Wettbewerb

Deutscher Stahlbaupreis

Spitzenleistungen in Stahl

Eine Glanzpunkt des Deutschen Stahlbautags ist die Bekanntgabe des Stahlbaupreises. Am 17. September 2026 fand im Rahmen des Festabends in der Bielefelder Stadthalle die Verleihung statt.

Der 1. Preis ging an Reichel Schlaier Architekten für den Umbau des Katharinenklosters zum Meeresmuseum Stralsund. Besonders würdigte die Jury die gelungene Verbindung einer zeitgemäßen Nutzung mit der wertvollen historischen Substanz. Auftraggeber war die Stiftung Deutsches Meeresmuseum.

Fünf Jahre dauerte die Modernisierung des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund. Dabei wurde das spätgotische Katharinenkloster saniert und behutsam um drei neue Baukörper ergänzt. Die Ergänzungsbauten und neueren Bestandserweiterungen erhielten eine einheitliche äußere Erscheinung. Material und Struktur prägen die Wahrnehmung aus der Nähe, während eine klare, abstrakte Volumetrie die Fernwirkung bestimmt.

Stahl übernimmt dabei in unterschiedlichen Maßstäben und Funktionen eine zentrale Rolle. Im bewussten Kontrast zur historischen Bausubstanz und zugleich sensibel in den Bestand integriert, reicht sein Einsatz von Stahlbetonverbunddecken über Abschnitte in Stahlskelettbauweise bis zu Fachwerkträgern im Brückenbereich. Der Werkstoff ergänzt bestehende Konstruktionen ebenso wie er als eigenständiges Tragwerk eingesetzt wird.

Besonders überzeugte die Jury der konsequente Umgang mit aktuellen Anforderungen an nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen. Re-Use und Ertüchtigung, Demontierbarkeit, ein effizienter Materialeinsatz und flexible Nutzungsmöglichkeiten sind integrale Bestandteile der Planung. So ist ein Gebäudekomplex entstanden, der den Stahlbau facettenreich und zugleich klar und strukturiert in das historische Ensemble einbindet. Für die Umsetzung war Schindler Anlagenbau in Abtshagen verantwortlich.

In der Kategorie Hochbau ging der Ingenieurpreis an Dr. Gollwitzer – Dr. Linse und Partner für das Projekt „Aussichtsturm Frankenwald“ in Presseck im Landkreis Kulmbach.

Auf dem 690 m hohen Pressecker Knock geht es seit 2024 noch einmal 40 m weiter hinauf. Über 200 Stufen führt eine umlaufende Treppe zur Aussichtsplattform des Frankenwaldturms. Architektur und Ingenieurbau greifen dabei auf besondere Weise ineinander. Ein im Grundriss sechseckiges, tragendes Stahlfachwerk wird durch die umlaufenden Treppenläufe und Aussichtsplattformen zum Dreieck ergänzt. Damit verbindet die Konstruktion die beiden wesentlichen Funktionen eines Aussichtsturms auf geometrisch schlüssige Weise, nämlich die Abtragung der Lasten und die vertikale Bewegung der Besucherinnen und Besucher. Mit wenigen gezielten Eingriffen gelang es den Ingenieuren, die Entwurfsidee der Architekten in eine statisch effiziente Konstruktion zu überführen und gleichzeitig ihre gestalterische Qualität zu bewahren. Das Ergebnis ist eine deutlich filigranere Konstruktion, bei der die ursprünglich vorgesehene Stahlmasse nahezu halbiert werden konnte. Auch beim Betonfundament wurde der Materialeinsatz minimiert. Umgesetzt hat die Konstruktion aus Stahl SSB Stark Stahlbau.

Die Stahlkonstruktion besteht aus lediglich sechs unterschiedlichen Elementen. Einheitliche Standardprofile mit gleicher Länge und Stärke sowie einheitliche Verbindungselemente ermöglichen es, die Konstruktion bei einem späteren Rückbau zu demontieren und im Sinne der Kreislaufwirtschaft weiterzuverwenden. Der modulare Aufbau trägt zur Wirtschaftlichkeit und Ressourceneffizienz bei.

