Interview mit Richard Weiß, Leitung Produktmanagement

„WICONA weiter ausbauen“

Bei der Hydro Building Systems GmbH endete am 31. Januar 2010 eine Ära: Gerd Weintz, Leiter Technisches Management, ging nach mehr als 37 WICONA-Jahren in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist der 48-jährige Betriebswirt Richard Weiß, der seit 1999 für HBS tätig ist. Im Interview mit metallbau äußert er sich über seine neue Aufgabe und zu den aktuellen Herausforderungen der Branche.

Herr Weiß, wie heißt Ihre neue Funktion als Nachfolger von Herrn Weintz genau?
Richard Weiß: Ich übernehme die Leitung Produktmanagement mit derzeit rund 20 technischen Mitarbeitern - Produktmanagern und Spezialisten.
 

Worin sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer neuen Funktion?
Richard Weiß: Es gibt drei Hauptaufgaben in dieser Position: Die technische Weiterentwicklung der Serien und die Steigerung der Marktbedeutung durch die bei WICONA praktizierte Kundennähe stehen vorne an. Dabei ist es wichtig, Trends frühzeitig zu erkennen und Innovationen zielgerichtet umzusetzen. Der zweite Schwerpunkt ist der Ausbau der Aktivitäten der WICONA-Akademie als Seminarinstitution für externe Partner und Mitarbeiter. Die  Weiterentwicklung des kunden- und marktorientierten Produktmanagements sehe ich als drittes Hauptbetätigungsfeld.
 
Welche inhaltlichen Akzente werden Sie setzen?
Richard Weiß: Die konsequente Produktentwicklung in Technik und Design sowie marktorientiertes Denken und Handeln stehen bei uns immer schon im Vordergrund. Hier werden wir wegen der allgemeinen Orientierung an internationalen Standards verstärkt an der Umsetzung arbeiten – für unsere Partner am Markt.  
Vor welchen besonderen Herausforderungen steht WICONA aus Ihrer Sicht in den nächsten Jahren?
Richard Weiß: 1. Serienfertigungen und Optimierung der Prozesse werden weiterhin auch in der Aluminiumbranche Einzug halten. Hierfür ist es von großer Bedeutung, den Metallbaupartnern entsprechendes Know-how in der Fertigungsoptimierung und entsprechende Maschinenkonzepte bieten zu können. Darauf wird sich Hydro Building System einstellen.
2. Durch kurze Lieferzeiten ist der Metallbaupartner erst in der Lage, kurzfristig Bauvorhaben umzusetzen. Hierfür sind wir der richtige Partner.
3. Energetische Ansprüche werden wachsen und somit die Ansprüche der Bauherren nach „Green Buildings“ und ressourcensparenden Materialien. Hierfür können wir bereits heute Lösungen bereitstellen. Diese gilt es zu optimieren.
 
Worin sehen Sie die Stärken der Marke WICONA, sich diesen Herausforderungen erfolgreich stellen zu können?
Richard Weiß: Das technische Know-how der Fachkräfte in der Zentrale Ulm und in den Verkaufsbüros vor Ort hilft unseren Metallbaupartnern, Architekten und Fachplanern, rechtzeitig auf Marktveränderungen reagieren zu können. Die Loyalität und Kollegialität aller Mitarbeiter zur Marke und die kooperative Führung durch das Management stärken die Marke auch nach innen. Dadurch können wir schneller sein als andere.  
Wo gibt es für ein Aluminium-Systemhaus wie Hydro Building Systems in der Technik noch Potenziale für Innovationen?
Richard Weiß: Schon in den 1980/90er-Jahren haben wir an der Erfüllung neuer, höherer Wärmeschutzanforderungen gearbeitet. Als die Energieeinsparverordnung 2002 in Kraft trat, waren unsere Produkte weit fortschrittlicher und technisch ausgereifter als andere Aluminiumsysteme. Der Ehrgeiz unserer Entwickler, die gesetzlichen Anforderungen und Eigenschaften in Bezug auf die  Bauphysik nicht nur zu erfüllen, sondern zu übertreffen, ist bis heute ein charakteristisches Ziel des Hauses. Diesen Leistungsanspruch gilt es zu erhalten und auszubauen. Ein Beispiel ist das doppelschalige Aluminium-Fenster TOPWINDOW, das am Markt eine Alleinstellung besitzt, obwohl es bereits seit 2007 am Markt etabliert ist. Die aktuelle Nachfrage nach mehr Behaglichkeit und Komfort fördert den Einsatz dieser Lösung. Dass Hydro Building Systems weitere Visionen im Köcher hat, haben wir auf der BAU 2009 mit unserem Prototypen WOW-Window dem Publikum gezeigt. Wir leben von Innovationen und werden diesen Bereich ständig erweitern.
 
