Wendefenster nach historischem Vorbild

Kreisverwaltung Kaiserslautern

Das Amtsgebäude der Kreisverwaltung Kaiserslautern wurde Ende der 1950er-Jahre errichtet und mit seinerzeit typischen Wendefenstern ausgestattet. Diese wurden im Zuge der energetischen Sanierung von Metallbau Klippel aus Binsfeld mit dem Stahlprofilsystem Janisol HI von Schüco Stahlsysteme Jansen originalgetreu rekonstruiert.

In seiner formalen Schlichtheit ist das Amtsgebäude der Kreisverwaltung Kaiserslautern kaum zu übertreffen. Eine streng gegliederte Natursteinfassade und für die Bauzeit typischen Wendefenster charakterisieren das L-förmige Ensemble aus sechsgeschossigem Haupttrakt und dreigeschossigem Nebentrakt, das mit einem zurückgesetzten Pagodengeschoss und dem scheinbar darüber schwebenden Flugdach das Ortsbild prägt. Als typischer Vertreter der Nachkriegsmoderne steht das Gebäude seit 1993 unter Denkmalschutz. Dass es trotz der zur Bauzeit beschränkten Mittel mit einer Natursteinfassade versehen wurde, unterstreicht seine Wertigkeit ebenso wie die seinerzeit – und heute wieder – angesagten Wendefenster aus Stahlprofilen.

Denkmalgerechte Fassadensanierung

Sechzig Jahre nach seiner Erbauung war eine grundlegende Sanierung des Amtsgebäudes unumgänglich. Die Natursteinverkleidungen waren abgängig und auch die für die Nachkriegsmoderne charakteristischen Wendefenster nur noch eingeschränkt funktionstüchtig – ganz abgesehen davon, dass das gesamte Gebäude heutigen bauphysikalischen Anforderungen schon lange nicht mehr entsprach. Wurde zu Beginn des Projektes noch untersucht, ob die Bausubstanz entsprechend ertüchtigt werden könne, so war schnell klar, dass ein Aufarbeiten allein nicht zu dem gewünschten Ergebnis führen würde. „Ein Denkmalschutzbegriff, der den Substanzerhalt in den Vordergrund stellt, greift in solchen Fällen zu kurz“, erläutert Astrid Wuttke von Schneider + Schumacher, Frankfurt, die Entscheidung für Abbruch und Wiederaufbau einer komplett neuen Fassade. „Denkmalgerecht sanieren bedeutet hier, den Spirit der Entstehungszeit zu erhalten, ohne dabei auf den Komfort von heute zu verzichten.“

In Zusammenarbeit mit der Firma ods, office for structural design in Frankfurt, entwickelten die Architekten ein Sanierungskonzept, bei dem die Gebäudehülle energetisch saniert und der Komfort hinsichtlich Raumklima, Akustik und Lärmschutz sowie Nutzerfreundlichkeit unter Berücksichtigung der Denkmalschutzauflagen den zeitgemäßen Anforderungen entsprechend hergestellt wurde. Mit der neuen Natursteinbekleidung aus Muschelkalk als vorgehängte, hinterlüftete Fassadenkonstruktion und Wendefenstern aus einem thermisch getrennten Stahlprofilsystem kamen bei der Rekonstruktion ebenso hochwertige wie langlebige Systeme zum Einsatz.

Wendefenster nach originalem Vorbild

Die Firma Metallbau Klippel aus Binsfeld fertigte die insgesamt 180 Wendefenster des ersten Bauabschnitts mit einem fest stehenden Unterlicht und darüber liegendem Öffnungselement als objektspezifische Sonderlösung aus dem hoch wärmedämmenden Stahlprofilsystem Janisol HI. Es war der ausgesprochene Wunsch der Architekten, die Ansichtsbreiten so weit wie möglich zu minimieren, um dem originalen Vorbild möglichst nahe zu kommen. Das Stahlprofilsystem Janisol HI gewährleistete die Beibehaltung der wesentlichen Parameter wie Profiltreue, Proportion und Materialität und ermöglichte zudem den Wechsel der Profil-Ansichtsbreiten im unteren und oberen Drehlager: Auf der (von innen betrachtet) rechten Flügelhälfte setzt ein breites Flügelprofil auf einen schmalen Blendrahmen auf; auf der linken Flügelhälfte ein schmales Flügelprofil auf einen zurückgesetzten Blendrahmen.

