Zulieferbranche

Alukon produziert in neuer Halle

Hörmann Tochter expandiert

Im Mai 2018 wurde aus Schlotterer rollcom Bodelshausen Alukon, seit März diesen Jahres fertigen die 110 Mitarbeiter in der neuen Produktionshalle im 18 Kilometer entfernten Haigerloch. Das Produktspektrum umfasst Rollläden, Sonnen- und Insektenschutz.

Die gesamte Belegschaft von Schlotterer rollcom hat zu Alukon wechseln können. „Wir haben auf eine Übernahme gesetzt, nach der die Kunden die vertrauten Kontakte zu den Ansprechpartnern fortsetzen können“, betont Geschäftsführer Klaus Braun. Das Portfolio umfasst Vorbau-, Aufsatz- und Raffstoresysteme, ZipTex, Insektenschutz sowie Garagentore.

Die Prozessabläufe gemäß Industrie 4.0 sind überwiegend neu, über fortlaufende Umfragen wird die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter evaluiert, die hälftig in der Verwaltung beziehungsweise in der Produktion tätig sind. „Um auch Personal ohne Qualifikation einbinden zu können, haben wir Arbeitsschritte gezielt segmentiert“, erklärt Werksleiter Rafael Sussani.

Nach den Regeln des Lean Management hat der Hersteller die Zentrale in Konradsreuth und den Neubau in Haigerloch über digitale Schnittstellen umfassend vernetzt, wie Braun berichtet. Effiziente Unternehmensstrukturen forcieren baugleiche Maschinenanlagen und Produktionsabläufe an beiden Standorten. Der Geschäftsführer freut sich über die Erweiterung: „Bei Kapazitätsengpässen können sich die beiden Werke unkompliziert aushelfen.“

Mit zwei Lkws Transporten werden täglich Bauteile zwischen den rund 400 Kilometer entfernten Standorten ausgetauscht. „Die regionale Betreuung unserer Kunden fällt uns mit dem zweiten Werk in Baden-Württemberg leichter.“

Industrie 4.0

„Wir haben die Halle konsequent nach der Devise ‚Ware zum Mann‘ eingerichtet“, so Sussani. Was Alukon unter Industrie 4.0 versteht, erklärt der Werksleiter während der Presseführung. Die Produktion ermöglicht eine Fertigung von Stückzahl 1 bis hin zur Serienproduktion. Über Eckdaten zu Bauteil und Auftrag informiert der Barcode, die Fertigung ist papierlos. Am Bildschirm folgen die Mitarbeiter den Arbeitsschritten, die mit dem Öffnen der Losnummern angezeigt werden. Von Hightech-Werkzeugen wie Datenbrillen hat Alukon abgesehen, die Geräte können derzeit noch lange Ausfallzeiten haben. „Wir haben den Anspruch, dass sich 365 Tage innerhalb von acht Stunden sämtliche Produktionsausfälle beheben lassen“, betont Sussani.

Die lichte Industriehalle gliedert sich in drei Schiffe – die Produktion startet mit der Fertigung von Kunststoffprofilen für Rollläden. Auf kurzem Weg wird das Granulat von den etwa zehn Meter entfernten Silos in vier Extrusionsmaschinen eingeführt. Die gezogenen Stäbe werden symmetrisch geschlitzt, arretiert, abgeschnitten und mechanisch zum Rollladen ineinander befestigt. Die Maschinen sind hochautomatisiert und laufen ohne Bediener.

Schnelligkeit hat Priorität

An die Produktionslinie schließen seitlich zehn Montagearbeitsplätze an; jeder Monteur arbeitet mit seinem Werkstattwagen. Einer aus der Truppe kümmert sich um alle Problembauteile. „Indem wir Störungen schnell aus dem Prozessablauf separieren, wollen wir die Schnelligkeit der Produktion sichern“, erklärt Sussani. Für effiziente Abläufe sorgt auch der Mitarbeiter, der sich ausschließlich um das Auffüllen der Verbrauchsmaterialien kümmert. „Im Vergleich zur früheren Produktion in Bodelshausen sind im neuen Werk viele Prozess- optimierungen gelungen.“

Das Kommissionierungslager, ein Paternoster, steht zentral mittig; auf der einen Seite werden nach Vorgabe auf den Bildschirmen Bauteile eingelagert, auf der anderen Seite werden Teile ausgelagert. Das Hochregallager mit Langgut erstreckt sich fast über die gesamte Länge der Halle. Auf der einen Seite holt ein sechs Meter hoher unbemannter Stapler die Materialien aus den unzähligen Regalstellplätzen, die andere Seite ist für die Mitarbeiter zugänglich. An Deckenschienen laufen Warenträger, die die Bauteile durch die Halle transportieren – etwa vom Bereich der Montage in den der Verpackung. Dort wird eine Kartonschneidanlage eingesetzt, die individuelle Verpackungen zuschneidet und faltet. Im Sinne der Kunden werden alle Teile für ein Element in einem Karton kommissioniert. Die Positionsnummern der Kunden werden eins zu eins auf dem Versandgut abgebildet. Die Pakete für den Transport am nächsten Tag werden gegen Nachmittag über zwei Lkw-Rampen und ein Industrietor verladen.

