Interview

Drehflügeltüren

Tür und Antrieb aus einer Hand

Unübersichtliche Kabel beim Einbau mechatronischer Drehflügeltüren schrecken manchen Metallbauer vor diesen Montagearbeiten ab. Wir haben beim Hörmann-Experten Tobias Heinrich nachgefragt, ob in den vergangenen zwei Jahren etwas vereinfacht wurde und worauf in punkto Elektrotechnik geachtet werden sollte.

metallbau: Welche Funktionen werden an den Stahlobjekttüren beziehungsweise an den Rohrrahmen-Objekttüren maximal über die Elektrotechnik gesteuert?

Heinrich: Die Elektrotechnik hält immer mehr Einzug in Türenelemente. Eines der wohl bekanntesten Bauteile ist der elektrische Türöffner, kurz E-Öffner genannt. Dieser gibt die Falle und somit den nicht verschlossenen Türflügel elektrisch frei. Durch E-Öffner lassen sich einfache Zutrittskontrollen realisieren. So kann in einem Mehrparteienhaus der E-Öffner per Gegensprechanlage oder im Objektbau durch einen Code-/Transpondertaster angesteuert werden.

metallbau: Worin liegt der Unterschied zum Motorschloss?

Heinrich: Bei diesen Schlössern können die Falle und der Riegel motorisch, bei Ansteuerung, eingezogen und die Tür geöffnet werden. Je nach Motorschlosstyp und Komplexität der Anforderung werden zusätzliche Motorschlosssteuerungen benötigt, welche teilweise als Schnittstelle zur Gebäudeleittechnik genutzt werden können. Am verbreitetsten sind Motorschlösser im Objekt- und Industriebau, wobei diese Schlösser mittlerweile auch vermehrt im privaten Wohnbereich beim Thema „Smart Home“ zu finden sind.

Der Einsatz eines Drehflügelantriebs erhöht den Begehkomfort von Türen deutlich und ist ein Lösungsansatz beispielsweise, wenn der Zugang barrierefrei sein soll. Wenn ein solcher Antrieb genutzt werden soll, ist eine unabdingbare Anforderung, dass das Türblatt zeitweise freigegeben wird, sodass sich weder Falle noch Riegel im Eingriff befinden und die Tür durch den Antrieb geöffnet werden kann. Eine Abfrage, ob der Riegel eingezogen ist, kann, je nach Schlosstyp, am Schloss selbst, oder durch einen Riegelschaltkontakt erfolgen. Die Ansteuerung eines Motorschlosses kann dabei je nach Komponenten durch den Antrieb übernommen werden, sodass teilweise auf eine zusätzliche Schlosssteuerung verzichtet werden kann. Auch ist es, je nach Drehflügelantrieb, möglich, eine BUS-Schnittstelle zu nutzen.

metallbau: Was ist mit den Sensorleisten, die Kollisionen mit Menschen oder Gegenständen verhindern?

Heinrich: Bei der Absicherungssensorik handelt es sich um ein weiteres Elektrobauteil. Die Sensorik wird auf der Öffnungs- und der Schließseite angebracht. Die Module werden jeweils durch das Türblatt miteinander verbunden. Ein Durchbohren des Türflügels zur Kabelverlegung muss durch den Türenhersteller freigegeben sein. Der Anschluss des Sensors erfolgt an der Antriebssteuerung.

metallbau: Herr Heinrich, könnten Sie ein bisschen die Kabelführung in der Türe und aus dem Türrahmen heraus erläutern?

Heinrich: Die Kabelführung des E-Öffners erfolgt bei unseren einflügligen Türen am Schlossstab. Bei zweiflügligen Elementen befindet sich der E-Öffner im Standflügel, die Kabelführung erfolgt verdeckt durch den Standflügel, der Kabelübergang, meist ebenfalls verdeckt, zur Zarge. Die Kabelführung des Motorschlosses erfolgt verdeckt durch den Türflügel mit einem verdeckten Kabelübergang zwischen Flügel und Zarge. Die Ansteuerung der Elektrobauteile zum Öffnen der Tür wird in den meisten Fällen durch einen potentialfreien Kontakt realisiert, welcher durch einen Taster oder beispielsweise durch ein Zutrittskontrollsystem zur Verfügung gestellt wird. Durch einen entsprechenden Funkempfänger ist eine Funkansteuerung ebenfalls eine gängige Ansteuerungsmöglichkeit. Das Produktportfolio erstreckt sich von Handsendern und Funktastern bis hin zu Code- und Transpondertastern.

metallbau: Gab es für die angesprochenen Türvarianten Vereinfachungen hinsichtlich der Verarbeitung von Elektrotechnik in den vergangenen zwei Jahren?

Heinrich: Bei der Absicherungssensorik konnten in der Vergangenheit deutliche Vereinfachungen im Hinblick auf die Montage und das Einlernen der Sensorik erzielt werden. Mittels einer Handbewegung kann bei verschiedenen Sensoren bereits die Größe des Erfassungsfeldes festgelegt werden. Bei der neusten Generation der Absicherungssensorik ist es, neben der Bewegungserkennung im kompletten Erfassungsbereich, möglich, virtuelle Taster einzuprogrammieren. Es wird dabei ein kleiner, fester Bereich programmiert, in dem eine Bewegung erkannt und ein Öffnungsimpuls erzeugt wird. Dadurch bietet sich die Möglichkeit, zusätzliche Hardwarekomponenten zur Ansteuerung zu reduzieren.

metallbau: Bei der Verarbeitung welcher elektrotechnischen Komponenten und Verkabelungen gibt es am häufigsten Probleme?

