Marktübersicht

Schiebe- und Hebe-Schiebeelemente

Großzügige Verglasungen fordern technische Höchstleistungen, denn es kommt sowohl auf maximale Dichtigkeiten als auch auf höchste statische Belastbarkeiten an. Die Marktübersicht stellt 15 Systemgeber und Anbieter von Schiebe- und Hebe-Schiebeelementen mit insgesamt 49 Lösungen vor. Die Tabelle finden Sie ausschließlich in der Printausgabe beziehungsweise im digitalen Archiv. 

Moderne Schiebe- und Hebe-Schiebeelemente sprechen die Formensprache zeitgemäßer Architektur: klare Konturen, maximale Transparenz und schmale Profilansichtsbreiten. „Am liebsten möchte man eine rahmenlose Ganzglasoptik, was jedoch physikalisch nicht funktioniert“, sagt Steffen Rapp, Product Marketing Manager CSEE and Turkey, von Wicona. „Es ist aber möglich, die Anschlüsse an Boden, Wand und Decke in das Gebäude einzulassen. Das ergibt allerdings dann neue Herausforderungen bei der Entwässerung. Und im Stulpbereich sowie der Verhakungszone gibt es keine unsichtbaren Lösungen.“

Breite und bodentiefe Glaselemente sind vor allem durch die heute übliche 3-fach-Verglasung schwer und bringen oft einige hundert Kilogramm auf die Waage. Das erfordert nicht nur besondere Führungs- und Beschlagsysteme, sondern setzt auch der händischen Bedienbarkeit manchmal Grenzen. Viele Hersteller bieten deshalb halb- oder vollmotorische Varianten an. „Zudem wünschen Architekten und Bauherren hohe Schalldämmwerte und Schlagregendichtheit, eine einfache Einbindung in Smart-Home-Systeme, niedrige Schwellen bzw. vollständige Barrierefreiheit sowie hohen Einbruchschutz“, berichtet Gerrit Höltkemeier, Leiter Produktmanagement Schiebesysteme bei Schüco. „RC2 ist schon fast Standard.“ Für die Weiterentwicklung hochdichter Systeme ist Schüco eine strategische Partnerschaft mit der Schweizer Krapf AG eingegangen, die das luftdichte, boden- und deckenbündige Schiebefenstersystem air-lux entwickelte. „Ob Klassik-, Panorma- oder Faltdesign: Welche Schiebekonfiguration bevorzugt und welche eher Nischenprodukte sind, ist allerdings stark abhängig vom jeweiligen Marktsegment und Land“, so Höltkemeier.

Versatzschiebesysteme auf dem Vormarsch

Auch Heroal registriert großes Interesse „an ästhetisch schlanken Systemen oder Varianten, bei denen viel Glas und wenig Profil sichtbar ist“, sagt Malte Morgenroth, Produktmanager für Schiebe- und Hebe-Schiebe-Elemente bei Heroal. Allerdings erforderten diese Systeme eine gründliche Planung des Gebäudes mit entsprechender Entwässerung usw. „Daher ist der Einsatz von diesen Schiebeelementen bei einer Renovierung kaum oder nur mit hohem Aufwand möglich.“ Auch bewegten sich diese Systeme aufgrund des Herstell- und Montageaufwands in einer deutlich höheren Preisklasse als die üblichen Schiebesysteme. „Als Konsequenz werden tatsächlich viel öfter die Standard-systeme gewählt, die für die Verarbeiter ohne besonderen Aufwand oder Fachkenntnisse herstellbar sind, wie zum Beispiel Verklebungen von Glas mit Aluminiumprofilen“, so Malte Morgenroth weiter.

Wicona hat mit dem Hebe-Schiebesystem Wicslide 150 PS ein Versatz-Schiebesystem entwickelt, das mit geringen Bedienkräften und hohen Dichtigkeitswerten in Bezug auf Schlagregen und Wind punktet. Das System schwenkt über eine Kulissensteuerung nach innen und lässt sich leicht zur Seite schieben. Einsatz soll es vor allem im exklusiven Hochhausbau von Innenstädten finden und die üblichen Dreh-Kippfenster ersetzen, die beim Öffnen den knappen Nutz- bzw. Wohnraum vielfach blockieren. An der Außenseite sichert ein Geländer oder französischer Balkon, sofern es keinen Balkonaustritt gibt. „Vermutlich werden die Versatz-Schiebesysteme künftig die Parallel-Schiebe-Kippsysteme ablösen, weil Fehlbedienungen für nicht eingewiesene Personen fast zwangsläufig sind“, prognostiziert Steffen Rapp.

