Interview

Mark Meyer, Siegenia Aubi

„Sicherheit nachrüsten ist signifikant teurer!“

Mark Meyer ist Vertriebsleiter Aluminium bei Siegenia, Fachautor Philipp Peters hat ihn gefragt, wie Mechanik und Mechatronik aktuell in der Sicherheitstechnik zusammenspielen.

metallbau: Herr Meyer, das Sicherheitsbedürfnis der Menschen steigt immer mehr. Merken Sie das auch?

Mark Meyer: In der Tat. Viele Hersteller von Fenstern und Türen haben deshalb bereits die Standardausstattung ihrer Produkte verbessert und deren Grundsicherheit gesteigert. Im Metallbaubereich ist zudem auch ein Anstieg bei zertifizierten einbruchhemmenden Elementen zu erkennen.

metallbau: Woran liegt das?

Meyer: Das dürfte an dem höheren Sicherheitsbewusstsein von Endanwendern und Entscheidern liegen. Sowohl in der öffentlichen Diskussion, den Medien und letztendlich auch in der Produktkommunikation der Hersteller hat das Thema zunehmend an Bedeutung gewonnen. Ausdruck davon ist u.a. die Förderung der Einbruchhemmung durch die KfW.

metallbau: Sind mechatronische Bauelemente auch ein Sicherheitsfaktor oder eher Komfort-Produkte?

Meyer: Natürlich geht es dem privaten Endkunden auch um das Thema Sicherheit, doch der Komfortgedanke spielt oftmals die gewichtigere Rolle. Eine Sensorik zur Fensterzustandsüberwachung oder motorisierte Mehrfachverriegelungen für den automatisierten Verschluss verbessern die Sicherheit und Einbruchhemmung, bedeuten zudem aber auch einen Komfortgewinn, z.B. durch die Fernbedienung oder Fernabfrage der Elemente. Das dies durchaus ein Trend ist, ist daran zu erkennen, dass manche Fenster- und Türenhersteller ihre Produkte grundsätzlich mit Sensorik ausstatten oder vorrüsten. 

metallbau: Das gibt ein sicheres Gefühl. Jeder kennt das: Man ist unterwegs und fragt sich, ob der Herd aus ist und alle Fenster zu sind. Meistens hat man dran gedacht, nun kann man sich vergewissern. Aber zur Einbruchsicherheit hilft immer noch ein schwerer Riegel am besten.

Meyer: Das ist in der Branche anerkannt. Eine vernünftige mechanische Sicherung ist der erste und wichtigste Schritt. Wenn die Sicherheitstechnik ihre Arbeit dann im Gegensatz zum „schweren Riegel“ unsichtbar, z.B. in Form von verdeckt liegenden Beschlägen mit Komfortpilzbolzen und Sicherheitsschließblechen, verrichtet, ist die Akzeptanz beim Endanwender besonders hoch.

metallbau: Ist die Mechatronik denn außen vor?

Meyer: Keinesfalls. Sie hat vielmehr deutlich an Bedeutung gewonnen, jedoch eher beim Thema Gebäudeautomatisierung oder Smart Home. Für den privaten Endanwender ist die Mechatronik mit Blick auf den Sicherheitsgedanken derzeit noch als eher zweitrangig anzusehen.

metallbau: Und wie sieht es generell mit der Bereitschaft der Endkunden aus, für Sicherheit Geld auszugeben?

Meyer: Meiner Erfahrung nach ist diese Bereitschaft durchaus gegeben. Wichtig ist in meinen Augen, dass Fachhändler und Handwerker ihre Kunden adäquat informieren und beraten. Gerade für Bauherren ist eine Sicherheitsausstattung im Rahmen eines Neubaus günstiger als eine spätere Nachrüstung.

metallbau: Über welche Differenz reden wir hier?

Meyer: Pauschal kann man das schwer sagen. Aber gehen Sie davon aus, dass eine Nachrüstung signifikant teurer wird. Da sollte man beim Neubau nicht sparen.

metallbau: Zahlen lügen nicht. Auch die Einbruchsstatistiken nicht. Nirgends ist der Schaden so groß wie beim Wohnungseinbruch. Nicht mal, wenn in eine Bank eingebrochen wird. Das müsste Ihnen doch in die Karten spielen?

Meyer: Ja, dieses Bewusstsein hat sich durchgesetzt – Endanwender wollen sich schützen. Und die aktuellen Statistiken zeigen, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche zurückgeht. Das liegt u.a. daran, dass Privatwohnungen und Häuser deutlich besser geschützt werden.

metallbau: Warum subventioniert die KfW nur Nachrüstung?

Meyer: Ich kann es mir auch nur damit erklären, dass die Nachrüstung eben deutlich teurer ist und die Renovation den höheren Marktanteil hat. Natürlich fände ich es aber sinnvoller, wenn alle Maßnahmen zum Einbruchschutz gefördert würden.

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