Surber Metallbau

Glasfassaden im Fokus

Simon Ganz ist seit 2013 für Surber Metallbau in Dietikon tätig und hat die Serviceabteilung aufgebaut. Bevor er 2019 die Co-Geschäftsleitung übernahm, hat er die Technik geleitet. Seit Januar 2025 ist der Metallbaumeister und Betriebswirt alleiniger Geschäftsführer. Mit metallbau sprach er über ganz „spezielle“ Referenzprojekte, warum die Maschinen von Creametal fürs „Nebengeschäft“ wichtig sind und über seine Wünsche für die Zukunft.

Von außen sieht man die komplexe Technik nicht, die hinter den Glasfassaden steckt, die Surber Metallbau fertigt und montiert. Ein bis zweimal im Jahr erhalten sie einen Auftrag mit einem ganz besonderen Glas, das sich von selbst verdunkelt – das SageGlass. Es wird nur von einem US-amerikanischen Hersteller gefertigt und ist im Vergleich zum normalen Glas sehr teuer.

Für ihr Firmengebäude, in das sie 2019 umgezogen sind, haben sie es ebenfalls verbaut. Wenn man in Dietikon nahe Zürich auf die Fassade blickt, sieht man von außen „nur“ das Glas – je kräftiger die Sonne scheint, desto dunkler wird es.

Die Herstellung von Glasfassaden ist das Kerngeschäft des Schweizer Metallbauunternehmens mit 65 Mitarbeitenden, darunter sieben Auszubildende – vier werden Metallbauer, drei Metallbaukonstrukteure. Der Jahresumsatz beträgt zwischen 20 und 25 Mio. Schweizer Franken.

Zu etwa 70 Prozent fertigt und montiert die Firma Glasfassaden – dazu gehören Elementfassaden und Fensterelemente. Bei den restlichen 30 Prozent der Aufträge handelt es sich um die Herstellung von Fenstern und Türen aus Aluminium und Stahl.

Die Fertigung von Geländern gehört nicht zum Kerngeschäft, umso wichtiger ist es Simon Ganz, diesen Prozess zu automatisieren. Der Geschäftsführer stellt fest: „Wir akquirieren im allgemeinen Metallbau grundsätzlich nicht aktiv – Treppen und Geländer übernehmen wir dann, wenn es zu einem Auftrag gehört und wir für den Kunden eine Fassade liefern, oder wenn wir im Rahmen des Kundendiensts kleinere Sanierungen durchführen.“

Maschinen fürs ­Nischengeschäft

Für sein Nischengeschäft Geländerbau hat sich der Betrieb vor ein paar Monaten die Richtmaschine Crea-Wheel und die Pfostenschweißlehre Crea-Fix von Creametal angeschafft. Zum Richten der Stäbe und Staketen sei die Crea-Wheel „einfach genial“, schwärmt Ganz und führt aus: „Material aus Blankstahl müsste man nicht richten, aber es ist teurer in der Beschaffung und Beschichtung. Das Richten der günstigeren, krummen Stäbe gehört  zu den Aufgaben unserer Azubis. Mit dem Hammer war das Richten alles andere als komfortabel und nahm pro Stab gut zwei bis drei Minuten in Anspruch, je nachdem, wie stark er verbogen war. Heute werden sämtliche Vierkant- und Rundstäbe durch die Richtmaschine geführt und sind in Sekundenschnelle gerade.“ Und es gibt noch einen weiteren Vorteil: „Der Richtablauf entfernt gleichzeitig den Zunder von den Stäben. Dadurch lassen sich diese anschließend besser schweißen. Früher musste der Zunder vor dem Schweißen mit der Schleifmaschine entfernt werden. Heute erledigt die Maschine beide Arbeitsschritte in einem Durchgang und spart so wertvolle Zeit.“

Creametal bewirbt seine Crea-Wheel damit, dass sich pro Minute zehn Staketen richten lassen. Geschäftsführer Ganz ist überzeugt, dass sich die Maschine schnell amortisieren wird, auch wenn sie damit nicht „kilometerweise Geländer machen“. Generell findet er, dass der Maschinenbauer aus Kappelen im Kanton Bern immer wieder beweist, wie „unglaublich innovativ“ er ist. Die Leute von Surber schätzten sehr, dass sie die Maschinen vorab bei sich in der Werkstatt testen konnten.

