Zulieferer

Roto Frank bilanziert

„Dem negativen Trend entzogen“

Nachdem die Roto-Gruppe bereits im Jahr 2019 mit einem Gesamtumsatz von über 668 Mio. Euro die „angestrebte Wachstumsrate von 3 bis 5 Prozent deutlich unterschritten“ hatte (metallbau 12/2019), zeigte sich Dr. Eckhard Keill angesichts der Corona-Krise mit einem stabilen Geschäftsjahr 2020 zufrieden. „Die Ertragskraft haben wir dank Einsparungen und Umstrukturierungen spürbar gesteigert“, konstatierte der Vorstand der Gruppe. Die Fachpressekonferenz fand digital mit ca. 70 Journalisten statt.

Die Roto-Gruppe freut sich über stabile Mitarbeiterzahlen, den Ausbau der Digitalisierung, eine sichere Lieferfähigkeit und eine weltweit erfolgreich umgesetzte Gesundheitsprävention. Im Jahr 2021 wird sich die Corona-Krise nachhaltig entspannen, meinte Roto-Chef Dr. Eckhard Keill. Seiner Ansicht nach werden Impfstoff und Durchseuchung dafür sorgen, dass das Virus die Wirtschaft im dritten und vierten Quartal 2021 nicht mehr beeinflussen wird. Der Aufbau neuer Märkte habe in diesem Jahr Corona-bedingt hintenanstehen müssen, „die verlorene Zeit werden wir dann wieder aufholen“, ist er überzeugt.

Das Marktsegment Sanierung wird 2021 florieren, ein schönes Zuhause ist vielen Menschen wichtig geworden. Diese positive Entwicklung der Modernisierungs- und Renovierungssegmente führt eine aktuelle Studie von B + L Marktdaten auf frei werdende Handwerker-Kapazitäten im Bereich Neubau (Einfamilienhäuser) und die Corona-bedingt veränderte Wohnsituation zurück.

Gleichwohl räumt Dr. Keill ein, dass man ebenso negative Prognosen für 2021 stellen könnte. „Wir positionieren uns jedoch entschieden positiv und sind auf negative Einbrüche vorbereitet.“ Als Unternehmensziele formulierte der Roto-Chef für das kommende Jahr: das Einhalten der Lieferfristen, die beste Performance gemäß den Kundenwünschen, die Festigung der Ertragskraft aus 2020 und die Bilanzierung besserer Ergebnisse im Vergleich zu den allgemeinen Marktzahlen.

Bilanz 2020

Lag der Umsatz der Roto-Gruppe im Jahr 2019 mit 668 Mio. Euro ca. 1 Prozent über dem Vorjahr, so hat sich der Konzern für dieses Jahr 2 Prozent Umsatzplus zum Ziel gesetzt. Der Fokus liegt auf einer verbesserten Ertragskraft. Bis Ende September wird ein Gruppen-Gesamtumsatz von 511,8 Mio. Euro gemeldet, wobei die Division Fenster- und Türtechnologie (FTT) leicht unter dem Vorjahr liegt, in der Dachsystem-Technologie (DST) ist ein deutliches Wachstum vor allem durch die Entwicklung im Sanierungsmarkt zu verzeichnen. Die dritte Division Roto Professional Service (RPS) konnte eine zweistellige Steigerung erreichen. Im Allgemeinen sollen die Märkte nächstes Jahr um 0 bis 2 Prozent wachsen, Roto will für die Divisionen FTT und DST ein einstelliges Wachstum erreichen, das immer noch besser wäre als die erwarteten Marktzahlen.

Marcus Sander, Vorsitzender der Geschäftsführung FTT, berichtete von einem stabilen Markt in der D-A-CH-Region. Osteuropa zeige nach Lockdowns eine gute Entwicklung, in Südeuropa hingegen sei die Lage wesentlich angespannter, die Folgen der zweiten Welle für dieses Geschäftsjahr sind noch nicht ausgewertet. In Spanien beispielsweise hatten Roto-Kunden über mehrere Wochen ihren Betrieb schließen müssen. Für Nordamerika wird ein profitables Wachstum und Gewinne von Marktanteilen gemeldet, für Brasilien ein deutliches Wachstum. In China sei bei den Verarbeitern in den ersten drei Monaten 2020 das Geschäftsvolumen um 30 Prozent rückläufig gewesen, FTT habe aber an der Markterholung partizipiert und sich auf dem Kontinent Asien 2020 behauptet, wie Sander informierte.

