„Wir trauen der Cloud.“

Im Gespräch mit Metallbauer Peter Fischer

Der Schweizer Betrieb Fischer Metallbau beschäftigt 20 Mitarbeiter und fertigt bevorzugt Türen, Brandschutztüren und Schaufenster sowie Balkone, Geländer und Vordächer. Vor drei Jahren entschieden sich die beiden Geschäftsführer Bernhard und Peter Fischer für die Auslagerung der IT-Infrastruktur. Fachredakteurin Ulrike Hensel unterhielt sich mit Peter Fischer über seine Erfahrungen, die er bei der Umstellung gemacht hat. Im Interview gibt er Tipps für Unternehmerkollegen.

metallbau: Wie kam es dazu, dass Sie über cloudbasierte IT-Dienstleistungen nachdachten?

Peter Fischer: Unser Exchange-Server war in die Jahre gekommen und kostete ziemlich viel Unterhalt. Er war gespiegelt und verfügte zusätzlich über Bandsicherungen. Routinemäßig müssen wir alle vier bis fünf Jahre nach einer neuen Lösung suchen. Daher schlug uns unser IT-Berater vor, mit dem Cloud Computing zu beginnen.

metallbau: Wie sind Sie vorgegangen?

Fischer: Wir verwenden schon immer Software von Microsoft und haben deshalb auch eine MS-basierte Cloud-Lösung bevorzugt. Deshalb starteten wir gemeinsam mit unserem IT-Berater ein Pilotprojekt. Es ging uns nicht um die billigste, sondern um eine auf unser Unternehmen zugeschnittene Lösung.

metallbau: Wie war die Situation vorher, wie ist sie jetzt?

Fischer: Vorher hatten wir pro Jahr Supportkosten von rund 8.250 Euro, jetzt sind es etwa 2.480 Euro plus Software-Lizenzgebühren. Früher mussten wir neue Server-Hardware kaufen und die Software mit viel Installationsaufwand zum Laufen bringen. Jetzt bekommen wir automatisch Updates und die neuesten Software-Programme. Das betrifft die kompletten Office- und Outlook-Anwendungen inklusive eines ERP-Systems.

metallbau: Was wurde bei der Cloud-Umstellung konkret gemacht?

Fischer: In erster Linie ging es um die Neuorganisierung der Datenablage. Dazu wurde die gesamte Infrastruktur geändert. Zunächst mussten wir die bestehende Server-Software Exchange Online durch den Microsoft-Online-Dienst Office 365 ersetzen. Outlook und die File-Ablage aller Office-Dateien wurde auf die Cloud verlegt. Gleichzeitig haben wir eine andere Internetanbindung und eine neue Firewall bekommen. Zweckmäßigerweise haben wir auch gleich neue, schnellere PCs angeschafft.

metallbau: Welcher zeitliche Aufwand steckte dahinter?

Fischer: Die Umstellung haben wir schrittweise gemacht, sie dauerte etwa eine Woche. Wir konnten aber kontinuierlich weiter arbeiten und haben teilweise bereits in der Cloud, teilweise noch lokal gearbeitet. Wichtig war, die Arbeitsstationen laufend anzupassen, damit stets am richtigen Ort gespeichert wurde.

metallbau: Welche Vorteile haben Sie mit Cloud Computing?

Fischer: Wir loben die enorme Kostenersparnis, denn wir zahlen nur noch eine monatliche Miete. Es gibt automatische Updates und keine Sicherheitslücken.

metallbau: Welche Nachteile sehen Sie?

Fischer: Nachteilig ist die fehlende Integrationsmöglichkeit von Fremdsoftware wie zum Beispiel von CAD-gestützter Konstruktions- und Kalkulationssoftware. Da die Datenmengen sehr umfangreich sind, ist hier das direkte Arbeiten in der Cloud derzeit zu langsam. Dadurch müssen wir CAD-Daten noch separat in die Cloud laden.

metallbau: Wie schätzen Sie die Datensicherheit von Cloud Computing ein?

Fischer: Wir haben vollstes Vertrauen und glauben, dass sich Microsoft keine Sicherheitslücken leisten kann. Wir hatten in den drei Jahren der Cloud-Lösung noch nie Zwischenfälle und sind der Meinung, dass wir jetzt sogar eine höhere Datensicherheit haben. Außerdem sind wir ein Handwerksbetrieb und arbeiten nicht in sensiblen Bereichen. Unser Know-how liegt in unserer Erfahrung und in der praktischen Umsetzung.

metallbau: Was würden Sie aus heutiger Sicht anders machen?

Fischer: Nichts, denn bei uns funktioniert es bestens. Einzig fehlte uns der Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen, weil wir zu den ersten Cloud-Anwendern im Handwerk gehörten. Um ganz sicher zu gehen, arbeiten wir bisher noch hybrid mit einer zusätzlichen Datensicherung bei uns im Haus, die wir aber aus heutiger Sicht wirklich nicht brauchen. Normalerweise reicht die Sicherung in der Cloud völlig aus. Das wollen wir noch ändern.

metallbau: Was würden Sie Unternehmerkollegen empfehlen?

Fischer: Wichtig ist ein Konzept. Macht man die Umstellung mit einem externen Partner, sollte man ihm die Struktur des Betriebes erklären und definieren, was man braucht und wo welche Daten auffindbar sein sollen. Aus dieser Ausgangs­lage erarbeitet der Berater Lösungsvorschläge für ver­schiedene Lizenzmodelle inklusive der Kosten. Auch die Möglichkeit zur Integration von Fremdsoftware sollte hinterfragt werden.

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