Deutscher Fassadenpreis
Fünf Projekte ausgezeichnetDer Fachverband Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (FVHF) hat den Deutschen Fassadenpreis 2026 vergeben. Fünf Projekte erhielten Auszeichnungen in vier Kategorien. Im Mittelpunkt stehen Fassadenkonstruktionen mit Holz, Aluminium und Trapezblech sowie Lösungen für Sonnenschutz, Lüftung, Brandschutz und die Sanierung von Gebäuden.
Am 15. Oktober 2026 fand im Deutschen Architektur Zentrum (DAZ) in Berlin die Verleihung des 16. Deutschen Fassadenpreises für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF) statt. Zwölf Architektenteams waren nominiert. Eine Jury unter Vorsitz von Reiner Nagel, Bundesstiftung Baukultur, entschied über die Vergabe der Preise.
Die Auszeichnungen gingen an Büro Voigt, Riehle Koeth, augustinundfrank / Winkler Architekten, Modersohn & Freiesleben Architekten und allmannwappner. Die Projekte umfassen die Sanierung von Theaterwerkstätten, ein Biotechnologiezentrum, eine Schulmensa mit Stadtteilzentrum sowie Wohn- und Bürogebäude.
Theaterwerkstätten Eisenach
Der Preis in der Kategorie „Bauen im Bestand“ ging an Büro Voigt für die Sanierung der Theaterwerkstätten Eisenach. Bei dem Projekt wurde die Putzfassade des Bestandsgebäudes durch eine Dämmschicht und eine vorgehängte hinterlüftete Holzschalung ergänzt.
Die Holzbekleidung verläuft horizontal. Die Brandschotts wurden in die Fassadengestaltung integriert und bilden Gesimse. Fenster und Sonnenschutzelemente aus dem Bestand blieben erhalten.
Die Jury berücksichtigte insbesondere den Erhalt der Bausubstanz, die Integration des Brandschutzes sowie die Möglichkeiten zur Reparatur und Demontage der Fassadenkonstruktion.
Biotechnologiezentrum Tübingen
Riehle Koeth erhielt den Preis in der Kategorie „Das besondere Detail“ für das Biotechnologiezentrum Tübingen.
Die Fassade besteht unter anderem aus Lisenen und gewelltem Aluminiumlochblech. Die Perforation übernimmt Funktionen des Sonnen- und Sichtschutzes. Zugleich wurde die dezentrale Lüftung in die Fassadenkonstruktion eingebunden.
Bei ihrer Entscheidung verwies die Jury auf das Zusammenwirken von Verglasung, Brüstungen, Öffnungselementen und Gebäudetechnik. Das Projekt zeigt die Integration mehrerer Funktionen in eine Fassadenebene.
Schulmensa und Stadtteilzentrum Pasewalk
In der Kategorie „VHF-Funktionsfassade“ wurden augustinundfrank/Winkler Architekten für die Schulmensa und das Stadtteilzentrum Pasewalk ausgezeichnet.
Die Gebäudehülle kombiniert geschlossene und perforierte Trapezblechflächen. Über die Anordnung der Fassadenelemente werden Tageslichteinfall, solare Wärmegewinne und sommerlicher Wärmeschutz beeinflusst.
Die Fassadenkonstruktion unterstützt außerdem die Nachtauskühlung durch Lüftung. Sie ist damit Bestandteil des Low-Tech-Konzepts des Gebäudes.
Neben den Funktionen der Gebäudehülle berücksichtigte die Jury die Nutzung des Gebäudes als Mensa und Stadtteilzentrum.
Sonderpreis: Haus im Park, Berlin
Der 2026 erstmals vergebene Sonderpreis „VHF-Holzbekleidung“ ging an zwei Projekte. Einer der Preisträger ist das „Haus im Park“ in Berlin von Modersohn & Freiesleben Architekten.
Die Fassadenbekleidung besteht aus rot lasiertem Lärchenholz. Geneigte Brandschürzen aus Faserzement gliedern die Fassade und übernehmen eine Funktion im Brandschutzkonzept.
Die Jury bezog sich bei ihrer Bewertung auf die Materialkombination und die Ausbildung der Anschlüsse und Fassadendetails.
Sonderpreis: Ensemble Vinzent, München
Die zweite Auszeichnung in der Kategorie „VHF-Holzbekleidung“ erhielt allmannwappner für das Wohn- und Büroensemble „Vinzent“ in München.
Bei dem Projekt kamen vorgefertigte hinterlüftete Holzfassaden zum Einsatz. Die Fassadenflächen weisen ornamentierte Oberflächen und Farbakzente auf. Hinzu kommen Elemente zur Gebäudebegrünung.
Die Konstruktion verbindet die Holzbekleidung mit den Anforderungen an den Wärme-, Feuchte- und Brandschutz. Die Jury berücksichtigte die Lösung der bauphysikalischen Aufgaben sowie die Einbindung des Gebäudes in die Quartiersstruktur.
Fassaden übernehmen Funktionen der Gebäudetechnik
Die fünf Projekte zeigen unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten vorgehängter hinterlüfteter Fassaden. Neben der Bekleidung und dem Witterungsschutz übernehmen die Konstruktionen Aufgaben bei Verschattung, Lüftung, Brandschutz und Gebäudesanierung.
Beim Biotechnologiezentrum Tübingen sind Sonnenschutz, Sichtschutz und Lüftung in die Aluminiumfassade eingebunden. In Pasewalk ist die Fassadenkonstruktion Bestandteil eines Konzepts für Wärmeschutz und Nachtauskühlung. Die Theaterwerkstätten Eisenach zeigen die Ergänzung einer Bestandsfassade um Dämmung und Holzbekleidung bei Erhalt von Fenstern und Sonnenschutz.
Die beiden Projekte mit Holzbekleidung behandeln insbesondere die konstruktive Integration von Holz, Brandschutzelementen und Fassadendetails.
Die nächste Fassadenpreis wird 2028 vergeben.