Metallbauer brauchen Verlässlichkeit

Systemgeber haben erkannt, dass sie die Verarbeiter in Bezug auf die Fertigung von Elementen mehr und mehr unterstützen müssen. Notwendig wird dies, weil einerseits der Fachkräftemangel unverändert hoch ist und andererseits die erforderliche Fertigungstiefe für hochmoderne Systemelemente nicht von jedem Betrieb zu stemmen ist. „Kleinere Metallbauer arbeiten vorwiegend mechanisch oder teilautomatisiert. Nur spezialisierte, größere Betriebe verfügen über vollautomatisierte CNC-Bearbeitungszentren“, erklärt Nicole Gorit, Produktmanagerin Schiebesysteme bei Schüco. „Wir möchten aber, dass auch die kleineren Betriebe unsere Systeme verarbeiten können. Abhilfe schafft zum Beispiel unsere Schiebesystem-Plattform ASE 60/80. Mit Multifunktionsprofilen, einem modularen Beschlagsystem und vielen Gleichteilen kann die Verarbeitung flexibel auf die Situation der Metallbauer ausgerichtet werden.“ Das Schiebesystem Schüco ASE 60/80 wurde mit verschiedenen Design Awards prämiert.

Für Verarbeiter ist auch die Planungssicherheit ein wichtiges Kriterium. Sie müssen davon ausgehen können, dass das vom Architekten geplante Produkt auch umgesetzt werden kann und keine unnötigen Umplanungen stattfinden. „Nur dann kann er genau kalkulieren und anbieten“, sagt Steffen Rapp. „Auch braucht der Metallbauer Verlässlichkeit seitens der Systemgeber. Sie müssen geprüfte Systeme, eine prozesssichere Verarbeitung, ordentliche Dokumentation und Software zur Planung und Verarbeitung zur Verfügung stellen.“

Bei Heroal fokussiert man sich beispielsweise auf Systemlösungen, „die der Metallbauer einfach und mit seinen bekannten Kenntnissen und Möglichkeiten herstellen kann“, sagt Malte Morgenroth. Ein Beispiel ist das Schiebetürsystem heroal S 65. Die Elemente können mit einer herkömmlichen Verglasung ohne Verklebung hergestellt werden. Dank weniger Fräsbearbeitungen, einer sehr geringen Komplexität der Bauteile und einem ausgereiften Vorfertigungsgrad ist die Fertigung einfach und schnell möglich. „Das System könnte sogar ohne ein Bearbeitungszentrum hergestellt werden. Benötigt werden gerade einmal fünf neue Bohrlehren“, hebt Morgenroth hervor. Auch unterstützen viele Systemgeber die Verarbeiter durch leicht verständlich erklärte technische Dokumentationen, Verarbeitungsanleitungen mit Bildern, Videos usw., Ersteinweisungen und Schulungen sowie Service. Das ist auch dem permanent hohen Fachkräftemangel geschuldet, denn viele Metallbauunternehmen müssen unterdessen auch angelernte Kräfte einsetzen. Support wird auch bei kniffligen Fragen wie Baukörperanschlüssen geleistet. Einige Hersteller bieten sogar Montageunterstützung an.

Darauf kommt es an

Wo liegen die Grenzen von Schiebe- und Hebe-Schiebeelementen, insbesondere in technischer und praktikabler Hinsicht? Dazu Malte Morgenroth: „Je schmaler die Profilansichten, desto geringer ist die Stabilität und desto kleiner sind die möglichen Abmessungen. Große Schiebetüren mit extrem schmalen Profilen lassen sich daher nur über die Stabilität der Verglasung realisieren.“ Dazu werden die Profile auf das tragende Glas geklebt, wofür spezielle Kenntnisse und Zertifizierungen notwendig sind, die aber laut Morgenroth nur wenige Verarbeiter besitzen. Aus diesem Grunde werden überwiegend Schiebetüren gefertigt, die die Stabilität über die Profile erreichen. Nicole Gorit sieht die Abmessungen der Bauelemente beispielsweise auch durch die Flügelgewichte begrenzt. „Manuell bedienbare Anlagen empfehlen wir nur bis zu einem Flügelgewicht von 500 Kilogramm, andernfalls werden die Bedienkräfte zu hoch.“

Wer Schiebe- oder Hebe-Schiebeelemente verarbeitet und montiert, braucht vor allem genaue Informationen über die Einbausituation und die geplante Nutzung. Es macht einen Unterschied, ob die Bauteile im privaten Wohnbau, in einem Krankenhaus, einem öffentlichen Gebäude oder einer Kita zum Einsatz kommen. Eine wesentliche Frage ist beispielsweise, ob die Nutzer die Schiebeanlage überhaupt händisch bedienen können. Nicht nur die Anforderungen und Leistungseigenschaften können verschieden sein, auch die regional gültigen Bauordnungen machen unterschiedliche Vorgaben. Schüco lenkt den Blick noch von einer anderen Seite auf das Thema Schiebetür. Die eigens erstellte Microsite www.schueco.com/meineschiebetuer/ soll dem Endkunden die Entscheidung zwischen Klassik-, Faltschiebe- und Panoramadesign erleichtern. Beispielsweise, welche Öffnungsart, welche Durchgangsbreite und welche Profilansicht zum Bauvorhaben perfekt passt.

Metallbauer, die solche Anlagen für Endkunden umsetzen möchten und dabei keine Planungsleistungen von Architekten in Anspruch nehmen, brauchen umfangreiches Fachwissen. „Dabei spielt auch das Thema Bauphysik eine große Rolle, um bei Bauanschlüssen Feuchtigkeits- und Schimmelprobleme zu vermeiden“, meint Steffen Rapp. „Bei motorischer Bedienung sind Kenntnisse der Schutzklassen gefordert.“

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