In der Kategorie Brückenbau ging der erste Preis an DKFS und das Ingenieurbüro Schüßler-Plan für die 412 m lange Brücke „Sprung über die Emscher“. Die spektakuläre Ganzstahlkonstruktion gefertigt vom österreichischen Stahlbauer MCE in Linz verbindet in einer doppelten S-Kurve zwei wichtige Rad- und Wanderwege zwischen Castrop-Rauxel und Recklinghausen und überquert dabei in luftiger Höhe dreimal Gewässer, zweimal die Emscher und einmal den Rhein-Herne-Kanal. Die komplexe Geometrie der mehr als 400 m langen Brücke wurde vollständig computergestützt modelliert, um Tragverhalten und Materialeinsatz zu optimieren. Ihre charakteristische Form erinnert an einen Bogen mit gespanntem Pfeil und gab dem Bauwerk den Beinamen „Silver Arrow“. Gleichzeitig folgt die Gestaltung unmittelbar den konstruktiven Anforderungen und macht den Kraftverlauf sichtbar. Eine zentrale Rolle spielt der entgegen der Krümmung geneigte Pylon mit zwei verdrillten Zügelgurten aus Flachstahl, die das 108 m lange Flussfeld und das benachbarte, 89 m lange Innenfeld tragen. Die Stahlpfeiler der semiintegralen Brücke sind monolithisch mit dem Überbau verbunden, während abhebende Lasten an den Widerlagern über Pendelstäbe aus Edelstahl zwängungsarm aufgenommen werden. Die notwendigen Einspannungen am Pylon und am gegenüberliegenden Flusspfeiler sind gestalterisch in Treppenpodeste integriert. Besonders würdigte die Jury die hohe Ausführungsqualität des Stahlbaus angesichts der komplexen räumlichen Geometrie und der anspruchsvollen Montage mit Schwimmkran und sorgfältig vorverdrillten Zügelgurten. Auch die Geländer mit Edelstahlseilnetz und das Beleuchtungskonzept überzeugten.

Den Sonderpreis des Deutschen Stahlbaus erhielt Peter Grundmann Architektur aus Berlin für die Erweiterung des Zentrums für Kunst und Urbanistik (ZK/U). Das ZK/U entstand 2012 durch die Umnutzung eines ehemaligen Güterbahnhofs in Berlin-Moabit. Schon bald reichten die vorhandenen Flächen nicht mehr aus. Gleichzeitig bestand energetischer Sanierungsbedarf am Bestandsgebäude, sodass 2016 die Entscheidung für eine Erweiterung fiel. Eine besondere Herausforderung bestand darin, dass das Gebäude vollständig von Grünflächen umgeben ist und zusätzliche Flächen nicht in Anspruch genommen werden sollten. Die Lösung war eine Aufstockung des bislang ungedämmten Lagerhauses um ein weiteres Geschoss.

Das Projekt von Peter Grundmann Architekten zeigt beispielhaft das Potenzial des Weiterbauens mit Stahl. Statt den Bestand zu ersetzen, wird er durch eine gezielt eingesetzte Stahlkonstruktion ertüchtigt und weiterentwickelt. Die große Spannweite der neuen Konstruktion ermöglicht die Aufstockung und schafft zugleich im Erdgeschoss einen stützenfreien Raum. Damit nutzt der Entwurf die konstruktiven Möglichkeiten des Stahlleichtbaus konsequent aus.

Mit begrenzten finanziellen Mitteln ist so hochwertige Architektur im Bestand entstanden. Ausschlaggebend dafür sind nach Einschätzung der Jury eine klare architektonische Haltung und eine hohe konstruktive Kompetenz im Umgang mit Stahl. Mit der Umsetzung des Stahlbaus war Metall- und Stahlbau Mauer in Stendal beauftragt. Das Tragwerk haben die Quittenbaum Bauingenieure geplant.

Mit der Auszeichnung des Deutschen Stahlbaues würdigt der Deutsche Stahlbau-Verband (DSTV) Persönlichkeiten. 2026 ehrte die Jury mit Joachim Gugolka und Dr.-Ing. Dieter Reitz zwei Persönlichkeiten, die den Stahlbau über Jahrzehnte fachlich und mit großem persönlichem Engagement geprägt haben. Joachim Gugolka steht für hohe Kompetenz in Fertigung und Normung sowie für seinen langjährigen ehrenamtlichen Einsatz im Deutschen Stahlbau-Verband, unter anderem als Vorsitzender des Arbeitsausschusses Fertigung. Dr.-Ing. Dieter Reitz hat den Stahl- und Verbundbrückenbau durch zahlreiche wegweisende Projekte und sein langjähriges Engagement als Vorsitzender der Fachgemeinschaft Brückenbau maßgeblich mitgestaltet. Ein besonderes Anliegen ist ihm zudem die Förderung des Ingenieurnachwuchses.

Der Nachwuchs-Förderpreis des Deutschen Stahlbaus mit dem DASt-Forschungspreis wurde schon im April 2026 im Rahmen des 25. DASt-Kolloquiums an der Technischen Universität Berlin verliehen.

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