Um die gewünschten einheitlichen Ansichtsbreiten des seitlichen Rahmenprofils des festverglasten Unterlichts und der Blendrahmen-Flügelkombination des darüber liegenden Wendeflügelbereichs zu erreichen, musste zunächst einmal ein Verbundprofil hergestellt werden, da es dieses nicht als fertiges Profil gibt. Das Verbundprofil besteht aus zwei wärmeisolierten Kastenprofilen und darauf aufgelegten Stahlblechen, die durch verschliffene Lochschweißungen miteinander verbunden wurden und dann die Innen- und Außenschale bilden. Die handwerkliche Kunst bei solchen Schweißkonstruktionen besteht darin, die unvermeidbaren Schweiß-Verzüge an den Profilstößen sowie an den Lochverschweißungen der Verbundprofile im Sinne der Formhaltung der Gesamtkonstruktion zu berücksichtigen. Diese handwerkliche Kunst erfordert jahrelange Übung und ist im vorliegenden Ergebnis im besonderen Maße gelungen. Der Prototyp wurde Bauherrn und Architekten auf der Baustelle vorgestellt und abgenommen.

Sonnenschutz: Innenliegende Mikrolamellen

Ein innenliegender Hochleistungsbehang in Form von Mikrolamellen gewährleistet sowohl Sonnenschutz als auch Blendschutz und Tageslichtlenkung. Die Seilführung des Mikrobehangs ist in der Glasleiste integriert und wird motorisch betrieben. Die Stromzufuhr erfolgt über das eigens hierfür entwickelte Drehlager, welches mittig einen Durchlass für die Verkabelung bietet.

Zur viel befahrenen Lauterstraße hin erhielten die Fenster eine Schallschutzverglasung, was – in Kombination mit dezentralen Lüftungselementen, die unsichtbar in den neuen Fassadenaufbau integriert sind – hohen Schallschutz gegen Außenlärm gewährleistet. Immer öfters werden Metallbauer mit dem Einbau dezentraler Lüftungstechnik in Fenstern beauftragt.

Alle Fenster lassen sich von den Nutzern nach Belieben öffnen. Die gewählte Doppelgrifflösung mit einem Griff auf dem Blendrahmen und einem weiteren Griff auf dem Flügel schließt das Fenster beidseitig absolut dicht. Bei den Griffen handelt es sich um Beschläge aus dem Stahlprofilsystem Janisol Arte, die dem Wunsch der Architekten nach einem schlanken Beschlag besonders gut entsprechen. Dass sie sich ohne Weiteres mit Janisol HI kombinieren lassen, belegt einmal mehr die Flexibiliät der Stahlprofilsysteme aus dem Hause Jansen.

Das Eingangsportal

Ein weiteres Augenmerk der Architekten galt der Gestaltung des Haupteingangs an der Lauterstraße. Das Eingangsportal mit der bauzeittypischen Mehrfarbigkeit fertigte Metallbau Klippel aus dunkel pulverbeschichteten Stahlprofilen der Serie Janisol mit Applikationen aus hell pulverbeschichteten Aluleisten. Die zweiflügelige Glastüre mit Vollpanikfunktion wird von zwei feststehenden Glaselementen und einem Oberlicht gefasst. An der Fassade wurde spanischer Travertin mit Intarsien aus Mooser Muschelkalk kombiniert und auch die ursprüngliche Briefkastenfront wieder integriert.