Ganz betont, dass sie immer bestrebt sind, in innovative Maschinen zu investieren: „Wir wollen unser Personal schonen, aber auch schneller werden, weil in der Schweiz die Kosten für Mitarbeiter hoch sind. Wenn es irgendein Hilfsmittel gibt, um Fertigungszeiten zu verkürzen, dann schaffen wir diese Geräte an.“ So sind beispielsweise auch Montagetische der Firma Ruchser im Einsatz, mit denen sich sehr große Elemente drehen lassen und an denen ein Mitarbeiter alleine Elemente montieren kann. Während sich die Herstellung der Geländer mit den Maschinen von Creametal stark automatisieren lässt, ist das beim Kerngeschäft schwieriger. Die Fassadenprojekte haben eines gemeinsam: Sie sind sehr individuell oder wie Ganz es ausdrückt „sehr speziell“.

Einige Spezialprojekte

Die „Garage Zürich Nord“ besticht durch ihre ungewöhnliche Architektur mit drei runden Gebäude-„Ecken“, wobei eben auch die Geländer rund ausgeführt wurden. Für die Elementfassade mit 800 Elementen aus SageGlass entwickelte und fertigte Surber auf Basis des Systems von Wicona neue Profilquerschnitte. Viele Details „verstecken sich“ hinter der Fassade – wie die Dichtung, Befestigung und all jene Komponenten, die der Steuerung, Entrauchung und Entwässerung dienen. Alles wird von außen unsichtbar konzipiert und ausgeführt. „Sichtbar ist lediglich das Glas und genau das macht die Fassade so überzeugend“, sagt Ganz nicht ohne Stolz.

Eine weitere Herausforderung war die Terminplanung, da die Lieferzeiten von SageGlass bei bis zu 50 Wochen liegen – allein der Transport per Schiff dauert bis zu zwei Monate. „Die Gläser mussten also bestellt werden, schon bevor die Pläne fertig waren. Die Profile und Anschlüsse haben wir erst im Nachgang gezeichnet und später die Glasmaße angepasst. Sonst hätten wir das Projekt nicht im gewünschten Zeitrahmen fertigstellen können“, so Ganz.

Rund statt halbrund ist das Kinderspital in Zürich, ein Gebäude, das vom Architekturbüro Herzog & de Meuron geplant wurde. Für den 2022 fertiggestellten Neubau mit einem Durchmesser von 54 Metern und sieben Geschossen stellte Surber 700 Fassadenelemente aus Aluminium her. Anspruchsvoll war die Entwicklung und Herstellung der Rundbogentüren, die sich von außen unauffällig in die weiße Betonbaulaibung integrieren und deren Profile unsichtbar bleiben. Auffällig dagegen ist der pinkfarbene Haupteingang – eine Farbgebung, die durch Farbfolien im Verbundsicherheitsglas erreicht wurde. Das Projekt ist auch ein Beispiel dafür, dass Surber Metallbau bestehende Systeme von Systemlieferanten wie Raico, Wicona oder Schüco auf die gewünschte Ästhetik der Architekten hin adaptiert. „Die Planer haben in der Regel viel Fantasie und viele Ideen. Da muss man etwas sehr gut begründen, wenn etwas nicht geht“, erzählt Ganz und schmunzelt.

