Kindergarten in Metallschale

KfW-Effizienzhaus 55 in Weimar

Vier Firmen haben sich für den Bau eines Betriebskindergartens in Weimar zusammengetan. Nach zehn Monaten Planung und elf Monaten Bauzeit konnte der Kindergarten „Gipfelstürmer“ im Oktober 2019 eröffnet werden. Dach Schneider Weimar war mit der vorgehängten hinterlüfteten Fassade beauftragt, samt Dacheindeckung und Einbau von drei Wohnraumdachfenstern. Das Auftragsvolumen betrug ca. 200.000 Euro.

Frühzeitige Absprachen unter den Gewerken haben die zügige Umsetzung des Neubaus unterstützt. „Weil unser Betrieb früh in die Planung einbezogen wurde, konnten Schnittstellen mit Fremdgewerken wie Fensterbau, technische Gebäudeausrüstung und Außenanlagen bereits vor der Ausführung klar definiert werden“, berichtet Michael Schneider, Geschäftsführer von Dach Schneider Weimar.

Der straffe Zeit- und Finanzierungsplan des Bauvorhabens beeinflusste die Wahl der Bauweise. Das eingeschossige Gebäude wurde als Holzständerbau auf einer Plattengründung errichtet. Eine Unterkellerung war nicht nötig. Die Innenwände wurden als Holzständerwände mit zum Teil holzsichtiger Oberfläche oder als Trockenbauwände ausgeführt. Abgehängte Akustikdecken verbessern die Hörsamkeit in den Kita-Räumen.

Dach- und Fassadenbau

Die äußere Gestaltung des Betriebskindergartens greift Motive von Industriearchitektur auf. Das Dach wurde als Shedkonstruktion ausgeführt. Dacheindeckung und Außenwandbekleidung erfolgten mit profiliertem Metallblech. Großzügige „Schau“-Fenster stellen den Bezug zwischen innen und außen her, sodass der Garten aus den Gruppenräumen heraus erlebbar wird. Das Gebäude erfüllt den Energiestandard KfW-Effizienzhaus 55.

Die Aufgabenstellung an die Gebäudehülle wurde im Dialog zwischen Fachbetrieb für Dach- und Fassadenarbeiten und Architekt spezifiziert, die Wahl fiel auf eine „einfache Schale“ für den wertigen Kern.

Auf die 800 m² große Dachfläche wurde eine brandlastreduzierte, kaltselbstklebende Dampfsperrbahn sowie eine besonders diffusionsoffene Alujet Unterspannbahn Rooftop Blue SK aufgebracht. Für einen optimalen Wetter- und Wärmeschutz wurde eine Konstruktion aus 200 mm Schrägdach-Aufsparrendämmung, eine Holzlattung (200 mm) und eine farbige Stahltrapezblecheindeckung 35/207/0,75 mm RAL 9007 graumetallic von ArcelorMittal verwendet. Die Entwässerung des Dachs (73 m) erfolgt teils über außenliegende Regenrinnen, wie auch über vor Ort erstellte und abgedichtete Grabenrinnen und beheizte Gullies in den Dachkehlen.

Ins Dach wurden drei große Dachoberlichter aus einer Kombination von je drei Velux Wohnraumdachfenstern Thermostar Integra mit Lüftungsfunktion, Motorsteuerung, Kombieindeckrahmen und Hitzeschutzmarkisen integriert.

Die VHF

Die horizontal und vertikal verlaufende Aluminium-Unterkonstruktion für die ca. 400 m² große vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) hat eine Ausladung von ca. 200 mm. Die Aluminium-Z-Profile hat Dach Schneider Weimar als Kantteile selbst hergestellt, die Wandkonsolen VECO-G-LS und VECO-A-L3 für die Befestigung stammen von der Firma GIP.

Die insgesamt 400 m² große VHF-Fassade mit vertikal verlegten Aluminiumwelltafeln – Sinuswelle 18/76 in 0,7 mm Blechstärke RAL 9007 − klimatisiert mit großzügigem Hinterlüftungsraum die Holzständeraußenwand optimal. Die sichtbare Verschraubung aller Bekleidungsteile mit kopflackierten Dichtschrauben verleiht dem Gebäude den industriellen Charme, markante Fensterumrahmungen aus beschichteten (RAL 9007) 2 mm dicken Aluminiumkantblechen durchbrechen die linearen Strukturen. Als Vorleistung für die Landschaftsgärtner hat der Fassadenbauer auch die Sockelabdichtung und Perimeterdämmung geleistet.

Für die Montage hat Dach Schneider Weimar auf 600 m² Fläche Arbeits- und Schutzgerüste einschließlich Dachfangschutz und Netze installiert. Die Arbeiten wurden mit einem eigenen Mobilkran ausgeführt.

Abgestimmt: Architektur und Kita-Konzept

Im Sommer 2017 starteten die Unternehmen mit der Suche nach einem geeigneten Grundstück. Die vier Unternehmen wollen mit dem neuen Kindergarten ihren Angestellten Kindergartenplätze mit flexiblen Betreuungszeiten bieten und so die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen. Zudem soll das Angebot ein Bonuspunkt bei der Gewinnung neuer Fachkräfte sein. Als Betreiber der Einrichtung konnte der Trägerwerk Soziale Dienste e. V. gewonnen werden.

Eine ruhige Lage, viel Grün, die Nähe zu den Firmensitzen sowie die gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem Pkw waren wichtige Standortfaktoren. Die Wahl fiel auf ein Grundstück am Rande des Gewerbegebiets „Kromsdorfer Straße“ in Nachbarschaft der Kletterhalle Weimar – daher der Name „Gipfelstürmer“ für den Betriebskindergarten.

Das Konzept des Kindergartens stellt die unterschiedlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kinder in den Mittelpunkt und fördert diese individuell. Die Kinder können sich relativ frei im Haus bewegen und selbstbestimmt den Raum wählen, der sie interessiert und in dem sie sich aufhalten möchten.

Ziel der Architekten war es deshalb, ein Gebäude mit einer einfachen, klaren Struktur zu schaffen, in der sich die Kinder gut orientieren können. Die Einrichtung unterteilt sich in einen Kindergartenbereich für 60 Kinder, einen Krippenbereich für 12 Kinder und einen gemeinschaftlich genutzten Bereich mit Foyer, Verwaltung und Kinderrestaurant. Jeder Bereich hat ein durch ein Oberlicht erhelltes Zentrum.

Neben seiner Klarheit und Übersichtlichkeit besticht der Entwurf durch Flexibilität und Nachhaltigkeit. Die Gruppenräume des Kindergartens sind neutral gestaltet und für wechselnde Angebote nutzbar. Die Kinder können zwischen einem Bewegungsraum mit Kletterwand, einem Kinderlabor, einem Raum für Rollenspiele und einem Bauraum wählen. Großzügige Innenverglasungen gewähren Einblicke in die Gruppenräume. Sie erleichtern den Kindern die Auswahl von Spielangeboten und den Betreuern die Beaufsichtigung. Zentraler Treffpunkt des Hauses ist das Kinderrestaurant mit der Ausgabe- und Mitmachküche, wo sich die Kinder unter Aufsicht selbst als Koch oder Bäcker versuchen können. Das Restaurant kann bei schönem Wetter um Sitzgelegenheiten auf der Gartenterrasse erweitert werden. ⇥red

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