Interview

Steffen Henrich, Neeb Metallbau

„Unser Vorteil ist die Qualifikation der Mitarbeiter.“

Steffen Henrich führt mit Mirco Neeb die Geschäfte von Neeb Metallbau in Wetzlar-Dutenhofen. 45 Mitarbeiter sind in dem hessischen Betrieb beschäftigt, der Schwerpunkt der Leistungen liegt im Tor- und Türsegment.  „Der Aufbau einer Abteilung für Servicetechnik war unternehmerisch konsequent“, sagt er.

metallbau: Wie viele Mitarbeiter sind für den Geschäftsbereich Servicetechnik beschäftigt?

Steffen Henrich: Zur Zeit sind im Geschäftsbereich Service drei Mitarbeiter im Innendienst tätig und fünf Mitarbeiter als Servicetechniker im Außendienst. Der Umsatzanteil im Geschäftsbereich Service beträgt ca. 15-20% vom Gesamtumsatz.

metallbau: Welche Anschaffungen, Personaleinstellungen und Weiterbildungen waren für den Aufbau des Bereichs Servicetechnik nötig?

Henrich: Wir haben in der zweiten Jahreshälfte des vergangenen Jahres unsere Unternehmensstruktur in operative Geschäftsbereiche gegliedert; wobei der Servicebereich seit jeher ein wichtiges Standbein war. In der Regel rekrutieren wir die Mitarbeiter im Kundendienst aus den eigenen Reihen. In den vergangenen Jahren hatten wir das Glück, zwei sehr gute Auszubildende zu Servicetechnikern entwickeln zu können. Unsere Servicemitarbeiter werden in regelmäßigen Abständen geschult. Hierzu haben wir eine Qualifikationsmatrix und einen jährlichen Schulungsplan erstellt.

metallbau: Viele Metallbaubetriebe möchten mit Servicetechnik nichts zu tun haben, weshalb kümmert sich Neeb Metallbau um diese Aufgaben?

Henrich: Der Kundendienst ist seit jeher ein zentrales Element unseres Geschäftsalltags und zeichnet uns als kunden- und serviceorientierten Dienstleister aus. Viele unserer Kunden schätzen die Erreichbarkeit unserer Mitarbeiter im Innendienst und die kurzfristige Verfügbarkeit unserer Servicetechniker. Solange Montage- und Serviceorganisation als ein Geschäftsbereich geführt werden, ist die schnelle Reaktion auf Kundenanfragen aus unserer Sicht nur eingeschränkt möglich, da die Montagen in der Regel Vorrang haben.

metallbau: Welche Ziele haben Sie sich für den Bereich in den nächsten zwei Jahren gesteckt?

Henrich: Der Geschäftsbereich entwickelt sich gut und ist in punkto Auslastung eine konstante Größe. Wir versuchen unseren Kundenkreis für Prüfungs- und Wartungsarbeiten ständig zu erweitern und sind hier auf einem guten Weg. Darüber hinaus haben wir unsere Prozesse in den vergangenen Monaten weitestgehend digitalisiert. Die Erfassung des Serviceeinsatzes kann somit über eine App-Lösung auf den mobilen Endgeräten vor Ort vorgenommen werden.

metallbau: Fortbildungen sind für Servicetechniker grundlegend; über welche gültigen Fortbildungen verfügen Ihre Mitarbeiter im Bereich Servicetechnik?

Henrich: Die Qualifikationsmaßnahmen umfassen u.a. die Sachkundeprüfung für Türen und Tore sowie für Feuer- und Rauchschutzabschlüsse nach DGUV-Information 208-22 bzw. ASR 1.7 und auch für Feststellanlagen nach DIN 14677. Darüber hinaus sind alle unsere Servicekräfte auch Elektrofachkräfte für festgelegte Tätigkeiten.

metallbau: Ein großer Teil der Schulungen werden ja von den Herstellern angeboten, für welche Zwecke nutzen Sie die Deutsche Fachakademie für Türtechnik (DFATT)?

Henrich: Insbesondere für den „Fachmonteur für Feuerschutzabschlüsse“ sowie für das Seminar  „Prüfung und Wartung von Feuer- und Rauchschutzabschlüssen sowie von Feststellanlagen“.

metallbau: Wie bewerten die Mitarbeiter die DFATT-Seminare?

Henrich: Die Teilnahme an den Seminaren der DFATT wurde durchweg positiv bewertet, da der Praxisbezug sehr hoch ist. Zudem sind die Seminare als Tagesseminare konzipiert und inhaltlich „auf den Punkt“ gebracht. Die zur Verfügung gestellten Seminarunterlagen sind leicht verständlich und strukturiert aufgebaut. Auf die abschließende Sachkundeprüfung werden die Teilnehmer im Unterricht angemessen vorbereitet, sodass die erforderlichen Prüfungsleistungen erfolgreich absolviert wurden.

metallbau: Inwiefern ergänzen die Schulungen der DFATT die der Tür- und Torhersteller?

