Mansfelder Aluminiumwerk abgewickelt
Insolvenzverwalter schüttet über 1,3 Mio. Euro an Gläubiger aus 02.03.2026 |Für die Gläubiger der ehemaligen Mansfelder Aluminiumwerk GmbH hat Insolvenzverwalter Rüdiger Bauch von Schultze & Braun eine gute Nachricht: Sie können sich über eine Ausschüttung von insgesamt rund 1,3 Mio. Euro freuen. Dies bedeutet eine Insolvenzquote von knapp 27,5 Prozent auf ihre offenen Forderungen – mehr als das Fünffache des bei Insolvenzverfahren üblicherweise erzielten Durchschnitts. „Im Normalfall rechnen wir mit einer Quote von rund fünf Prozent“, sagt Insolvenzverwalter Rüdiger Bauch von Schultze & Braun. „Da freut es mich umso mehr, dass wir in diesem Verfahren ein so überdurchschnittliches Ergebnis für die Gläubiger erzielen konnten.“
Mit der Ausschüttung an die Gläubiger kann das Insolvenzverfahren endgültig abgeschlossen werden. Zuvor hatte Insolvenzverwalter Bauch den Sozialplan für die rund 74 ehemaligen Beschäftigten des Aluminiumwerks vollständig bedient. In zwei Tranchen erhielten sie insgesamt rund 500.000 Euro. „Die engagierte Belegschaft hatte einen hohen Anteil daran, dass wir das Verfahren zu so einem bestmöglichen wirtschaftlichen Abschluss bringen konnten“, sagt Bauch. „Das Werk konnte in der Phase seiner Stilllegung sogar noch einmal deutlich überdurchschnittliche Umsätze erzielen, und das im Corona-Jahr 2020. Das hat uns ermöglicht, nicht nur den Sozialplan vollständig auszuzahlen, sondern auch die Gläubiger so weit überdurchschnittlich zu befriedigen.“
Automobilkrise führt zu Insolvenzantrag
Die Geschäftsleitung der Firma Mansfelder Aluminiumwerk hatte Ende 2019 Insolvenzantrag gestellt, nachdem durch den Umbruch und die Krise der Automobilindustrie ein erheblicher Teil des Absatzes weggebrochen war. Hinzu kamen ein gesunkener Aluminiumkurs und ein hoher Vorfinanzierungsaufwand bei der Materialbeschaffung, der die Liquidität erheblich belastete. Zudem hatte ein Großlieferant nur verspätet geliefert und ein Brand im zentralen Walzwerk zu einem mehrere Wochen andauernden Produktionsausfall geführt.
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie machten eine tragfähige wirtschaftliche Lösung für das Aluminiumwerk im Laufe des Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung unmöglich, weil viele Kunden aus der Möbelherstellung und der Inneneinrichtung ihre Bestellungen massiv reduzierten, heißt es in einer Pressemitteilung der Kanzlei Schultze & Braun. Die damit verbundenen Auftragsrückgänge und Umsatzeinbrüche konnte das Mansfelder Aluminiumwerk nicht mehr kompensieren. Parallel dazu sorgte vor allem die Tatsache, dass das Grundstück und der wesentliche Teil der Maschinen einem spanischen Investor gehörten, dafür, dass die Suche nach einem Retter für das Aluminiumwerk nicht zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden konnte. Ende Januar 2021 musste der Betrieb in Hettstedt deshalb endgültig eingestellt werden.
„Natürlich hätten wir das Unternehmen am liebsten gerettet und wieder auf eine langfristig stabile Basis gestellt, nur war uns das in diesem Fall aufgrund der fehlenden wirtschaftlichen Perspektiven leider unmöglich“, sagt Bauch. „Als Insolvenzverwalter sind wir aber rechtlich insbesondere den Gläubigern verpflichtet und müssen deren Interessen im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen schützen. Dass wir in diesem Fall sowohl die Auszahlungen des Sozialplans für die Mitarbeitenden gesichert als auch eine so hohe Quote für die Gläubiger realisiert haben, ist das beste Ergebnis, das wir erzielen konnten.“
Über das Mansfelder Aluminiumwerk: Produziert wurde am Standort in Hettstedt bereits seit 1934. Das Unternehmen beschäftigte bis zur Einstellung des Betriebs Ende Januar 2021 knapp 80 Mitarbeiter. Hergestellt wurden kaltgewalzte Produkte wie Bänder, Bleche oder Stanzteile. Zudem war man in Hettstedt auch als Lohnveredler tätig. Die Kunden kamen aus der Autoindustrie, der Bau- und Möbelbranche sowie der Solar- und Elektroindustrie.
