TURAL gießt im Auftrag historische Bauelemente

Schatzkammer für Metallbauer  

Historische Originalteile wie Zierelemente, Geländer, Säulen, Pfosten, Poller, Kappen, Glasleisten, Ringe oder Sockel füllen das Lager der Aluminium-Gießerei Tural. Wenn Metallbauer im Rahmen eines Auftrages derartige Bauelemente für den dekorativen oder technischen Bereich brauchen, werden sie bei dem Wiesbadener Traditionsunternehmen fündig.

 „Wir haben rund 500 Teile im Lager, die wir bei Bedarf in hochwertiger Qualität in Aluminium nachgießen können“, sagt Inhaber Manfred Russ. Der 69-jährige Maschinenbaumeister ist stolz auf seine umfangreiche Sammlung, die schon zahlreichen Bauherren und Architekten in der Not geholfen hat. Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus ist der Stilguss nach einem Original oder aus dem Modelllager historischer Originalteile nur ein kleiner Teil des Angebotsspektrums (siehe separater Textkasten „Das Unternehmen Tural auf einen Blick“). Dennoch kann die Wiesbadener Gießerei mit Fug und Recht behaupten, im Bereich Denkmalschutz bzw. bei der Herstellung original- und stilgetreuer Bauelemente Spezialist zu sein.
Seit Jahrzehnten sammelt Russ historische Originalteile, die er im Sandgussverfahren reproduzieren kann. Um das Lager zu füllen, halfen und helfen ihm seine Auftraggeber. „Wenn ein Kunde ein historisches Originalteil bringt, um es nachgießen zu lassen, behalten wir es als Muster. Der Kunde bekommt einen kostenlosen Ersatz für das Muster“, so Russ. Die Schätze aus seinen Lagerregalen finden vor allem im Denkmalschutz, bei der Restaurierung oder Sanierung von Gebäuden, Geländern, Zäunen, Pfosten und ähnlichem Verwendung. Allein in der näheren Umgebung des Betriebes ist der Bedarf an historischen Gebäudeverzierungen groß. So rekonstruierten die Gießer von Tural zum Beispiel einige Säulen, die das renovierte ehemalige Grand-Hotel „Rose“ schmücken. Das Gebäude beherbergt jetzt die hessische Staatskanzlei.
„Wir arbeiten eng mit Denkmalschützern zusammen“, weiß Russ. Er hilft aber auch Bauherren, Metallbauern und Architekten weiter. Wenn es Original-Vorlagen gibt, können diese aus Alu nachgegossen werden. Wenn jedoch das ursprüngliche Geländer oder die frühere Zaunspitze nicht mehr vorhanden ist, suchen die Experten von Tural in ihrem Lager nach etwas Passendem. Dabei ist der Chef mit Stilkunde behilflich.
Angeboten werden stets individuelle Lösungen. „Es ist zum Beispiel möglich, Stahlrohr in die Pfosten mit einzugießen und dadurch die Stabilität zu erhöhen. Diese sind von außen nicht zu erkennen, und die gewünschte Außen-Optik bleibt erhalten“, erläutert Manfred Russ. Auch wenn dieser Materialmix möglich ist, schwört Manfred Russ auf die Eigenschaften des Leichtmetalls. „Alu ist leichter, zugfester und nicht so spröde wie der Eisenguss“, vergleicht er sein Metier mit dem Eisenguss.
Dem Firmenchef ist die Zusammenarbeit mit den Metallbauern besonders wichtig. Denn: „Die Metallbauer fertigen und montieren die Geländer. Durch den engen Kontakt mit der Firma Tural kennen die Metallbauer die vielfältigen Möglichkeiten des Gusses und den großen Fundus mit Geländerfeldern, Treppenfüllstäben und historischen Pollern bei der Firma Tural.“ Es reicht auch, wenn Metallbauer oder Architekten mit Bruchstücken von Geländern oder Balkonteilen in die Werkstatt von Manfred Russ kommen.


Um die gewünschten Teile herzustellen, setzen die gelernten Handformer von Tural auf Einzelfertigung im Sandguss-Verfahren. Das Originalteil wird jeweils in der mit Modellsand gefüllten Ober- und Unterform abgebildet. Sind die Eingüsse dort an der richtigen Position, heißt es für die beiden Gießer Alex Riebel und Jurek Tarcz „Glück auf“: auf dass die Schutzpatronin, die Heilige Barbara, ihres Amtes walte.
Die beiden Spezialisten sind allerdings nicht auf höhere Kräfte angewiesen. Sie üben dieses Handwerk schon seit Jahren bei Tural aus und sind ein eingespieltes Team. „Ein Gießer lebt von seiner Erfahrung“, weiß Mitarbeiter Mathias Toischel, gelernter Maschinenbautechniker und als technischer Betriebswirt bei Tural tätig.
Verwendet wird Primäraluminium aus der Hütte. 780, maximal 800 Grad Celsius hat das flüssige Aluminium, wenn es mit der Gießpfanne aus dem Tiegelschmelzofen in die Form gegossen wird. Danach muss der Formkasten abkühlen - was recht unterschiedliche Zeitspannen sein können -, bevor das Ergebnis ans Tageslicht kommt und der vor Hitze dampfende Sand vom Gussteil entfernt wird.
„Für Farb- und Oberflächenwünsche können wir eine Vielzahl von Möglichkeiten anbieten, zum Beispiel alle RAL-Farbtöne bis hin zu 24-Karat-Vergoldung, natürlich je nach Einsatzbereich der Gussteile“, schildert Manfred Russ die Möglichkeiten des Oberflächen-Finish. Nach soviel liebevoller Handarbeit fügt sich jedes Bauelement nahtlos und formschön in seine Umgebung ein.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier: www.metall-markt.net

Gerne könne Sie auch die aktuelle Marktübersicht "Leichtmetallgießereien" per anfordern - oder sie sich hier als PDF herunterladen: Die Marktübersicht "Leichtmetallgießereien" finden Sie von S. 14 - 21

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