelspots mit Kugelgelenken zur Akzentuierung der an der Fassade befindlichen Spannseile. Die kupferne Dachhaube wird von 18 modifizierten Standardleuchten erhellt. Bei den Außenleuchten für Dachvorsprünge und Arkaden handelt es sich grundsätzlich um drei Typen in verschiedenen Varianten. Für die Räume des Kabaretts „Herkuleskeule“, verschiedene Bibliotheks- und Foyer-Bereiche sowie die Saalzugänge und Windfänge lieferte LMT verschiedenste, zum Teil speziell entwickelte LED-Leuchten – insbesondere auch für den komplett neu errichteten Konzertsaal.

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