Veranstaltungsbericht

Im Rückblick: AMFT-Fachseminar

Kultur des digitalen Miteinanders

Beim jüngsten „Metallbau – Update“ in Wien tauschte sich die österreichische Szene der Metallbau-Unternehmen zu aktuellen Themen der Branche aus. Im Fokus stand dabei insbesondere das Miteinander im digitalen Zeitalter.

Die Arbeitsgemeinschaft der Hersteller von Metall-Fenster/Türen/Tore/Fassaden AMFT hatte in Kooperation mit dem Aluminium-Fenster-Institut AFI und der Bundesinnung der Metalltechniker zu einem eintägigen Fachseminar in der Wirtschaftskammer Österreich geladen. Dabei ging es etwa um Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung hinsichtlich eines kollaborativen Zusammenwirkens am Bau, der Kommunikation innerhalb der Branche sowie der Präsentation von Unternehmen nach außen. Das Fazit des Tages lautete: Die Metallbaubranche Österreichs ist zwar noch nicht flächendeckend in der Industrie 4.0 angekommen, sie hat sich jedoch entschlossen auf den Weg gemacht und setzt sich dabei tiefgehend mit relevanten Themen auseinander.

Mehr als BIM

So ging Wolfgang Kradischnik in seinem Vortrag „Kollaboratives Zusammenwirken am Bau im digitalen Zeitalter“ nicht etwa, wie der Titel vermuten lassen würde, primär auf die technischen Möglichkeiten von BIM-basierten CAD-Anwendungen ein. Vielmehr referierte der Initiator und Vorstand der IG Lebenszyklus Bau über die Bedeutung einer Kultur des Miteinanders beziehungsweise Partnerschaftlichkeit in Bauprojekten, welche ihm zufolge in einer stets komplexer werdenden und von fortschreitender Digitalisierung geprägten Zeit immer wichtiger wird. Mit der Präsentation von Studienergebnissen, aus denen ein eindeutiger Zusammenhang zwischen einer hohen Kultur des Miteinanders und dem Projekterfolg hervorgeht, unterlegte er dies anschaulich. Anstatt eines von den Verfassern der Studie angenommenen linearen Verlaufs (je höher die  Kultur umso größer der Erfolg) stellte sich jedoch Folgendes heraus: Während eine hohe Kultur des Miteinanders mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Projekterfolg führt und deren Fehlen Misserfolge begünstigt, gibt es im Mittelfeld eine sehr breite Streuung. Das bedeutet, im Mittelfeld ist alles möglich. Ein Projekt kann zwar durchaus erfolgreich sein, kommt es jedoch zu Störungen, läuft es sehr schnell Gefahr zu scheitern.

Die perfekte Datenwelle

Den drastischen Umbruch durch neue hard- und softwaretechnische Möglichkeiten im Zuge der Digitalisierung verglich Kradischnik mit einer gewaltigen Welle, auf der es sich empfiehlt reiten zu lernen, wenn man nicht Gefahr laufen möchte, von ihrer vollen Wucht erfasst zu werden. Nichtsdestotrotz erinnert er, dass es trotz wachsender Bedeutung digitaler Tools am Ende immer um Menschen geht, wobei innovative Methoden der Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden, Stichwort BIM, auch ein anderes prozessuales Miteinander im Projekt erfordern. Laut Kradischnik eröffne dies Möglichkeiten, die schlussendlich mehr Transparenz für alle Beteiligten zur Folge hätten.

Effizienz und Transparenz durch E-Vergaben

Wie die fortschreitende Digitalisierung für mehr Transparenz und auch Effizienz sorgt, zeigt sich etwa am Beispiel der E-Vergabe. Seit 18. Oktober ist sie für den Oberschwellenbereich europaweit verpflichtend eingeführt worden. Für Unternehmensberater Peter Jakubitz Grund genug, in seinem Vortrag beim Metallbau – Update insbesondere auf die praktische Anwendung von E-Vergabeportalen einzugehen. Laut dem Autor des Leitfadens „Fit für den Wettbewerb“ stecke die Branche immer noch in einer linearen Denkweise fest, in der Ausschreibung, Angebotslegung, Auswertung und Zuschlag als einzelne, aufeinanderfolgende Aktionen betrachtet werden. Die Wirklichkeit sei jedoch um einiges komplexer. Anlass zur Hoffnung gebe nun das neue Bundesvergabegesetz 2018, das es im Rahmen der sogenannten Innovationspartnerschaft erlaube, für besonders innovative Gegenstände (dies sei die Einschränkung) nach den Grundsätzen der Transparenz, Nichtdiskriminierung und Gleichbehandlung Verfahren im Wesentlichen selbst zu gestalten. Dies erlaube deutlich mehr Kommunikation und ein Stück weit auch gegenseitige Beeinflussung, jedoch auf transparente und faire Art und Weise. Mit der Einführung der E-Vergabe ging nämlich auch eine Verschärfung der Regeln einher, was zwischen Bewerbern und Auftraggebern erlaubt ist und wer überhaupt in ein Vergabeverfahren involviert sein darf, um Interessenskollisionen zu vermeiden. Durch den deutlich höheren Grad an Abbildung und Sicherstellung von Dokumenten, welche die gesamte Kommunikation zwischen Bewerbern und Auftraggebern ersichtlich macht, verringert sich hier deutlich der Spielraum.

