Als Prüflabor für den Schiffsbau anerkannt
07.05.2026 |Auf hoher See gelten im Brandfall andere Regeln als an Land. Die nächste Feuerwache ist oft hunderte Kilometer entfernt. Deshalb ist es wichtig, dass Brandschutzelemente auf Schiffen halten, was sie versprechen, um Menschenleben und Sachgüter zu schützen. Das ift Rosenheim ist seit Ende 2025 als anerkanntes Prüflabor in der GISIS-Datenbank der International Mari time Organization (IMO) gelistet und prüft Bauelemente sowie Baustoffe für den Einsatz im Schiffsbau nach dem FTP-Code. Dieser lehnt sich an bekannte EN-Normen an. Prüfungen nach IMO-Standard stellen aufgrund der langen Prüfdauern hohe technische Anforderungen an Labor, Prüftechnik und Prüfpersonal. Neben großformatigen Prüfungen bis 8 m × 5 m liefern Prüfungen des Brandverhaltens einzelner Baustoffe wichtige Erkenntnisse bei Neuentwicklungen und ermöglichen eine ganzheitliche Betrachtung. Für Hersteller aus der Tür- und Torindustrie, die ihre Produkte bereits am ift Rosenheim prüfen lassen, eröffnet die IMO-Anerkennung einen direkten Weg in ein neues Marktsegment.
Yachten, Kreuzfahrt- oder Containerschiffe müssen viele verschiedene Räume auf engstem Platz unterbringen, beispielsweise Wohnbereiche, Küchen, Lager- oder Maschinenräume. An Bord sind zum Großteil Stahlwände verbaut, die Hitze schnell weiterleiten. So können sich Brände durch reine Wärmeleitung ausbreiten. Lange Flure, Treppenhäuser und Lüftungsschächte verstärken den Kamineffekt. Türen, Tore, Schotte und Fenster sind deswegen eine entscheidende Barriere, um die Ausbreitung von Bränden einzuschränken.
Die Anforderungen an Brandprüfungen für Schiffsbauteile und -baustoffe regelt die IMO über den „International Code for Application of Fire Test Procedures“ (FTP). Da sich dieser auf bekannte EN Normen bezieht, sind die Prüfverfahren und Bewertungsgrundlagen für viele Hersteller nicht neu. Ist ein Labor befähigt, Prüfungen des Feuerwiderstands oder des Brandverhaltens nach dem FTP-Code durchzuführen, wird dieses von der IMO in der GISIS-Datenbank gelistet. Ende 2025 wurde das ift Rosenheim von der zuständigen nationalen Behörde begutachtet und anschließend in die Liste aufgenommen.
Herstellern, die bereits am ift Rosenheim prüfen, erleichtert das den Eintritt in den maritimen Markt, da sie ihre Türen, Tore, Fenster, Schotte, Beschläge sowie Baustoffe nun aus einer Hand auch nach den Vorgaben des FTP-Codes prüfen können. Sie erhalten Nachweise, die bei Werften, Schiffsausrüstern und Reedereien weltweit anerkannt sind.
Während Brandschutzbauteile für den Einsatz an Land in der Regel über 30, 60 oder 90 Minuten auf den Feuerwiderstand geprüft werden, schreibt der FTP-Code Prüfzeiten von bis zu 120 Minuten vor. „Der Unterschied zwischen 90 und 120 Minuten Prüfdauer ist nicht zu unterschätzen. Über den gesamten Zeitraum muss die Temperatur im Ofen stabil gehalten und gleichmäßig verteilt werden. Am ift Brandschutzzentrum verfügen wir über fünf Öfen für Elemente bis 8 m × 5 m sowie die notwendige Prüferfahrung, um diese Anforderungen zuverlässig zu erfüllen“, so Dipl.-Ing. Markus Leppin, Geschäftsbereichsleiter Prüfung für die Bereiche Brand, Bauakustik und Fassade. Zudem kann auf den Prüfständen des ift Rosenheim das Brandverhalten sämtlicher relevanter Baustoffe für den Schiffsbau geprüft werden.