Welche sonstigen Möglichkeiten sehen Sie, den Metallbauer noch besser auszustatten und zu unterstützen?
Richard Weiß: Das Ziel wird sein, durch Ausbau und Einsatz weiterer Maschinenkonzepte in kürzeren Fertigungszeiten die Kosten beim Metallbauer zu senken. Wir wollen die Systemkonstruktionen noch mehr vereinheitlichen (Unisys-Gedanke) und dadurch auch Lagerhaltung und Kostenbindung verringern. Hier sehen wir ein großes Potenzial bei unseren Partnern. Auch für die Vorfertigung unserer Aluminiumfassaden in der Produktion arbeiten wir an entsprechenden Kosteneinsparungsmöglichkeiten. Ergänzend zum Tagesgeschäft werden wir unseren im Jahr 2005 aufgebauten Objektvertrieb – die spezielle Abteilung für Vorfeldarbeit – weiter ausbauen und dadurch dem Metallbauer frühzeitigere Informationen zur Verfügung stellen.  
Welche Erwartungen haben Sie umgekehrt an die Kundengruppe der Metallbauer?
Richard Weiß: In der heute schnelllebigen Zeit ist es von großer Bedeutung, dass die bisher praktizierte Partnerschaft weiter im Vordergrund steht. Lieferantentreue und Vertrauen wird eine höhere Bedeutung erhalten. Damit ein Metallbaupartner zusätzliche Kosten der Lagerhaltung, der Softwarewartung, der Fertigungsabläufe vermeiden kann, ist es im Aluminiumfenster- und Fassadenbau nicht unbedingt erstrebenswert mit mehreren Systemhäusern zu arbeiten. Wir möchten durch ein ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis, rationelle Fertigungsmöglichkeiten und dem Partnergedanken unsererseits alles Wichtige für die Partnerschaft mit unseren Metallbaukunden tun – erwarten andererseits aber auch, dass unsere Partner ein entsprechendes Gleichgewicht auf die Waage bringen.
 
Worauf sollten sich Ihre Metallbaupartner einstellen? Richard Weiß: Der Klimawandel ist in vollem Gange. Hier werden sich die Metallbauer mit einschließen müssen. Die Anforderungen an Green Buildings (Zero-Energy-Gebäude, Leeds, DGNB) sind bereits eingeführt und werden von Bauherren, Generalunternehmern und Planern verstärkt berücksichtigt. Energieeffiziente Gebäude sollen Energieprobleme lösen. Hier werden und müssen wir als Systemhaus zukünftig mehr Aufklärungsarbeit leisten. Green IT (Hardware, Standby-Funktionen) oder Green Mobility (Mobilität, Transport) werden die ergänzenden Themen sein. Durch unsere EPD (environment product declaration) – integriert in unserer Software WICTOP - haben wir auch hier bereits die Grundlage für Vereinfachung geschaffen. Hier bleibt allerdings noch viel zu tun, auch für unsere Metallbaupartner.
 
Wie definieren Sie die Zusammenarbeit mit Planungsbüros und Architekten?
Richard Weiß: Die gute bis sehr gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren zeigt uns, dass der Weg zum Planer und Architekten richtig und notwendig war. Hierdurch ist es uns gelungen frühzeitig Trends und Ideen aufzuspüren. Unser neuer Slogan „Technik für Ideen“ bedeutet, dass es unser Ziel ist, die Ideen der Architekten in machbare, kostenbewusste Aluminium-Systemlösungen umzusetzen.  
Gibt es ein persönliches Arbeits- und Lebensmotto, einen Leitgedanken?
Richard Weiß: Einen Schritt schneller zu sein als andere und dadurch zum Erfolg des Unternehmens Hydro Building Systems und der Marke WICONA beizutragen. Sich nicht zu sehr von den Aussagen anderer beeinflussen zu lassen, sondern eine klare Vision und deren Strategie zu verfolgen – darum geht es mir.
 
Wir bedanken uns für dieses Gespräch und wünschen Ihnen in der neuen Position viel Erfolg. red $
 
 
Info + Kontakte
 
Hydro Building Systems GmbH
Söflinger Straße 70
89077 Ulm
Tel. +49 (0)731/3984-0
Fax +49 (0)731/3984-241
//info@hydro.com:info@hydro.com  www.wicona.de 
 

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