Türen & Bänder separat

Ausnahme: Brandschutz-Außentüre


Foto: Dr. Hahn

Foto: Dr. Hahn
Weil ein Türhersteller im Markt die Information verbreitet hat, dass Tür und Beschläge den Verarbeitern komplett geliefert werden müssen, hat der Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie (FVSB) eine Fachanwältin mit Klärung beauftragt. In einer aktuellen Pressemitteilung des Verbandes heißt es dazu: "Die rechtliche Situation ist eindeutig, dass Türen nicht mit allen erforderlichen Beschlägen komplett geliefert werden müssen." Hauptpunkt der Argumentation ist, dass die Beschlagkomponenten keinen Einfluss auf die Leistungseigenschaften der Tür haben. Ferner wird in den europäischen Normen für Außentüren hEN 14351-1 und Innentüren EN 14351-2 (nicht im OJEU genannt, daher nicht harmonisiert) nicht auf einzelne Beschlagkomponenten hingewiesen. Im Kurzvermerk heißt es dazu: „Eine Ergänzung von Komponenten, die keine Auswirkung auf die für den Verwendungszweck erforderlichen Leistungseigenschaften haben, ist ohnehin immer möglich.“ Mehrere Fundstellen in den Normen weisen eindeutig auf die Austauschbarkeit bzw. Ergänzungsfähigkeit hin, so insbesondere Tabelle A1 in Anhang A.
Ausgenommen sind Türen für den Brandschutz nach EN 16034, allerdings nur Außentüren, da die Norm für Innentüren, wie bereits erwähnt, nicht als harmonisierte Norm gilt. Für Brandschutz-Innentüren gelten unverändert nationale Regelungen. Bei Brandschutztüren dürfen Komponenten nicht ohne weiteres ausgetauscht werden, was auch der bisher gängigen Praxis entspricht. Für Türen mit besonderen Anforderungen schlägt die Rechtsanwältin das Beifügen einer Liste mit möglichen Produkten vor. Bänder werden allerdings als Mindestbestandteil der Tür eingestuft und sind nicht austauschbar, da diese das Türblatt mit der Zarge verbinden.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Beschlagkomponenten sind austauschbar und ergänzungsfähig, bis auf die Ausnahmen Brandschutztür und Türen mit besonderen Anforderungen, wie Fluchttüren. Aus normativer und rechtlicher Sicht ergibt sich keine Notwendigkeit zur vollständigen Lieferung einer „üblichen“ Tür. Nach rechtlicher Recherche ergibt sich, dass keine Änderung zum bisherigen Lieferverhalten notwendig ist.


www.fvsb.de

Thematisch passende Artikel:

2020-09

Wilka

Zutrittslösung für Fluchttüren

Das elektrisch kuppelbare Fluchttürschloss von Wilka macht es möglich, ein- und zweiflüglige Fluchttüren an Zutritts- oder Gebäudemanagementsysteme anzuschließen. Der Zutritt und die...

mehr
2020-12 Interview

Stephan Schmidt, FVSB

Von Schlössern und Champions

metallbau: Herr Schmidt, welche Trends sehen Sie in der Beschlagtechnik für Türen? Stephan Schmidt: Den Markt schätzen wir auf 1,5 Millionen Außentüren, die jährlich verbaut werden. Davon...

mehr

Brandschutztüren mit ETA

Novoferm macht es vor

Insbesondere für europäische Projekte sorgt Novoferm mit seinen Stahlblech-Brandschutztüren mit europäischer Zulassung (ETA) für mehr Planungssicherheit. Die EU-weite Harmonisierung von Normen...

mehr

EN 16034 zum November, aber ...

Die Koexistenzphase der EN 16034 startet nun nach mehrmaligem Aufschub zum November 2016. Bei den ift Fenstertagen in Rosenheim gab Prof. Ulrich Sieberath bekannt, dass die EN 16034 an die...

mehr
2016-10

Türen in Flucht- und ­Rettungswegen

Das ist zu beachten

Die spezielle Fluchtfunktion einer Tür wird nur im Zusammenspiel aus Türblatt, Zarge und Beschlagteilen erreicht. Für „Fluchttüren“ wird in den Produktnormen EN 14351-1 für Fenster und...

mehr