Willi Metallbau AG

Vom Metallbauer zum Dienstleister

Im Jahr 2017 hat die Redaktion metallbau den Unternehmer Tobias Willi in der Schweiz besucht. Der Betrieb hat seinen Standort sehr beschaulich auf 900 Metern ü. d. M. im Dorf Gais. Damals haben sich die metallbau Chefredakteurin und der Außendienstler von MicroStep die Klinke in die Hand gegeben. Willi war aber noch unentschlossen, ob er eine Schneidanlage anschaffen soll und die Produktionshalle hatte seinerzeit noch kein weiteres Geschoss eingezogen — das Produktportfolio war klassisch.

Treppen, Balkone, Vordächer, Brunnen und Hochbeete: Das Angebot der Willi Metallbau AG im Schweizer Appenzellerland hatte seit drei Generationen Tradition. Dabei bot das Team um Geschäftsführer Tobias Willi für unterschiedlichste Kundenkreise das gesamte Leistungsspektrum – angefangen von der Konzeption über die Planung bis hin zur Montage. Die Belegschaft zählt zehn Fachkräfte.

Klingelt heute bei Willi Metallbau das Telefon oder eine E-Mail poppt auf, dann ist oftmals neben Qualität vor allem schnelle Lieferung entscheidend. „Wir fertigen vorwiegend Stahlteile für den Holzbau, da ist es enorm wichtig, schnelle, kurze Lieferzeiten zu haben“, sagt Tobias Willi. Und hier war der Zukauf von Schneidteilen ein wachsendes Problem. Viele Brennteile mussten zugekauft werden, viel Flachstahl wurde händisch zugeschnitten. „Der Aufwand die Maße und Dicken zu kontrollieren wurde dabei immer größer“, sagt Willi. Der Jungunternehmer suchte eine hauseigene Lösung im Kontakt mit dem Außendienstmitarbeiter von MicroStep.

Die MasterCut Compact

Seit Februar 2019 sind die Probleme von einst Geschichte. Denn seither verrichtet eine platzsparende Plasmaschneidanlage von MicroStep ihre Dienste: eine MasterCut Compact. Diese hat bei Willi Metallbau viele unterschiedliche Aufgaben. Zwar wird ausschließlich Stahl (ST 355, ST 235) – vorwiegend in Dicken von 10 bis 35 mm – bearbeitet, aber die Benutzung geht über die reine Blechbearbeitung hinaus. „Wir schneiden auch Träger mit Langlöchern, Winkelstahl, Rohre und andere Werkstücke. Dabei ist unser Qualitätsanspruch höher als der unserer Kunden. Wir geben uns da wirklich Mühe und möchten schöne Schnitte und schöne Brennteile liefern“, betont der Geschäftsführer.

In der Regel fertigt der Fachbetrieb kleinere Stückzahlen – 100 oder 200 Stück zählen bereits zu den größeren Aufträgen. Damit sich die Investition rechnet, muss die Maschine aber keine Sonderschichten schieben, wie Produktionsleiter Noa Glunk verrät: „Es gibt Wochen, da läuft sie jeden Tag, manchmal auch nur zwei Tage mit jeweils zwei Stunden. Schätzungsweise ist die Anlage im Schnitt circa zwölf Stunden in der Woche im Einsatz. Aber wir fertigen schon eine beachtliche Zahl an Teilen; rund 100 die Woche. Wir hatten aber auch schon Wochen mit mehr als 1.000 Teilen.“ Der Großteil der Schneidaufträge ist für die eigene Produktion. Lohnfertigung ist nicht im großen Stil angedacht, das Geschäft mit Unternehmerkollegen aus dem Metallbau macht ca. zehn Prozent vom Umsatz aus. Tobias Willi: „Wir bieten aber Spezialitäten und Expresszuschnitte an.“

Die Investition war durchdacht

Der Weg zum kompakten Plasmaschneidsystem war von vielen Vorüberlegungen geprägt. Nachdem die zugekauften Teile einstmals gelasert wurden, war anfangs eine Laserschneidanlage und ebenfalls eine Wasserstrahlschneidanlage im Gespräch. Auch eine zusätzliche Technologie zum Bohren und zur Bearbeitung längerer Träger wurde vonseiten der Produktion als notwendig erachtet. Im Vor-Ort-Gespräch mit dem MicroStep-Vertriebsteam wurde schließlich der genaue Bedarf analysiert – die beengte Platzsituation tat ihr Übriges. Die Produktionshalle war ebenerdig und umfasste ca. 120 m². Das zu schneidende Material, die geforderten Toleranzen wie auch die gesuchte Geschwindigkeit sprachen für eine Plasmaschneidtechnologie. „Wir haben auch verschiedene Anlagen bei MicroStep in Bad Wörishofen besichtigt. Als wir uns entschieden haben, eine Plasma zu kaufen, war klar, dass MicroStep für uns der ideale Partner wäre“, so Tobias Willi.

Da beim Schweizer Fachbetrieb kein Platz für eine große Lösung zur Blech- und Trägerbearbeitung war, entschied man sich für ein kompaktes System, das sofort verfügbar war: eine Gebrauchtanlage vom MicroStep-Kunden Metalltechnik Czermak. „Die Anlage hatte genau das, was wir brauchen. Für den Anfang war es ideal. Mathias Czermak war sehr zufrieden damit, hatte aber keinen Bediener mehr. Er hat uns sogar noch eingearbeitet“, berichtet Tobias Willi. Die Installation in Gais und die Schulung der Mitarbeiter von Willi leistete MicroStep.

Zuvor traf der Unternehmer allerdings noch einige bauliche Maßnahmen. Damit die Schneidanlage etwas leiser arbeitet, wurde sie auf ein separates Podest gestellt, Abhilfe gegen die beengten Platzverhältnisse schafft ein erstes Geschoss. „Im oberen Stock montieren wir heute die Teile“, so Willi. Er ist sehr zufrieden mit der Anschaffung: „Die Schnittflächen mit Plasma sind bedeutend besser, als wir erwartet hatten. Wir können nun freier konstruieren und haben viel mehr Möglichkeiten. Die Anlage läuft immer sehr gut und auch die Zusammenarbeit mit dem Service ist gut.“

Ausblick

Schlussendlich war die Anschaffung der Plasmaschneidanlage nur ein Mosaiksteinchen für die Umstrukturierung vom Metallbaubetrieb zum Dienstleister — weg von einer vielfältigen Produktpalette hin zu einer hochtechnisierten Spezialisierung im B2B-Geschäft als Zulieferer von Stahlkonstruktionen für die Holzbaubranche. Mit weiteren Investitionen in eine CNC-Bohrmaschine, Krane und umfassende Umbaumaßnahmen ist Tobias Willi die neue Ausrichtung des Familienunternehmens gelungen. Die Auftragslage steigt fortlaufend und Willi denkt über zusätzliches Personal nach.

www.willi-metallbau.ch

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