Interview

Bernd Hillbrands, Orgadata-Gründer

"Auch nach dem Verkauf bleibe ich dabei."

Bernd Hillbrands war 17 Jahre alt, als er mit der Entwicklung der Software LogiKal gestartet ist. Seit 34 Jahren widmet er sich der Weiterentwicklung von Orgadata. ­Heute ist die Firma international aufgestellt und beschäftigt mehr als 600 Mitarbeiter. Im November kündigte der 51-Jährige den Verkauf seiner Firma an Forterro mit Zentrale in London an. Für den Käufer sind weltweit ca. 1.600 Mitarbeiter tätig. Den positiven Bescheid über die kartellrechtliche Genehmigung erwartet Hillbrands in Kürze. Während der BAU haben wir mit dem Softwareentwickler über seine Zukunft und die von LogiKal sprechen können.

metallbau: Wie ist der Stand des Verkaufs?

Bernd Hillbrands: Der Verkauf wurde mit der Unterschrift im Herbst 2024 besiegelt. Nichtsdestotrotz ist er bislang nicht vollzogen, weil es noch kartellrechtliche Freigaben in zwei Ländern bedarf; in Kasachstan und der Türkei, in denen entsprechend viele Geschäfte von Forterro stattfinden. In der Türkei ist auch Orgadata verpflichtet, eine kartellrechtliche Freigabe für den Verkauf einzuholen. Erfahrungsgemäß liegen derlei Genehmigungen innerhalb von drei Monaten vor. Dann können wir mit der Umsetzung starten.

metallbau: Wie macht sich der Verkauf aktuell bei Orgadata ­bemerkbar?

Hillbrands: Wie eben ausgeführt, steht die offizielle Genehmigung der Akquisition noch aus. Es gibt klare Vorgaben, was die beiden Unternehmen in dieser Phase gemeinsam tun dürfen – zum Beispiel interne Kennenlern-Besuche. In den täglichen Abläufen macht sich der Verkauf daher noch nicht bemerkbar. Aber wir spüren bereits eine Aufbruchstimmung und blicken mit viel Zuversicht in die Zukunft. Veränderungsbereitschaft prägt ohnehin das Klima bei Orgadata. Beispielsweise befinden wir uns seit rund zwei Jahren in einem Wandel, in dem wir einen noch stärkeren Fokus auf das Produktmanagement legen. Wir haben intensiv an Logikal 12 gearbeitet – ein großes Projekt, das viel Zeit und Ressourcen gefordert hat, bevor wir das Update in den Markt einführen konnten. Mit den Versionen 12.2 und 12.4 haben wir deutliche Fortschritte erzielt, insbesondere bei der Performance. Jetzt können wir unsere Ressourcen noch gezielter darauf verwenden, individuelle Kundenwünsche umzusetzen und passgenaue neue Features zu entwickeln.

metallbau: Sind jetzt schon Veränderungen für LogiKal mit
dem Verkauf absehbar?

Hillbrands: Nein, durch den Verkauf sind keine Änderungen bei Logikal zu erwarten, abgesehen von selbstverständlich fortlaufenden Weiterentwicklungen und Anpassungen in der Software.

metallbau: MES läuft beim einen oder anderen Metallbauer nicht, diese Betriebe warten auf Bescheid von Orgadata, wann ihr vor mehreren Jahren implementiertes System wieder laufen kann.

Hillbrands: Zunächst einmal bin ich froh, dass Logikal MES bis auf ganz wenige Ausnahmen gut in den Betrieben funktioniert. Das ist nicht selbstverständlich bei einem System, das der Branche so viele Vorteile bringen wird. Vor allem 2024 war ein Jahr, in dem wir einen weiteren großen Sprung nach vorne getan haben. Vorher hat es beispielsweise manchem zu lange gedauert, die Daten von Logikal in MES zu exportieren, deshalb haben Betriebe vereinzelt ihre Anwendung wieder zurückgesetzt. Jetzt hat unser MES einen Stand erreicht, der unseren Vertrieb zusätzlich bestärkt, aktiv auf unsere Kunden zuzugehen. Unsere ambitionierten Ziele zur Einführung von MES sollten zu schaffen sein.

metallbau: Erwarten Sie technische Impulse von Forterro für MES?

Hillbrands: In Forterro gibt es MES-ähnliche Produkte, da wird es sicher einen Austausch geben und wir werden Dinge gemeinsam betrachten. Wir werden uns in unserem Wissen und in unseren Kompetenzen gegenseitig ergänzen und unterstützen. Die prinzipielle Arbeitsweise von Logikal MES wird bestehen bleiben.

metallbau: Wie Sie schon festgestellt haben, Orgadata ist Marktführer in Deutschland – etwa zwei Drittel der Metallbauer nutzen LogiKal. Sollte es durch die Fusion technische Probleme geben, kann dies den einen oder anderen Betrieb hart treffen.