Ist beim Kinderspital Zürich die äußere Zylinderform das augenfälligste Merkmal, sind es bei der Swiss Life Arena in Zürich die 315 runden Fenster, die das Projekt besonders machen. Auch hier wurde das Prinzip „von außen einfach, innen komplex“ verwirklicht. Simon Ganz erläutert: „Die Dämmung und Entwässerung ist von außen nicht sichtbar und war nicht einfach umzusetzen, weil die Betonfassade eine besondere Struktur hat und nicht glatt ist. Das Glas sollte ein bisschen hervorstehen, damit das Wasser nicht eindringen kann. Wegen der Entwicklung und des Designs der Fenster haben wir die Ausschreibung gewonnen.“

Ausblick

Die Liste der Spezialprojekte ließe sich um einige verlängern. Schweizweit bekannt geworden ist Surber Metallbau mit dem Home of FIFA, dem Hauptsitz des Weltfußballverbands in Zürich, für das der Fassadenbauer die unnahbar erscheinende Gebäudehülle aus Glas und Aluminium mit Systemelementen von Wicona und Raico ausführte. Das Gebäude wurde 2006 fertiggestellt. Solche Referenzprojekte befeuern weitere Aufträge. Bei öffentlichen Auftraggebern wie der Stadt und dem Kanton Zürich oder den Kantonen Aargau und Luzern ist es zudem wichtig, dass der Betrieb ausbildet.

Wachsen will der Handwerksbetrieb nicht, sondern „wir wollen unser Renommé und unsere Mitarbeiter behalten und vor Ort produzieren – solange es geht. Wir können nicht auf Roboter umsteigen“, betont der Geschäftsführer.

www.surber.ch

„Ein Meter Geländer in unter einer Stunde“

Seit Juli 2026 bei Surber Metallbau im Einsatz: Eine Crea-Wheel-Richtmaschine, mit der sich Flachstähle sowie Rund- und Vierkantstähle schnell richten lassen, und eine Crea-Fix Pfostenschweißlehre; mit dieser lassen sich Geländerpfosten wiederholgenau herstellen. Mario Weber, Geschäftsführer von Creametal, sagt: „Im Zusammenspiel mit der Crea-Star lassen sich so mehrere Arbeitsschritte im Geländerbau optimieren – vom Richten des Ausgangsmaterials über die Herstellung der Pfosten bis zum Schweißen des kompletten Geländers.“ Laut Weber lässt sich damit ein Meter Geländer in weniger als einer Stunde herstellen und Fachkräfte werden von zeitintensiven, manuellen Arbeiten entlastet. Er hebt hervor: „Gegenüber einer konventionellen Fertigung sprechen wir von

einer Zeitersparnis von bis zu 50 Prozent. Dabei handelt es sich nicht um theoretisch

errechnete Werte: Diese Einsparungen wurden unter realen Produktionsbedingungen

bereits mehrfach gemessen und bestätigt.“

„Reinlegen, schweißen, rausnehmen, fertig!“

Eine Geländerschweißlehre von CreaMetal hat Surber Metallbau schon seit etwa 25 Jahren im Einsatz. Simon Ganz erinnert sich, dass er selbst als Lehrling schon mit einer solchen Schweißlehre gearbeitet hat, aber „da war sie noch nicht so gut wie heute“. Konkret hilft die Vorrichtung dabei, die Staketen eines Geländers zwischen den Traversen sauber zu platzieren und zwischen Ober- und Untergurt zu fixieren. „Die Stäbe müssen weder festgehalten noch eingespannt werden, sondern werden einfach eingelegt. Anschließend wird das Geländer zusammengeschweißt, herausgenommen und ist fertig“, äußert sich Ganz begeistert. Früher hätte man die Stäbe auf einen Bock gelegt und ein Distanzstück verwendet. Das Problem damit: „Das zugeschnittene Distanzstück variiert mal um ein paar Millimeter. Zudem musste man jeden Stab einzeln positionieren und heften“, erinnert sich der Geschäftsführer.

Von Mario Weber, dem Inhaber von Creametal, kommt ebenfalls ein großes Lob: „Surber ist ein Schweizer Metallbauer, der konsequent in moderne Produktionsmittel und effiziente Prozesse investiert und damit den eigenen Produktionsstandort nachhaltig stärkt.“ Das sei angesichts hoher Lohn- und Produktionskosten sehr wichtig für produzierende Unternehmen in der Schweiz.

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