Schunn Metallbau

Vom Metallbau zur Lohnfertigung

Als Johann Schunn im Jahr 2000 sein Unternehmen gründete, war das Portfolio klassisch: konstruktiver Metallbau in seiner ganzen Bandbreite. Vier Jahre später folgte der erste strategische Schritt in eine neue Richtung. Mit dem Kauf einer gebrauchten Maschine für die Blechbearbeitung etablierte der Metallbaumeister ein zweites Standbein – die Lohnfertigung von Blechbauteilen für den Maschinenbau. 2016 zählte das Unternehmen bereits fünf Mitarbeiter. Mit dem Einstieg von Sohn Jonas als Industriemechaniker vor rund zehn Jahren wurde die Lohnfertigung konsequent zum Kerngeschäft. Der Metallbaumeister und Betriebswirt (HwO) baute die Fertigung von Blechbauteilen mit inzwischen sieben Maschinen systematisch aus. Heute beschäftigt Schunn Metallbau 17 Mitarbeitende und arbeitet für industrielle Stammkunden aus unterschiedlichsten Branchen. Der Fokus liegt klar auf prozesssicherer Industriefertigung: planbare Abläufe, reproduzierbare Qualität und direkte Abstimmung bei technischen Details – damit Kunden schnell zu verlässlichen Ergebnissen kommen. Auch digitale Vertriebskanäle spielen dabei eine Rolle.

Über den digitalen Marktplatz für Laser- und Biegeteile orderspot generiert der Betrieb heute rund 5% seines Umsatzes. orderspot zeichnete den Betrieb 2025 als einen der Zulieferer aus, die unter anspruchsvollen Marktbedingungen konstant geliefert hatten.

metallbau: Welche Bearbeitung von Blechen und Teilefertigung bieten Sie bei orderspot an?

Jonas Schunn: Über orderspot bilden wir die Prozesse ab, die die Plattform unterstützt: Laserschneiden, Abkanten, Entgraten sowie Gewindeschneiden und Kegelsenken. Für Kunden ist das ideal, um schnell und digital zu passenden Laser- und Kantteilen zu kommen – und bei weitergehenden Anforderungen (z.B. Schweißbaugruppen, Gestelle, Sonderanarbeitungen) können wir anschließend nahtlos direkt übernehmen.

metallbau: Wie kam es zur Kooperation mit orderspot?

Schunn: orderspot ist auf uns zugekommen und hat angefragt, ob wir als Hersteller auf der Plattform anbieten möchten. Für uns war der Kernnutzen: schnellere und verlässlich kalkulierte Angebote, um freie Kapazitäten gezielt zu füllen, ohne dass im Tagesgeschäft zusätzliche Angebots-„Reibung“ entsteht.

metallbau: Wie aufwändig gestaltet sich der Einstieg als Anbieter auf der Online-Plattform?

Schunn: Das Initial-Setup ist kein „Klick-und-fertig“, sondern erfordert saubere Kalkulations- und Prozessdaten. Als wir Mitte 2025 bewusst Kapazitäten für Zusatzgeschäft öffnen wollten, haben wir die Konditionen strukturiert hinterlegt und die Plattform als ergänzenden Vertriebskanal aufgebaut.

metallbau: Wie schnell haben Sie Angebote bei orderspot absetzen können?

Schunn: Die ersten Aufträge kamen relativ zügig – typischerweise als kleinere Positionen. Größere Abrufe entstehen erfahrungsgemäß erst dann, wenn Kunden Lieferperformance, Qualität und Kommunikation erlebt haben und Vertrauen aufbauen.

metallbau: Ist orderspot eine Empfehlung für Metallbauer, die als Lohnfertiger schnelle Absatzmöglichkeiten suchen?

Schunn: Ob orderspot „der“ Weg ist, um schnell Lohnfertigung aufzubauen, würde ich differenziert sehen: Es kann ein guter Zusatzkanal sein – aber Erfolg kommt nicht automatisch, sondern hängt stark davon ab, ob ein Betrieb stabile Prozesse, saubere Daten, verlässliche Lieferfähigkeit und ein klares Qualitätsverständnis mitbringt. Für Auftraggeber ist das attraktiv, weil sie schnell vergleichen können; für Hersteller ist es dann sinnvoll, wenn man sich über Zuverlässigkeit und Service nachhaltig abheben kann – nicht nur über den niedrigsten Preis.

metallbau: Welche Parameter haben Sie für die automatische Kalkulation hinterlegt ?

