Veranstaltung

VFF-Kongress

Klimaschutzmaßnahmen sichern Markt

Dank Klimaschutzziele stehen die Zeichen langfristig auf Wachstum. Gegen aktuelle Lieferprobleme und Preiserhöhungen helfen sich die Unternehmer mit Hamstereinkäufen. Aufrufe zu gemäßigtem Verhalten seien geboten, würden aber sicher im Engagement für das je eigene Unternehmen überhört. VFF-Vizepräsident Detlef Timm machte kein Hehl aus der misslichen Situation.

Rund 250 Teilnehmer waren zum zweitägigen VFF-Kongress nach Berlin gekommen. Die Pandemie, die Explosion der Preise, die Juli-Flutkatastrophe, Lieferschwierigkeiten von Material – Gesprächsstoff gab es reichlich. Schwerpunkt des Programms waren Digitalisierung und Klimaschutz.

„Die jüngste Nachfinanzierung des Klimapakets zeigt, dass die Fördermaßnahmen zur Fassadensanierung genutzt werden – Bauherren die Marktanreize dankbar annehmen“, stellte Frank Lange fest. Der VFF-Geschäftsführer appellierte an die Politiker, dass auf die Verstetigung der Förderprogramme geachtet werden sollte. Lange geht von weiterem Wachstum für die Leistungen des Fenster- und Fassadenbaus aus. Nach der Novelle des Klimaschutzgesetzes soll der Gebäudesektor bis zum Jahr 2030 seine CO2-Emissionen um 45 % (67 Mio. t) reduzieren.

Ohne Renovierungswelle ist das nicht machbar. Dazu wäre eine Sanierungsrate von sechs Prozent nötig, die aktuell aber bei nur einem Prozent liegt. „Die Sanierungsrate in den nächsten Jahren auf zwei Prozent zu steigern, halte ich für machbar, drei Prozent sind in der Kürze nicht umsetzbar“, konstatiert der Branchenexperte. Herausforderung auf diesem Weg sei vor allem der Fachkräftemangel (+2.000 neue Mitarbeiter pro Jahr), der teils über die Zuwanderungspolitik zu lösen sei. Die Steigerung der Produktivität beispielsweise durch Vorfertigung könnte ebenso zusätzliche Kapazitäten schaffen. In Bezug auf den aktuellen Zuwachs betonte VFF-Präsident Meeth, dass er die Lage eher für unklar halte. „Einige Branchenfirmen haben einen stagnierenden Absatz gemeldet, garantiert sind hingegen die Umsatzzuwächse aufgrund der Preiserhöhungen!“ Die Materialbeschaffung werde sich im Laufe der nächsten Jahre wieder entspannen; davon ist Lange überzeugt.   Fortsetzung online

Digitalisierung

Ohne Diskussion ist die Digitalisierung im Bauwesen alternativlos, angefangen von den Abläufen der Planung über die Fertigung und Montage auf der Baustelle bis hin zum Smart Home der Bürogebäude und Ein- sowie Mehrfamilienhäuser. Das Länderranking (2020/Statistika 2021) für den Anteil von Glasfaseranschlüssen zeigt auf, wie weit Deutschland der digitalen Entwicklung hinterherhinkt. Deutschland befindet sich mit einem Glasfaseranteil von 5,4 Prozent auf Platz 34 der OECD-Staaten hinter Israel, wie Referent Sascha Lobo berichtete. Die ersten vier Listenplätze belegen Südkorea, Japan, Litauen und Schweden. Hinsichtlich der Baubranche konstatierte der Internet-Unternehmer und Spezialist für Digitalisierung: „BIM ist die Grundlage der Digitalisierung im Bauwesen, die BIM-Arbeitsweise wird in den nächsten Jahren wettbewerbsentscheidend für die baubeteiligten Firmen sein.“ Online-Plattformen bezeichnete er als moderne Unternehmensformate.

Über die schrittweise Digitalisierung eines Fensterbaubetriebs referierte Markus Jungbluth am Beispiel der Helmuth Meeth GmbH. In der Firma des VFF-Präsidenten sind ca. 150 Mitarbeiter beschäftigt; mit der Produktion von jährlich ca. 75.000 Fenstereinheiten werden ca. 20 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet. Das erste EDV-System wurde 1986 eingeführt, vernetzt wurden die Computer seit den 1990-er-Jahren. Das ERP-System wurde 1998 eingeführt und 2010 mit Installation einer automatisierten Fertigungsanlage erneuert. „Das integrierte ERP-System wurde Basis für die Materialwirtschaft, für digitale Beschaffungsprozesse, Fertigungsplanung und Steuerung. Es ist der Meilenstein für die papierarme Fertigung“, informierte Jungbluth. Dank CRM-System und DMS-System konnten in den Büros die mit Aktenordnern gefüllten Regale abgebaut werden. 2016 wurde ein eProcurement installiert, 2017 elektronische Lieferscheine. Aktuelle Themen der Digitalisierung seien Cloudwindow; darunter wird die Digitalisierung des gesamten Lifecycles eines Fensters verstanden. Neue Impulse für das Betriebsmanagement erhält das Fensterbauunternehmen via Data Mining. Um beschädigte Gläser — beispielsweise mit Lufteinschluss — aus dem Produktionsfluss zu nehmen, wird eine KI-basierte Qualitätsprüfung bei Isolierglasscheiben genutzt. „Die digitale Fehlersuche ist viel präziser, frühere Mitarbeiter in der Qualitätsprüfung sind in der Verantwortung entlastet und haben Kapazitäten für andere Aufgaben“, resümiert Jungbluth, der die IT und das Geschäftsprozessmanagement leitet.

Spendenaktion für die Juli-Flut

Der Verband der Fenster- und Fassadenhersteller hat beim Kongress seine derzeit 350 Mitglieder zu Spenden für die Juli-Flutkatastrophe aufgerufen. Das Präsidium hat die Aktion beschlossen. „Wir haben uns für zwei Projekte in der Eifel entschieden, die wir beim Wiederaufbau finanziell unterstützen werden“, kündigte VFF-Präsident Helmut Meeth an. Sein Heimatort Wittlich (Rheinland-Pfalz) sei ebenfalls vom Hochwasser betroffen gewesen, er kenne einige geschädigte Lieferanten, Mitarbeiter und Kunden. Das Leid berühre.

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