Das Dorf der Sonnenuhren

Zeitmesser aus der Metallwerkstatt

Sonnenuhren − die ältesten Zeitmesser der Menschheit, haben schon immer sowohl Künstler als auch Handwerker inspiriert. Es existiert eine unüberschaubare Vielfalt an Formen und Ausführungen, vom behauenen Stein über gemalte Wand-Sonnenuhren bis hin zu kunstvollen Metallobjekten. In Birkenau bei Weinheim gibt es einen Sonnenuhrengarten.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren Sonnenuhren zur Korrektur der noch ungenauen Räderuhren in Gebrauch. Auf vielen Kirchendächern fanden sich kleine Metall-Sonnenuhren zum Abgleich der Turmuhr.

Auch wenn uns heute sehr viel genauere und spezialisierte Zeitmesser zur Verfügung stehen, spielen die Sonnenuhren immer noch eine Rolle als Ziergegenstände in Gärten und Parks, als Schmuck an privaten und öffentlichen Gebäuden oder als monumentales Denkmal mit Zusatzfunktion.

Daher verwundert es nicht, dass gerade im Metallhandwerk der Bau einer Sonnenuhr mit zu den beliebtesten Meisterstücken zählt. Dabei wird neben dem großen handwerklichen Können auch das künstlerische Geschick gefordert, dazu kommen Kenntnisse in Mathematik und Astronomie, ohne die die korrekte Konstruktion eines lautlosen Zeitmessers nicht möglich ist.

Historie der Sonnenuhr

Die ersten Sonnenuhren gab es bereits vor über 3000 Jahren in Ägypten und in China. Diese waren primitive Vorläufer mit meist horizontalem Schattenstab, deren Genauigkeit von der Jahreszeit abhing. Erst viele Jahrhunderte später, zur Zeit der Kreuzzüge, erkannte man, dass der Schattenstab im Winkel des jeweiligen Breitengrads und mit Nord-Süd-Ausrichtung angebracht werden muss, um ganzjährig die richtige Zeit anzuzeigen.

Historische Sonnenuhren findet man auch heute noch häufig an Kirchen oder mittelalterlichen Burgen. Oft ist deren Zeiteinteilung gleichmäßig, sogenannte kanonische Stunden, deren Länge von der Jahres- und der Tageszeit abhing und damit aufgrund des Sonnenlaufs sehr unterschiedlich war.

Im Laufe des Mittelalters waren Reisesonnenuhren sehr beliebt. Diese, meist als Klapp-Sonnenuhr konstruierte Variante enthielt oft einen Kompass, mit dem die Nord-Süd-Ausrichtung bestimmt werden konnte. Ein Faden, der beim Aufklappen gespannt wurde, bildete den Schattenstab. Oftmals waren sie besonders schön verziert.

In der Zeit der Renaissance entwickelten sich die Sonnenuhren weiter. Insbesondere in herrschaftlichen Parks fanden sich neben kunstvollen Steingebilden auch immer wieder monumentale Metall-Sonnenuhren, die in ihrer Form an die Erdkugel erinnern (sogenannte äquatoriale Sonnenuhren). Das Ziffernband liegt dabei parallel zur Äquatorebene, der Schattenstab entspricht der Lage der Erdachse und der Winkel zwischen den Stundenmarken beträgt 15°.

Metallbaumeister Hubert Lenz

Eines dieser großartigen Meisterstücke hat auch Hubert Lenz von der Firma Metallbau Lenz in Weinheim vor über 50 Jahren im Rahmen seiner Ausbildung am BFM, dem Bundesfachzentrum für Metall und Technik in Northeim angefertigt. Jahrzehntelang schmückte die große Äquatorial-Sonnenuhr das Firmengebäude. Vor Kurzem entschloss sich Hubert Lenz dazu, seine Sonnenuhr dem Sonnenuhrenverein Birkenau als Dauerleihgabe zu überlassen. Die monumentale Äquatorial-Sonnenuhr aus eloxiertem Aluminiumblech und eingravierten, schwarz ausgelegten Ziffern mit der Identnummer 19201 gehört nun der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie und hat einen Ehrenplatz im Birkenauer Sonnenuhrengarten gefunden. Dort kann sie auf einem Sonnenuhren-Spaziergang bewundert werden.

200 Sonnenuhren in Birkenau

Birkenau, das Dorf der Sonnenuhren, liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Weinheim. Dort besteht eine jahrzehntelange Sonnenuhren-Tradition. Vor über 70 Jahren baute dort der Regierungsbaumeister Otto Seile seine erste Sonnenuhr. Nachbarn und Freunde waren begeistert und so entstanden im Laufe der Jahre mehr als 70 Sonnenuhren in Birkenau aus seiner Hand, viele davon ebenfalls aus Schmiedeeisen. Heute zählt man in Birkenau auf einer Fläche von 24,56 km² über 200 Sonnenuhren, damit hält der Ort im Odenwald den Weltrekord der größten Sonnenuhren-Dichte.

www.lenz-metallbau.de

Förderprogramm

Die Deutsche Gesellschaft für Chronometrie, Fachkreis Sonnenuhren, bietet ein Förderprogramm zur finanziellen Unterstützung bei Restaurierung oder Neuanfertigung von Sonnenuhren im öffentlichen Raum an. Falls Ihr Betrieb auf eine Restaurierung angesprochen werden sollte, können Sie darauf verweisen. Informationen und Antragsformular:

www.fksu.de 

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