Silhouette in Hochglanz

Was mit Edelstahl möglich ist!

Architekt Frank O. Gehry (90) gestaltet gerne frei und spielerisch Baukörper aus verfremdeten geometrischen Figuren und Körpern wie Bogen, Kegel, Quader oder Zylinder. Dabei erfindet er auch so grundlegende Elemente wie Fenster, Türen oder Dächer in ihrer Form neu. Seine Bauten heben statische Prinzipien optisch auf, hochglänzender Edelstahl setzt die Freiformen in Szene.

Wohl kaum ein anderer Architekt hat das visuelle und mechanisch-physikalische Potenzial von Edelstahl mehr bis an die Grenzen des technisch Machbaren ausgeschöpft als er. Wenn metallische glänzende Oberflächen von Gebäuden mit einander und ihrem Umfeld kommunizieren, die Architektur von hochglänzenden Freiformen geprägt ist, steckt nicht selten ein Entwurf von Frank O. Gehry dahinter. Neben Titan und Aluminium wählt der Architekt dafür besonders häufig Edelstahl. Auch konstruktiv – beispielsweise für Tragstrukturen, Verbindungs- und Befestigungselemente – nutzt er die Stärken des Werkstoffs.

Wider die Konvention

Ob Museen, Konzerthallen, Büro- oder Wohntürme: Weltweit ziehen seine mit Metall bekleideten Bauten Menschen in ihren Bann. Mit dem Neuen Zollhof in Düsseldorf schuf Gehry im heutigen Medienhafen ein skulpturales Ensemble aus Bürotürmen, das zu einem Wahrzeichen der Stadt wurde. Optische Klammer der drei in Formgebung und Material sehr unterschiedlichen Gebäudekomplexe sind gleichmäßig über alle Elemente verteilte Fensterboxen, die aus den nicht lotrechten, expressiven Fassaden herausragen.

Den im wörtlichen Sinne glänzenden Mittelpunkt des Gebäudeensembles bildet die in vertikalen Wellen gestaltete Edelstahlfassade des mittleren Turms. In ihr spiegeln sich die beiden anderen, deutlich größeren Fassaden: zur Linken weiß verputzte großformatige Zylinder, zur Rechten eine Gruppe kantig verzogener Quader mit brauner Klinkerfassade. 4.700 Quadratmeter Edelstahlblech, als individuell geformte, konkav und konvex gebogene Platten schuppenartig verlegt, verleihen dem markanten Gesicht des kleinsten der drei Türme seinen weithin sichtbaren Glanz. Die hinterlüftete Fassade des geneigten und um seine lotrechte Mittelachse verdrehten Gehry Towers in Hannover besteht aus 2.800 handgeschliffenen, ebenfalls schuppenartig montierten Edelstahlblechen. In der diffus schimmernden Haut spiegeln sich Licht und Bewegungen des Umfelds, wodurch der neungeschossige Bau im Stadtzentrum seine Dominanz verliert. Zugleich schützt die witterungsbeständige und UV-stabile Fassade das Gebäude effizient vor Aufheizen im Sommer und Wärmeverlust im Winter.

Wellen & Segel

Das MARTa Herford, Museum für zeitgenössische Kunst, setzt sich aus verschiedenen Gebäudeteilen mit rötlich brauner Ziegelfassade zusammen. Isoliert betrachtet wirken sie wie aufeinandergestapelte, teilweise schon in sich zusammengesunkene Kartons. Im Zusammenspiel bilden sie eine wogende Linie, die ein Dach aus Edelstahl mit Qualitätssiegel optisch verbindet. Geringe Wartungskosten und Langlebigkeit machten den dauerhaft korrosionsbeständigen Werkstoff auch in Herford für Gehry zum Material der Wahl. Allein für die Dachgestaltung wurden 400 Tonnen nichtrostender Stahl verarbeitet: Scheinbar wie lose Blätter auf den einzelnen Elementen liegende Edelstahlbleche verleihen dem Museumsbau die Anmutung sich auftürmender Wellenberge. Unterstrichen wird diese Dynamik durch das lebhafte Wechselspiel des Werkstoffs mit dem Tageslicht. Mit dem 2010 in Las Vegas, USA, eröffneten Lou Ruvo Center, das sich der Alzheimer-Forschung widmet, schuf Gehry ein weiteres skulpturales Meisterwerk, das Stapel- und Wellenoptik kombiniert. Je nach Betrachtungsrichtung erinnert die matt schimmernde, scharf konturierte Edelstahlfassade der beiden Gebäude an gestapelte, einstürzende Baukörper oder wellenförmig geschwungene Bänder.

Die Liste ikonischer Gehry-Bauten, denen Edelstahl Rostfrei ihr unverwechselbares Gesicht verleiht, ließe sich noch lange fortführen. Doch auch der Blick hinter die Kulisse lohnt. So überrascht im Innenhof der DZ Bank am Pariser Platz in Berlin eine begehbare amorphe Skulptur. Die Fassade des Gebäudes vis-à-vis vom Brandenburger Tor verlangte wegen der restriktiven städtischen Gestaltungsvorgaben eine für Gehry ungewöhnlich zurückhaltende Architektur. Beim Betreten der lichtdurchfluteten Eingangshalle zieht jedoch eine mit Edelstahl umhüllte Raumskulptur, die in ihrem Inneren einen Konferenzsaal birgt, alle Blicke auf sich. Über 100 individuell dreidimensional verformte Platten aus nichtrostendem Stahl bilden ihre metallische Haut, die Licht und Farbspiel des Himmels weich filtert und in die umliegenden Räumlichkeiten reflektiert.

Auch bei Zusammenbau und Montage des amorphen Glasdachs über dem Innenhof vertraute Gehry auf den Werkstoff Edelstahl. Knotenpunkte und Abstandshalter für die aus 1.500 Scheiben zusammengebauten Glasfelder wurden aus nichtrostendem Stahl geschnitten und gefräst. Die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit von Verbindungs- und Befestigungselementen aus Edelstahl verdeutlicht besonders eindrucksvoll die 2014 fertiggestellte Fondation Louis Vuitton in Paris am nördlichen Rand des Bois de Boulogne. Zwölf gigantische, voneinander unabhängige Glassegel überspannen das Privatmuseum für zeitgenössische Kunst fast vollständig. Zwischen 500 bis 3.000 Quadratmeter groß und bis zu 500 Tonnen schwer, verleihen sie dem Museum sein markantes Gesicht. Entsprechend herausfordernd waren die Vorgaben an Tragstruktur und Befestigung dieser bis zu 25 Meter auskragenden und mit bis zu 20 Metern Abstand zum Gebäude befestigten Elemente.

Für die Verbindung der Holz- und Stahlkomponenten kam in großem Umfang Duplex Edelstahl 2205 zum Einsatz. Neben Korrosions- und Verschleißbeständigkeit sprach für ihn die werkstofftypische hohe Festigkeit. Sie erlaubt wesentlich dünnere Wanddicken als Edelstahl der Güte 1.4401. Angesichts der Dimensionen der Elemente war die dadurch erzielte Gewichtsersparnis von fast 30 Prozent von entscheidender Bedeutung. In die Glasfelder wurden an den Längsseiten tragende Aussteifungen aus L-Profilen in Duplex 2205 integriert. Anschließend wurden die dreieckigen Elemente an einer zweilagigen tragenden Rasterstruktur aus Duplex-Rohren mit bis zu 80 Millimeter Durchmesser aufgelegt und befestigt. Neben der einfachen Verarbeitung bewährten sich hierbei insbesondere auch die guten Schweißeigenschaften des Werkstoffs. ⇥red ◊

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