Schunn: Für die automatische Kalkulation sind bei uns sowohl kaufmännische Parameter (Material-, Fertigungs-, Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten) als auch fertigungstechnische Parameter hinterlegt – z.B. Schnittgeschwindigkeiten, typische Rüst- und Bearbeitungszeiten, Entgrat- und Anarbeitungslogiken (Gewinde/Kegelsenken) sowie prozessabhängige Kostentreiber. Der zentrale Hebel in der Praxis sind die Materialparameter: Preis pro kg, Verfügbarkeit/Lagerlogik, Verschnitt, Wiederbeschaffungszeit. Stand heute haben wir rund 380 aktive Materialien gepflegt.

metallbau: Wie lange brauchen Sie für die Datenpflege?

Schunn: Um nachzujustieren wenden wir jede Woche mehrere Stunden auf. Ziel ist: stabile, nachvollziehbare Preise – und gleichzeitig eine realistische Lieferzusage.

metallbau: Wie korrelieren Preis und Lieferzeit?

Schunn: Die Plattform arbeitet mit definierbaren Standard-Fertigungszeiten je Prozessschritt und hinterlegbaren zusätzlichen Express-/Prioritätsaufschlägen, falls Kunden bewusst verkürzen möchten.

metallbau: Wie funktioniert der Wettbewerb auf der Online-Plattform?

Schunn: Preis entscheidet oft über Sichtbarkeit – aber nicht über langfristige Kundenbeziehungen. Wir differenzieren uns vor allem über drei Punkte: Sehr hohe Termintreue ist für viele Kunden mehr wert als der letzte Prozentpunkt Preis. Mit einer sauberen Fertigung, reproduzierbaren Ergebnissen, klaren Rückfragen statt stiller Annahmen sichern wir Qualität und Prozesssicherheit. Und drittens differenzieren wir uns mit Kommunikation & Services; das heißt, gerade bei Zeichnungen/Details macht direkte Abstimmung den Unterschied – und spart auf Kundenseite Zeit, Ärger und Folgeaufwand.

metallbau: Auf orderspot ist der Hersteller für den Kunden sichtbar und ansprechbar – wie bewerten Sie das?

Schunn: Aus unserer Sicht ist das ein klarer Vorteil – nicht Zusatzaufwand. In der Lohnfertigung entstehen die meisten Probleme nicht in der Maschine, sondern durch Annahmen: fehlende Toleranzen, unklare Kanten, Oberflächenwünsche, Funktionsflächen etc. Wir nutzen den direkten Kontakt für Rückfragen, geben Fertigungshinweise und können Reklamationen strukturiert und lösungsorientiert abwickeln. Das Vorgehen reduziert Fehler, spart Zeit und sorgt dafür, dass Kunden das bekommen, was sie brauchen – nicht nur das, was „irgendwie“ aus den Daten interpretierbar wäre.

metallbau: Welche Aufträge erhalten Sie via orderspot?

Schunn: Überwiegend kleinere bis mittlere Aufträge (oft unter 1.000 Euro), häufig mit höheren Stückzahlen und klar definierten Geometrien. Wiederholteile gibt es, aber sie entstehen meist erst, wenn der Kunde die Lieferperformance und Qualität mehrfach erlebt hat.

metallbau: Wie viel vom Umsatz generieren Sie inzwischen via orderspot?

Schunn: Der Marketplace-Anteil lag zeitweise bei 5–7 % unseres Monatsumsatzes. Wir haben danach unsere Preislogik leicht angepasst: weniger „billigster Anbieter“, mehr „fairer Preis für Premium-Lieferperformance“. Das hat kurzfristig den Umsatzanteil reduziert, aber es passt besser zu unserer Positionierung: Lieferfähigkeit, Qualität und Kommunikation.

metallbau: Welche Dateiformate funktionieren am besten?