Hillbrands: Wir sind uns unserer Bedeutung für die Branche und die Betriebe bewusst. Ein Unternehmen wie Forterro kauft einen Softwareanbieter, um ihn weiterzuentwickeln. Das Ziel ist, Wachstum zu fördern und den Markt auszubauen – mit Produkten, die in Qualität und Leistung weiterhin überzeugen.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzen wir auf gezielte Umgestaltungen, die uns als Unternehmen weiter stärken. Besonders im Bereich Kundenbetreuung und -beratung werden wir uns noch breiter aufstellen, denn sowohl Forterro als auch Orgadata wissen, wie entscheidend ein starkes Expertenteam für unsere Kundinnen und Kunden ist.

metallbau: Wenn die Fusion im April startet, was ist geplant?

Hillbrands: Am Anfang stehen die klassischen Integrationsthemen im Fokus, wie der Aufbau der Shared Services. Forterro hat zentrale Funktionen für bestimmte Aufgaben, die auch Orgadata unterstützen und stärken werden. Unsere hoch motivierten Teams bleiben dabei unverzichtbar – sie sind und bleiben der Kern unseres Erfolgs. Eine der größten Veränderungen wird sein, dass einige Teams künftig direkt mit den Kolleginnen und Kollegen von Forterro zusammenarbeiten, beispielsweise in Bereichen wie IT-Sicherheit. Das bedeutet, dass sie ihre Berichterstattung nicht mehr ausschließlich nach Leer richten, sondern auch an Forterro in London. Es handelt sich dabei nicht um eine Umstellung der Hierarchiestruktur, sondern um eine Matrixstruktur, die dafür sorgt, dass wichtige Aufgaben, wie etwa IT-Sicherheit, zentral gesteuert und noch effizienter gestaltet werden.

metallbau: … und weiter hat der Verkauf auf die Strukturen von Orgadata keine Auswirkungen?

Hillbrands: Unsere Entwickler werden weiterhin mit voller Kraft an der Weiterentwicklung von Logikal arbeiten, und unser Vertriebsteam wird wie gewohnt unsere Programme und Tools in den Markt bringen. Die geschäftsbezogenen Einheiten bleiben in ihrer bewährten Form bestehen. Lediglich im Bereich der Backend-Services wird es Anpassungen geben, um Synergien mit Forterro optimal zu nutzen.

metallbau: Forterro ist auf Industriekunden spezialisiert, wie sehen Sie, dass dies mit Ihren Metallbaukunden harmoniert.

Hillbrands: Forterro fokussiert sich auf dem produzierenden Bereich. Das schließt sowohl industrielle Kunden als auch handwerkliche Unternehmen ein – mit Produkten wie Myfactory oder Proffix bedient Forterro bereits heute einige Betriebe aus dem Fensterbau. Für uns bleibt Logikal dabei unabhängig: Es gibt keine Pläne, es ausschließlich an Forterro-ERP-Systeme anzubinden.

Unsere bewährten Partnerschaften mit T.A. Project und CAD-Plan bleiben unverändert bestehen. Gemeinsam treten wir weiterhin auf Messen auf und präsentieren unsere Lösungen an einem Stand. Diese langjährige Zusammenarbeit hat eine starke Basis geschaffen, und daran wird sich nichts ändern – auch wenn wir künftig unternehmensintern Zugriff auf ERP-Systeme haben.

metallbau: Sie halten Ihre Schnittstellen also offen?

Hillbrands: Genau. Das haben wir schon bei der Übernahme des Softwareentwicklers Unilink so gemacht – und das, obwohl es in deren Programm Schnittstellen für Mitbewerber von Logikal gibt. Unser Ziel ist es, unseren Kunden echten Mehrwert zu bieten und sie durch die Qualität und Leistung unserer Produkte zu überzeugen – nicht durch geschlossene Schnittstellen oder Einschränkungen. Offenheit ist für uns ein zentraler Bestandteil, um langfristige Partnerschaften zu stärken.

metallbau: Mit dem Fokus auf Industriekunden ist Forterro ein internationales Unternehmen. Wie international ist Orgadata?

Hillbrands: Wir erwirtschaften über 30 % unseres Umsatzes in Deutschland und knappe 70% im Ausland – ganz grob kann man sagen: ein Drittel in Deutschland, ein Drittel in Westeuropa und ein Drittel in allen weiteren Teilen der Welt. In Frankreich sind wir gut aufgestellt. In der Schweiz, Österreich, Belgien und den Niederlanden sind wir Marktführer; in den Niederlanden sind die Betriebe größer, dort hat ein Betrieb im Schnitt zehn Lizenzen, hierzulande liegen wir bei zwei.

metallbau: Laut Berichten in lokalen Tageszeitungen soll ­Orgadata in der Forterro-Abteilung für „windows and doors“ eine maßgebliche Rolle spielen  – wer ist da noch mit von der Partie?

