Leserbrief

Wielange noch: von Beruf Schmied

Schmiede kämpfen um ihre Berufsidentität

In der Ausgabe vom Oktober berichtet Autorin Susanne Frank unter der Überschrift "Ist der Schmied noch zu retten?" über die Auseinandersetzungen um die Berufsidentität der Schmiede in der Schweiz. Während in Deutschland und Österreich die Berufsbezeichnung Metallgestaltung/Schmiedetechnik im Gesellenbrief beziehungsweise im Lehrabschlusszeugnis möglich ist, ist dies seit der Bildungsreform in der Schweiz entfallen.

Dr. Ulrich Barnickel, Schmied und Metallbildhauer aus Schlitz, hat sich in einem Leserbrief zu dem Beitrag geäußert:

Sehr geehrte Frau Manger!

Dieser Artikel trifft den Nerv aller ernsthaften Schmiede! Als sich vor Jahren Schmiede um Manfred Brehdohl gegen die Einreihung in die Metallbauer-Riege aussprachen, begann der Reigen der Traurigkeit um den Verlust eines der ältesten Berufsbezeichnungen unserer Geschichte. Beginnt die Geschichte mit dem Götterschmied Hephaistos, begann auch der Stolz auf das wunderschöne und vor allem nutzvolle Handwerk. Alle benötigten seine Fertigkeiten und seine Ideen. Alle Metallberufe entwickelten sich daraus. Wie konnte man nur diesen überaus kreativen Beruf in einen "Metall-Bauer" verwandeln oder in einen Montagearbeiter? Schon damals verlief die Gegenwehr im Sande und heute wird es nicht anders werden.

Politiker und andere Entscheider verstehen nichts vom Hand-Werk, sitzen sie doch im warmen Büro und denken: für alle schmutzige Hände hatte es nicht zu mehr gereicht...

In der Welt der verlängerten Werkbank China hat kaum noch jemand Verständnis für diesen beseelten Beruf und im "Geiz ist geil" Modus möchte er diese überaus besonderen Arbeiten weder schätzen noch zahlen.

Die Werkzeuge und das Feuer - egal in welcher Form- sind Grundlage für die Schmiede, heute wie in der griechischen Mythologie. Das Feuer zu beherrschen oder zu besänftigen, obliegt ihrer Kunst. Schnelle Entscheidungsfähigkeit ist gefragt, denn das Material erkaltet in Nu. Voraus geht Überlegung, ein Skizzenbild und Sensibilität.

Daran sollten sich entscheidungsgewaltige Leute ein Beispiel nehmen. Menschen aus der Praxis- eben die Handwerker- sind heute mehr denn je bedeutungsvoll für die Gesellschaft, die sie lange Jahre missachtet hat. Aus diesem Grund müssen elementare Berufe erhalten sowie gepflegt werden, denn aus China kommt weder eine Reparatur- die nachhaltig wäre- oder eine individuelle, ästhetisch vertretbare Problemlösung.

www.ulrich-barnickel.com

metallbau lesen, kann das Herz berühren.
Foto: Ulrich Barnickel

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