Siegenia engagiert für Fachkräfte

Workshop Alufensterbau für Azubis

Engagement für Fachkräfte hat Siegenia-Aubi mit einem Workshop zum Thema Fensterbau gezeigt. An der Gewerblichen Akademie für Glas-, Fenster- und Fassadentechnik in Karlsruhe unterrichtete Ralph Wentland, Gebietsleiter Aluminium Süd-Ost, einen Tag lang 20 Auszubildende in Theorie und Praxis.

Der Berufsschultag startete mit Unterrichtseinheiten zu den Themen Beschlagtechnik und Recycling von Aluminium. Von den 20 Schülern im dritten Lehrjahr in der Ausbildung zum Glaser hatten in der Vorstellungsrunde fünf berichtet, dass sie mit dem Bau von Aluminiumfenstern Erfahrungen hätten. Beispielsweise Maurice Bretzel, der auch nach der Gesellenprüfung seine Arbeit in diesem Bereich fortsetzen möchte.

Aluminiumfenster gehören zum klassischen Portfolio von Metall- bzw. Fassadenbauern — aktuell beträgt der Marktanteil ca. 18 Prozent. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Metallelemente rund 30 Prozent teurer sind als Kunststofffenster. Ralph Wentland von Siegenia hob hervor, dass der Markt für Alufenster wächst – insbesondere, weil Metallfenster anders als Holz- und Kunststofffenster rund 50 Jahre lang nicht mehr erneuert werden müssen und deshalb die Lebenszykluskosten im Vergleich zu den anderen Materialien gering ausfallen.

In den Fokus seines Vortrags stellte Wentland das technische Zusammenspiel von Profilsystemen und Beschlägen, das nach 40 Jahre langer Entwicklung heute sehr ausgefeilt ist. Er unterschied zwischen offenen Profilsystemen, die mit dem Euronutsystem eine freie Beschlagswahl zulassen, und geschlossenen mit spezieller Systemnut. Beispiel dafür ist der Beschlag Wicstar evo in Kombination mit der Profilserie Wicline evo.  Ferner ging er auf die Modifikation der Beschläge für höhere Flügelgewichte ein. „Bis vor einigen Jahren mussten die Beschläge Flügelgewichte bis 130 Kilogramm bewegen, heute haben Flügel ein Gewicht von 100 bis 300 Kilogramm.“ Dreifachverglasung ist Standard und der Trend geht zu größeren Glasformaten.

Der Praxisteil

Nach der Mittagspause arbeiteten die Auszubildenden beim praktischen Teil des Workshops in den Werkstätten der Akademie. In kleine Arbeitsgruppen eingeteilt hatten die Azubis den Auftrag, an Aluflügel und -rahmen den Siegenia Dreh-Kipp-Beschlag Alu 5200-DK zu montieren und zum Fenster zusammenzuführen. Die Aluprofile vom Sponsor Gutmann waren für den Nachwuchs bereits zu Flügel und Rahmen vormontiert.

Der eingesetzte Beschlag 5200-DK [Banddurchgang (BD) 5 mm mit Kipp-Punkt senkrecht (KPS)] ist einsetzbar bis zu einem Flügelgewicht bis 130 Kilogramm, aus den Teilen lässt sich sowohl ein links als auch ein rechts zu öffnendes Fenster bauen.

Um sich einen Überblick über die verschiedenen Elemente des Beschlagsets zu verschaffen, ordneten die Schüler die Teile in Sortierplatten, die von Siegenia-Experten für den Workshop angefertigt worden waren. „Weil sich die Auszubildenden in der Vergangenheit mit dem Ordnen der einzelnen Teile schwergetan haben, haben wir uns die Platten mit schablonenartigen Fächern überlegt, in die zunächst die Beschlagteile sortiert werden“, erklärte Wentland.

Mithilfe der achtseitigen Anschlaganleitung begannen die Arbeitsgruppen, die Einzelteile des Sets zu identifizieren, sie in der Beschlagliste mit dem Fachbegriff und den Einbauhinweisen wiederzufinden, um sie dann in die jeweils vorgesehenen Fächer der Sortierplatte einzuordnen. Darüber hinaus zeigt die Anschlaganleitung die Einbaufolge und die Schüler finden dort Rahmen- und Flügelmaße. Diese werden beispielsweise für die Berechnung der Maße für die drei Schubstangen gebraucht, die im Anschluss gestanzt werden müssen. Für eine einwandfreie Funktion der Beschlagtechnik ist ein genaues Bearbeiten der Schubstangen erforderlich.

Der Technische Lehrer Antonio Bava zeigte an der Bearbeitungs-Stanze, wie das errechnete Maß an der Schubstange angezeichnet werden soll und das Metall in die Ablängvorrichtung einzulegen ist, damit die gewünschten Maße exakt erreicht werden.