Neben der Zunahme der Transparenz erhöht sich aber auch die Effizienz. Ein Verfahren im Oberschwellenbereich, bei Lieferungen und Dienstleistungen ab 221.000 Euro und bei Bauleistungen ab 5.548.000 Euro, kostet in der Regel für Auftraggeber und Bieter zusammen etwa 30.000 Euro. Oft könne durch das Verfahren gar nicht so viel eingespart werden, wie das Verfahren koste, so Jakubitz. Durch die E-Vergabe rechne man nun mit einer Reduktion der Kosten von 5-10 Prozent. Jakubitz ist davon überzeugt, dass innerhalb der nächsten 3-4 Jahre alle öffentlichen Ausschreibungen, nicht nur jene im Oberschwellenbereich, elektronisch abgewickelt werden.

Funktionsweise von E-Vergabeportalen

Prinzipiell lassen sich Vergabeportale in dokumenten- (meist Pdf-)orientierte und datenzentrierte unterscheiden. Während bei Ersteren die Unterlagen zunächst heruntergeladen werden und nach ihrer Bearbeitung zumeist als Pdf wieder hochgeladen werden, versuchen datenzentrierte Portale möglichst jedes Eingabefeld als aktives Feld zu gestalten. Die Auswertung und Bearbeitung der Angebote wird für den Auftraggeber dadurch wesentlich erleichtert, weshalb datenzentrierte Portale laut Jakubitz eindeutig die Zukunft darstellen. Der Ablauf einer E-Vergabe erfolgt in beiden Fällen grundsätzlich recht ähnlich wie bisher: Die Unterlagen werden vom E-Vergabeportal heruntergeladen oder der Bieter springt direkt via Link in die zu bearbeitenden Dokumente, und das Angebot wird erstellt. Dann wird dieses auf Bieterseite verschlüsselt, digital signiert und auf den Server des Providers geladen.

In diesem Moment verlässt es das Angebot den Verantwortungsbereich des Bieters, und die Verantwortung geht auf den Auftraggeber über. Bereits außerhalb der Reichweite des Bieters versieht der Provider – der quasi die Rolle des Postamtes übernimmt – das Angebot elektronisch mit einem Zeitstempel und prüft die Signatur. Anschließend wird es an die E-Vergabeplattform übertragen, wo es gespeichert wird und erst nach Ablauf der Frist vom Auftraggeber heruntergeladen werden kann. Auch alle Fragen an den Auftraggeber werden elektronisch gestellt, dokumentiert und für alle ersichtlich abgebildet.

Digitalisierung der Kommunikation

Immer digitaler wird aber auch die brancheninterne Kommunikation.  Mit dem KnowHow-Corner-Praxis und dem KnowHow-Corner-Public präsentierte Harald Greger vom AFI eine neue Plattform zum Austausch innerhalb der Metallbau-Branche und lud dazu ein, sich sowohl online als auch offline aktiv am Dialog zu beteiligen. Mit der Frage, wie es um die Online-Präsenz der Metallbauer in Österreich generell bestellt ist, beschäftigte sich hingegen Unternehmens- und Organisationsberater Rudolf Fric. Er hat die Branche im März anhand einer Stichprobe von etwa 100 Unternehmen diesbezüglich genauer unter die Lupe genommen. 93 Prozent der untersuchten Unternehmen seien im Netz immerhin mit einer URL auffindbar. Aufrufbar sei der Link jedoch nur bei 76 Prozent und nur bei 45 Prozent war die Website auch aktuell. In den Sozialen Medien sei die Branche hingegen zu 32 Prozent, entweder mit einem Unternehmensprofil oder durch Vertreter der Führungsriege bzw. durch Manager präsent.

Mit diesen Zahlen sind die österreichischen Metallbauunternehmen im nationalen Bereich nicht weit ab vom Schuss: Laut Statistik Austria sind 86 Prozent der Unternehmen in Österreich mit einer Website im Netz präsent, wobei es in der Baubranche noch 80 Prozent sind bzw. 85 in der Kategorie 10 bis 49 Mitarbeitern. 53 Prozent der österreichischen Unternehmen sind in den Sozialen Medien vertreten, wobei sich die Baubranche zu 38 Prozent an diesen beteiligt. In der Mitarbeiter-Klasse 10 bis 49 sind es ganze 51 Prozent.

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