Henrich: Die Schulungen der DFATT sind zunächst mal herstellerneutral, was aus unserer Sicht grundsätzlich positiv zu bewerten ist. Nachteilig ist allerdings, dass wir für die Inbetriebnahme von Feststellanlagen eine herstellerspezifische Qualifikation benötigen.

metallbau: Welche Seminare haben Sie in den vergangenen Jahren in Präsenz besuchen können und welche online?

Henrich: Im Wesentlichen haben wir Präsenz-Seminare an der Metallfachschule in Oberursel besucht (u. a. Elektrofachfachkraft für festgelegte Tätigkeiten und Seminare der DFATT). Darüber hinaus konnten wir in der Fertigung nötige produktbezogene Einweisungen durch Systemhersteller durchführen. Vielfach fanden Seminare online statt bzw. wurden coronabedingt verschoben.

metallbau: Weshalb macht eine herstellerübergreifende Sachkundigen-Weiterbildung für Feuerschutzabschlüsse Sinn? Die Hersteller werben ja dafür, dass die Monteure die Sachkundigen-Schulungen bei ihnen absolvieren sollen.

Henrich: Die Hersteller orientieren sich im Wesentlichen an ihrem eigenen Produktportfolio und versuchen verständlicherweise die Schulungsmaßnahmen auch als Marketinginstrument für ihre Lösungen zu nutzen. Grundsätzlich ist daran nichts falsch, aber vielfach ist eine neutrale Bewertung durch einen erfahrenen Praktiker sehr hilfreich. Sofern eine herstellerneutrale Weiterbildung angeboten wird, bevorzugen wir diese. Insbesondere für die Inbetriebnahme von Feststellanlagen kommen wir nicht um eine herstellergebundene Sachkunde-Schulung herum.

metallbau: Neeb erhält Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung?

Henrich: Wir erhalten eine Förderung unseres Fertigungsstandorts aus dem EFRE-Förderprogramm für betriebliche Investitionen in unseren Maschinenpark und die Ausstattung der Fertigung. Die primären Förderziele sind, die Wettbewerbsfähigkeit – auch im Zusammenhang mit Digitalisierung – zu erhöhen, die Fertigungskapazitäten an unserem Standort auszubauen und somit mittelfristig neue Arbeitsplätze zu schaffen.

metallbau: Haben Sie bereits eine werkseigene Produktionskontrolle nach DIN EN 16034?

Henrich: Wir sind seit Juli 2021 nach DIN EN 16034 zertifiziert. Die werkseigene Produktionskontrolle für die DIN 4102 wurde hinsichtlich der Vorgaben der DIN EN 16034 erweitert. Die Dokumentation des QM-Systems entsprechend den Vorgaben des ift Rosenheim revisioniert und sowohl für die Innen- als auch die Außenanwendungen in Kraft gesetzt.

www.neeb-metallbau.de

Die Deutsche Fachakademie für Türtechnik — DFATT

Schon weil in „begreifen“ das Wort „greifen“ steckt, setzt die DFATT weiterhin stark auf Präsenzseminare, in denen Teilnehmer an Modellen lernen, worauf es bei Türen und Toren ankommt. Trotz pandemischer Lage konnten im vergangenen Jahr 27 Seminare mit insgesamt 350 Teilnehmern durchgeführt werden. Josef Faßbender, Co-Gründer und öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Metallbauerhandwerk, betont: „Nur so können wir den schwierigen und umfangreichen Stoff in den Seminaren vermitteln.“
Die Zertifikate, die die Teilnehmer erhalten, sind personengebunden und stehen für keine Zertifizierung des Betriebs. Für die von der DFATT neu entwickelten Lehrgänge „Fachplaner/in für Türtechnik“ und „Fachbauleiter/in für Türtechnik“ werden mehrere Themen in ergänzenden Online-Einheiten vermittelt. Dieses Wissen wiederum ist Voraussetzung für den Praxisunterricht und fordert auch Selbststudium. Das Thema Türe rückt zunehmend in den Fokus. Zum einen ist dies der wachsenden Komplexität und Technik geschuldet, zum anderen haben sowohl Planer als auch Ausführende und nicht zuletzt die Industrie erkannt, dass es hier Fachleute braucht. Diese müssen Technik vordenken und planen; sie müssen die Planung verstehen und im Kontext der Situation an der Baustelle umsetzen und dabei die beteiligten Gewerke anleiten können. Brand- und Rauchschutz, Zutrittskontrolle, Barrierefreiheit, Einbruch-, Schall- und Wärmeschutz — sind nur einige Aspekte. Faßbender: „Es ist fast unmöglich, dass diese fordernden Themen von Herstellern, Planern, Bauleitern oder Monteuren umgesetzt werden können, die nicht einschlägig fortgebildet sind.“            www.dfatt.de

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