Azubi Maurice Bretzel merkte schnell, wie schwierig das mit den präzisen Maßen ist: Einige Arbeitsgruppen hatten Schwierigkeiten bei der Berechnung, unter anderem weil es je nach Getriebehebel unterschiedliche Vorbohrungen zu berücksichtigen galt. Auch das Anzeichnen der Schubstanze und das passgenaue Einlegen in die Maschine funktionierte nicht bei allen Azubis fehlerlos. Bava und Wentland besänftigen die ehrgeizigen Gemüter immer wieder: „Während der Ausbildungszeit können Fehler passieren.“ Azubi Adrian Titei ist sich klar darüber, dass der Bau von Aluminiumfenstern komplizierter ist als der von Kunststofffenstern. „Die Gehrung und die Verbindungen erfordern sehr genaues Arbeiten!“ Nachdem die drei Schubstangen in den exakten Maßen parat lagen, legen die Azubis mit dem Cutter Messer Hand an die Anschlagbänder. „Damit für den Durchgangsbereich der Bänder Platz ist, muss an den Ecken der Flügel die Dichtung in Teilen entfernt werden“, so Wentland.

Die Montage

In einer ersten Etappe schieben die Schüler die Schere ALU 5200 mit der Schubstange 3 in die dafür vorgesehene Profilnut, mit der Schubstange 2 wird die Eckumlenkung eingeschoben, gekoppelt und mit dem Klemmstück EUL (Eckumlenkung) passgenau fixiert. Zwischen Schubstange 1 und 2 wird das Getriebeset ALU FBS-G in die dafür vorgesehene Ausstanzung eingesetzt. Dann wird der Fenstergriff mit einem 7-mm-Vierkant in das Getriebeset ALU FBS-G eingesteckt. In Folge wird das Getriebe mit den Schubstangen 1 und 2 sowie der Fenstergriff von der anderen Seite mit dem Akkuschrauber verschraubt. Weiterer Arbeitsschritt ist die Fixierung der Schere, das heißt, hier wird das Winkelbandlager mit einer 2 mm dicken Schutzabdeckung gegen den Flügelüberschlag gefahren. So wird die Position für die Schere ALU 5200 vorgegeben, die nun mithilfe zweier Stanzschrauben im Flügelprofil fixiert werden kann.
Bei der nächsten Montageetappe werden die Bänder eingebaut. Die Azubis müssen vorab entscheiden, ob sie ein links- oder rechts zu öffnendes Fenster bauen möchten.

Nach etwa zwei Stunden Montagezeit inklusive der Erläuterungen hatten die Schüler die erste Hürde geschafft und die Beschlagteile am Flügel montiert. Nun wird der Blendrahmen für die Hochzeit vorbereitet. Der Lagerbock und das Ecklager ALU 5200 werden geklemmt, und das Stellstück unterseitig vom Ecklager ALU 5200 bündig eingebracht. Der Ecklagerbolzen wird vorsichtig bis zum Anschlag in das Eckband ALU 5200 eingepresst. Nach Maßvorgabe werden drei Schließteile angebracht. Zusammengefügt werden Flügel und Blendrahmen, indem der Scherenlagebolzen mit dem Winkelband verbunden wird. Mit einer Schraube am Winkelband und mithilfe eines Formschlusses wird die Konstruktion gesichert.

www.siegenia.com/de

www.fenster-akademie.de

 

Auszubildender Maurice Bretzel, Akademie GFF

„Die Fertigung mit Alu erlaubt keinen Fehler.“

 

metallbau: In welchem Zeitfenster sind Sie in Ihrer Ausbildung mit dem Bau von Alufenstern beschäftigt?

Maurice Bretzel: Wir arbeiten in der Firma hauptsächlich mit Aluminium. An zweiter Stelle steht Holz.

 

metallbau: Wie lernt ein Azubi die Fertigung von Aluminiumfenstern im Betrieb?

Bretzel: Bei uns im Betrieb wird der Auszubildende in die Produktionsabläufe hineingenommen, das heißt ein Azubi arbeitet mit einem Gesellen oder Meister zusammen, um die Arbeitsschritte genau zu verstehen. Kleinarbeiten darf ein Azubi alleine ausführen z.B. Stanzarbeiten von Klebe- und Nagelloch. Die Arbeiten werden in der Ausbildung schrittweise immer anspruchsvoller bis hin zur Produktion eines Fensters.

 

metallbau. Wird in der Berufsschule die Fertigung von Aluminiumfenstern unterrichtet?

