Die Branche in der Schweiz

Gewiss ist die Metallbaubranche in der Schweiz eher klein, für die Zulieferer ist deshalb der Export sehr wichtig. Der Umsatz der ausführenden Betriebe von ca. 5,6 Milliarden Schweizer Franken ist beachtlich. Auf den folgenden Seiten geben wir einen Einblick in die Branche, die EN-Normen im Rahmen des bilateralen Abkommens mit der EU umsetzen muss. -> weiter zur Branchen-Landkarte

Der Brandschutz ist ein Sektor, in dem deutsche Metallbauunternehmer derzeit vielleicht noch neidvoll über die Grenze blicken. Statt aufwändiger Prüfungen und unangekündigter Betriebsbesuche durch die Überwachungsgemeinschaften für Feuerschutz-, Rauchschutz- und Schutzraumabschlüsse der Bundesländer müssen Schweizer Metallbauer, die Brandschutz-  elemente herstellen, zwei Kurse nachweisen. Ein Pflichtkurs zur Verarbeitung von Brandschutzelementen wird von der SMU angeboten, eine weitere technische Schulung muss beim jeweiligen Systempartner, beispielsweise bei Sapa Building Systems absolviert werden. Die Vorgabe fortlaufender Weiterbildungen ist den Systemgebern überlassen, bei der SMU fallen keine weiteren Schulungsmaßnahmen mehr an. Metallbauer, die diese beiden Kurse nachweisen, erhalten Zugang zur Plakette, mit denen Brandschutzelemente gekennzeichnet werden müssen. Den Betriebe wird mehr Selbstverantwortung überlassen. Eine Änderung dieser aus deutscher Sicht nahezu paradiesischen Zustände wird die Harmonisierung mit der EN 16034 bringen. Dank langer Zeitspannen der Koexistenz mit den nationalen Normen können die Schweizern aber voraussichtlich noch einige Jahren ihre gewohnten Abläufe fortsetzen.

Stand zur EN 1090

Wenngleich die Schweizer Uhren, die sich um die Harmonisierung der Normen drehen, etwas langsamer ticken, Mitte nächsten Jahres soll beispielsweise die Koexistenzphase von SN 505 263/1 und EN 1090 ablaufen. Bis dato sollten auch Schweizer Metallbaubetriebe zertifiziert sein und eine werkseigene Produktionskontrolle (WPK) eingerichtet haben. Die Änderungen betreffen rund 2.000 ausführende Betriebe des Stahl- und Aluminiumbaus. Metallbauunternehmer Herbert Bühlmann ist einer von ihnen, er führt in Wauwil einen Betrieb mit 50 Mitarbeitern. Geht es um Entwicklungen in seiner Branche, spielt der Spezialist für Fassaden gerne vorne mit. Was die EN 1090 betrifft, zeigt er sich jedoch abwartend. „Ich bin noch nicht zertifiziert und werde die definitive Ablösung der nationalen Norm abwarten“, räumt er ein. Das Porträt über seinen Betrieb lesen Sie ab Seite 30.
Im Sinne einer kompakten Branchenlösung für die EN 1090 kooperiert die SMU in Zürich eng mit dem Bundesverband Metall in Essen. „Metall-Zert, die notifizierte Überwachungs- und Zertifizierungsstelle des BVM, wird auch in der Schweiz tätig. Wir werden keine eigene Prüfstelle eröffnen“, berichtet Umberto Colicchio, der bei der SMU den Fachverband Metallbau leitet.
Ähnlich wie in Deutschland und Österreich handelt es sich  auch in der Schweiz mehrheitlich um Betriebe bis zu zehn Mitarbeitern (davon waren 2013 688 SMU Mitglieder), zwischen 20 und 100 Mitarbeitern zählte die SMU 2013 405 Mitglieder. Über 100 Beschäftigte hatten im Jahr 2013 lediglich 22 SMU Mitglieder. 

Initiative gegen Fachkräftemangel

Rund 2.000 Auszubildende befanden sich im Jahr 2013 in der Lehre zum Metallbauer. Im Rückblick bis 2008 sind die Zahlen der Auszubildenden rückläufig. Hinzu kommt die Demografie. „Von 1992 bis 2002 gingen die Geburten um mehr als 14.000 zurück, das wird sich in den nächsten Jahren auch als Fachkräftemangel im Metallbau bemerkbar machen“, ist Colicchio überzeugt. Mit Maßnahmen zugunsten eines besseren Images der Handwerksberufe und verstärkter Nachwuchswerbung hält der Fachverband Metall dagegen. Im verbandseigenen Bildungszentrum Aarberg wurde den Weiterbildungen für den Metallbau ein höherer Stellenwert eingeräumt. „Die Angebote wurden und werden weiter ausgebaut“, so Colicchio.
Welche Wege in der Schweiz in den Metallbau führen, können Sie ab Seite 37 lesen. StD Josef Moos hat die Standards recherchiert. Wie in Österreich gibt es auch in der Schweiz das Angebot zur Berufsmaturität. Das heißt, parallel zur vierjährigen Ausbildung bereitet sich der Lehrling auf die Prüfungen vor, die ihm den Zugang zur Universität ermöglichen. „Allerdings erhöhen sich bei diesem Ausbildungsweg die Schultage auf wöchentlich vier“, hebt Colicchio hervor.
Die Hochschule Luzern möchte mit der Ausbildung zum Bauingenieur mit Vertiefungsrichtung Gebäudehülle den modernen Anforderungen an die Planung und Ausführung von Fassaden gerecht werden. In Sachen Gebäudehülle kooperiert die Schweizerische Zentrale Fenster und Fassaden (SZFF) in Dietikon offenbar sehr gut mit den deutschen Branchenexperten. Dies zeigt zumindest die Referentenliste der jüngsten SZFF-Fachtagung Ende Oktober mit Prof. Ulrich Sieberath, ift Institutsleiter, Dr.-Ing. Winfried Heusler von Schüco, Prof. Dr.-Ing. Bernhard Weller sowie Fassadenberater Lars Anders aus Berlin.

Mit freundlicher Unterstützung des SZFF wurde der Redaktion metallbau der Objektbericht von Roland Hof über die Gesamtsanierung des Credit Suisse Gebäudes in Winterthur zur Verfügung gestellt. Den Bericht mit den horizontalen und vertikalen Fassadenschnitten finden Sie auf Seite 40. ⇥ma ◊

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