Fazit

Nach Abschluss der Arbeiten präsentiert sich das Hauptgebäude der Kreisverwaltung Kaiserslautern in der vertrauten Ansicht, aber mit merklich gesteigertem Komfort für Mitarbeiter und Besucher. Zusätzlich zur Fassade wurde auch innen ein ganzes Bündel von Sanierungsmaßnahmen umgesetzt: Unter anderem wurden IT-Infrastruktur und Elektrik erneuert, eine LED-Beleuchtung installiert und nicht zuletzt der Brandschutz optimiert, mit zusätzlichen Rettungswegen für die Sitzungssäle. In einem zweiten Bauabschnitt sollen nun die Fassade des Staffelgeschosses und das obere Flugdach saniert werden. Diese Maßnahmen wurden jedoch aus Kostengründen bisher zurückgestellt.

Metallbau Klippel

Das Unternehmen Metallbau Klippel in Binsfeld wurde Mitte der 1960er-Jahre gegründet und hat sich im Bereich der Metallverarbeitung zum Spezialisten für Fenster, Fassaden und Türen sowie Rauch- und Brandschutztüren aus Aluminium und Stahl entwickelt. Auch beschuss- und sprengwirkungshemmende Elemente zählen zum Leistungsprofil, das in einem Radius von circa 250 Kilometern angeboten wird.

„Im Fall des Kreishauses Kaiserslautern handelte es sich um eine öffentliche Ausschreibung, die wir für uns gewinnen konnten“, erläutert Geschäftsführerin Marion Klippel-Hardt, die den Betrieb von ihren Eltern übernommen hat und in zweiter Generation mit Ehemann Hans-Josef Hardt führt. „Nachdem der Systemgeber Schüco Stahlsysteme Jansen bereits im Vorfeld für die Planer beratend tätig war, haben wir auf diese Planung aufgesetzt und die Wendefenster aus dem hoch wärmedämmenden Stahlprofilsystem Janisol HI gefertigt.“
Stahlsysteme machen rund 20 % des jährlichen Umsatzes des mittelständischen Familienbetriebs aus. In der Fertigungshalle stehen hierfür zwei Bearbeitungszentren mit CNC-gesteuerten Doppelgehrungssägen und Schweißtischen zur Verfügung. Aufgrund der Tatsache, dass es für den Typus „Wendefenster“ keine Standardlösung vonseiten des Systemgebers gab, wurde zunächst in enger Zusammenarbeit mit der Entwicklungsabteilung von Schüco Stahlsysteme Jansen ein Prototyp angefertigt. „Der Auftrag war äußerst anspruchsvoll und erforderte einen hohen planerischen und fertigungstechnischen Aufwand, insbesondere im Hinblick auf die Lagerung und die Kinematik des Wendeflügels. Für den außenstehenden Betrachter sollte optisch kein Unterschied in den Profilansichtsbreiten zwischen dem feststehenden Unterlicht und dem darüber liegenden Wendeflügel wahrnehmbar sein.“ Erreicht wurde dies durch einen Wechsel der Ansichtsbreite des Profils im unteren und oberen Drehlager: Auf der (von außen betrachtet) linken Flügelhälfte setzt ein schmales Flügelprofil auf einen zurückgesetzten Blendrahmen auf; auf der rechten Flügelhälfte ein breites Flügelprofil auf einen schmalen Blendrahmen. Der Prototyp wurde Bauherrn und Architekten auf der Baustelle vorgestellt und von diesen abgenommen.

Rund anderthalb Jahre vergingen von der Anfertigung des Prototyps bis zum Abschluss des ersten Bauabschnitts, in dessen Rahmen 180 Wendefenster am Kreishaus Kaiserslautern unter Einbezug der Denkmalpflege nach historischem Vorbild erneuert wurden. Auch in den zweiten Bauabschnitt, der Sanierung des Staffelgeschosses und des bauzeittypischen Flugdaches, wurde das Unternehmen einbezogen und hat etliche Türen aus Aluminium erneuert: Eine bessere Referenz als die erneute Beauftragung nach einer komplexen Zusammenarbeit gibt es kaum.

www.metallbau-klippel.de

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