Hillbrands: Diese Abteilung wird ihre Zentrale in Leer haben; aktuell ist sie am Standort Karlsruhe angesiedelt, wird aber dann verlegt. Ich werde diese Abteilung leiten, aber nicht als Geschäftsführer, sondern als Managing Director. Zu diesem Bereich gehört neben Orgadata heute schon Business Micros. Das ist unser englischer Händler gewesen, der zudem ein Programm für Kunststoffprofile im Fensterbau anbietet. Orgadata ist das größte Unternehmen der Abteilung, diese wird wahrscheinlich noch weiterwachsen. Es ist da einiges in Planung, aber noch nichts spruchreif.

metallbau: Wer wird der Geschäftsführer von Orgadata?

Hillbrands: Das ist Marcus Pannier, der Präsident von Forterro Central Europe. Er übernimmt die Position des Geschäftsführers. Das ist Tagesgeschäft von Orgadata verantwortet er nicht, das wird meine Aufgabe sein.

metallbau: Und dann arbeiten Sie als sozialversicherungspflich­tiger Mitarbeiter 40 Stunden in der Woche?!

Hillbrands: Nein, ich werde genauso viel Zeit für Logikal aufwenden wie bisher. Allerdings wird künftig weniger Zeit für Betriebsmanagement, Bürokratie und das Finanzamt nötig sein. Stattdessen kann ich mich noch stärker auf die inhaltliche Weiterentwicklung unserer Produkte konzentrieren. In dieser Hinsicht bleibe ich weiterhin verantwortlich. Natürlich gibt es übergeordnete Bereiche, in denen wir besprechen, in welche Richtung sich unsere Programme entwickeln sollen. Dieses strukturierte Vorgehen wird Orgadata sicher guttun. Wir haben in der Vergangenheit schon sehr professionell gearbeitet, aber durch Forterro und deren externen Blick haben wir gemerkt, dass es noch einige Stellschrauben gibt, an denen wir drehen können. Ich kann jetzt schon sagen, dass mir diese Entwicklung viel Freude bereitet. Natürlich kann ich nicht ganz genau vorhersagen, wie es mir in der Rolle als Angestellter gehen wird, aber ich spüre eine große Vorfreude, weil ich mich wieder voll und ganz auf das konzentrieren kann, was mir schon in der Vergangenheit so viel Spaß gemacht hat.

metallbau: …wird Ihnen nicht die unternehmerische Gestaltungsfreiheit abgehen?

Hillbrands: Ich bin zuversichtlich, dass mein Einfluss auch in der neuen Rolle weiterhin existent sein wird. Auch wenn ich mich künftig auf bestimmte Bereiche eines größeren Unternehmens mit etwa 2.000 Mitarbeitern konzentriere, wird die Wirkung meines Handelns nach wie vor spürbar sein. Ich bin vom Betriebsmanagement entlastet, wodurch ich mich stärker auf die Weiterentwicklung von Orgadata konzentrieren kann – und Orgadata wird nach wie vor eine zentrale Rolle spielen.

metallbau: So sieht es bislang aus …

Hillbrands: Es gibt in Europa nicht so viele größere Unternehmen für Programme im Fenster-/Türsektor, die noch in die neue Abteilung von Forterro aufgenommen werden könnten.

metallbau: Beim Verkauf von Tenado hat die Branche zuschauen können, wie der Geschäftsführer André Kohut nach einem Jahr Firmenintegration in Revalize zu einem Mitbewerber gewechselt ist.

Hillbrands: Auch wenn ich grundsätzlich frei dafür wäre, kann ich mir derzeit nicht vorstellen, für ein anderes Softwareunternehmen zu arbeiten. Meine Zukunft sehe ich klar bei Orgadata und Forterro. Das Thema Nachfolgeregelung wurde im vergangenen Jahr unerwartet relevant, da sich mein Geschäftspartner Karsten Tiemeyer aus persönlichen Gründen auf den nächsten Lebensabschnitt konzentrieren möchte. Mein Plan war immer, bis zum Alter von 60 Jahren meine Unternehmensnachfolge zu regeln. Nachdem mein Sohn sein eigenes Softwareunternehmen in Berlin gegründet hat und sich klar auf diesen Standort festgelegt hat, habe ich die Initiative ergriffen – auch wenn die Umsetzung nun ein paar Jahre früher erfolgt ist als ursprünglich angedacht.

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