Optimierte Vertriebsstrukturen

Die direkte Verkehrsanbindung an die Autobahn A 81 gewährleistet eine günstige Erreichbarkeit der Kunden und ermöglicht eine schnelle und zuverlässige Auslieferung der Produkte. Der Hersteller setzt auf eine firmeneigene Logistik. Das Vertriebsgebiet von Alukon Haigerloch umfasst die Wirtschaftsregion Baden-Württemberg, deutschlandweit gehören auch große Fensterbauer, Fertighaus- und Modulhauskunden zum Kundenkreis.

Das sehr breit aufgestellte Portfolio ermöglicht es, die Produkte in einer großen Variantenvielfalt für Neu- und Bestandsbauten anzubieten und individuelle Kundenwünsche umzusetzen. Mit seinen Systembauteilen und Fertigelementen verfügt Alukon über Vertriebsstrukturen, die Konfektionäre, Handwerks- und Montagebetriebe beziehungsweise direkt die Endkunden erreichen. „Wir passen uns an die jeweils landesspezifischen Vertriebsstrukturen an“, hebt Braun hervor. 50 Prozent der Produkte werden inzwischen exportiert.

Ausblick

Mit drei Mitarbeitern im Jahr 1974 gestartet, beschäftigt das Unternehmen heute insgesamt über 500. Der neue Produktionsstandort bietet mit einer Gesamtfläche von 38.000 m² noch viel Platz für Wachstum. Zunächst sind auf ca. 8.500 m² in einer Bauzeit von nur 13 Monaten neben einer Produktions- und Lagerhalle neue Büros, eine Produktausstellung und Schulungsräume entstanden. Mit rund 2.200 Schulungsteilnehmern pro Jahr bereitet Alukon auch über die Geschäftspartner den Markt für den fachgerechten Einbau seiner Produkte gut vor. Die Voraussetzungen für Alukon sind sehr gut, den Trends wie Smart Home und Sonnenschutz zu folgen. Derzeit werden bereits ca. 40 bis 45 Prozent der Produkte motorisiert ausgeliefert. In Sachen Sonnenschutz hält Braun Deutschland für einen Nachzügler. „Wir lernen aber von den Österreichern und Franzosen.“ Er ist überzeugt: „Künftig werden Gebäude ohne Sonnenschutz für Nutzer nicht mehr interessant sein.“ Mit einem eigenen Raffstoresystem hat sich Alukon im Jahr 2018 in diesem Segment neu positioniert und hat vom Händler zum Hersteller umgesattelt.

Thematisch passende Artikel:

Eine Marke: Alukon & Schlotterer rollcom

Die Sonnenschutzsparte der Hörmann Gruppe wächst zusammen: Ab Mai 2018 werden die Unternehmen Alukon und Schlotterer rollcom gemeinsam unter der Marke Alukon am Markt agieren. Rechtlich bleiben...

mehr

Hörmann übernimmt Schlotterer Rollcom

Die Hörmann Gruppe hat eine weitere Akquisition getätigt: Durch den Erwerb der Unter-nehmensgruppe Schlotterer Rollcom mit Hauptsitz in Bodelshausen bei Tübingen erweitert Hörmann seine...

mehr
Ausgabe 2018-04 Interview

Klaus Braun von Alukon

„Unser Markt wächst, darauf sind wir vorbereitet.“

metallbau: Haben sich denn mit Vergrößerung der R + T durch die Halle 10 die Kosten für den Messestand erhöht? Klaus Braun: Nein, es hat eine Anpassung gegeben, die der Inflationsrate entspricht,...

mehr

Schlotterer freut sich über Exportwachstum

Mit einem Umsatz von 54,6 Millionen Euro verzeichnet Schlotterer Sonnenschutz Systeme im Geschäftsjahr 2015 ein Umsatzplus von 2 % gegenüber 2014 (53,5 Mio.). So die Wirtschaftszahlen in der...

mehr

Schlotterer mit FLG Lieferanten-Oscar 2013 ausgezeichnet

Schlotterer Sonnenschutz Systeme aus Adnet wurde von der Fenster-Leistungsgemeinschaft (FLG) mit dem „FLG Lieferanten-Oscar 2013“ ausgezeichnet. Österreichs Marktführer für außenliegenden, nicht...

mehr