Schunn: Am besten funktionieren für Kantteile 3D-Step, für reine Laserteile 2D-DXF und für Toleranzen/Funktionsmaße zusätzlich eine PDF-Datei. Missverständnisse hatten wir bislang kaum, weil orderspot die Daten sauber strukturiert übermittelt. Kritisch sind Themen wie: Toleranzen, Kantenanforderungen (Grat/Radius), Oberflächen. Prozessual lösen wir das über eine klare Prüfung vor Fertigungsfreigabe. Wenn etwas funktional relevant ist oder Interpretationsspielraum hat, klären wir es direkt – bevor es in die Produktion geht.

metallbau: orderspot arbeitet provisionsbasiert. Wie bewerten Sie dies im Vergleich zum klassischen Vertrieb?

Schunn: Das provisionsbasierte Modell (Fix-/Positionsanteile plus prozentualer Anteil) bewerten wir grundsätzlich als vergleichbar mit klassischen Vertriebskosten – nur eben transparenter und näher am realen Auftrag. Der Vorteil liegt vor allem dort, wo klassischer Vertrieb unverhältnismäßig teuer wäre: kleine bis mittlere Bestellungen, bei denen Akquise, Angebotszeit und Streuverluste schnell mehr kosten, als man denkt.

metallbau:  Welche Weiterentwicklung von orderspot würde Ihnen am meisten helfen?

Schunn: Feinere Einstellmöglichkeiten bei Anarbeitung (Entgraten, Gewinde, Kegelsenken – z. B. Qualitätsstufen/Detailoptionen).Wenn WIG/MAG- oder Laserschweißen sinnvoll abbildbar wären, würden wir das sofort aufnehmen – unter der Voraussetzung, dass Qualitätsanforderungen und Ausführungsdetails so eindeutig definierbar sind, wie sie es bereits jetzt schon beim Laserschneiden und Abkanten sind.

metallbau: Welches Gesamtportfolio bieten Sie als Lohnfertiger?

Schunn: Wir decken die meisten Verfahren rund um die Blechbearbeitung ab: Laserschneiden, Entgraten, Richten, Abkanten, Trowalisieren sowie WIG/MAG- und Laserschweißen. Dazu kommen Anarbeitungen wie Gewindeschneiden, Kegelsenken, Reiben und weitere Zerspanungsarbeiten zur Weiterverarbeitung von Blechteilen – ebenso wie nachgelagerte Oberflächen (z. B. Pulverbeschichten, Eloxieren, Beizen) über etablierte Partner. Zusätzlich fertigen wir auch Maschinengestelle und Sonderkonstruktionen.

www.schunn-metallbau.de

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 05/2023

Online-Marktplatz für Bleche

„Mal eben schnell einen Preis abfragen!“

Vor zwei Jahren gegründet, schickt sich das Start-up orderspot an, ein Bindeglied zwischen Metallbauer und Hersteller zu werden, auf das keiner mehr verzichten möchte. „Ein Flacheisen aus dem Regal...

mehr
Ausgabe 10/2013

Laserschneiden via Internet

Laserteile4you.de bietet online Zuschnitte

Moderne Technologien und Werkzeuge wie beispielsweise Laser setzen hohe Investitionen voraus und sind vor allem für kleinere Metallbaubetriebe kaum rentabel zu betreiben. Als Alternative bietet sich...

mehr
Ausgabe 03/2011 Mit moderner Technik gestärkt aus der Krise

Keller Metallbau

Die Keller Metallbau GmbH im südbadischen Endingen am Kaiserstuhl ist ein dynamisch wachsender Familienbetrieb mit einer mehr als hundertjährigen Tradition in der Metallverarbeitung. Das Unternehmen...

mehr
Branche

Birk Stahl- und Metallbau

In vier Jahren von zwei auf acht Mann

In Bad Wurzach, einer kleinen Kurstadt im oberschwäbischen Allgäu, hat die Firma Birk Stahl- und Metallbau ihren Firmensitz. Seit der Gründung im Jahr 2021 durch die beiden Geschäftsführer...

mehr
Ausgabe 02/2019

Start-up Laserhub

Beschaffungsmanagement für Metallbauer

Bis Metallbauer und Blechbearbeiter telefonisch oder via E-Mail eine Bestellung definiert haben, ist nicht selten eine aufwendige Abstimmung nötig, wie Adrian Raidt weiß. Der Gründer der...

mehr