Bretzel: In der Schule gibt es das Unterrichtsfach Berufstheorie, indem es einen kleinen Metallbau gibt. Dort lernt man wie Aluminium abgebaut und hergestellt wird. Zum anderen lernt man die allgemeinen Grundkenntnisse über Metalle und Nichtmetalle.

 

metallbau: Wie beurteilen Sie den Siegenia-Workshop als Unterrichtsmethode, die Fertigung von Aluminiumfenster zu lernen?

Bretzel: Für mich persönlich war es nichts Neues, da die grundlegenden Dinge immer die gleichen sind aber es war sehr interessant, andere Systeme kennen zu lernen. Für die anderen, die mit Aluminium weniger zu tun haben, war es sehr hilfreich und informativ.

 

metallbau: Was sind die Herausforderungen beim Bau von Aluminiumfenstern?

Bretzel: Die Arbeit muss immer zu 100 Prozent genau ausgeführt werden, da ein kleiner Fehler sich durch das ganze Element durchziehen kann. Die Herausforderung dabei ist, dass man immer alles mit einer gleichen Qualität durchführen muss - also sehr gut, und sich keine Fehler erlauben darf. Auf der Oberfläche ist ein Schaden unverzeihlich, da man dort nicht wie bei Holz noch einmal nachschleifen und spachteln kann, vergleichbar wie mit einem Kratzer im Autolack.

metallbau: Wenn Sie Ihren Gesellenbrief in der Tasche haben, welches Arbeitsfeld favorisieren Sie?

Bretzel: Wenn ich meinen Gesellenbrief habe, möchte ich beim Metallbau bleiben, also auch in der jetzigen Firma. Ich habe mit der Arbeit sehr viel Spaß und mir werden immer neue Herausforderungen geboten.

Vorgestellt

Die Gewerbliche Akademie für Glas-, Fenster- und Fassadentechnik (GFF)

Im Foyer hängt ein Flat Screen an der Wand, über den Bildschirm flattert ein rappender Jugendlicher mit Cap. Der Rhythmus des Nachwuchses tönt durch das lichte Treppenhaus, rundherum Glasfassaden repräsentieren das Gewerk. „Wir möchten unsere Azubis in ihrer Welt abholen“, erklärt Waldemar Dörr, Schulleiter der Akademie GFF.
Als Erfinder der Messe Fensterbau Frontale ist die Akademie GFF in Karlsruhe der Branche bekannt. Die Auszubildenden, die meist im Rahmen der überbetrieblichen Ausbildung an die Akademie kommen, genießen den Vorteil, dass der Fokus allein auf dem Glaserhandwerk liegt. Schulleiter Dörr betont, dass viel Lobbyarbeit nötig ist, damit Laien verstehen, welche Arbeitsfelder das Gewerk umfasst. Jährlich werden etwa 300 Auszubildende und ca. 20 Meisterschüler an der Akademie unterrichtet. Hauptsächlich finden dort die Pflichtveranstaltungen für Glaser-Azubis und -meister der Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz statt, aber die Akademie wird auch für Fortbildungen anderer Handwerkskammerbezirke angefragt. Darüber hinaus werden Seminare zu aktuellen Branchenthemen wie Barrierefreiheit, Lüftungskonzept, Errichter-Grundschulungen sowie Fortbildungen für Sachverständige angeboten. Neu seit Sommer 2018 ist der Studiengang Bachelor of Engineering für „Glas-, Fenster-, und Fassadentechnik“, den die Akademie gemeinsam mit der Berufsakademie (BA) Melle anbietet. Für dieses Studium können Glasermeister, die an der GFF den einjährigen Vorbereitungslehrgang in Vollzeit absolviert haben, sich diesen anrechnen lassen und im Anschluss in zwei weiteren Jahren den Bachelor an der BA Melle erwerben.


Ausstattung
In der Werkstatt der Akademie gibt es für jeden Werkstoff einen separaten Bereich, ein Raum ist für die Oberflächenbeschichtung von Holz und Glas eingerichtet. Die Maschinen – geleast oder gekauft – werden großteils mit Eigenmitteln angeschafft. CNC-Maschinen werden gemietet und bei technologischen Neuerungen ausgetauscht. Der Prüfstand, den Veka gesponsert hat, wird sowohl für Ausbildung und Seminare eingesetzt als auch von Unternehmen gebucht, um Vorprüfungen zu absolvieren. „Wir sind auf die Unterstützung der Industriepartner angewiesen, ohne diese Förderung könnten wir die Qualität der Ausbildung nicht auf diesem Level leisten“, betont Schulleiter Dörr. Förderer sind beispielsweise Siegenia-Aubi, Bosch Powertools, Roto Frank, Gutmann, Veka u.a.

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