Heinrich: Die Automatisierung von Türanlagen bringt eine neue Dimension bei der Türmontage mit sich. Generell ist es ratsam, komplexere Türanlagen sukzessiv in Betrieb zu nehmen. So empfehlen wir beispielsweise im ersten Schritt, den Drehflügelantrieb ohne einprogrammierte Absicherungssensorik einzulernen. Es können dadurch Funktionsstörungen, die durch den Sensor verursacht werden, beispielsweise aufgrund nicht korrekter Einstellung, als mögliche Fehlerquellen ausgeschlossen werden. Um zusätzlichen Schulungsbedarf zu decken, wird bereits von den Herstellern ein breites Schulungsprogramm angeboten

metallbau: Welche Fachkenntnisse müssen Metallbauer vorhalten, um automatische Drehflügeltüren  zu installieren, montieren und warten zu können?

Heinrich:  Ein elektrotechnisches Grundverständnis sollte bei der Montage der Türen mit Elektrokomponenten vorliegen. So muss spätestens zum Montagezeitpunkt beispielsweise bewusst sein, wo welche Kabel der Elektrobauteile hingeführt werden sollen. Bei komplexeren Anlagen werden dafür Kabelverlegungspläne zur Verfügung gestellt. Der Anschluss der Kleinspannungskomponenten ist durch eine elektrisch unterwiesene Person oder jemanden mit vergleichbarer Ausbildung auszuführen. Der Anschluss an die Netzspannung muss von einer Elektrofachkraft durchgeführt werden. Dabei ist zu beachten, dass beispielsweise bei Feststellanlagen, Türantrieben oder Fluchtwegsicherungssystemen eine zusätzliche Zertifizierung durch den jeweiligen Hersteller nötig wird. Zum Teil werden diese ebenfalls durch uns in Kooperation angeboten.

metallbau: Welche Schulungen bietet Hörmann zur Verarbeitung von Drehflügeltüren an?

Heinrich: Wir bieten Produkt- und Montageschulungen an. Bei Ersteren stehen unsere einzelnen Produkte hinsichtlich Ausführungen, Neuerungen usw. im Fokus. Diese Schulungen können in Präsenz oder online absolviert werden. Unsere Montageschulungen finden in Präsenz in unseren Montagezentren statt. Dort vermitteln wir unseren Teilnehmenden die theoretischen und praktischen Inhalte, damit sie unsere Produkte zulassungskonform montieren und warten können.

Eine dieser Montageschulungen ist unter anderem eine Zertifizierungsschulung, in der Praxis und Sachkunde für automatische Drehtürsysteme vermittelt wird. Der Inhalt erstreckt sich in dem zweitägigen Kooperations-Seminar von den Produktinformationen über die gesetzlichen Grundlagen bis hin zu einer praktischen Montage und Inbetriebnahme. Unsere Teilnehmenden erlangen nach bestandener schriftlicher Prüfung die Berechtigung, die Hörmann HDO Drehflügelantriebe gemäß DIN 18650, DIN EN 16005, der Richtlinie ASR A1.7 und den haustechnischen Prüfverordnungen der Bundesländer abzunehmen sowie Prüfungen und Wartungen durchzuführen. Das Zertifikat hat eine Gültigkeit von vier Jahren.

Sofern der Drehflügelantrieb an einer Brandschutztür zum Einsatz kommt, wird ebenfalls die jeweilige Sachkundeprüfung für Feststellanlagen benötigt und von uns separat, wie auch die Zertifizierungsschulung, in Kooperation angeboten.

metallbau: Inwiefern haben sich die Montagefreundlichkeit und und die Einbauzeit durch die Anlieferung von Komplettpaketen optimiert?

Heinrich:  Um die Montage und Inbetriebnahme der immer vielfältiger werdenden Produkte so einfach wie möglich zu gestalten, liefern wir Tür und Antrieb aus einer Hand als aufeinander abgestimmtes Komplettpaket. Damit wollen wir unseren Kunden einen wirtschaftlichen Lösungsansatz bieten, der es ermöglicht, die Türanlage wesentlich einfacher und schneller zu montieren und in Betrieb zu nehmen. Um die montageseitigen Bedingungen für den Verarbeiter zu verbessern, liefern wir für unsere Elemente, wo es nötig ist, speziell konstruierte Montageplatten für die Antriebe mit. Wir bereiten nötige Arbeitsschritte bei uns im Werk vor, um den Aufwand bei der Montage zu minimieren. Die Montageschritte beschreiben wir zusätzlich in unseren Montagehinweisen, welche wir kontinuierlich an unsere Produkte anpassen und neueste Erkenntnisse einfließen lassen.

metallbau: Für welche Probleme bietet Hörmann welche Tools oder welchen Support?

Heinrich: Bereits in der Angebotsphase vereinfachen wir die Türkonfiguration durch eine automatisierte Plausibilitätsprüfung in unserem Angebots- und Auftragsprogramm iHAAS. Weiterhin unterstützen unsere fachkundigen Handelspartner und unsere Teams innerhalb der deutschlandweit 14 Vertriebsniederlassungen bei besonderen Anfragen. Darüber hinaus können wir den Kontakt zu den einzelnen Herstellern der verbauten Komponenten aufbauen. Sollte im Anschluss noch weiterer Support benötigt werden, sind wir mit einem eigenen Netz von speziell ausgebildeten Servicetechniker*innen deutschlandweit rund um die Uhr erreichbar.

www.hoermann.de

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