Gute Aussichten im Renovierungsmarkt können sich insbesondere für die Division DST vorteilhaft auswirken. „Die Kapazitäten, die durch die Krise im Neubau für die Renovierung frei werden, sind für unsere Ausrichtung gut!“, stellte Christoph Hugenberg fest, Vorsitzender der Geschäftsführung DST. Laut einer aktuellen Befragung unter Immobilienbesitzern möchten 57 Prozent ihr Vermögen schützen und investieren in den Bestand. Bereits in diesem Jahr wird DST in Deutschland ein zweistelliges Umsatzplus durch den Sanierungsmarkt erwirtschaften, „immer mehr Dachfenster werden als vollständige Produkte verkauft beispielsweise mit Außenrollo oder Innenmarkise; der deutsche Markt boomt im Bereich Dach“, so Hugenberg.

Die Roto-Division − RPS − startete erst 2019 und prosperiert unter der Geschäftsführung von Dr. Christian Faden. Im Jahr 2020 wird ein zweistelliges Umsatzwachstum erreicht. „Die Nachfragen nach Wartungen steigen, das Reparaturgeschäft hat angezogen“, berichtet Dr.  Faden. Um das Partnernetzwerk auf acht Firmen auszubauen, wurde dieses Jahr im Oktober in Leinfelden-Echterdingen Frank Sicherheits- und Fenstertechnik gegründet. „In erster Linie möchten wir die Partnerunternehmen akquirieren, aber im Raum Stuttgart gibt es nur wenig Angebote für Servicetechnik; der unternehmenseigene Partner profitiert von der örtlichen Nähe der Zentralverwaltung − z.B. kann der Showroom der Roto-Zentrale genutzt werden und es ist für uns spannend, Erfahrungen mit der Neugründung zu sammeln“, begründet Dr. Faden diesen Schritt.                                                 sm ◊

Zur neuen FTT-Website:              //ftt.roto-frank.com:https://ftt.roto-frank.com

B + L Studie Bauwesen 2021

Nach einer B+L Studie vom Juni 2020 wird für die globale Bauentwicklung durch die Corona-Krise mit einem Rückgang von 2,2% gerechnet. Für die Weltwirtschaft erwartete das Institut der deutschen Wirtschaft im September einen Rückgang von minus 5% für 2020.

Erst im Jahr 2023 geht die B + L Studie weltweit wieder von einem Zuwachs im Bauwesen aus. Westeuropa soll in diesem Jahr insbesondere wegen der Baustelleneinschränkungen einen höheren Einbruch (-6,9%) hinzunehmen haben als andere Regionen. Laut einer Befragung bei italienischen und deutschen Bauunternehmen in der KW 22/2020 haben die deutschen Unternehmer im April einen Auslastungsrückgang auf den Baustellen von ca. 20 Prozent zu verzeichnen, während die italienischen Unternehmer bis zu ca. 80% Auslastungsrückgang auf den Baustellen zu verzeichnen hatten. Für Deutschland zeichnete sich der Aufschwung ab Juni ab, die Monate Juli, August liegen etwa um 3% unter dem Wert des Levels vom Februar. In Italien wurde das Niveau vom Februar nicht mehr erreicht, im August fehlten noch 15% zur Auslastung im Februar. Auch für Frankreich zeigt die Grafik von B + L im Vergleich zu Deutschland einen um 60% stärkeren Einbruch hinsichtlich der Auslastung der Baustellen. Das Auslastungsniveau wie es in der Zeit vor der Corona-Krise festgestellt wurde, wird für Anfang August wieder angezeigt.

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