Fenstersanierung

Spannungsfeld Investition und Einsparung

Die Studie „Vergleich Graue Energie“ (März 2026) des ift Rosenheim im Auftrag des VFF liefert belastbare Daten – primär zur Relation von grauer Energie und Energieeinsparung. Geleitet wurde das Projekt von Norbert Sack. „Die Studie zeigt: Der Austausch alter Fenster ist eine effiziente Maßnahme mit schneller Wirkung. Die Investition rechnet sich energetisch und ökologisch bereits nach wenigen Jahren“, so Frank Lange, Geschäftsführer des VFF. Die vollständige Studie finden Sie unter www.metallbau-magazin.de zum Herunterladen.

Ein Blick auf den Bestand zeigt erhebliches Potenzial: Über 80 % der verbauten Fenster stammen aus der Bauperiode 1978 bis 1995 und verfügen über unbeschichtetes Isolierglas mit vergleichsweise hohen U-Werten. Ferner sind im Bestand noch ältere Fensterkonstruktionen wie Einfachverglasungen oder Kastenfenster vorhanden. Die Studie belegt, dass sich ein Fenstertausch insbesondere bei U-Werten zwischen 4,7 und 2,7 W/(m²K) lohnt. Moderne 3-Fach-Wärmedämmfenster erreichen Werte bis etwa < 0,6 W/(m²K), entsprechend groß ist der Hebel einer energetischen Sanierung.

Entscheidend: Energieträger & Bestandsfenster

Die ift-Studie quantifiziert die Einsparpotenziale detailliert; der vorliegende Artikel geht vor allem auf Erdgas als Energieträger ein. Wichtig: Je nach Energieträger variieren die Werte allerdings deutlich! Beim Austausch eines Einfachfensters durch ein modernes Fenster mit 2-Fach-Wärmedämmglas ergeben sich Einsparungen von rund 331 kWh/(m²a) bei Erdgasheizung. Beim Einsatz von 3-Fach-Verglasung steigt dieser Wert auf bis zu 351 kWh/(m²a). Auch bei weniger schlechten Ausgangsfenstern bleibt das Einsparpotenzial relevant:

Austausch von Kastenfenstern: ca. 109–129 kWh/(m²a)

Austausch von älterem Isolierglas: ca. 139–159 kWh/(m²a)

Begrenzter Mehrwert

Die Differenz zwischen 2-Fach- und 3-Fach-Verglasung fällt dagegen deutlich geringer aus. Der zusätzliche Einspareffekt liegt je nach Energieträger typischerweise zwischen rund 9 und 24 kWh/(m²a), bei Erdgas etwa 20 kWh/(m²a). Der energetische „Mehrinvest“ in 3-Fachverglasung amortisiert sich deutlich langsamer als der grundlegende Fenstertausch.

Graue Energie als Investitionsäquivalent

Ein zentraler Ansatz der Studie ist der Vergleich zwischen eingesparter Energie und der sogenannten „grauen Energie“ – also dem Energieaufwand für Herstellung, Transport und Montage der Fenster. Für moderne Fenster ergeben sich dabei folgende durchschnittliche Aufwendungen:

2-Fachverglasung: ca. 396 kWh/m² Primärenergie

3-Fachverglasung: ca. 456 kWh/m² Primärenergie

Diese Werte können als energetisches Investitionsmaß interpretiert werden.

Energetische Amortisationszeiten

Setzt man den Herstellungsaufwand ins Verhältnis zu den jährlichen Einsparungen, ergeben sich bemerkenswert kurze energetische Amortisationszeiten von etwa 2-11 Jahren je nach Energieträger; bei Erdgasheizung häufig im Bereich von 1-5 Jahren:

Austausch Einfachfenster zweifach: ca. 1–2 Jahre

Austausch Kastenfenster zweifach: ca. 3–5 Jahre

Austausch Isolierglas zweifach: ca. 3–4 Jahre

Diese Werte lassen sich aus den Einsparraten und Herstellungsaufwendungen ableiten und bestätigen die hohe Effizienz der Maßnahme.

Über den Betrachtungszeitraum von 50 Jahren kumulieren sich die Einsparungen auf ein Vielfaches des Invests: Beim Austausch von Einfachfenstern werden beispielsweise bis zu 16.892 kWh/m² Primärenergie eingespart.

Wirtschaftlichkeit

Eine Analyse der wirtschaftlichen Amortisation war nicht Gegenstand dieser Studie. Modellhaft lassen sich wirtschaftliche Rückschlüsse ziehen. Konkretere Antworten zur Wirtschaftlichkeit gibt die Studie „Mehr Energiesparen mit neuen Fenstern.“

1. Austausch von Einfach- & Kastenfenstern:

höchste Wirtschaftlichkeit:

Hier treffen geringe Ausgangsqualität und hohe Einsparpotenziale aufeinander. Die Investition amortisiert sich schnell und generiert über Jahrzehnte erhebliche Einsparungen.

2. Austausch von Isolierglasfenstern:

solide, aber differenziert:

Die Einsparungen sind geringer, aber weiterhin wirtschaftlich – insbesondere bei hohen Energiepreisen.

3. Upgrade von Zweifach auf Dreifach:

eingeschränkt ­wirtschaftlich:

Der zusätzliche Nutzen ist vergleichsweise gering, während der Investitionsaufwand steigt. Diese Maßnahme ist vor allem unter Komfort- oder Förderaspekten sinnvoll, weniger aus rein wirtschaftlicher Sicht.

Fazit

Zentrale Ergebnisse des Forschungsberichts „Vergleich graue Energie“ sind die kurzen Amortisationszeiten:

Die energetische Amortisation (Primärenergie) erfolgt je nach Energieträger typischerweise innerhalb von circa zwei bis elf Jahren. Bei Gebäuden mit Erdgas- oder Ölheizung erfolgt diese häufig nach etwa zwei bis vier Jahren, bei Fernwärme bei etwa vier bis sieben Jahren und bei Wärmepumpen liegt sie bei rund sechs bis elf Jahren.

Die CO2-Amortisation wird in vielen Fällen noch schneller erreicht, meist innerhalb von ca. eins bis fünf Jahren. Bei fossilen Energieträgern oft innerhalb von ein bis drei Jahren. Bei holzbasierten Heizsystemen können jedoch deutlich längere Zeiträume auftreten.

Über eine angenommene Nutzungsdauer von 50 Jahren ergibt sich eine deutlich positive Energie- und Treibhausgasbilanz. Für Planer, Verarbeiter und Investoren zeigt sich: Nicht jede technische Verbesserung ist automatisch wirtschaftlich optimal. Der größte Hebel liegt im Austausch energetisch schlechter Fenster, hier vereinen sich maximale Einsparung und kurze Amortisationszeiten. Der Austausch alter Fenster ist eine der wirtschaftlich effizientesten Maßnahmen im Gebäudebestand. Bereits nach wenigen Jahren ist der energetische Investitionsaufwand kompensiert, während über die Nutzungsdauer von 50 Jahren ein Vielfaches an Energie eingespart wird.

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